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Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Di 31. Mär 2026, 16:34
von weinaffe
Hallo zusammen,

die Nord-Rhone-Verkostung musste leider wegen mangelnder Beteiligung auf den 20. November verschoben werden. Wahrscheinlich war der Termin so nahe an der Pro-Wein nicht optimal; am Preis (119 EURO für Weinakademiker, 159 EURO für Gäste) kann es wohl nicht gelegen haben, zumal das Line-up mit ca. 20, teilweise gereiften Weinen und Namen wie Jamet, Rostaing, Vernay, Gonon, Voge, Chave, Chateau d'Ampuis,Chapoutier mit seinen Lalas plus Piraten Aussergewöhnliches erwarten liess. Am Ausweichtermin bin ich aber leider verhindert und kann daher nicht berichten :x .

Letzten Freitag gab es als Trostpflaster im Rahmen meiner VHS-Seminare einen Rundumschlag in Sachen italienischer Weine, bei dem sich wieder in einer Blindverkostung 18 interessierte Teilnehmer einfanden. Folgende 15 Weine (6 x weiss, 9 x rot) wurden ins Rennen geschickt:

------ Blanc de Blancs Dossagio Zero (Alessandra Divella, Gussago) -Franciacorta-
100 % Chardonnay-- 30 Monate Hefelager---Basisjahrgang 2021 mit 10 % Reserveweinen---degorgiert 09/24---Grundwein spontanvergoren---keine Schönung und keine Filtration---keine SO2-Zugabe--- 12 Vol%.
Die Mitdreissigerin und Seiteneinsteigerin Alessandra Divella hat auf dem Etikett keinerlei Hinweis auf die Herkunft Franciacorta, sondern stellt mit Recht ihre höhergelegenen Weinberge um ihren Heimatort Gussago in den Vordergrund. Tatsächlich haben ihre absolut sauberen "Low-Intervention-Sprudler" nichts mit den gängigen Franciacortas gemein, sondern orientieren sich ganz klar in Richtung Champagne-- was ihr auch bestens gelingt:

Optisch ein mittelkräftiges Strohgelb mit auffallend feiner Perlage, in der Nase kühl, sehr mineralisch, straff mit dezenter Gelbfrucht und salin-hefigen Noten, am Gaumen furztrocken mit extrem saftiger Säure, schlank mit nachhaltiger Mineralität, Brioche,etwas Apfel, ungeheuer saftig und erfrischend, sehr geradlinig, absolut klar und reintönig, erfrischender Abgang. Das ist zweifellos auf dem Niveau eines erstklassigen BdB-Winzer-Champagners und der perfekte Aperitif und kaum zu identifizierender Pirat für eine Champagner-Blindprobe. Leider hat diese Schönheit auch das Preisniveau eines entsprechenden Schampus (ca. 44 EURO im Handel).

2020er "Podium" Verdicchio dei Castelli di Jesi DOC (Garofoli, Loreto) -Marken-
überwiegend Ausbau im Edelstahl--- 13,5 Vol%--
Einer der bekanntesten Vertreter dieser Herkunft, der schon einige Male die 3 Gläser im Gambero Rosso abgeräumt hatte.
Zartes Gelb mit grünlichen Reflexen, in der Nase fruchtseitig sehr zurückhaltend, etwas Apfel, Hauch Grapefruit, ansonsten mineralisch-steinig geprägt, aber ohne jegliche Überbetonung, dezent Kräuter, am Gaumen sehr saftig, passende Säure,etwas Agrumen, Kernobst, sehr ausgewogen und mit gewisser Eleganz, dezent kräutrig-ätherisch, Alkohol perfekt eingebunden, durchaus langer, ausgewogener Abgang. Ein perfekter Menuebegleiter für Fisch und Krustentiere. Für Liebhaber fruchtiger Weine ist das weniger geeignet und solo muss man diese Stilistik mögen. Ich mag das aber durchaus. Berechtigter Preis (ca. 17 EURO im Handel).

