Schon länger habe ich nichts mehr von Kissinger getrunken, aber dieser demeterzertifizierte Grauburgunder aus 2024 ist ein Argument dafür, sich noch einmal näher mit dem Weingut zu beschäftigen:
Es handelt sich um einen Basiswein, der ganz meinem Beuteschema entspricht: Für gerade mal 8 Euro bekommt man einen Grauburgunder, der weder zu banal noch zu intellektuell wirkt. Und zu fett schon mal gar nicht - Moritz Kissinger ist es vielmehr gelungen, einen schwungvollen Vertreter der gerne mal ins Adipöse abgleitenden Sorte zu erzeugen. Daumen hoch, Nachkauf = 3 von 3!
P.S.: Sehr angenehm finde ich auch die schnörkellose Bezeichnung. Auf dem Etikett steht weder eine Schockbezeichnung noch der Name des Lieblingskaninchens der Tochter, sondern dort ist schlicht "Grauburgunder" zu lesen. Genau so gefällt es mir, da die Qualität des Weins für sich spricht.
...ist der Wein tatsächlich von Moritz Kissinger oder noch vom väterlichen Weingut?
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Puh, ich bin (ohne genauere Informationen) erst einmal davon ausgegangen, dass das väterliche Weingut schlicht und einfach vom Sohn Moritz übernommen wurde, so wie es nun mal normalerweise geschieht.
Der Sohn Moritz scheint aber zusätzlich eine eigene Linie zu verfolgen; nähere Informationen zum Sachverhalt nehme ich gerne entgegen!
Bei dem von mir gerade getrunkenen Grauburgunder verhält es sich so, dass auf dem mit dem Demeter-Siegel versehenen Etikett "Gutsabfüllung Jürgen Kissinger" steht.
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Mi 22. Apr 2026, 20:57
Schon länger habe ich nichts mehr von Kissinger getrunken, aber dieser demeterzertifizierte Grauburgunder aus 2024 ist ein Argument dafür, sich noch einmal näher mit dem Weingut zu beschäftigen:
Es handelt sich um einen Basiswein, der ganz meinem Beuteschema entspricht: Für gerade mal 8 Euro bekommt man einen Grauburgunder, der weder zu banal noch zu intellektuell wirkt. Und zu fett schon mal gar nicht - Moritz Kissinger ist es vielmehr gelungen, einen schwungvollen Vertreter der gerne mal ins Adipöse abgleitenden Sorte zu erzeugen. Daumen hoch, Nachkauf = 3 von 3!
P.S.: Sehr angenehm finde ich auch die schnörkellose Bezeichnung. Auf dem Etikett steht weder eine Schockbezeichnung noch der Name des Lieblingskaninchens der Tochter, sondern dort ist schlicht "Grauburgunder" zu lesen. Genau so gefällt es mir, da die Qualität des Weins für sich spricht.
Herzliche Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
trotz allem sehr interessant. Ich habe ja um 2002 bei Kissinger eingekauft, auch vor Ort. Die Weine waren damals günstig und gut. Aber niemals so gut wie du den Grauburgunder beschreibst. Moritz Kissinger geht ja anscheinend vollkommen andere Wege. Und wenn ich lese, dass dann ein Hipping 62 Euro kostet wird mir das Ganze doch unsympathisch. Aber vielleicht wird das ja auch ein kleiner Hype und dann kommen die ganzen Porschefahrer……viel Freude damit….. das sind dann aber schon krasse Gegensätze zum elterlichen Weingut, was schon immer qualitativ grundsolide aufgestellt war und anscheinend an der Qualitätsschraube gedreht hat einschl. Demeterzertifizierung. Dafür sind natürlich 8 Euro für solch einen Grauburgunder spottgünstig.
Ohne von Jürgen Kissinger viel getrunken zu haben (einige Flaschen aus dem Sortiment von Vinocentral), wage ich zu behaupten dass die Weine von Sohn Moritz nicht im Ansatz mit diesen Weinen vergleichbar sind.
Im Vinocentral-Text zum Weingut Kissinger heißt es:
"Wie der Vater, so der Sohn
Und das mit Erfolg: Der Gault&Millau bescheinigt ihm ein „Händchen für Weißweine aus dem Holzfass" (G&M, 2017) und auch Eichelmann schwärmt: „Die neue Kollektion ist bärenstark, bietet gewohnt hohes Einstiegsniveau und tolle Spitzen“ (Eichelmann, 2017). Im Laufe der Jahre kaufte Jürgen Kissinger Lagen am Rhein dazu, sodass sein Weingut heute 12,65 ha in Uelversheim, Dienheim, Oppenheim und Guntersblum umfasst. 2000 dann zog er in ein neues Gebäude vor den Toren des Ortes um. Dort scheint jetzt Sohn Moritz in seine Fußstapfen zu treten: Seit 2016 keltern die beiden gemeinsam Weine, die basierend auf langjähriger Erfahrung, abermals von jugendlichem Enthusiasmus und dem Willen zu Unkonventionellem geprägt sind."
