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Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 12:51
von harti
Hallo Benjamin,
beide Weine empfinde ich - gemessen am gesamten Marktgefüge - noch einigermaßen "fair" bepreist. Ob sie letztendlich auch einen Mehrwert gegenüber 2009 bieten? Das glaube ich persönlich nicht.
Grüße
Hartmut
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 13:44
von innauen
Und weiter geht die wilde Fahrt. Giscours mit + 19% ex nego, Pagodes de Cos dgg "nur" mit 11 Prozent.
Die Chateaus beargwöhnen sich und drängen alle auf das gleiche (Preis-)Trepchen, auf dem schon der Nachbar steht. Die 2009 noch bestehenden Preisunterschiede sucht man zu nivilieren. Die Premiers machen es ja schon seit Dekaden so vor und kommen immer bis auf den ein oderen anderen Ersten unter Gleichen immer zum selben Preis heraus.
Grusse
Wolf
P.S. Einspruch zu den kalifornischen Weinen. Screaming Eagle hat sich im Premier Cru Segment mit mehr als 1000 Euro angesiedelt, aber da gilt wie bei Petrus, Lafleur, Le Pin : Ultrateuer, weil ultrarar. Die 300-600 Kisten (=7.200 Flaschen) verdunsten auf dem internationalen Markt, bevor sie überhaupt je in den Verkauf kommen. Heitz Martha´s Vineyard kommt auf immerhin 3.000 Kisten (36.000 Flaschen) und verlangt dafür rund 500 Euro. Das ist viel, aber wie auch bei den 14,5 Hektar von Harlan ist das immer noch weniger im Vergleich zu den Preisen, die zB La Mission Haut Brion ohne Premier Cru Standard demnächst für seinen Wein haben wollen wird - nämlich genauso viel wie für Haut Brion selbst. Die Klasse der Opus One und Dominus produziert m.W. mehr, kostet dann aber eben soviel wie die ersten Gewächse aus anderen Weinregionen auch - 100 Euro plus.
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 14:28
von boromir
Hi,
Heitz Martha´s Vineyard kommt auf immerhin 3.000 Kisten (36.000 Flaschen) und verlangt dafür rund 500 Euro.
Das wäre ein bisschen zuviel des Guten.
Habe ich immer irgendwo um die 120 Euro bezahlt,USA noch weniger.
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 14:44
von innauen
stimmt. Die 500 waren der schnell recherchierte Preis eines Sonderformats. Der Preis etwas oberhalb von 100 Euro für die Normalflasche stützt aber die Annahme, dass die "Premier Cru" ausserhalb von Bordeaux ein Preisniveau haben, das in Bordeaux schon die Zweitgewächse der Premier Cru locker überschreiten - und das bei viel höheren Produktionsmengen.
Es muss halt jeder selbst entscheiden, was er kauft. Bei mir werden es Senejac, Clos de Jauguyeron, Poujeaux, Chasse Spleen und Ferriere sein. That´s it. (und ja, letztes Jahr war es deutlich mehr).
Grüße,
wolf
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 14:47
von Moulis
innauen hat geschrieben:
P.S. Einspruch zu den kalifornischen Weinen. Screaming Eagle hat sich im Premier Cru Segment mit mehr als 1000 Euro angesiedelt, aber da gilt wie bei Petrus, Lafleur, Le Pin : Ultrateuer, weil ultrarar. Die 300-600 Kisten (=7.200 Flaschen) verdunsten auf dem internationalen Markt, bevor sie überhaupt je in den Verkauf kommen. Heitz Martha´s Vineyard kommt auf immerhin 3.000 Kisten (36.000 Flaschen) und verlangt dafür rund 500 Euro. Das ist viel, aber wie auch bei den 14,5 Hektar von Harlan ist das immer noch weniger im Vergleich zu den Preisen, die zB La Mission Haut Brion ohne Premier Cru Standard demnächst für seinen Wein haben wollen wird - nämlich genauso viel wie für Haut Brion selbst. Die Klasse der Opus One und Dominus produziert m.W. mehr, kostet dann aber eben soviel wie die ersten Gewächse aus anderen Weinregionen auch - 100 Euro plus.
Ich habe ja auch geschrieben abgesehen von den Spitzen.
Die Liste amerikanischer Weine für 100 € + ist aber doch deutlich länger
Sine Qua Non, Quicelda Creek, Koonsgaard, Colgin, Newton, Evening Land, Ridge, Levy & McClellan, Hatton Family , uvm.. Es gibt eben nicht nur Mondavi und Dominus.
Das sind sicher nicht weniger Weingüter als in BX. Vielleicht sind einfach viele hier nicht so bekannt.
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 14:59
von innauen
und wieder einer weniger. Phelan Segur (es muss daran erinnert werden. Es ist nur ein Cru Bourgeois - dazu noch beraubt um einige Parzellen, die jetzt Montrose gehören) kommt mit einer sportlichen Erhöhung von 20 Prozent ex nego. Dürfte also erst ab 38 Euro en primeur zu kaufen sein.
Sing: "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld. Wer hat so viel ....."
Grüße,
Wolf
@Christoph. Die Menge macht den Unterschied. Lafite hat 103 Hektar, Pontet Canet 80, Lynch Bages 85 Hektar und das alles bei Erträgen, die nicht ultraniedrig sind. 2009 kamen 21 Weine nur vom linken Ufer mit über 100 Euro, etliche davon mit über 250 und dazu noch die Premier Cru. Dieses Jahr dürften es nochmal 5-8 Weine mehr sein, die diese Schallmauer EN PRIMEUR überspringen. Bei der Arrivage sind es nochmals mehr. Allein die Zweitgewächse der Premier Cru steigen schon im Sekundäregeschäft vor Arrivage auf über 100 Euro und müssten noch hinzugerechnet werden, genauso die Weissweine wie Pavillon Blanc und einige Sauternes. Dazu kommen noch die kleineren, aber nicht kleinsten Produktionsmengen der Topweine vom rechten Ufer /(Figeac immerhin 40 Hektar, Cheval Blanc 36 ha) Da sind letztes Jahr 25 Weine mit über 100 Euro rausgekommen. Dieses Jahr dürften es 30 sein. Auch da steigen die Preise im Sekundärmarkt nochmal kräftig. Le Pin und Petrus fehlen hier in der Rechnung auch noch, weil die wie Screaming Eagle gar nicht erst auf dem Markt Primeurmarkt erscheinen.
Summasummarum kommt man auf mindestens 50 Weine ab 100 Euro, von denen etliche in einer Produktionsmenge auf den Markt kommen, die einzeln genommen, die Premier Cru Produktion aus anderen Teilen der Welt vollständig aufwiegt und zudem im Durchschnitt (ich habe jetzt kein Statistikprogramm zur Hand) so im Bereich zwischen 200- 350 Euro kosten, bildet man das Mittel aus dem günstigen 100-Euro-Wein, den Superseconds und den Premier Cru.
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 15:19
von octopussy
Herrlich. Ich sehe mich schon im Jahre 2055 als Rentner in einem See aus Bordeaux baden, einem Gemisch aus überteuerten Zweitweinen und mittelmäßigen Cru Classés und Cru Bourgeois, aufgefüllt aus unverkauften und schon lange über den Jordan gegangenen Flaschen der letzten 50 Jahre

