Hallo zusammen,
letzten Freitag trafen sich wieder einmal einige Weinnasen, um diverse Weine aus dem Jahrgang 2002 zu verkosten. Insgesamt am Start waren 14 Weine aus den Anbaugebieten Bordeaux, Burgund, Wachau, Franken, Baden und Sachsen (insgesamt 6x weiss und 8x rot).
Anbei die Probenfolge (mit kurzen VKN meinerseits):
2002er Weißburgunder Spätlese trocken (Schloß Proschwitz)
angenehm gereifte Nase ohne nennenswerte Alters- oder Oxidationsnoten,knapp reife Birnen- und Melonenfrucht, schlanke, absolut trockene Spätlese (12 Vol%) mit knackiger Säure, mineralisch unterlegt, angenehmer, aber relativ kurzer Abgang. Trotzdem recht trinkig.
2002er Escherndorfer Lump Riesling Spätlese trocken (Horst Sauer)
sehr jugendliche Nase mit nur zu erahnendem Ansatz von Petrol, glasklare Marillen- und Agrumenfrucht, kalkig unterlegt, nur mittelgewichtig, aber gute Fruchtdichte, trocken (wohl mit ein paar gut dosierten Gramm Restzucker), belebende Säure, glasklare Frucht, bestätigt auf der Zunge den jugendlichen Eindruck, ordentliche Länge. Ein bildhübscher Franken-Riesling, der sich auch in den nächsten Jahren noch bestens präsentieren wird. Extrem trinkig !
2002er Jochinger Pichlpoint Grüner Veltliner Smaragd (Bäuerl, Joching)
sehr kräftiger Bursche mit sortentypischer Ananas/Pfeffernase, deutliche Spuren von Malo (Joghurt, milchig),auf der Zunge absolut trocken, dank Malo relativ milder Auftritt, durchaus sortentypisch, eine Spur in die Breite gehend, trotzdem durchaus gelungen und noch bestens zu trinken. Ohne die deutlichen Malo-Noten würde mir dieser Veltliner aber noch deutlich besser gefallen.
2002er Escherndorfer Lump Silvaner Spätlese trocken "L" (Rainer Sauer)
phantastisch jugendlicher Eindruck, reife Melone, Birne und dezent gemüsige Noten, sehr typischer "Lump"-Silvaner, absolut kraftvoll am Gaumen (14,5 Vol%), obwohl der Alkohol kaum zu spüren ist, gut strukturierende Säure mit viel Extrakt, auf der Zunge die silvanertypische Mischung aus reifer Gelbfrucht mit würzig-vegetabilen Noten, langer Abgang. Toller Silvaner, bei dem mich persönlich nur die etwas zu schmeckenden paar Gramm Restzucker stören (die aber bei vollständiger Vergärung zum Knacken der 15 Volt -Grenze geführt hätten!!).
2002er Loibner Loibenberg Riesling Smaragd tr. (Alzinger, Unterloiben)
sehr spannende Nase mit deutlicher Marillen- und Zitrusfrucht, aber in keiner Weise plakativ und ordinär,ganz hintergründige Würze, glasklar auf der Zunge, zischige Säure, die die 13,5 Vol % nicht einmal erahnen lassen, einige Finessen, dicht und lang. Gnadenlos guter Wachauer in bester Reife.
2002er Traminer Eiswein (Schloß Proschwitz)
Alk: 10,0/ S: 8,8/ Z: 217, gelesen am 10.12. bei -12 Grad.
Trotz kräftiger Konzentration sortentypische florale Noten, konzentriert, etwas Karamell, angenehm gereift, auf der Zunge Maracuja und Sternfrucht, Rosenblätter, würzig, angenehmes Süsse/Säureverhältnis, gute Länge. Wirkt aufgrund der gemässigten Säure eher wie eine BA oder TBA als ein Eiswein. Trotzdem gelungen. Mit 60 EURO (1/2 Flasche) aber auch kein Schnäppchen.
In Kürze folgen noch die 8 Rotweine !
Grüsse
Bodo
Jahrgangsprobe 2002 -Ten years after- in Würzburg
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weinaffe
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Re: Jahrgangsprobe 2002 -Ten years after- in Würzburg
... und weiter geht es mit den Rotweinen:
2002er Chateau Labegorce-Zede Margaux a.c. (Ch. Labegorce-Zede, Margaux)
ein etwas kantiger Margaux-Typ, Tabak, Leder, eine Spur Bret, knapp reife Cassis mit Kirsche, noch etwas aufrauhendes Tannin, angenehme Säure, ein nicht überkelteter, ehrlicher Jahrgangsvertreter.