Sprich: Die Weine von Jürgen Kissinger scheinen seit 2016 auch Weine von Moritz Kissinger zu sein.
Herzliche Grüße
Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am Do 23. Apr 2026, 07:53, insgesamt 2-mal geändert.
OK, ich hab mir jetzt doch die Zeit genommen etwas ausführlicher zu schreiben.
Es mag sein dass die beiden die gleichen Räumlichkeiten nutzen, die Weine, und die Philosophie dahinter sind (meiner bescheidenen Meinung nach) vollkommen unterschiedlich.
Bei Jürgen Kissinger liegt der Fokus eher auf die „klassische“ Machart. Die Frucht im Vordergrund, etwas „breiter“, runder, harmonisch, auf Sortentypizität und Trinkfluss ausgelegt.
Bei Moritz ist der Stil deutlich „Naturweiniger“. Kühl, reduziert, Fokus auf Mineralität, Struktur, oft unfiltriert und puristisch. Die Philosophie ist noch mehr geprägt vom Biodynamie & Ökosystem Weinberg, „Weniger ist mehr“ im Keller. Teilweise auch mit Maischestandzeit, oft etwas „freakig“. Ich hatte auch schon einen Wein der für mich grenzwertig war (O Ohm, Rot). Die Schäumer finde ich großartig.
Würde man die beiden Sauvignon Blancs gegeneinander stellen (den kenne ich von beiden), hätte das GAR nichts miteinander zu tun.
Jürgen: eher weich und rund, Säure präsent, aber integriert, direkt zugänglich, Stachelbeere, Kiwi, weiße Johannisbeere, klar, typisch, sortenrein.
Moritz: viel feiner, weniger laut, eher Kräuter, Stein, Zitrus, leichte Reduktion. Frucht wirkt „eingebaut“, nicht vordergründig. deutlich mehr Grip & Spannung. unfiltriert, minimal geschwefelt, teilweise Maischestandzeit.
Kurzum, Jürgen --> Erfahrung + Präzision + Trinkbarkeit, Moritz --> Intuition + Terroir + „Kante“
Moritz Kissinger firmiert ja seit Neuestem unter "Kissinger-Bähr", was man als Hinweis deuten könnte, daß das vom väterlichen Weingut mittlerweile klar abgegrenzt ist.
Und wenn man lagenmäßig initial nur Dienheimer Tafelstein und Ülvesheimer Geierschei"x" (heißt tatsächlich so...) im Portfolio hatte, wundert mich nicht, wenn man da begeistert zugreift, wenn sich die Chance ergibt, am Roten Hang ein paar Parzellen zu ergattern (oder hat vielleicht seine Frau die eingebracht?). Und wenn die Weine im Vergleich mit den Granden aus den Lagen mithalten können, sei ihnen die Preisgestaltung gegönnt...
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
EThC hat geschrieben: ↑Do 23. Apr 2026, 07:57
Moritz Kissinger firmiert ja seit Neuestem unter "Kissinger-Bähr"....
Bislang war mir das noch nicht bekannt - erfreulicherweise kann ich ja hier im Forum auch immer wieder mal meine Bildungslücken schließen!
Ralf Gundlach hat geschrieben: ↑Mi 22. Apr 2026, 22:56
Ich habe ja um 2002 bei Kissinger eingekauft, auch vor Ort. Die Weine waren damals günstig und gut. Aber niemals so gut wie du den Grauburgunder beschreibst.
Gerade trinke ich den Rest vom 24er Grauburgunder, auf dessen Rückenetikett wie gesagt der Vater Jürgen als Erzeuger genannt wird, und ich finde ihn keinen Deut schlechter als gestern. Im Glas habe ich nach wie vor einen sehr animierenden Weißen, der für einen Basiswein viel Substanz und Tiefe zeigt, ohne einen gewissen Schwung vermissen zu lassen. Richtig gutes Zeug ist das - Grauburgunder im noch einstelligen Preissegment kann ich mir eigentlich nicht besser vorstellen!