Autochthone Rebsorten in Würzburg
Verfasst: Di 18. Feb 2025, 19:58
Hallo zusammen,
letzten Freitag trafen sich im Rahmen meiner VHS-Seminare wieder einige Weininteressierte, die eine Europa-Reise in Sachen autochthone Rebsorten unternehmen wollten.
Nach klassischer Definition sind autochthone Rebsorten solche Sortenvertreter, die in einem bestimmten Gebiet durch Zufallskreuzung entstanden sind und idealerweise heute möglichst nur dort angebaut werden. In einer globalisierten Weinwelt ist ein solcher Weintyp aber nur höchst selten anzutreffen. Ausserdem ist auch mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden heute nicht immer der genaue Ursprungsort einer Rebsorte zu lokalisieren. Aus diesem Grunde habe ich die ursprüngliche Definition doch ein kleines Stück relativiert
. Wesentlich war für mich, dass eine Rebsorte in einer bestimmten Region fest verankert ist und idealerweise seit Jahrhunderten die oder zumindest eine der führenden Rebsorten darstellt, auch wenn sie möglicherweise dort nicht entstanden ist. Aus diesem Grunde werden hier auch Rebsorten präsentiert, die wohl nicht in dem Gebiet entstanden sind, aber hier seit langer Zeit heimisch sind und in dem Ursprungsgebiet fast nicht mehr existent sind. In einem Fall wurde eine Rebsorte ausgewählt, die wohl in dem jeweiligen Gebiet oder Großraum entstanden ist und weiterhin dort führend ist, aber in einem anderen Land quasi eine zweite Heimat gefunden hat und dort auch eine führende Rolle spielt.
Eines war aber klar: es wird ein Abend werden, wo Cabernet, Merlot, Syrah, Pinot noir, Chardonnay, Riesling und der eine oder andere "Global-Player" durch Abwesenheit glänzen
.
Insgesamt wurden 15 Weine (6x weiss, 9x rot) präsentiert, was zu einem bunten Mix aus durchaus bekannten und ziemlich unbekannten Rebsorten führte.
Langer Vorrede, kurzer Sinn, hier sind die 15 Weine, die wie immer "blind" verkostet wurden, mit Kommentaren meinerseits:
2021er Clos les Montys Muscadet Sevre et Maine Goulaine "1914" (Jeremy Huchet) -Loire-
Die hier verwendete Rebsorte heisst eigentlich Melon de Bourgogne, was schon auf ihre Herkunft hindeutet. Dort ist sie aber nicht mehr existent, weil wohl Chardonnay und auch Aligote vielleicht doch das größere Qualitätspotential besitzen. Das Bessere ist halt immer der Feind des Guten
Sie hat aber unter dem Synonym Muscadet im Mündungsbereich der Loire bei Nantes eine neue Heimat gefunden und wird vor allem als süffiger Seafood-Begleiter geschätzt. Leider sind die Qualitäten der meisten Vertreter recht einfach gestrickt. Dieser Wein mit gerade mal 12 Umdrehungen macht aber hier eine positive Ausnahme. Er stammt aus einem ca. 1ha großen Weinberg, der tatsächlich bereits seit 1914 bepflanzt ist. Alte Reben und die hervorragende Arbeit des Winzers führen zu einem Overperformer für diese Appellation: zartes helles Goldgelb mit grünlichen Nuancen, sehr feine, dezent gelbfruchtig-würzige Nase, recht elegant und finessenreich, am Gaumen richtig trocken mit zarter Säure, erstaunlich extraktdicht für dieses "Leichtgewicht", sehr saftig und harmonisch, gute Länge. Ein außergewöhnlich guter Muscadet, der sogar noch etwas Alterungspotential besitzt.
Die im Handel verlangten knapp 18 EURO sind sehr fair, zumal dieser Wein im Abverkauf für schlappe knapp 13 EURO schon fast verschenkt wurde.
Sicherlich ein Wein, den man mal probiert haben sollte.
2021er Tokaj Furmint szaraz (Gergö Filep, Tallya) -Tokaj-
Dieser Wein stammt aus der von dem Burgenländer Winzer Roland Velich initiierten Serie der "Hidden Treasures"-Weine, die die unbekannte Seite der pannonischen Weine auf ungarischer Seite highlighten soll. Dieser Furmint ist tatsächlich auch ein Statement für diese tolle Sorte, die Hauptbestandteil der gefeierten edelsüssen Weine dieser Region ist.