2002er Fixin "Les Arvelets" 1er Cru (Vincent et Denis Berthaut, Fixin)
asketische, relativ fruchtarme Nase, kühle Stilistik, wirkt etwas gehemmt, auch im Mund sehnig und puristisch, angenehme Säure, etwas schüchterne Kirschfrucht mit etwas Erdbeere, dezent würzig, linearer, etwas einsilbiger Abgang. Schwer zu sagen, in welche Richtung die Entwicklung geht. Positiv ist das Fehlen von Alterungsnoten, negativ die doch auffallende Fruchtarmut zu bewerten. Nachkaufen werde ich mir diesen Verteter aber vorsichtshalber nicht.
2002er Frühburgunder Barrique QW trocken (Divino WG Nordheim, Franken)
überraschend jugendliche Nase mit einer gelungenen Mischung aus saftiger Kirsch- und Pflaumenfrucht, gewürzt mit Mokka, Röstnoten, Leder und etwas Bret.Wirkt Lichtjahre jünger als der vorangegangene Burgunder,schmeichelnd im Mund (hat leider gut 4 gr. RZ), klare Dunkelbeerfrucht mit integrierten Barriquenoten (100 % neues Holz), gute Fruchtdichte mit erstaunlicher Länge. Der Wein hat durchaus noch mittelfristiges Lagerpotential. Das gefällige "Restzuckerschwänzchen" ist aber bei diesem wirklich ausgezeichneten Wein völlig deplaziert und unnötig.
2002er Spätburgunder "Alte Reben" QW tr. (Huber, Malterdingen)
so hätte sich eigentlich der Fixin präsentieren sollen: sehr elegante Nase, Schattenmorellen, Himbeeren, finessenreiche Würze dank perfektem Holzeinsatz, absolut kühle Stilistik trotz schmeckbarer Reife, alle Faktoren perfekt ausbalanciert, ein in sich ruhender, burgundisch inspirierter Pinot auf dem Höhepunkt. Jetzt bzw. ohne Eile in den nächsten 3-5 Jahren geniessen !
2002er Vosne-Romanee "Les Petits Monts" 1er Cru (Robert Sirugue, Vosne)
sehr klassische, aber zurückhaltende Nase, Frucht und Würze sind vorhanden, der Wein will sich aber trotz Luftzufuhr noch nicht so richtig zeigen, das selbe Bild auf der Zunge, puristisch mit angedeuteter Frucht, deutlich extraktsüss, für Frische sorgende Säure, mittellanger Abgang mit angenehmer Rückaromatik. Der Wein will noch nicht richtig "singen". Bei diesem Burgunder bin ich jedenfalls, was eine positive Entwicklung anbelangt, viel optimistischer als bei dem Fixin. Burgunder sind halt manchmal etwas "zickig"
2002er Chateau Gloria St. Julien a.c. (Ch. Gloria, St. Julien)
wunderbar elegante Nase nach reifer(!) Frucht (Cassis, Brombeere, Kirsche), unterlegt mit würzigen Noten, sehr klar und mit einiger Finesse versehen, sehr feinkörniges Tannin, das schon weitgehend abgeschmolzen ist, perfekte Säureintegrierung, kein Blockbuster, aber ein äusserst stimmiger, mit der sprichwörtlichen St. Julien-Ausgewogenheit versehener Bordeaux, der jetzt und in den nächsten Jahren riesigen Trinkspass bereitet. Für mich der "trinkigste" Wein des Abends und das bei einem wirklich ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis. Nachkauf (bei vernünftigem Preis) sehr empfohlen !
2002er "Grand Noir" Tafelwein Main Barrique tr. (Luckert, Sulzfeld)
90 % Cab. Sauv/10 % Merlot/ 100% neue Barriques, Gesamtproduktion: 2 Fässer 14 Vol%.
Der Experimentalwein aus dem Hause Luckert: fast blickdichte Farbe, extrem jugendlich, fast noch primärfruchtig (Pflaume, Brombeere), festes Tannin, gute Säure, Holz perfekt integriert, kräftiger, aber nicht schwerfälliger Wein, der aber mit einem Bordeaux nicht zu verwechseln ist, sehr individueller Wein mit einiger Klasse, der aber mit seinen 35 EURO ab Weingut schon durchaus mutig bepreist ist.
2002er Chateau Calon -Segur 3e Grand Cru Classe (Chateau Calon-Segur,St. Estephe)
noch sehr zurückhaltend in der Nase, hat aber Substanz, noch sehr aufrauhendes Tannin, noch nicht im Lot, kann momentan dem Gloria kein Paroli bieten, wird sich aber mittelfristig noch verbessern.
Das wars wieder einmal.
Nach der Probe ist vor der Probe (altes Verkoster-Sprichwort)
Grüsse
Bodo
2002er Chateau Labegorce-Zede Margaux a.c. (Ch. Labegorce-Zede, Margaux)
ein etwas kantiger Margaux-Typ, Tabak, Leder, eine Spur Bret, knapp reife Cassis mit Kirsche, noch etwas aufrauhendes Tannin, angenehme Säure, ein nicht überkelteter, ehrlicher Jahrgangsvertreter.