2023er "Tiberio" Pecorino Colline Pescaresi IGP (Antonio Tiberio, Cugnoli) -Abruzzen-
100% Pecorino--spontanvergoren---unfiltriert---stammt aus einem 3,8 ha großen Weinberg mit altem Rebmaterial---14 Vol%---
Recht intensives Gelbgold, recht komplexe, elegante Nase nach gelben Früchten, Agrumen, zarte Würze, perfekter, nur unterstützender Holzeinsatz, macht neugierig auf den ersten Schluck, am Gaumen elegant und gleichzeitig kraftvoll, die zarte Säure arbeitet aber erfolgreich für die Harmonie,zart extraktsüss, dezente Holzwürze, kraftvoll, der Alkohol (14 Vol%) ist aber optimal verpackt, keinerlei brandige Noten, sehr saftige Gelbfrucht, die aber in keiner Weise plakativ ist, Hauch Kräuter, Tick floral, findet perfekt die Mitte zwischen Eleganz und Fülle. Langer Nachhall. Großartiger Sortenvertreter und für mich der beste Weißwein des Abends. Hier stimmt Preis und Leistung (ca. 22 EURO im Handel).

2024er Eisacktaler Kerner Südtirol DOC (Manni Nössing, Brixen) -Südtirol-
Weinberge auf 650 - 800 m Höhe---Edelstahlausbau---8 Monate Feinhefe---12,5 Vol%--
Der bei uns nicht gerade sehr beliebte Kerner ist im Eisacktal sehr angesagt und bringt tatsächlich sehr gute Ergebnisse. Die 6 ha von Manni Nössing sind zu 50% (!) mit dieser Rebsorte bepflanzt, so dass man ihn wohl als Spezialisten für diese Rebsorte bezeichnen kann. Der Jahrgang 2024 brachte wohl alle klimatischen Widrigkeiten einschließlich Hagel mit sich, so dass Manni nur eine kleine Ernte einfahren konnte. Offensichtlich hat er wohl das Beste aus diesem schwierigen Jahrgang herausgeholt: in der Nase die für mich typische Kerneraromatik mit etwas Aprikose, Grapefruit,Hauch Rhabarber, kräutrigen Akzenten, ausgewogen und glasklar, im Mund absolut trocken mit saftiger Säure und viel Frische, nur mittelgewichtig, sehr saftig und im besten Sinne trinkig, mittlere Länge und fruchtig-frischer Abgang. Gelungener Sortenvertreter ( ca. 20 EURO im Handel).

2023er "Derthona" Timorasso Vino bianco (Fratelli Massa, Monleale) -Piemont-
100% Timorasso---Ausbau in Stahl und Zement---Battonage--13,5 Vol%---
Die fast ausgestorbenen Rebsorte Timorasso gilt als "Rising-Star" im Piemont und Walter Massa als Pionier dieser Rebsorte, der fast im Alleingang den Timorasso wieder salonfähig gemacht hat.
MIttelkräftiges Gelbgold, ganz dezente Steinfrucht, hefig, in der Nase leicht laktisch (vermutlich Malolaktik durchgeführt), deutet gewisse Fülle an, am Gaumen trocken mit cremiger Attitüde, wiederum etwas karamellig, deutliche Mineralität,steinig, salin, schüchterne Frucht in Richtung Zitrus und mehliger Apfel, kleiner Hauch Gerbstoff, passende, unauffällige Säure, eher kraftvoll im Auftritt, cremiger Abgang. Ein sehr individueller Wein, der mit Essen wahrscheinlich sich noch besser zeigen kann. Als Solist ist er für mich etwas langweilig und etwas zur Breite neigend, aber qualitativ sicherlich ein durchaus anspruchsvoller Wein für Liebhaber dieser Stilistik. Kein Schnäppchen (ca. 33 EURO im Handel).

2023er "Brazan" Bianco Venezia Giulia IGP (I Clivi, Mario Zanussi, Corno di Rosazzo) -Friaul-
Cuvee aus 50 % Ribolla, 40 % Friulano und 10 % Malvasia--- über 80 Jahr alte Reben---Ganztraubenpressung---Sponti---1 Jahr Fasslagerung---13,5 Vol%---
Dieser Bio-Wein stammt aus einem Weinberg im Collio Goriziano-Gebiet, direkt im Grenzgebiet zu Slowenien.
Gesunde Strohfarbe, in der Nase nur ganz dezente Frucht (Lagerapfel, Hauch Birne), wirkt schon nasal ganz auf Mineralität getrimmt, am Gaumen komplett trocken, sehr saftige Säure, Hauch (Alt-)Holz-Würze, Hauch Oregano, zurückhaltende Gelbfrucht, sehr stimmig und in sich ruhend, Alkohol unauffällig, etwas Gerbsoff-Grip, saubere Länge. Auch dieser Wein wird mit Speisenbegleitung noch mehr glänzen. Für Liebhaber dieser Stilistik aber auch Solo nicht zu verachten. Leider nicht ganz billig (ca. 33 EURO im hiesigen Handel).

