Weinprobe Neuseeland und Australien
Verfasst: Mo 16. Feb 2026, 20:03
Hallo zusammen,
vor kurzem durfte ich eine Weinprobe für die hiesige Weinbruderschaft zusammenstellen und moderieren, die sich mit den Weinen vom "anderen Ende der Welt" -also Neuseeland und Australien- beschäftigte. Mein Ziel hierbei war, ein bischen gegen die gängigen Vorurteile anzugehen und in 14 Weinen eine möglichst breite Range verschiedener Stilistiken abzubilden. Australische Weiß- und Rotweine müssen nicht immer alkoholreich, cremig und fruchtbetont sein, ebenso wie neuseeländische Weißweine nicht immer oberflächlich fruchtbetont und knackig in der Säure sein müssen.
Letzendlich wurden je 7 Weiß- und Rotweine präsentiert, wobei Neuseeland mit 8 und Australien mit 6 Weinen ins Rennen geschickt wurden.
Folgende Weine wanderten dann ins Glas:
------ Cuvee No 1 Non Vintage Brut (No 1 Family Estate, Blenheim) -Marlborough- NZ-
100% Chardonnay, knapp 2 Jahre Hefelager, Dosage: 4,9 gr. RZ, S: 7,2, 12,5 Vol%.
Dieser tolle Aperitif-Schäumer stammt von dem einzigen Weinbaubetrieb in Neuseeland, der ausschließlich Schaumweine nach der klassischen Methode produziert. Kein Wunder - die Inhaberfamilie Le Brun entstammt einer Champagnerwinzer-Dynastie und produziert wohl den besten Schaumwein des Landes. Strohgelb mit feiner Perlage,zarte Briochenoten, dezente Gelbfrucht, sehr saftig und speichelziehend, recht herb und animierend, blind probiert hätte ich sofort auf einen Blanc de Blancs aus der Champagne getippt. Sehr gute Qualität, die natürlich auch ihren Preis hat (ca. 35 EURO im hiesigen Handel).
2024er Albarino Nelson (Trudy Sheild, Nelson) -Nelson- NZ-
13,5 Vol%-- Z: 6,5---S: 9,7--
Sicherlich eine (noch) exotische Rebsorte in Neuseeland, die ihre Heimat in Galicien und Nordportugal hat und dort sehr interessante Weine entstehen lässt. Auch dieser Wein macht richtig Spass: dezente Pfirsich- und Agrumenfrucht, sehr klar und reintönig, am Gaumen ein kaum schmeckbarer Hauch Restzucker, der auch zur Harmonisierung der knackigen Säure gute Dienste leistet, sehr straight und trinkig, kein komplexer oder mineralischer Wein, aber ein Wein mit glasklarer Frucht und saftiger Machart. Ein Crowdpleaser, der unkompliziert, aber nicht banal daherkommt. Fruchtbetonter Ausklang mit mittlerer Länge (ca. 16-17 EURO im Handel).
2018er "Vat 1" Semillon Hunter Valley (Tyrrell's, Pokolbin) -Hunter Valley- AUS-
Top-Semillon des Betriebes aus teils 100 Jahre alten Reben--100% Edelstahlausbau-- nur 12 Vol%.
Dies ist ein Wein, der sehr oft schon in den praktischen Master-of-Wine Prüfungen aufgetaucht, vielleicht, weil er so einmalig ist und es an ein Wunder grenzt, in so einer heissen "Ecke" einen dermaßen frischen, filigranen und alkoholleichten Wein produzieren zu können.
Dezent gelbfruchtige Nase, etwas Mineralität schon in der Nase, sehr fein und zurückhaltend, am Gaumen komplett trocken, schlanke Stilistik, die dennoch einige Tiefe besitzt, wiederum gelbe Früchte, aber nur dezent fruchtig, mineralisch, Hauch Gerbstoff-Grip, erinnert ein wenig an einen gutklassigen Chablis, trotz der Finesse und Leichtigkeit besitzt der Wein Tiefe und Länge, unerwartet langer Abgang. Ein ungewöhnlicher und hochklassiger Wein, der dem Pauschalbild des kräftigen und schmelzigen australischen Weißwein völlig konträr gegenübersteht. Leider nicht ganz billig (ca. 49 EURO im Handel).
