Der Sinn von Wettbewerben jeglicher Art ist ja, den, die oder das Beste aus einer Auswahl herauszufinden. Außer im Kindergarten, da bekommen alle Kinder eine Urkunde oder eine Auszeichnung von der Kindergärtnerin, weil es sonst Geschrei gibt.
Und bei Weinprämierungen, das ist wie Bundesjugendspiele, ist die Menge der prämierten Weine um ein Vielfaches höher als die Menge der nicht prämierten, gestern hab ich folgende Zahlen gelesen (die ich jetzt mal ungeprüft weitergebe, aber ich sehe keinen Grund, an ihrer Richtigkeit zu zweifeln): "Weinbauverband-Württemberg: Bei der Landesprämierung für Wein und Sekt bekamen 29,76 % der 4630 angestellten Weine Gold, 36,86 % Silber und 13,76 % Bronze. Das entspricht einer Erfolgsquote von 80,4 %. Ohne Preis blieben 19,61 % (2007: 18,3; 2006: 16,74; 2005: 18,34 %)." Ich glaube, die Zahlen beziehen sich auf 2008.
Es ist ja kein Geheimnis, die allermeisten Weinmedaillen haben kaum einen Wert, die allermeisten Verbaucher haben keine Ahnung, was sie aussagen oder welches die prämierenden Institutionen oder die Auswahlkriterien sind, denken sich aber, na ja, wenn den irgendwer getestet hat, dann wird er schon gut sein. Und so pappen dann munter Schildchen und Aufkleber an den Flaschen, mit Parkerpunkten, Mundus Vini Medaillen, Goldenen Kammerpreismünzen bis hin zu den Eigenbewertungen von Händlern oder Importeuren. Und es gibt nicht wenige Weinratgeber, die in ihren "wie erkenne ich als Anfänger einen guten Wein"-Kapiteln die Medaillen erwähnen, die immer (!?) ein Hinweis für Qualität seien.
Das ist wohl so ähnlich wie die Stiftung-Warentest- und Ökotest-Noten. Es weiß zwar kaum jemand, wie genau der Test abgelaufen ist, wie viele Produkte überhaupt getestet wurden und ob die Zusammensetzung des aktuellen Produktes noch genau so ist wie im getesteten, aber es zeigt: Aufkleber, Medaillen, Auszeichnungen schaffen Vertrauen.
Besonders fasziniert mich in diesem Zusammenhang ja immer das Etikett von Marquès de Riscal, das schon seit Jahren die gleichen Auszeichnungen abbildet (außerdem mag ich in dem Zusammenhang noch den Bau von Frank Gehry für Bodega und das angeschlossene Hotel).
Andersherum wird aber auch kein Schuh draus. Ich kenne nicht wenige Leute, die aus den oben genannten Gründen sich jedem prämierten Wein erst mal skeptisch nähern und immer fürbass erstaunt sind, wenn er sich dann auch wirklich als gut erweist. Und ob ein Wein ohne Medaille nun gut oder schlecht ist, kann man sowieso nur durch trial and error herausfinden.
Ich hab mir ja schon ernsthaft überlegt, ob wir mal die "besondere Auszeichnung von dasweinforum.de" entwickeln sollen, ein feines bordeauxrotes Siegel, am besten entwirft es der Adrian van Velsen, der kann so was und wir verleihen es allen Weinen, die von verdienten Mitgliedern empfohlen werden. Knallhart, unbestechlich, neutral …..
Da bringe ich gleich mal meinen ersten Kandidaten ins Spiel, einen Wein, den es am Wochenende zu Daube provencal gab
2001 Château de Pibarnon
Bandol
er hatte nicht ganz die Wucht und den Extrakt des 2000ers (aber der ist leider ausgetrunken), aber er passte wunderbar zum geschmorten Fleisch und der über Stunden sanft eingekochten Sauce. Wir hatten ihm eine knappe Stunde Luft gegeben, bevor er serviert wurde. Dunkles Karmin, zarter leicht bräunlicher Rand, sehr feiner Duft nach reifen dunklen Beeren, Lebkuchengewürz, Erde, Zigarrenkiste, am Gaumen kraftvoll aber nicht wuchtig, Bitterschokolade, Leder, wiederum Frucht, noch seidiges Tannin, keinerlei Altersnote und ein recht komplexer feiner Abgang.
Ein Klassiker aus dem Bandol, dem man seine Zeit geben sollte, in der Jugend präsentieren sie sich meistens nicht so fein abgerundet und intensiv, sondern ein wenig ruppig.
Prost!