Die 9 Rotweine folgen in Kürze !

LG
Bodo

Re: Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Do 2. Apr 2026, 20:01
von weinaffe
.... und weiter geht es mit den italienischen Rotweinen:

2021er Susumaniello Rosso Salento "Vigna Castello" (Castel Serranova, Lecce) -Apulien-
12 Monate Ausbau Allier-Tonneau---14 Vol%---
Susumaniello ist eine relativ früh reifende Rotweinsorte, die vermutlich aus Dalmatien stammt und in Apulien farbintensive, säurefrische Weine liefert. Sie wird zumeist als Cuvee-Partner genommen, kann aber auch als Solist Spass machen. In dieser Version ein nicht ganz blickdichtes Rubin, in der Nase reife Pflaume, Herzkirsche, sehr geradlinig, am Gaumen trocken mit etwas Extraktsüsse, Hauch Vanille vom Holzeinsatz, saftige Säure, hat durchaus Kraft (14 Vol%), reife Dunkelfrucht, nicht besonders komplex oder mineralisch, leicht eckiges Tannin, mittlere Länge. Ein saftiger, etwas rustikaler, aber ehrlicher Süditaliener zu vernünftigem Preis (knapp 14 EURO im Handel).

2019er Pinot Nero "Schweizer" Südtirol DOC (Franz Haas, Montan) -Südtirol-
12 Monate Barriqueausbau---13,5 Vol%---Z: 0,5---S: 6,15---
Sehr vertrauenswürdige Optik, durchscheinendes Rubin mit zartem Wasserrand, nasal sehr typisch mit reifer Sauerkirsche, Himbeere, Craneberries, zarter Holzeinsatz, am Gaumen trocken, deutlich extraktsüss, passende Säure, mittelgewichtiger Eindruck, rote Früchte, etwas floral, Lakritze, recht vital, zartbitterer Abgang. Sehr typischer und auch hochwertiger Spätburgunder, der aber preislich etwas zu ambitioniert ist (ca. 39 EURO im deutschen Handel). Da fallen mir aus deutschen Landen doch einige Pinots ein, die für weniger Geld mindestens die gleiche Qualität liefern.

2020er "Barriu" Isola dei Nuraghi IGT Rosso (Vigne Surrau, Arzachena) -Sardinien-
Cuvee aus Cannonau (=Grenache), Carignano, Cabernet Sauvignon und Muristella---14 Vol%---
Dieser aus dem äussersten Nordosten der Insel stammende Wein zeigt sich in einem recht tiefen Purpur, in der Nase zeigen sich dunkle Beeren, Cassis, reife Herzkirsche, etwas Pflaume, Hauch Neuholz, sehr ausgewogen und trotz Kraft auch eine gewisse Kühle, am Gaumen sehr ausgewogen, trocken, sehr fruchttief, gewisse Eleganz, sehr feinkörniges Tannin, dunkle Frucht, würzige Noten mit kühlender Ätherik, der Alkohol ist perfekt verpackt, würzig-fruchtige Länge. Ein perfekt vinifizierter "Weltwein" mit Klasse, bei dem die Herkunft schwer zu verorten ist. Macht jedenfalls sehr viel Trinkspass und war auch am 3. Tag nach der Probe noch in perfekter Verfassung. Ca. 30 EURO im Handel.

2020er Amarone della Valpolicella DOCG (Tenuta Sant'Antonio) -Venetien-
getrocknete Trauben---Cuvee aus Corvina, Corvinone, Croatina und Rondinella---2 Jahre neues franz. Tonneau---15 Vol%
Kräftiges, leicht durchscheinendes Rubin, in der Nase kraftvoll, etwas Vanille vom Holz, pürrierte Dunkelfrucht (Kirsche, Pflaume, Brombeere), am Gaumen mit ein paar Gramm Restzucker (geschätzt 5-7), sehr extraktreich und ein Hauch likörig, dank der Säure aber nicht marmeladig, poliertes Tannin, kraftvoller Körper, der Alkohol ist spürbar, aber nicht brandig, reife dunkle Früchte, passender Holzeinsatz (Tonkabohne), wärmende Länge.
Ein recht typischer Amarone mit einigen Muskeln, der aber auf Dauer etwas anstrengend ist und satt macht. Für diese Herkunft und Machart ein durchaus preiswerter Wein (ca. 26 EURO beim italienischen Feinkosthändler). Etwas irritierend ist der Kunststoffkorken, der aber glücklicherweise hier keine negativen Auswirkungen hatte.