2024er Sauvignon blanc Marlborough (Cloudy Bay, Blenheim) -Marlborough- NZ-
13,5 Vol%---Z:1,7---S:6,7--
Dies ist die Weinikone, die Neuseeland im Alleingang auf die Weltweinkarte gesetzt hat. Der Wein beeindruckt wirklich jeden- den Weinneuling und auch den Wein-Nerd,keiner kann sich der Anziehungskraft dieses Weines ganz entziehen. In der Nase dieses archetypische Sauvignon blanc-Aroma, ein Mix aus tropischen Früchten, Stachelbeere, zart "grüne" Anteile und eine neben der klirrenden Frische zarte Cremigkeit (1,5 Prozent wurden im Barrique ausgebaut), perfekt ausgewogen, trotz der exaltierten Frucht nicht überpowert oder ordinär, gute Länge. Trotz der sicherlich großen Produktionsmenge ein Wein mit Anspruch und trotzdem für jedermann leichtverständlich und trinkig. Sollte jeder einmal probiert haben, denn er entspricht im positiven Sinne dem Pauschalbild eines neuseeländischen Sauvignon blanc (ca. 30 EURO im Handel).
Wie weit die Stilistiken beim neuseeländischen Sauvignon blanc auseinanderdriften können, zeigt eindrücklich der nächste Wein:
2020er Sauvignon blanc "Section 94" Re-Release (Dog Point, Marlborough) -Marlborough- NZ-
14 Vol%---Bio-Wein---über 30 Jahre alte Reben--
Die beiden Inhaber James Healy und Ivan Sutherland arbeiteten beide für Cloudy Bay, wollten aber nach der Übernahme von Cloudy Bay durch den LVMH-Konzern lieber ihre eigenen, handwerklichen Weine erzeugen. Diese Sauvignon blanc können auch sehr gut reifen, deswegen werden die Weine auch erst nach einigen Jahren in der Flasche vermarktet.
Komplett anderer Stil: in der Nase zarte Reduktion, sehr zurückhaltende Fruchtaromatik, feiner Holzeinsatz mit überwiegend gebrauchten Tonneaux, tiefgründige Nase, am Gaumen komplett trocken, saftige Säure, feine aber dezente Fruchtaromatik, guter Grip, der Alkohol ist bestens integriert, gute Mixtur aus Stoffigkeit und Eleganz, tolle Länge. Dieser hochklassige Stil erinnert mehr an die Steiermark als an die "üblichen"Sauvignons Neuseelands. Cloudy Bay oder Dog Point ? Reine Geschmackssache, beide haben ihre Berechtigung, wobei mein Herz eher für den Dog Point schlägt (ebenfalls ca. 30 EURO im Handel).
2023er "Sexton Vineyard" Chardonnay (Giant Steps, Healesville) -Yarra Valley- AUS-
13,5 Vol%---Einzellagenwein---
Dieser Wein gilt zu Recht als einer der besten Chardonnay des Yarra Valley, mittleres Strohgelb, eher kühl wirkende, europäische Stilistik, reife Agrumen, reifer Apfel, zurückhaltender Holzeinsatz, sehr fein und elegant, am Gaumen komplett trocken, zarte , perfekt tarierte Säure, Hauch Gerbstoff-Grip, reifer Apfel, etwas Zitrus, elegante Würze, Alkohol perfekt eingebunden, saftig und kühl, straff, ausgezeichnete Länge. Hier ist nichts zuviel oder zuwenig, blind probiert, würde man diesen hochklassigen Chardonnay niemals nach Australien verorten. Toller Chardonnay, der es auch mit einigen Originalen aus dem Burgund aufnehmen kann. Hat natürlich seinen Preis (ca. 49 EURO im Handel).
2023er "Heytesbury Vineyard" Chardonnay (Vasse Felix) -Margaret River- AUS-
13 Vol%---Einzellagenwein---Ganztrubenpressung---Spontangärung--- 52% neues Barrique---
So gut auch der Vorgänger war, dieser Chardonnay aus einer der kühlsten Ecken Australiens legt hier nochmals 2 Schippen drauf. Blind probiert würde man diese Schönheit sofort in die Bourgogne verorten, und zwar in die absolute Spitze !!
Zartes Strohgelb mit grünen Nuancen, unheimliche Eleganz schon in der Nase, zarte Gelbfrucht, kühle, aber sehr tiefe Nase, Finesse pur, am Gaumen komplett trocken, deutlicher Extrakt, perfekt konterkariert durch eine saftige Säure, sehr mineralisch, zarter Gerbstoff, der diesem Wein ein festes Korsett gibt, absolut kühle Stilistik mit dennoch viel Tiefgang, bei diesem Wein stimmt einfach alles, perfekt ausgewogen, tolle Länge. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass australischer Chardonnay diese Qualitätshöhen erreichen kann. Wenn man diesen Wein in eine hochkarätige Probe mit burgundischen Chardonnays als Pirat einbaut, könnte so manch vinologisches Weltbild ins Wanken geraten. Ein absoluter Spitzen-Chardonnay zum in Hinblick auf burgundische Preise fast günstigen Preis (ca. 75 EURO im Handel).
