letzten Freitag trafen sich wieder einige Weinnasen, um sich einige französische Weine zu Gemüte zu führen.
Folgende 14 Weine wurden entkorkt:
Champagne Extra Brut Blanc de Blancs Grand Cru (Vergnon, Mesnil-sur-Oger)
sehr feiner, bestechend klarer und feinhefiger BdB, der trotz geringster Dosage (4gr RZ) wunderbar ausgewogen und finessenreich ist. Grosser Stoff zu wirklich keinem Preis (16,70 EURO ab Weingut). Da hätte ich mir doch den Wagen volladen sollen
2011er Vouvray a.c. "Le Mont" sec (Domaine Huet, Vouvray)
100% Chenin blanc, sehr klarer, modern-fruchtiger Stil (reife Birne, Grapefruit), feine Mineralität (ohne die nicht seltenen "Nasse-Wolle-Töne"), wirkt recht straff und knackig (trotz analytisch nur 5,2 Promill Säure und 5,5 gr RZ), macht Spass, die 13,5 Vol% werden gut geschluckt, der Abgang ist aber relativ kurz. Guter, tinkiger Wein, der von der Stilistik her auch aus Deutschland oder Österreich kommen könnte. Für knapp 20 EURO (Handel) vielleicht etwas zu hoch bepreist.
2010er St. Aubin "La Chateniere" 1er Cru (Marc Colin, St. Aubin)
zunächst etwas holzbetont (aber immerhin sehr feines, dezent röstige Holz), dann auch deutlich Frucht, Agrumen, Apfel, im Mund absolut trocken und recht straffe Struktur, die von einer erfrischenden Säure getragen wird, wirkt leichter als er ist (13,5 Vol%), sehr eleganter Burgunder mit hohem Trinkspassfaktor, dem nur etwas Dichte und Länge zu einem großen Chardonnay fehlen, kann durchaus noch ein paar Jahre reifen. Mir gefällt er aber in seiner schlanken, trinkigen Art schon jetzt.
2005er Cotes du Jura Savagnin a.c. (Berthet-Bondet, Chateau-Chalon)
wie nicht anders zu erwarten: die Fruchttrinker werden diesen Wein nie mögen und die Würze- und Komplexitättrinker, die auch Hefenoten lieben, sind begeistert. Ich gehöre zu den letzteren: reife hefige Noten (aber ohne merkliche Oxidation, der Wein reifte über 3 Jahre im nicht ganz vollgefüllten Holzfass unter einer Florschicht,die Oxidation verhindert), reife Trockenfrüchte, unheimliche Würze (Curry, Piment), reife für Struktur sorgende Säure, sehr langer Abgang. Ein toller Wein, der ab Weingut weniger als 15 EURO kostet. Aber Gott sei Dank nicht jedermanns Sache....
2011er Gewurztraminer "Cuvee Wahlenbourg" Alsace a.c. (Ginglinger, Eguisheim)
Sehr typischer Gewurztraminer mit expressiver Litschifrucht, Noten von Buschröschen und Lakritze, glockenklar ohne jeglichen Bortrytiseinfluss, deutliche Restsüsse (28gr), die aber den Wein gut in der Balance hält (ansonsten wäre beim Durchgären eine schöne Alkoholbombe herausgekommen), mittellang im Abgang. Sehr schöner, gut bezahlbarer Gewurztraminer, der in Kombination mit einem gereiften Munster noch besser zur Geltung kommen wird.
Dies war gleichzeitig der Abschluss des Weissweinteils; als Übergang gab es zunächst eine Rose:
Cotes de Provence Rose a.c. "Vieilles Vignes" (Domaine St. Andre de Figuiere)
rebhuhnaugenfarbe,sehr klare, fast etwas dropsige Frucht, reduktiver Stil, frische Säure, absolut trocken, deutliche Beerenfrucht, mittellanger Abgang. Ein angenehmer Rose, der fast "Deutsch" wirkt; für die aufgerufenen 12 EURO (Handel) etwas zu teuer.
Und weiter geht es mit den noch ausstehenden 8 Rotweinen.
Fortsetzung folgt!
Grüsse
Bodo