Zarte Zitronenfarbe, in der Nase etwas Quitte, alte Apfelsorten und sehr viel Mineralität, die deutlich über die Frucht siegt. Am Gaumen knalltrocken mit spürbarer, aber integrierter Säure, absolut straight und präzise, wiederum etwas Quitte und Lagerapfel, kräutrige Noten, ein Hauch Altholz und eine brutal steinige Mineralität, die den Wein in den langen Abgang trägt. Die 12,5 Umdrehungen sind perfekt verpackt, viel Extrakt, und trotzdem enormer Trinkfluss, definitif aber kein Wein für Fruchtfetischisten. Wer, wie ich, klare und mineralisch fundierte Weine schätzt, sollte diesen Wein unbedingt einmal probieren. Ein knalltrockener Furmint par excellence und eine gute Alternative zum Chablis.
2022er "TX" Txakoli Getariako Txakolina DO (Txomin Etxaniz, Getaria) -Baskenlnd-
Die hier verwendete Rebsorte heisst eigentlich Hondarrabi Zuri, sie wird aber meist unter dem Namen Txakoli vermarktet. Der Txakoli ist quasi der Hauswein der Basken, mit dem sie die Vielzahl an leckeren Pinchos und Meeresfrüchten herunterspülen. Tatsächlich haben wir hier mal das Musterbeispiel einer autochthonen Rebsorten, die vermutlich aus dieser Gegend stammt und -vielleicht aus Qualitätsgründen, sicher aber wegen der Unaussprechlichkeit des Rebsortennamens
nirgendwo anders angepflanzt wird. Der "normale" Txakoli ist auch recht einfach gestrickt: knackige Säure, saubere Frucht und relativ leicht im Alkohol. Das hier vorgestellte Exemplar von über 80 Jahre alten Reben geht aber über das Pauschalbild doch etwas hinaus: hellgelbe Farbe, in der Nase elegante Fruchtnoten (Pfirsich, Agrumen, ein Hauch Exotik in Richtung Sauvignon), ein ganz dezenter Tick Holz (6 Monate französisches Akazienholz), macht Lust auf den ersten Schluck, am Gaumen absolut trocken, die Säure ist präsent, aber in keiner Weise spitz, mittlerer Körper (12,5 Vol%), sehr saftig, deutliche Frucht,kräutrig-florale Nuancen, ein Hauch Holz, saftig und vergnüglich, ein relativ unkomplizierter Wein, der dennoch einen gewissen Anspruch hat.
2022er Timorasso "Derthona" Colli Tortonesi DOC (Vietti) -Piemont-
Auch hier ein gutes Beispiel für eine autochthone Rebsorte, die fast ausgestorben war und erst in den letzten 20 Jahren eine Renaissance erlebt hat. Walter Massa war hier einer der ersten, die sich für diese Rebsorte stark gemacht hat und überzeugende Weine aus dieser Rebsorte gekeltert hat. Die Rebsorte bringt leider nur geringe Erträge und hat für den Winzer die unangenehme Eigenschaft, das die Beeren an einer Traube unterschiedlich reifen. also nix mit Maschinenlese. Hier ist knallharte Handselektion gefragt
Trotzdem haben mittlerweile auch einige "big player" im Piemont den Wert dieser Rebsorte erkannt, so eben auch Vietti.
mittelkräftiges Goldgelb, deutliche, aber nicht plakative Frucht, die mich etwas an hochwertigen Kerner aus Südtirol erinnert, Grapefruit, Zitrus, kräutrig, etwas floral, durchaus kraftvoll, am Gaumen trocken, mittelkräftige Säure, die den durchaus kraftvollen Wein auf Linie hält, extraktreich, kräftige, tiefe Gelbfrucht, Hauch Lakritze, sehr saftig, integrierter Alkohol (13,5 Vol%), gute Länge. Ein durchaus wertiger Wein, der aber auch seinen Preis hat (ca. 30 EURO im hiesigen Handel).
2021er "Michika" Vino blanco de Segovia (Esmeralda Garcia) -Segovia-
Auf dem Papier ein einfacher spanischer Tafelwein aus der Rebsorte Verdejo, da die Winzerin sich nicht den Regularien der DO Rueda unterwerfen will.
