Re: Bordeaux 2014
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 16:11
2 X Saint-Julien, einer in beginnender Trinkreife aus dem mittleren Jahrgang 2014, der andere noch sehr jung aus dem (angeblich, im Forum häufig geäußert) "verschlusslosen" großen Jahrgang 2019 (mit - außer PV beim einen - sehr vergleichbarer Rebsortenzusammensetzung).
Léoville Poyferré 2014 (13.5% ABV)
61% CS / 27% M / 8% PV / 4% CF
Langoa Barton 2019 (14% ABV)
67% CS / 26% M / 7% CF
Voraus erst einmal die Feststellung: Beide Weine können es bezüglich aktuellem Trinkgenuss nicht mit dem an Weihnachten getrunkenen Pauillac GPL aus dem ziemlich mittelmäßigen 2012 aufnehmen, der erstaunlicherweise (für mich) zumindest an der Schwelle zu einem großen Wein (95) "gekratzt" hat.
Beide Weine sind sicher oberhalb der 90 Punkte anzusiedeln (herauszustreichen ist in beiden Fällen der wohltuend zurückhaltende Holzeinsatz), auch wenn der LB 2019 sich aus meiner Sicht (trotz Notizen auf CT und o.e. Jahrgangsdefinitionen) noch nicht wirklich gefunden hat. Nasal kommt er sehr ungestüm daher, wenn auch seine Rotbeerigkeit (mit einem Kontrapunkt von Cassis) ihren Reiz hat. Am Gaumen zeigt sich die Säure sehr straff und das Tanningerüst recht ungehobelt. Tabak und Frucht sind in einem ziemlich schroffen Kontrast - von Schluck zu Schluck mit unterschiedlicher Dominanz, weit von harmonischem Zusammenspiel. Der mittellange Abgang auf rauchigen Noten auf einer noch etwas spitzen Graphitschiene weiß dagegen bereits zu gefallen.
Für mich 91 Punkte
Der LP 2014 steht in seiner sehr dunkel purpurnen Farbe an Jugendlichkeit dem LB kaum nach. Dasselbe gilt für die Säure, die aber doch eine Spur weniger straff daherkommt und besser in den Weinkörper integriert ist. Die Tannine sind spürbar, aber feiner und leicht abgeschmolzen. Insgesamt ist der LP 2014 sowohl nasal als auch palatal abgerundeter, zeigt etwas mehr Fruchtnuancen (auch gegen die rote Kirsche zu), ist für mich aber auch insgesamt gefälliger und schmeichlerischer. Der Wein ist "weiter" (entwickelt), aber trotzdem noch sehr jung. Beide Weine sind noch nicht ansatzweise auf einem Weg ins Tertiäre (was für mich kein Mangel ist). Wer letzteres möchte, muss auch beim LP 2014 noch 5 Jahre warten, außer er hat viel davon und kann ihn regelmäßig in seiner Entwicklung verfolgen. Für mich 92(-93) Punkte.
P.S. Meine Frau sieht den LB 2019 leicht höher ("feiner" als LP 2014)
Ich bin gespannt, einmal - in einigen Jahren - den kleinen und den großen Barton, den LP und den Lagrange aus 2019 horizontal zu vergleichen. Und von Ducru B halt nur den La Croix
Léoville Poyferré 2014 (13.5% ABV)
61% CS / 27% M / 8% PV / 4% CF
Langoa Barton 2019 (14% ABV)
67% CS / 26% M / 7% CF
Voraus erst einmal die Feststellung: Beide Weine können es bezüglich aktuellem Trinkgenuss nicht mit dem an Weihnachten getrunkenen Pauillac GPL aus dem ziemlich mittelmäßigen 2012 aufnehmen, der erstaunlicherweise (für mich) zumindest an der Schwelle zu einem großen Wein (95) "gekratzt" hat.
Beide Weine sind sicher oberhalb der 90 Punkte anzusiedeln (herauszustreichen ist in beiden Fällen der wohltuend zurückhaltende Holzeinsatz), auch wenn der LB 2019 sich aus meiner Sicht (trotz Notizen auf CT und o.e. Jahrgangsdefinitionen) noch nicht wirklich gefunden hat. Nasal kommt er sehr ungestüm daher, wenn auch seine Rotbeerigkeit (mit einem Kontrapunkt von Cassis) ihren Reiz hat. Am Gaumen zeigt sich die Säure sehr straff und das Tanningerüst recht ungehobelt. Tabak und Frucht sind in einem ziemlich schroffen Kontrast - von Schluck zu Schluck mit unterschiedlicher Dominanz, weit von harmonischem Zusammenspiel. Der mittellange Abgang auf rauchigen Noten auf einer noch etwas spitzen Graphitschiene weiß dagegen bereits zu gefallen.
Für mich 91 Punkte
Der LP 2014 steht in seiner sehr dunkel purpurnen Farbe an Jugendlichkeit dem LB kaum nach. Dasselbe gilt für die Säure, die aber doch eine Spur weniger straff daherkommt und besser in den Weinkörper integriert ist. Die Tannine sind spürbar, aber feiner und leicht abgeschmolzen. Insgesamt ist der LP 2014 sowohl nasal als auch palatal abgerundeter, zeigt etwas mehr Fruchtnuancen (auch gegen die rote Kirsche zu), ist für mich aber auch insgesamt gefälliger und schmeichlerischer. Der Wein ist "weiter" (entwickelt), aber trotzdem noch sehr jung. Beide Weine sind noch nicht ansatzweise auf einem Weg ins Tertiäre (was für mich kein Mangel ist). Wer letzteres möchte, muss auch beim LP 2014 noch 5 Jahre warten, außer er hat viel davon und kann ihn regelmäßig in seiner Entwicklung verfolgen. Für mich 92(-93) Punkte.
P.S. Meine Frau sieht den LB 2019 leicht höher ("feiner" als LP 2014)
Ich bin gespannt, einmal - in einigen Jahren - den kleinen und den großen Barton, den LP und den Lagrange aus 2019 horizontal zu vergleichen. Und von Ducru B halt nur den La Croix