Burzuko hat geschrieben:Und Stephan, wie war die heutige Burgunder-Probe bei Nobbi ?
Konnte der Moulin-a-Vent vv von Thibault mit den "kleineren" Burgundern einigermaßen mithalten?
Stets zu Diensten

. Es war wie immer eine grandiose Probe, dieses Mal aber ein bisschen grandioser als sonst.
Die Weine konnte man dieses Mal ganz gut in vier Kategorien einteilen, nämlich die Bourgognes (und den "reingeschummelten" Moulin à Vent von Thibault), die Village Weine und die 1er und Grand Crus (mit dem Romanée St. Vivant von Follin-Arbelet in seiner ganz eigenen, unerreichbaren Spitzenposition). In jeder Stufe ging es deutlich nach oben.
Die Weine von
Thibault Liger-Belair mag ich sehr gerne. Der
2010 Moulin-à-Vent Vielles Vignes ist tatsächlich sehr burgundisch im Typ, ich würde mal schätzen, dass man ihn in einer Blindprobe durchaus als Pinot Noir durchgehen lassen könnte. Aber, und das hat mir sehr gefallen, im Vergleich zu dem
2010 Bourgogne "Les Grands Chaillots" von einer Lage gerade außerhalb der AOC Nuits St. Georges in Richtung Comblanchien neben dem Les St. Georges war er dann doch sehr anders und erinnerte doch stärker an Gamay als an Pinot Noir. Thibault Liger-Belair schreibt zwar auf seiner Website, dass er seinen Weinen keinen "Hausstil" aufdrücken möchte, sondern eher die Eigenart der Lagen herausbringen möchte. Ich persönlich finde aber, dass seine Weine doch recht stark vom Winzer geprägt sind, ich finde sehr freundlich und sonnig und offen.
Nicht ganz einfach hatte es zwischen diesen beiden offenherzigen Thibault Weinen der
2010 Bourgogne Pinot Noir von
Lignier-Michelot, der auf mich - wie auch die weiteren Lignier-Michelot Weine in der Probe - sehr filigran und zerbrechlich wirkte, eindeutig mehr auf Finesse als auf Kraft ausgerichtet. So richtig Feuer gefangen habe ich bei dem Bourgogne Pinot Noir von Lignier Michelot allerdings noch nicht.
Bei der nächsten Runde ging es zur Sache, zunächst mit dem
2010 Morey St. Denis "En la Rue de Vergy" von
Lignier-Michelot. Die Lage liegt direkt über dem Clos de Tart. Auch dieser Wein war wieder sehr fein und legte (nicht verwunderlich) im Vergleich zum Bourgogne Pinot Noir eine deutliche Schippe drauf mit deutlich mehr Substanz und Struktur. Die Transparenz hat mich beeindruckt. Den
2010 Nuits St. Georges "Au Bas de Combe" hatte ich jetzt schon zum zweiten Mal im Glas. Und dieses Mal fand ich ihn deutlich besser als noch acht Monate vorher, zwar immer noch eher etwas zurückhaltend und auch nicht sehr zugänglich (etwas kantig hier und da), aber mit einem wirklich extrem langen Abgang und einer wunderbar transparenten Art. Für meinen Geschmack aktuell einen Tick "too much" (das muss nicht so bleiben) war der
2010 Nuits St. Georges "La Charmotte" von
Thibault Liger-Belair. Die Nase war äußerst beeindruckend und wirklich schön. Am Gaumen war ich etwas überfordert mit der Masse an Eindrücken und der überbordenden Fruchtsüße.
Was danach kam, war schon wirklich große Klasse. Zunächst ein weiterer Nuits St. Georges, nämlich der
2010 Nuits St. Georges 1er Cru "Aux Thorey" von
Sylvain Cathiard, von dem dies mein erster Wein war. Den durchaus hohen Preis kann ich gut nachvollziehen, die Klasse des Weins ist durchgängig spürbar, seine schwarztrüffelig-erdige Art fand ich wunderbar. Kein Wunder, dass die Weine von Sylvain Cathiard stets so schnell vom Markt aufgesogen werden. Auch sensationell war der
2010 Clos de la Roche Grand Cru von
Lignier-Michelot, ganz anders in der Art als die Nuits St. Georges, viel helltöniger mit feiner Erdbeerfrucht (ich musste an eine von diesen mit Puderzucker bestreuten Walderdbeertartes denken), aber einer "dunklen Unterlage" (ich kann das nicht besser ausdrücken). Eine grandiose Struktur, wieder diese tolle Eleganz und Transparenz wie beim Morey St. Denis "Vergy", ein wirklich großartiger Wein.
Aber der Primus inter Pares der letzten drei Weine war eindeutig der
2010 Romanée St. Vivant von
Follin Arbelet, ein gar nicht mit konkreten Assoziationen zu beschreibendes Wunderwerk. Diese Tiefe, diese Harmonie, diese Kraft, seine Muskeln, aber vor allem die Noblesse dieses Weins sind außerweltlich. Wunderbar.