Die fehlenden 7 Rotweine folgen demnächst!
LG
Bodo
vor kurzem durfte ich eine Weinprobe für die hiesige Weinbruderschaft zusammenstellen und moderieren, die sich mit den Weinen vom "anderen Ende der Welt" -also Neuseeland und Australien- beschäftigte. Mein Ziel hierbei war, ein bischen gegen die gängigen Vorurteile anzugehen und in 14 Weinen eine möglichst breite Range verschiedener Stilistiken abzubilden. Australische Weiß- und Rotweine müssen nicht immer alkoholreich, cremig und fruchtbetont sein, ebenso wie neuseeländische Weißweine nicht immer oberflächlich fruchtbetont und knackig in der Säure sein müssen.
Letzendlich wurden je 7 Weiß- und Rotweine präsentiert, wobei Neuseeland mit 8 und Australien mit 6 Weinen ins Rennen geschickt wurden.
Folgende Weine wanderten dann ins Glas:
------ Cuvee No 1 Non Vintage Brut (No 1 Family Estate, Blenheim) -Marlborough- NZ-
100% Chardonnay, knapp 2 Jahre Hefelager, Dosage: 4,9 gr. RZ, S: 7,2, 12,5 Vol%.
Dieser tolle Aperitif-Schäumer stammt von dem einzigen Weinbaubetrieb in Neuseeland, der ausschließlich Schaumweine nach der klassischen Methode produziert. Kein Wunder - die Inhaberfamilie Le Brun entstammt einer Champagnerwinzer-Dynastie und produziert wohl den besten Schaumwein des Landes. Strohgelb mit feiner Perlage,zarte Briochenoten, dezente Gelbfrucht, sehr saftig und speichelziehend, recht herb und animierend, blind probiert hätte ich sofort auf einen Blanc de Blancs aus der Champagne getippt. Sehr gute Qualität, die natürlich auch ihren Preis hat (ca. 35 EURO im hiesigen Handel).
2024er Albarino Nelson (Trudy Sheild, Nelson) -Nelson- NZ-
13,5 Vol%-- Z: 6,5---S: 9,7--
Sicherlich eine (noch) exotische Rebsorte in Neuseeland, die ihre Heimat in Galicien und Nordportugal hat und dort sehr interessante Weine entstehen lässt. Auch dieser Wein macht richtig Spass: dezente Pfirsich- und Agrumenfrucht, sehr klar und reintönig, am Gaumen ein kaum schmeckbarer Hauch Restzucker, der auch zur Harmonisierung der knackigen Säure gute Dienste leistet, sehr straight und trinkig, kein komplexer oder mineralischer Wein, aber ein Wein mit glasklarer Frucht und saftiger Machart. Ein Crowdpleaser, der unkompliziert, aber nicht banal daherkommt. Fruchtbetonter Ausklang mit mittlerer Länge (ca. 16-17 EURO im Handel).
2018er "Vat 1" Semillon Hunter Valley (Tyrrell's, Pokolbin) -Hunter Valley- AUS-
Top-Semillon des Betriebes aus teils 100 Jahre alten Reben--100% Edelstahlausbau-- nur 12 Vol%.
Dies ist ein Wein, der sehr oft schon in den praktischen Master-of-Wine Prüfungen aufgetaucht, vielleicht, weil er so einmalig ist und es an ein Wunder grenzt, in so einer heissen "Ecke" einen dermaßen frischen, filigranen und alkoholleichten Wein produzieren zu können.
Dezent gelbfruchtige Nase, etwas Mineralität schon in der Nase, sehr fein und zurückhaltend, am Gaumen komplett trocken, schlanke Stilistik, die dennoch einige Tiefe besitzt, wiederum gelbe Früchte, aber nur dezent fruchtig, mineralisch, Hauch Gerbstoff-Grip, erinnert ein wenig an einen gutklassigen Chablis, trotz der Finesse und Leichtigkeit besitzt der Wein Tiefe und Länge, unerwartet langer Abgang. Ein ungewöhnlicher und hochklassiger Wein, der dem Pauschalbild des kräftigen und schmelzigen australischen Weißwein völlig konträr gegenübersteht. Leider nicht ganz billig (ca. 49 EURO im Handel).