Aber was für ein bockstarker Wein ! Ich liebe die Weine dieser hochbegabten Winzerin, die über Lagen mit uralten, wurzelechten Rebsöcken verfügt, die deutlich über 100 Jahre, teilweise sogar über 200 Jahre alt sind. Sie produziert auf ihren 5,5 ha jährlich ca. 18.000 Flaschen, wobei die Lagenweine jeweils nur eine Auflage von wenigen hundert Flaschen haben. Der Ausbau erfolgt überwiegend in der Amphore, teilweise auch etwas im großen Holzfass. Auch dieser Wein ist ein Einzellagenwein, wobei hier ein kleiner Anteil in einem alten Sherry-Fass unter Florhefeeinfluss ausgebaut wurde. Ein Experiment, aber ein sehr gelungenes: sehr sauber in der Nase ohne jeglichen flüchtigen Noten, ruht völlig in sich, schwer zu fassende Frucht, komplex, etwas Curry, würzig-kräutrig, wirklich nur ein Hauch "Fino"-Feeling in der Nase, wunderbar ausgewogen am Gaumen, trocken mit harmonischer Säure, die 13,5 Umdrehungen sind in keiner Weise spürbar, stoffig, aber mit selbstverständlicher Abgeklärtheit und Eleganz, hallt lange nach, ohne auch nur ein Funken in Richtung Fülle zu gehen. Toller, einzigartiger Wein, der zeigt, dass "Naturwein" auch fehlerfrei, elegant und auch für viele Weintrinker, die den Naturweinen skeptisch gegenüberstehen, eine unwiderstehliche Versuchung sein kann. Die Weine von Esmeralda Garcia sind in Anbetracht ihrer Qualität extrem günstig (der Ortswein zwischen 20 und 25 EURO, die Lagenweine zwischen 30 und 35 EURO im Handel), wobei die Lagenweine meist ruckzuck ausverkauft und schwer erhältlich sind. Wer keinen Lagenwein bekommt, kann sich mit dem ebenfalls hervorragenden Ortswein "Sanyuste" trösten, von dem jedes Jahr doch in etwa 10.000 bis 12.000 Flaschen vermarktet werden.
2022er Pfaffstättener Tagelsteiner Rotgipfler QW tr. (Stadlmann, Traiskirchen) -Thermenregion-
zum Abschluss noch einen kraftvollen Wein aus der lokalen Rebsorte Rotgipfler. Nach neuesten Analysen handelt es sich hierbei um eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner, die sich auf den kalkreichen, geschützten und gut erwärmbaren Lagen der Thermenregion sehr wohl fühlt. Sie erbringt qualitativ hochwertige Weine, wie dieser Wein hier beweist: helles Goldgelb, dezente Gelbfruchtnase (Birne,Mirabelle), die etwas an reifen fränkischen Silvaner erinnert, kraftvoller Naseneindruck, Hauch floral, am Gaumen zwar trocken, aber aufgrund des wohl hohen Extraktes ein dezentes Süssegefühl,stimmige, integrierte Säure, kraftvoller Körper, die 13,5 Umdrehungen sind aber gut eingebunden, die wahrscheinlichen Kreuzungspartner finden sich geschmacklich auch in dem Wein, ein Tick Florales ala Traminer und die Kraft, Gelbfruchtigkeit und Würze des Roten Veltliners. Kraftvoll und lang im Abgang ohne schmeckbaren Holzeinfluss. Sehr hochwertiger Sortenvertreter, der sicherlich noch lange reifen kann, jetzt aber schon mit genügend Luft gut zu trinken ist. Angemessener Preis (34 EURO ab Weingut).
Die 9 Rotweine folgen in Kürze !
LG
Bodo
letzten Freitag trafen sich im Rahmen meiner VHS-Seminare wieder einige Weininteressierte, die eine Europa-Reise in Sachen autochthone Rebsorten unternehmen wollten.