2016er "Radici" Taurasi Riserva DOCG (Mastroberardino, Atripalda) -Kampanien-
100% Aglianico---3 Jahre Fassausbau---13,5 Vol%---
Kräftiges Rubin ohne jegliche Altersspuren, zunächst ein ganz zarter Hauch Reduktion, der aber schon nach kurzer Zeit völlig verschwand, eleganter Naseneindruck, reife, aber nicht überreife Frucht (Herzkirsche, Blaubeere, etwas Himbeere), deutlich kühle Ätherik (Minze), Hauch Rose,perfekter unaufdringlicher Holzeinsatz, schon in der Nase fein, dicht und komplex, am Gaumen trocken, passende, strukturierende Säure, elegante Dunkelfrucht, markantes, aber feinkörniges Tannin, feine Dunkelfrucht, Hauch Jod, Lakritze, zarter Holzeinsatz, guter Mix aus Kraft und Eleganz, souveräne Länge. Der Taurasi wird gerne als "Barolo des Südens" tituliert, obwohl die Aromatik doch etwas anders ist. Was die grundsätzliche Stilistik und insbesondere die Mixtur aus Kraft und charaktervoller Eleganz betrifft, haben beide Herkünfte aber durchaus Gemeinsamkeiten. Das PLV beim Taurasi ist aufgrund seiner relativen Unbekanntheit dem des Barolo aber überlegen (ca. 37 EURO im Handel).

Fortsetzung folgt morgen mit den fehlenden 4 Rotweinen, die noch einiges zu bieten hatten!

LG
Bodo

Re: Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Do 2. Apr 2026, 23:53
von austria_traveller
weinaffe hat geschrieben: Do 2. Apr 2026, 20:01 2021er Susumaniello Rosso Salento "Vigna Castello" (Castel Serranova, Lecce) -Apulien-
12 Monate Ausbau Allier-Tonneau---14 Vol%---
Susumaniello ist eine relativ früh reifende Rotweinsorte, die vermutlich aus Dalmatien stammt und in Apulien farbintensive, säurefrische Weine liefert.
Säurefrisch finde ich etwas verzerrend, denn normalerweise puffert die Säure die Dichtheit & Intensivität der süditalienischen Weine. Man kriegt die Säure also kaum mit. Wir hatten heute auch eine Weinverkostung und dabei war der Susumaniello von Tenuta Viglione der Star des Abends.
Aber vielleicht ist das auch nur bei meinem Susumaniello so.

Re: Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 17:17
von weinaffe
Hallo Gerhard,

auch bei unserem Susumaniello war die Säure genau richtig, um die Kraft und den Alkohol etwas abzufedern. In Zeiten, wo gefühlt fast jeder Wein weltweit ohnehin aufgesäuert wird, ist das Säurepotential einer Rebsorte ohnehin schwer abzuschätzen und letztlich auch zweitrangig geworden.

LG
Bodo

Re: Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 18:22
von weinaffe
... und weiter geht es mit den letzten 4 Rotweinen:

2015er Brunello di Montalcino DOCG "Poggiarelli" (Cortonesi) -Toskana-
2 ha-Einzellagenwein--- 2 Jahre Ausbau im Tonneau---14,5 Vol%---
relativ jugendliches Granatrot, nasal reife Beeren (Brombeere, Preiselbeere). vermischt mit Herzkirsche und Granatapfel, Hauch Schoko vom Holzeinsatz, kraftvoll und elegant zugleich, im Mund deutliche, aber nicht plakative Dunkelfrucht, etwas Tabak, Kardamon, Hauch Veilchen, passende Säure, Tannin fast geglättet, sehr ausgewogen, Alkohol nicht hervorstechend, gute Länge. Dieser Brunello dürfte jetzt so ziemlich seinen Zenit erreicht haben und wird sein Niveau noch einige Jahre halten. Ein sehr gelungener Brunello zu noch vernünftigen Preis (ca. 45 EURO im Handel).