2024er Sauvignon blanc Marlborough (Cloudy Bay, Blenheim) -Marlborough- NZ-
13,5 Vol%---Z:1,7---S:6,7--
Dies ist die Weinikone, die Neuseeland im Alleingang auf die Weltweinkarte gesetzt hat. Der Wein beeindruckt wirklich jeden- den Weinneuling und auch den Wein-Nerd,keiner kann sich der Anziehungskraft dieses Weines ganz entziehen. In der Nase dieses archetypische Sauvignon blanc-Aroma, ein Mix aus tropischen Früchten, Stachelbeere, zart "grüne" Anteile und eine neben der klirrenden Frische zarte Cremigkeit (1,5 Prozent wurden im Barrique ausgebaut), perfekt ausgewogen, trotz der exaltierten Frucht nicht überpowert oder ordinär, gute Länge. Trotz der sicherlich großen Produktionsmenge ein Wein mit Anspruch und trotzdem für jedermann leichtverständlich und trinkig. Sollte jeder einmal probiert haben, denn er entspricht im positiven Sinne dem Pauschalbild eines neuseeländischen Sauvignon blanc (ca. 30 EURO im Handel).
Wie weit die Stilistiken beim neuseeländischen Sauvignon blanc auseinanderdriften können, zeigt eindrücklich der nächste Wein:
2020er Sauvignon blanc "Section 94" Re-Release (Dog Point, Marlborough) -Marlborough- NZ-
14 Vol%---Bio-Wein---über 30 Jahre alte Reben--
Die beiden Inhaber James Healy und Ivan Sutherland arbeiteten beide für Cloudy Bay, wollten aber nach der Übernahme von Cloudy Bay durch den LVMH-Konzern lieber ihre eigenen, handwerklichen Weine erzeugen. Diese Sauvignon blanc können auch sehr gut reifen, deswegen werden die Weine auch erst nach einigen Jahren in der Flasche vermarktet.
Komplett anderer Stil: in der Nase zarte Reduktion, sehr zurückhaltende Fruchtaromatik, feiner Holzeinsatz mit überwiegend gebrauchten Tonneaux, tiefgründige Nase, am Gaumen komplett trocken, saftige Säure, feine aber dezente Fruchtaromatik, guter Grip, der Alkohol ist bestens integriert, gute Mixtur aus Stoffigkeit und Eleganz, tolle Länge. Dieser hochklassige Stil erinnert mehr an die Steiermark als an die "üblichen"Sauvignons Neuseelands. Cloudy Bay oder Dog Point ? Reine Geschmackssache, beide haben ihre Berechtigung, wobei mein Herz eher für den Dog Point schlägt (ebenfalls ca. 30 EURO im Handel).
2023er "Sexton Vineyard" Chardonnay (Giant Steps, Healesville) -Yarra Valley- AUS-
13,5 Vol%---Einzellagenwein---
Dieser Wein gilt zu Recht als einer der besten Chardonnay des Yarra Valley, mittleres Strohgelb, eher kühl wirkende, europäische Stilistik, reife Agrumen, reifer Apfel, zurückhaltender Holzeinsatz, sehr fein und elegant, am Gaumen komplett trocken, zarte , perfekt tarierte Säure, Hauch Gerbstoff-Grip, reifer Apfel, etwas Zitrus, elegante Würze, Alkohol perfekt eingebunden, saftig und kühl, straff, ausgezeichnete Länge. Hier ist nichts zuviel oder zuwenig, blind probiert, würde man diesen hochklassigen Chardonnay niemals nach Australien verorten. Toller Chardonnay, der es auch mit einigen Originalen aus dem Burgund aufnehmen kann. Hat natürlich seinen Preis (ca. 49 EURO im Handel).
2023er "Heytesbury Vineyard" Chardonnay (Vasse Felix) -Margaret River- AUS-
13 Vol%---Einzellagenwein---Ganztrubenpressung---Spontangärung--- 52% neues Barrique---
So gut auch der Vorgänger war, dieser Chardonnay aus einer der kühlsten Ecken Australiens legt hier nochmals 2 Schippen drauf. Blind probiert würde man diese Schönheit sofort in die Bourgogne verorten, und zwar in die absolute Spitze !!
Zartes Strohgelb mit grünen Nuancen, unheimliche Eleganz schon in der Nase, zarte Gelbfrucht, kühle, aber sehr tiefe Nase, Finesse pur, am Gaumen komplett trocken, deutlicher Extrakt, perfekt konterkariert durch eine saftige Säure, sehr mineralisch, zarter Gerbstoff, der diesem Wein ein festes Korsett gibt, absolut kühle Stilistik mit dennoch viel Tiefgang, bei diesem Wein stimmt einfach alles, perfekt ausgewogen, tolle Länge. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass australischer Chardonnay diese Qualitätshöhen erreichen kann. Wenn man diesen Wein in eine hochkarätige Probe mit burgundischen Chardonnays als Pirat einbaut, könnte so manch vinologisches Weltbild ins Wanken geraten. Ein absoluter Spitzen-Chardonnay zum in Hinblick auf burgundische Preise fast günstigen Preis (ca. 75 EURO im Handel).
Die fehlenden 7 Rotweine folgen demnächst!
LG
Bodo