. Da rund um die Gironde keine Kohle abgebaut wird, hat man das Zeug in die Lausitz verfrachtet. Da gibt es genügend mit Flüssigkeit aufzufüllende Gruben. Statt die Weine noch rechzeitig billig abverkauft zu haben, hat man sie lieber weggeschüttet. Denn auch die en primeur Preise für den 2054er Jahrgang, den 43. Jahrhundertjahrgang im 21. Jahrhundert, wollte man nicht durch Abverkaufsaktionen gefährden.
Und der Bordeaux-See duftet so schön nach verfaulten Pflaumen, Herbstlaub und Verfall

.

Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 15:22
von harti
Hallo Stephan,
da gibt es doch eine einfachere Lösung: Übermengen werden gleich in die Gironde verklappt, dann bekommt die statt des fiesen Gelbs einen zarten Rosé-Ton.
Grüße
Hartmut
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 15:45
von UlliB
harti hat geschrieben:Hallo Stephan,
da gibt es doch eine einfachere Lösung: Übermengen werden gleich in die Gironde verklappt, dann bekommt die statt des fiesen Gelbs einen zarten Rosé-Ton.
Ne, das geht nicht. Bei den anfallenden Mengen könnte das gesamte Ökosystem zum Umkippen gebracht werden und die paar verbliebenen Neunaugen auch noch gekillt werden. Abdestillieren und die Leute davon überzeugen, dass ein Auto, das E10 verträgt, auch E15 vertragen wird, ist die umweltgerechtere Lösung. Wäre doch auch ein geiles Gefühl, statt Kartoffeln oder Mais zur Fortbewegung Pauillac oder Margaux zu verheizen
Zurück zum Thema. Nachdem mit Pontet-Canet die Richtung der Kampagne endgültig vorgegeben ist, könnte man sich die Zeit doch jetzt mit einer Art Pferderennwette vertreiben. In der Spitzengruppe (nach den Premiers und La Mission, die bekanntlich ihr eigenes Rennen laufen) sehe ich ganz klar Cos, Las Cases und Palmer, die mit ca. 350 Euro neue persönliche Bestmarken setzen. Wer von den dreien schlussendlich die Nase vorne hat, wird sich wohl nur im Fotofinish entscheiden.
Die beiden hoch klassifizierten Pichons dürfen natürlich hinter dem Emporkömmling Pontet-Canet (fünftklassiger Stall, puh) keineswegs zurückbleiben. Die Comtesse wird dabei wie üblich die Nase vorne haben und bei über 200 die Ziellinie kreuzen, während der Baron daran wohl noch scheitern wird und mit 160 oder 170 einläuft.
Montrose dürfte unter neuem Besitzer und neuem Jockey ebenfalls persönliche Bestmarken setzen und sich mit der Comtesse ein interessantes Rennen liefern.
Besondere Aufmerksamkeit verdient darüber hinaus auch noch der bislang eher als Ackergaul in Erscheinung getretene Duhart-Milon, dessen überraschende Galopperqualitäten erst kürzlich vom Besitzer erkannt wurden und der ziemlich sicher bei über 100 einlaufen wird, vielleicht aber auch für eine richtig derbe Überraschung sorgen wird - die beim Zweitpferd Carruades aus gleichem Stall von Kennern der Szene eigentlich schon erwartet wird.
Die Wettbüros sind noch offen...
Gruß
Ulli
Re: BORDEAUX 2010 - Aktuelles zur Primeurkampagne
Verfasst: Mi 8. Jun 2011, 15:56
von octopussy
harti hat geschrieben: Übermengen werden gleich in die Gironde verklappt, dann bekommt die statt des fiesen Gelbs einen zarten Rosé-Ton.
Wenn man nur genügend "dark, vicious and brooding" und "inky purple" Weine reinkippt und Troplong Mondot, Malescot St. Exupery und andere genügend beisteuern, kriegt man vielleicht auch ein sattes Rot hin.
UlliB hat geschrieben:Die Wettbüros sind noch offen...
Ich tippe auf Ducru Beaucaillou, der das Feld von hinten aufrollt und knapp hinter Las Cases und Cos bei 290 Euro die Ziellinie überquert.