2022er Contrada "R" (Rampante) Terre Siciliane IGP (Passopisciaro, Sarteano) -Sizilien-
100 % Nerello Mascalese---über 100 Jahre alte Reben---Weinberg auf 1.000 m Höhe---18 Monate Holzausbau---14 Vol%---
Der leider 2021 verstorbene Andrea Francchetti, der Begründer des berühmten Maremma-Weingutes Tenuta di Trinoro, hatte sich auch 8 Weinberge zu Füssen des Ätna gesichert, die er in dem neugegründeten Weingut Passopisciaro zu jährlich etwa knapp 10.000 Flaschen verarbeitete. Dieser Betrieb wird jetzt von Vicenzo lo Mauro im Sinne des Verstorbenen weitergeführt.
Dieser Wein ist zwar noch recht jung, zeigt aber auf jeden Fall jetzt schon sein Potenzial: rebsortenspezifisch sehr helles, durchscheinendes Rubinrot im Stile eines Pinot, auch die sehr feine und elegante Nase erinnert an die "Diva", knapp reife Herzkirsche, Himbeere, etwas Brombeere, dezent kräutrig-ätherisch, wirkt kühl und komplex, am Gaumen trocken mit zarter Sucrosite, saftige Säure, feinkörniges, aber noch recht knackiges Tannin, der Alkohol ist bestens integriert, wiederum dieser feine Frucht-Mix mit Kräutereinschüben, aromatisch sehr lang. Toller Nerello Mascalese, der tatsächlich irgendwie die Stilistiken von Pinot und Nebbiolo kombiniert. Diesen Wein sollte man aber besser noch ein paar Jahre im Keller "vergessen", was sich bestimmt lohnen dürfte. Der Wein hat aber seinen -berechtigten- Preis (ca. 59 EURO im hiesigen Handel).

2016er Barolo "Cannubi" DOCG (Brezza, Barolo) -Piemont-
Ein Klassiker aus diesem verlässlichen Hause: gesunde Rubinfarbe, elegante, geradlinige Kirschnote mit etwas Granatapfel, dezent floral, Hauch Lakritze, am Gaumen trocken, tiefer Extrakt, recht fruchtdicht, saftige Säure, charaktervolles, leicht eckiges Tannin, durchaus kraftvoll (14,5 Vol%), aber in keiner Weise marmeladig, zarte Mon-cheri-Kirsche, Granatapfel, Veilchen,etwas Tabak und sous bois, aber sehr geradlinig, noch wenig komplex, was mit den Jahren sicherlich noch kommt, langer, fruchtig-würziger Abgang. Ein sehr authentischer, eher traditioneller Barolo ohne Fehl und Tadel, dem man vielleicht noch 5 Jahre Reifezeit gönnen sollte. Vernünftiger Preis (ca. 45 EURO im hiesigen Handel).

1999er Fontalloro Vino da Tavola Toscano (Felsina, Castelnuovo Berardenga) -Toskana-
100 % Sangiovese---13,5 Vol%---
Einer der berühmten "Super-Tuscans", der eindrücklich beweist, dass auch reinsortiger Sangiovese ausgezeichnet reifen kann: lebendiges Granatrot ohne Ziegelrotreflexe, sehr feine und elegante, bestens gereifte Nase nach saftigen Kirschen, Brombeeren, reife Schlehe, etwas Tabak, feines Leder, etwas sous bois, Hauch Mokka vom Holzeinsatz, sehr komplex schon in der Nase, am Gaumen trocken mit bezwingender Extraktsüsse, Hauch Kandis, reife Herzkirsche, sogar etwas Himbeere, etwas floral , perfekte Säurestruktur, hat sogar noch etwas feinkörniges Tannin, jetzt aber voll auf dem Höhepunkt, den er sicherlich noch bei guter Flaschenform einige Jahre bewahren kann, alles ist hier am rechten Platz, eindrucksvolle, hocharomatische Länge. Der Wein blieb im Anbruch auch über 3 Tage hinweg sehr stabil. Absolute Weltklasse !
Ganz klar mein Rotweinfavorit an diesem Abend. Im Nachkauf vor 1 Jahr für 59 EURO erstanden. Top PLV!!

Das wars wieder in aller Kürze. In genau 3 Wochen werden wir uns an gleicher Stelle mit Weinen aus Südafrika befassen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt! Bericht folgt zu gegebener Zeit !

Ein angenehmes Osterwochenende noch!

LG
Bodo

Re: Italienweinprobe in Würzburg

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 20:36
von amateur des vins
weinaffe hat geschrieben: Fr 3. Apr 2026, 18:22 2022er Contrada "R" (Rampante) Terre Siciliane IGP (Passopisciaro, Sarteano) -Sizilien-
Hi Bodo, Passopisciaro hatte ich eine Weile regelmäßig auf dem Schirm - bis sie regelmäßig 15 und mehr % ablieferten. :(

War 2022 besonders kühl, oder hat sich an der Weinbereitung doch etwas Grundsätzliches geändert?