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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

Verfasst: Sa 24. Jan 2026, 20:28
von Kle
Viettis Castiglione habe ich bisher nie richtig verstanden. Ich hatte ihn deshalb hiermal hier über die Suche abgefagt - Enttäuschungen anderer, die meinen ähnelten, schienen dann auch nicht viel mehr Verständnis nötig zu machen. Jetzt habe ich mit dem 2019er zum ersten Mal ein anregendes Erlebnis. Da ist auf den ersten Schluck eine eher leichtfüßige Beerenbrühe mit Holz (nicht zu viel Vanille) unterlegt und Tanninrauch. Da ist nichts, was die sofortige freudige Aufmerksamkeit für diesen Wein greifbar erklärt, aber sie existiert wie aus dem Nichts. Oder, anders gesagt, es wird mit profanen Mitteln, ohne besondere Tiefe, Aromendichte etc. eine fesselnde Leichtigkeit erzeugt - schwebendes Erfreulichsein. Da tut es fast leid, wenn der Wein schon mit wenig Luft eigentlich besser wird, geschlossener, mit dichterer Frucht und schöner Säure, aber auch irdischer. Auch das gefällt mir immerhin besser als alle zuvor probierten Castigliones.

Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

Verfasst: So 25. Jan 2026, 20:58
von AmonA
Barolo "Castelletto Vigna Pressenda" 2016, Conterno Fantino

Dekantiert, viel Depot. Helles granatrot, orangeroter Rand, im Geruch Veilchen, Gewürze, Beeren, am Gaumen Veilchen, würzig, noch deutliche Säure. Karaffe kühl gestellt. Am nächsten Tag oxydativ im Geruch, Klebstoff, verzieht sich mit der Zeit, dann kommen wieder Veilchen und Gewürze in den Vordergrund. Die Tannine sind feinkörnig, die Säure noch stärker und beissend im Nachgeschmack. Momentan nicht wirklich ein Vergnügen - vor allem zu dem Preis.

Ach ja, ein oder zwei Flaschen Barolo Castiglione von Vietti habe auch noch irgendwo im Keller. Getrunken hatte ich den schon mal, ist mir aber nicht positiv im Gedächtnis geblieben...

Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

Verfasst: Mo 26. Jan 2026, 19:29
von Kle
AmonA hat geschrieben: So 25. Jan 2026, 20:58 Ach ja, ein oder zwei Flaschen Barolo Castiglione von Vietti habe auch noch irgendwo im Keller. Getrunken hatte ich den schon mal, ist mir aber nicht positiv im Gedächtnis geblieben...
der 19er sackte dann auch bei mir ab und wurde vor allem ziemlich rußig. Nach zwei Tagen Unlust, ihn weiterzuprobieren, dann eine hinreißende Himbeernote, die den Ruß in Schach hält. Und noch etwas später für Momente (gegen Schweglers Beryll getrunken ;) ) geradezu kühl-feingliedrig. Die letzten Schlucke naja.

Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

Verfasst: So 15. Feb 2026, 16:22
von stollinger
Hallo,

neulich ein paar Barolo-Weine blind verkostet.

Principiano Giuseppe e Francesco - Barolo - 2018:

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Noch recht jung, hat einiges an Substanz, aber die Gerbstoffe werden wahrscheinlich nie wirklich mitreißend.

Massimo Rivetti - Barolo - 2020:

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Der ist noch jünger, aber für meine Begriffe deutlich auf frühen Konsum vinifiziert und ich denke nicht, dass der Wein von Alterung profitiert. Die Gerbstoffe ansprechend, deutlich auf fruchtsüßen Ausdruck getrimmt, nicht besonders komplex.

Azienda Virna di Borgogno - Barolo DOCG Sarmassa - 2011:

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Für meinen Eindruck ein sehr moderner Vertreter, viel Fass-Aromen (dunkel) und schon fast wuchtig im Auftritt. Der hat durchaus Tiefe und gute Gerbstoffe und ich würde ihn noch mal fünf Jahre liegen lassen (ist mir gerade durchaus zu jung). Stilistisch ist das nicht ganz mein Fall.

Comm. G. B. Burlotto - Barolo - 2013:

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Das ist ein schöner, eleganter und feingliedriger Wein. Die Aromatik klar. Profitiert von Luft, ich würde ich auch noch etwas liegen lassen, wirkt durchaus noch jung.

Massolino - Vigna Rionda - Barolo DOCG - 2012:

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Dieser hätte für meinen Geschmack auch noch etwas liegen dürfen. Auch wenn der Burlotto etwas feiner und wahrscheinlich komplexer strukturiert war, sagt mir die dunkle, herbe Aromatik mehr zu.

Grüße, Josef

Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

Verfasst: So 19. Apr 2026, 19:31
von joern_ribu
2016 Elvio Cogno Barolo Ravera

Dieser Lagen-Barolo passte hervorragend zum heutigen Kalbsgulasch. Eine Stunde vorher geöffnet, doch es hätte auch noch mehr Zeit sein können, im Glas entwickelte er sich ständig weiter. Klares, strahlendes kirschrot im Glas, ganz leichte braune Reflexe am Glasrand, die Kirchenfenster beim Schwenken verraten schon die Fülle, die in ihm steckt. Im Mund dann feinste kühle Seide, vortreffliche Balance von Frucht, Tannin und Säure, unglaublich harmonisch und tief. Rote Früchte schmecke ich zuerst, aber da sind auch dunkle Töne von Rauch, Leder, Lakritz, Unterholz, dannn wieder blumige Anklänge (Rose, Veilchen). Wunderbar, jeder Schluck zieht einen tiefer rein und lässt neue Geschmacksassoziationen entstehen. Langer Abgang, die feinen, glatten Tannine kleiden den Mundraum aus ohne zu adstringieren, ich komme wieder auf die Assoziation mit kühler Seide, die sich auf die Haut legt, sanft umschmeichelt statt einfach nur wärmt. Die 14,5% Alkohol sind bestens eingebunden. "Florale Eleganz trifft auf präzise Frucht, feste Tannine und mineralische Tiefe", hatte ich im Netz dazu gefunden, das trifft es gut. Monika Larner taxierte ihn 2020 bei 97+ Punkten, das ist für meine Skala zu hoch, aber stabile 94 gebe ich ihm allemal und klare Kaufempfehlung dazu. Vor 5 Jahren bei Lobenberg für ca. 63€ gekauft, heute gibt es ihn noch bei anderen Händlern für 75-80 €.