Da steht dann gerne, dass man für's Leben lernt, dass Bernd's neues Auto nächste Woche geliefert wird und dass (auch gerne als schlichtes "das" daherkommend) wegen dem schlechten Wetter die Veranstaltung verlegt wird.
Manches ist mir nicht so wichtig, aber so ein paar Dinge lassen meinen Magen regelmäßig rotieren, so zum Beispiel der Deppenapostroph (ja der Apostroph), der inzwischen so stark Einzug hält, dass er wahrscheinlich bald überall anerkannt ist. Und dass die Präposition "wegen", die doch den Genitiv regiert, immer mit dem Dativ kombiniert wird (der also entgegen der Aufforderung des Herrn Sick keiner Rettung bedarf, im Gegenteil). Sei's drum, wegen dem bisschen Grammatik soll man sich bitte nicht so haben. Und (das ist in meiner Gegend eine beliebte Verwurschtelung des klaren Deutschs) schließlich geht es sich doch darum, dass man verstanden wird. Ja, da geht es sich wohl drum.
Oder, der Feinschmecker, der so gerne eine kandierte Olive ist. Da muss ich dann immer an die damals als revolutionär geltende Fernsehshow "Tutti Frutti" denken: "Und ich bin die Erdbeere!"
In Weinkreisen lese ich immer öfter, man habe beispielsweise am Wochenende 12 Weine verköstigt. Ja, meine Mutter hatte früher auch mittags mindestens sechs hungrige Mäuler zu … verkosten? Und was hat man den Weinen da wohl angeboten, um sie angemessen satt zu bekommen? Und warum in aller Welt hat man sie nicht einfach getrunken? Dazu sind Weine doch schließlich da!
Wenn ich meinem Erstaunen hierüber Ausdruck verleihe, heißt es regelmäßig, man sei schließlich im Internet und da komme es (sich) da nicht so drauf an. auch gros-, klein- und rechtschreibung sei maslos überschetzt, odda etwa ned?
Gut, dann will ich mich den internetten Gepflogenheiten mal anpassen und von einer Verköstigung im Weingut Schmitt's Kinder in Randersacker, Franken, berichten, beziehungsweise einen Wein herausgreifen, den ich recht außergewöhnlich fand und von dem ich mir dann auch gleich ein paar Flaschen mitgenommen habe.
2007 Würzer Spätlese Randersackerer Marsberg
Schmitt's Kinder, Franken
Der Apostroph bei den Schmitt's geht auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück und bezeichnet eine Erbengemeinschaft, die das Weingut gemeinschaftlich bewirtschaftete, um die "fränkische Realteilung" im Erbfall zu verhindern. Daran haben sie sehr gut getan.
Heute wird das Gut von Martin Schmitt und seinen Söhnen bewirtschaftet (man muss übrigens nicht fragen, wer zur Familie gehört, man sieht es gleich
Würzer ist eine Züchtung aus Gewürztraminer und Müller-Thurgau (das Rivaner, das man jetzt gerne benutzt, will mir für die brave Züchtung des Herrn Müller nicht so glatt über die Tastatur) und nicht sehr verbreitet. Der Züchter war übrigens der Herr Scheu, dessen Namen man ja vor allem mit der Scheurebe in Verbindung bringt.
Schmitt's jedenfalls haben noch einen Rebbestand, so dass sie wenn auch nicht jedes Jahr ein paar Flaschen herausbringen können und ihr Würzer ist allemal für eine Überraschung gut. Ich glaube aber, man überlegt immer wieder mal, sich von den Reben zu trennen, ob es das inzwischen der Fall ist, weiß ich nicht.
Der Name ist Programm, der Wein duftet sehr intensiv nach Rosen und Blüten ebenso wie nach den klassischen Weihnachtsgewürzen, am Gaumen ein feiner Schmelz, leicht exotische Noten von Mango, reifen Orangen und kandierten Früchten begleitet von einer zarten Honigsüße und Vanille, dabei eher saftig und in einem recht langen Abgang endend.
Ich habe den Wein als Dessertwein eingesetzt, er passt wunderbar überall dort wo eine nicht zu intensive Süße gefragt ist, zum Beispiel zu einem Baba au Rhum mit Früchten, der ist selber süß und schon ein wenig klebrig, da kann der Wein mit einer schlanken Süße einen guten Gegenpol bilden. Auch zu Vorspeisen mit foie gras oder einem fruchtigen Salat mit Lebepastete passt er wunderbar.
Oder einfach so verköst… getrunken.
Prost!