Nach klassischer Definition sind autochthone Rebsorten solche Sortenvertreter, die in einem bestimmten Gebiet durch Zufallskreuzung entstanden sind und idealerweise heute möglichst nur dort angebaut werden. In einer globalisierten Weinwelt ist ein solcher Weintyp aber nur höchst selten anzutreffen. Ausserdem ist auch mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden heute nicht immer der genaue Ursprungsort einer Rebsorte zu lokalisieren. Aus diesem Grunde habe ich die ursprüngliche Definition doch ein kleines Stück relativiert
Eines war aber klar: es wird ein Abend werden, wo Cabernet, Merlot, Syrah, Pinot noir, Chardonnay, Riesling und der eine oder andere "Global-Player" durch Abwesenheit glänzen
Insgesamt wurden 15 Weine (6x weiss, 9x rot) präsentiert, was zu einem bunten Mix aus durchaus bekannten und ziemlich unbekannten Rebsorten führte.
Langer Vorrede, kurzer Sinn, hier sind die 15 Weine, die wie immer "blind" verkostet wurden, mit Kommentaren meinerseits:
2021er Clos les Montys Muscadet Sevre et Maine Goulaine "1914" (Jeremy Huchet) -Loire-
Die hier verwendete Rebsorte heisst eigentlich Melon de Bourgogne, was schon auf ihre Herkunft hindeutet. Dort ist sie aber nicht mehr existent, weil wohl Chardonnay und auch Aligote vielleicht doch das größere Qualitätspotential besitzen. Das Bessere ist halt immer der Feind des Guten
Die im Handel verlangten knapp 18 EURO sind sehr fair, zumal dieser Wein im Abverkauf für schlappe knapp 13 EURO schon fast verschenkt wurde.
Sicherlich ein Wein, den man mal probiert haben sollte.
2021er Tokaj Furmint szaraz (Gergö Filep, Tallya) -Tokaj-
Dieser Wein stammt aus der von dem Burgenländer Winzer Roland Velich initiierten Serie der "Hidden Treasures"-Weine, die die unbekannte Seite der pannonischen Weine auf ungarischer Seite highlighten soll. Dieser Furmint ist tatsächlich auch ein Statement für diese tolle Sorte, die Hauptbestandteil der gefeierten edelsüssen Weine dieser Region ist.
Zarte Zitronenfarbe, in der Nase etwas Quitte, alte Apfelsorten und sehr viel Mineralität, die deutlich über die Frucht siegt. Am Gaumen knalltrocken mit spürbarer, aber integrierter Säure, absolut straight und präzise, wiederum etwas Quitte und Lagerapfel, kräutrige Noten, ein Hauch Altholz und eine brutal steinige Mineralität, die den Wein in den langen Abgang trägt. Die 12,5 Umdrehungen sind perfekt verpackt, viel Extrakt, und trotzdem enormer Trinkfluss, definitif aber kein Wein für Fruchtfetischisten. Wer, wie ich, klare und mineralisch fundierte Weine schätzt, sollte diesen Wein unbedingt einmal probieren. Ein knalltrockener Furmint par excellence und eine gute Alternative zum Chablis.
2022er "TX" Txakoli Getariako Txakolina DO (Txomin Etxaniz, Getaria) -Baskenlnd-
Die hier verwendete Rebsorte heisst eigentlich Hondarrabi Zuri, sie wird aber meist unter dem Namen Txakoli vermarktet. Der Txakoli ist quasi der Hauswein der Basken, mit dem sie die Vielzahl an leckeren Pinchos und Meeresfrüchten herunterspülen. Tatsächlich haben wir hier mal das Musterbeispiel einer autochthonen Rebsorten, die vermutlich aus dieser Gegend stammt und -vielleicht aus Qualitätsgründen, sicher aber wegen der Unaussprechlichkeit des Rebsortennamens
2022er Timorasso "Derthona" Colli Tortonesi DOC (Vietti) -Piemont-
Auch hier ein gutes Beispiel für eine autochthone Rebsorte, die fast ausgestorben war und erst in den letzten 20 Jahren eine Renaissance erlebt hat. Walter Massa war hier einer der ersten, die sich für diese Rebsorte stark gemacht hat und überzeugende Weine aus dieser Rebsorte gekeltert hat. Die Rebsorte bringt leider nur geringe Erträge und hat für den Winzer die unangenehme Eigenschaft, das die Beeren an einer Traube unterschiedlich reifen. also nix mit Maschinenlese. Hier ist knallharte Handselektion gefragt
mittelkräftiges Goldgelb, deutliche, aber nicht plakative Frucht, die mich etwas an hochwertigen Kerner aus Südtirol erinnert, Grapefruit, Zitrus, kräutrig, etwas floral, durchaus kraftvoll, am Gaumen trocken, mittelkräftige Säure, die den durchaus kraftvollen Wein auf Linie hält, extraktreich, kräftige, tiefe Gelbfrucht, Hauch Lakritze, sehr saftig, integrierter Alkohol (13,5 Vol%), gute Länge. Ein durchaus wertiger Wein, der aber auch seinen Preis hat (ca. 30 EURO im hiesigen Handel).
