Weingesetz in Österreich in der Kritik

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
Blaufränkisch
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik

Beitrag von Blaufränkisch »

Spannend an diesem Priewe-Artikel ist für mich vor allem das Foto des Prüfnummernbescheides.

https://www.weinkenner.de/die-causa-mor ... pY4ExtK9fA

Die Fehleransprache ist querbeet, korreliert aber meines Erachtens durchaus mit dem Eindruck, der bei Weinen mit einem derart niedrigen freien und gesamten SO2 (d.h. der Wein ist wohl de facto ungeschwefelt) relativ leicht entstehen kann.

Ich hatte übrigens erst vor ein paar Tagen einen österreichischen Rotwein der 25-Euro-Liga mit ähnlichem SO2. In der Szene durchaus angesehen, aber für mich nicht sauber (angehendes Mäuseln, rauer, kraziger Abgang,...). War als Landwein deklariert.
Hier gibts mehr von mir zu lesen: www.bernhard-fiedler.at
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Gerald
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik

Beitrag von Gerald »

Danke für den Link, bringt wieder etwas mehr Informationen in die Angelegenheit.

Irgendwie weiß ich nicht, welcher Seite ich jetzt mehr vertrauen soll. Braucht man überhaupt eine amtliche Kommission, die dem Konsumenten sagt, was ein "guter Wein" ist? Einmal abgesehen von der Prüfung auf gesundheitsschädliche Komponenten, sagen wir einmal Methanol, zu hohe Mengen an Histamin, SO2 etc. Bei anderen Lebensmitteln ist das ja eigentlich auch nicht üblich, also dass man z.B. Früchte als "Äpfel Golden Delicious aus Niederösterreich" nur dann bezeichnen darf, wenn sie den Geschmackstest bei einer amtlichen Kommission bestanden haben?

Andererseits: ist es sinnvoll, die Qualitätseinstufung dann ausschließlich den Weinguides zu überlassen, deren Verkoster vielleicht gar keine spezielle Ausbildung dafür haben und die einfach ihr Hobby zum Beruf gemacht haben? Und die noch dazu - anders als die amtlichen Verkoster - ihre Publikationen verkaufen müssen und aus diesem Grund schon Kompromisse machen müssen. Also wenn ein Wein eines Topwinzers misslungen scheint, kann man das natürlich nicht so schreiben, sonst reicht der Winzer nichts mehr ein und der Weinguide interessiert niemand mehr, wenn die bekannten Winzer nicht mehr teilnehmen. Da steht dann doch eher "momentan noch zu jung und etwas unruhig, wird sich aber in ein paar Jahren zu einer beeindruckenden Schönheit entwickeln". In ein paar Jahren wird sich ohnehin niemand mehr an diese Aussage erinnern, da ist der neue Jahrgang ja das Thema ;)

Grüße
Gerald
Bernd Schulz
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik

Beitrag von Bernd Schulz »

Gerald hat geschrieben: Fr 29. Mai 2026, 18:54 Braucht man überhaupt eine amtliche Kommission, die dem Konsumenten sagt, was ein "guter Wein" ist?
"Man" braucht solch eine Kommision vielleicht (aber auch daran habe ich inzwischen meine Zweifel, wenn ich sehe, was in Deutschland alles als "Qualitätswein" durchgewunken wurde und wird - zum gar nicht so geringen Teil ist das mit Verlaub gesagt der größte Schrott). Ich brauche eine derartige Kommission jedenfalls überhaupt nicht, da ich mittlerweile gelernt habe, auf meinen eigenen Geschmack zu vertrauen. Und zudem kenne ich Quellen (nicht zuletzt dieses Forum), die mir einigermaßen zuverlässig verraten, welche Erzeuger sich als Neuentdeckung lohnen könnten. Letztlich kommt es immer auf den einzelnen Winzer an und nicht auf irgendwelche "amtlichen" Qualitätsbescheinigungen, die einen Haufen zeitlichen und finanziellen Aufwand verursachen, ohne zu einem nachhaltigen Ergebnis zu führen. Langer Rede kurzer Sinn: Wenn man die sensorische Ebene der Qualitätsweinprüfung hierzulande komplett abschaffen würde, würde mir nichts, aber auch gar nichts fehlen! Schützen muss man die Verbraucher vor gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen im Wein (mit Ausnahme des Alkohols, von dem jeder weiß, dass er der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich ist), und ansonsten wird halt das gekauft, was mir oder Hugo Müller oder Ernst Meier schmeckt. Warum soll eine amtliche Prüfung Hugo Müller vor (gesundheitlich unbedenklichen :!:) Fehlern schützen, die er selbstständig gar nicht bemerkt?

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik

Beitrag von EThC »

Gerald hat geschrieben: Fr 29. Mai 2026, 18:54 Bei anderen Lebensmitteln ist das ja eigentlich auch nicht üblich, also dass man z.B. Früchte als "Äpfel Golden Delicious aus Niederösterreich" nur dann bezeichnen darf, wenn sie den Geschmackstest bei einer amtlichen Kommission bestanden haben?
...vielen Dank für den Hinweis, der mir gerade klarmachte, wie löchrig die Regeln und Kontrollen im nichtweinigen Lebensmittelbereich aktuell noch sind, ganz im Gegensatz zu der vorbildlichen Handhabung im Weinbereich. So werden z.B. bei der "Nürnberger Rostbratwurst g.g.A." tatsächlich nur die Herkunft und die Zutaten reguliert und kontrolliert, eine sensorische Kontrolle erfolgt zum Nachteil der Verbraucher nicht, er kann also gar nicht wissen, ob die Wurst so schmeckt wie sie sie schmecken muß und ob das für ihn nun Genuß oder Ekel ist. Deshalb sollte man hier darauf hinarbeiten, daß bei jedem der gut 70 Betriebe jede einzelne Charge, mindestens aber einmal täglich von einer siebenköpfigen Kostjury sensorisch geprüft wird, aufgrund des Ergebnisses können die Würste dann ggf. als "Nürnberger Rostbratwurst g.g.A." bezeichnet werden oder dürfen bei Durchfallera nur als "Fränkische Landwurst" ettiketiert werden.
Die Kosten dafür sind marginal und erhöhen den Preis je 12er-Packung wohl nur um etwa einen Euro, dafür bekommt der Verbraucher aber die lang ersehnte Geschmackssicherheit, was er sicher freudig goutieren wird.
Wenn man das für alle existierenden g.g.A. und g.U. einführt, schafft man dadurch auch krisensichere Arbeitsplätze in wenigstens 5-stelliger Höhe allein in D, in A halt ein paar weniger. Also eine absolute Win-win-Situation!
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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UlliB
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik

Beitrag von UlliB »

Ich könnte mich über die beiden letzten beiden Beiträge ziemlich echauffieren und eine ganze Menge dazu schreiben. Tue ich aber nicht, denn die Zeit für interessante Grundsatzdiskussionen in Weinforen ist lange vorbei. Dazu ist die Beteiligung viel zu gering, und die Reichweite sowieso.

Diejenigen, die für die gesetzliche Regulierung zuständig sind, werden tun, was sie für richtig und nötig halten und wofür sie die Unterstützung der jeweiligen Weinbauverbände haben (der letzte Punkt ist da der relevanteste). Diejenigen Winzer und professionellen Weinkritiker, denen das nicht passt, werden weiterhin ihre Stimme erheben, und sind dabei sicherlich wesentlich wirkungsvoller als die Polemik eines Users in einem randständigen Medium.

Gruß
Ulli
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