2002er Fixin "Les Arvelets" 1er Cru (Vincent et Denis Berthaut, Fixin)
asketische, relativ fruchtarme Nase, kühle Stilistik, wirkt etwas gehemmt, auch im Mund sehnig und puristisch, angenehme Säure, etwas schüchterne Kirschfrucht mit etwas Erdbeere, dezent würzig, linearer, etwas einsilbiger Abgang. Schwer zu sagen, in welche Richtung die Entwicklung geht. Positiv ist das Fehlen von Alterungsnoten, negativ die doch auffallende Fruchtarmut zu bewerten. Nachkaufen werde ich mir diesen Verteter aber vorsichtshalber nicht.
2002er Frühburgunder Barrique QW trocken (Divino WG Nordheim, Franken)
überraschend jugendliche Nase mit einer gelungenen Mischung aus saftiger Kirsch- und Pflaumenfrucht, gewürzt mit Mokka, Röstnoten, Leder und etwas Bret.Wirkt Lichtjahre jünger als der vorangegangene Burgunder,schmeichelnd im Mund (hat leider gut 4 gr. RZ), klare Dunkelbeerfrucht mit integrierten Barriquenoten (100 % neues Holz), gute Fruchtdichte mit erstaunlicher Länge. Der Wein hat durchaus noch mittelfristiges Lagerpotential. Das gefällige "Restzuckerschwänzchen" ist aber bei diesem wirklich ausgezeichneten Wein völlig deplaziert und unnötig.
2002er Spätburgunder "Alte Reben" QW tr. (Huber, Malterdingen)
so hätte sich eigentlich der Fixin präsentieren sollen: sehr elegante Nase, Schattenmorellen, Himbeeren, finessenreiche Würze dank perfektem Holzeinsatz, absolut kühle Stilistik trotz schmeckbarer Reife, alle Faktoren perfekt ausbalanciert, ein in sich ruhender, burgundisch inspirierter Pinot auf dem Höhepunkt. Jetzt bzw. ohne Eile in den nächsten 3-5 Jahren geniessen !
2002er Vosne-Romanee "Les Petits Monts" 1er Cru (Robert Sirugue, Vosne)
sehr klassische, aber zurückhaltende Nase, Frucht und Würze sind vorhanden, der Wein will sich aber trotz Luftzufuhr noch nicht so richtig zeigen, das selbe Bild auf der Zunge, puristisch mit angedeuteter Frucht, deutlich extraktsüss, für Frische sorgende Säure, mittellanger Abgang mit angenehmer Rückaromatik. Der Wein will noch nicht richtig "singen". Bei diesem Burgunder bin ich jedenfalls, was eine positive Entwicklung anbelangt, viel optimistischer als bei dem Fixin. Burgunder sind halt manchmal etwas "zickig"
2002er Chateau Gloria St. Julien a.c. (Ch. Gloria, St. Julien)
wunderbar elegante Nase nach reifer(!) Frucht (Cassis, Brombeere, Kirsche), unterlegt mit würzigen Noten, sehr klar und mit einiger Finesse versehen, sehr feinkörniges Tannin, das schon weitgehend abgeschmolzen ist, perfekte Säureintegrierung, kein Blockbuster, aber ein äusserst stimmiger, mit der sprichwörtlichen St. Julien-Ausgewogenheit versehener Bordeaux, der jetzt und in den nächsten Jahren riesigen Trinkspass bereitet. Für mich der "trinkigste" Wein des Abends und das bei einem wirklich ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis. Nachkauf (bei vernünftigem Preis) sehr empfohlen !
2002er "Grand Noir" Tafelwein Main Barrique tr. (Luckert, Sulzfeld)
90 % Cab. Sauv/10 % Merlot/ 100% neue Barriques, Gesamtproduktion: 2 Fässer 14 Vol%.
Der Experimentalwein aus dem Hause Luckert: fast blickdichte Farbe, extrem jugendlich, fast noch primärfruchtig (Pflaume, Brombeere), festes Tannin, gute Säure, Holz perfekt integriert, kräftiger, aber nicht schwerfälliger Wein, der aber mit einem Bordeaux nicht zu verwechseln ist, sehr individueller Wein mit einiger Klasse, der aber mit seinen 35 EURO ab Weingut schon durchaus mutig bepreist ist.
2002er Chateau Calon -Segur 3e Grand Cru Classe (Chateau Calon-Segur,St. Estephe)
noch sehr zurückhaltend in der Nase, hat aber Substanz, noch sehr aufrauhendes Tannin, noch nicht im Lot, kann momentan dem Gloria kein Paroli bieten, wird sich aber mittelfristig noch verbessern.
Das wars wieder einmal.
Nach der Probe ist vor der Probe (altes Verkoster-Sprichwort)
Grüsse
Bodo