2021er "Michika" Vino blanco de Segovia (Esmeralda Garcia) -Segovia-
Auf dem Papier ein einfacher spanischer Tafelwein aus der Rebsorte Verdejo, da die Winzerin sich nicht den Regularien der DO Rueda unterwerfen will.
Aber was für ein bockstarker Wein ! Ich liebe die Weine dieser hochbegabten Winzerin, die über Lagen mit uralten, wurzelechten Rebsöcken verfügt, die deutlich über 100 Jahre, teilweise sogar über 200 Jahre alt sind. Sie produziert auf ihren 5,5 ha jährlich ca. 18.000 Flaschen, wobei die Lagenweine jeweils nur eine Auflage von wenigen hundert Flaschen haben. Der Ausbau erfolgt überwiegend in der Amphore, teilweise auch etwas im großen Holzfass. Auch dieser Wein ist ein Einzellagenwein, wobei hier ein kleiner Anteil in einem alten Sherry-Fass unter Florhefeeinfluss ausgebaut wurde. Ein Experiment, aber ein sehr gelungenes: sehr sauber in der Nase ohne jeglichen flüchtigen Noten, ruht völlig in sich, schwer zu fassende Frucht, komplex, etwas Curry, würzig-kräutrig, wirklich nur ein Hauch "Fino"-Feeling in der Nase, wunderbar ausgewogen am Gaumen, trocken mit harmonischer Säure, die 13,5 Umdrehungen sind in keiner Weise spürbar, stoffig, aber mit selbstverständlicher Abgeklärtheit und Eleganz, hallt lange nach, ohne auch nur ein Funken in Richtung Fülle zu gehen. Toller, einzigartiger Wein, der zeigt, dass "Naturwein" auch fehlerfrei, elegant und auch für viele Weintrinker, die den Naturweinen skeptisch gegenüberstehen, eine unwiderstehliche Versuchung sein kann. Die Weine von Esmeralda Garcia sind in Anbetracht ihrer Qualität extrem günstig (der Ortswein zwischen 20 und 25 EURO, die Lagenweine zwischen 30 und 35 EURO im Handel), wobei die Lagenweine meist ruckzuck ausverkauft und schwer erhältlich sind. Wer keinen Lagenwein bekommt, kann sich mit dem ebenfalls hervorragenden Ortswein "Sanyuste" trösten, von dem jedes Jahr doch in etwa 10.000 bis 12.000 Flaschen vermarktet werden.
2022er Pfaffstättener Tagelsteiner Rotgipfler QW tr. (Stadlmann, Traiskirchen) -Thermenregion-
zum Abschluss noch einen kraftvollen Wein aus der lokalen Rebsorte Rotgipfler. Nach neuesten Analysen handelt es sich hierbei um eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner, die sich auf den kalkreichen, geschützten und gut erwärmbaren Lagen der Thermenregion sehr wohl fühlt. Sie erbringt qualitativ hochwertige Weine, wie dieser Wein hier beweist: helles Goldgelb, dezente Gelbfruchtnase (Birne,Mirabelle), die etwas an reifen fränkischen Silvaner erinnert, kraftvoller Naseneindruck, Hauch floral, am Gaumen zwar trocken, aber aufgrund des wohl hohen Extraktes ein dezentes Süssegefühl,stimmige, integrierte Säure, kraftvoller Körper, die 13,5 Umdrehungen sind aber gut eingebunden, die wahrscheinlichen Kreuzungspartner finden sich geschmacklich auch in dem Wein, ein Tick Florales ala Traminer und die Kraft, Gelbfruchtigkeit und Würze des Roten Veltliners. Kraftvoll und lang im Abgang ohne schmeckbaren Holzeinfluss. Sehr hochwertiger Sortenvertreter, der sicherlich noch lange reifen kann, jetzt aber schon mit genügend Luft gut zu trinken ist. Angemessener Preis (34 EURO ab Weingut).
Die 9 Rotweine folgen in Kürze !
LG
Bodo