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Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 18. Apr 2012, 00:03
von Kle
An Weinen aus dem Bordelais mag ich den Eindruck von Lebendigkeit – das nicht Kalkulierbare, buchstäblich Unausgegorene. Im Gegensatz zu Weinen, die vielleicht aromatisch dicht und kulinarisch anspruchsvoll, aber auch saturiert sind und auf einen meditativen Genuss zielen, der sich sich selbst genügt. Es sind in erster Linie Bordeaux-Weine, die für mich die Begrenzung des rein Kulinarischen, des "sinnlosen" Wohlgefühls durchbrechen und dieser Eindruck bestätigt sich immer wieder. Heute kaufte ich für 4 Euro 90 Chateau Cap L´Ousteau 2008 Haut Medoc AOC. Auf den ersten Blick ein dichtes Kirschrot, dann wirkt der Wein aber doch deutlich heller als etwa ein durchschnittlicher Cru Bourgeois. Im Mund ein wässeriges, nichtssagendes Gefühl. Der Wein ist leer, mit bloßen Anklängen von Frucht. Nach etwas 45 Minuten an der Luft bekommt dieses nebulöse Getränk plötzlich Festigkeit. Struktur und Aromen laufen rund und es macht Spaß, ihnen nachzugehen. Die Aromatik gibt nicht viel her, Komplexität ist kein Thema und trotzdem ist es spannend, dem Wein zu folgen.

Gruß, Kle

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 9. Jan 2013, 20:04
von Kle
sehr lange nicht mehr getrunken: Chateau Beaumont. Keine Erinnerung, die kommt aber von allein mit jedem Schluck. So kann doch kein Medoc schmecken, das muss etwas anderes sein… noch mehr Holz und Vanille als in diesem unreifen Alter erwartet. Dann eine rasche Entwicklung zum Guten. Die Shiraz- und Holznoten ziehen sich zugunsten von Waldbeeren und dezenten Kirscharomen zurück. Der Wein hat Spiel und Spannung und einen dunklen, unterentwickelten Tanninkern. Trotz Jugendlichkeit würde ich ihn Gästen anbieten, bei denen ich in der Regel mit BDX-Weinen nicht landen kann. Für den Preis phänomenal. Am nächsten Tag deutlich flacher.

Gruß, Kle

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 9. Jan 2013, 21:24
von innauen
Hallo,

schön nach einer Pause wieder etwas von den früh zu niedrig, bald zu hoch bewertet, früh verdammten, früh verschlossenen 2008ern zu hören. Werde ich zum Anlass nehmen, um auch mal wieder den ein oder anderen Jahrgangsvertreter zumindest aus der halben zu verkosten.

Beste Grüße

wolf

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: So 13. Jan 2013, 14:06
von duhart09
Neulich aus der Halben:

Leoville Barton 2008:
Nachdem ich vor einigen Wochen bei einem Essen mit Probe diverser Bordeauxweine auch LeoBarton 08 vorgesetzt bekommen und für gut befunden hatte, wollte ich nochmal die Probe auf's Exempel machen. Also: Mittledunkel, vgl.weise dezente Nase mit etwas Beeren - die vom ersten Schluck dann auch bestätigt wird: recht offen, Beeren, Zedernholz, reichlich Säure. Aber dann wird mir die Sache doch etwas zu holzig, marmeladig und neuweltlich und ich lasse den Wein im Glas nochmal ordentlich lüften. Lohnt sich auch. Nach anderthalb Stunden dann viel schöner und St. Julien-typischer. Nun ist da ordentlich Schmelz, leichte Karamelltöne und der Wein gewinnt an Komplexität. Jetzt gefällt mir das besser und macht vor allem neugierig, wie es mit dem wohl weitergeht. Mit hinreichend Luft 18 P. von mir.

Gruß

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mo 21. Jan 2013, 17:41
von octopussy
Eher in die Kategorie "Knochen" fällt für mich 2008 Château Coucheroy aus dem Hause Lurton, den ich zum ersten Mal getrunken habe und auch nicht aus anderen Jahrgängen kenne. Wahrscheinlich sind die 2008er Bordeaux generell immer noch nicht sonderlich angenehm zu trinken, aber bei diesem Coucheroy habe ich auch Zweifel, dass das jemals ein sonderlich eleganter Bordeaux wird. Eine gewisse Bäuerlichkeit wird er sich vielleicht immer behalten. Auf der anderen Seite fand ich diese leicht kräutrig-tabakigen Noten gepaart mit einer eher kernigen Säure auch gar nicht uncharmant.

Bild

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 23. Jan 2013, 21:20
von bordeauxlover
Macht es aus Eurer Erfahrung heraus Sinn, demnächst mal den 08er Figeac und/oder 08er Haut Bailly anzutesten? Das sind die beiden aus meiner 08er Subskription, an die ich mich noch nicht rangetraut habe. Danke im Voraus!
Schöne Weingrüße
Armin

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 23. Jan 2013, 23:03
von innauen
Hallo Armin,

das halte ich für echt gewagt. Die 2008er durchleben nach meiner Erfahrung zwar keine so tiefe Verschlussphase. Aber gerade diese beiden Weine, die ich auch habe, werde ich unter Garantie noch länger liegen lassen. Sicher wird man sie jetzt irgendwie trinken können. Aber mit Genuss?

Grüße,

wolf

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Do 24. Jan 2013, 19:10
von bordeauxlover
Hallo Wolf,
danke für die schnelle und hilfreiche Antwort! Figeac habe ich bislang auch noch nie jünger als im Alter von 10 Jahren getrunken, also noch nie in der frühen Fruchtphase, falls der die überhaupt hat (?). Hätte mich halt mal interessiert. Haut Bailly habe ich die 90er, 93er und 94er Mitte bzw. Ende der 90er Jahre durchaus schon mit Genuss getrunken. Mit den 08ern warte ich dann mit dem Antesten noch ein paar Jahre zu!

Schöne Grüße
Armin

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Mi 1. Mai 2013, 12:22
von innauen
Hallo,

noch ein Stament von Herrn Parker zur Trinkbarkeit der 2008er. Es häufen sich im Parkerforum schon die Notizen, die von zugänglichen Trinkerlebnissen berichtet. Habe selbst lange keine 2008er mehr angerührt.

The wines(2008s) possess more acidity than 2009s or 2010s,but the final PHs,while lower for the 2008s, are much closer than you would think,especially to 2010s.I tend to think the difference is the 2009s and 2010s are much higher in alcohol,with more natural extract, so the 2008s come across as sleek and very elegant. 2008 will show better and better as the wines creep up on their 10th birthday.It is a very good vintage, but largely forgotten given the greatness of 2009 and 2010

Grüße,

wolf

Re: Bordeaux 2008

Verfasst: Sa 1. Jun 2013, 23:23
von innauen
Hallo,

habe mal die Probe aufs Exempel mit einem einfachen linksufrigen Wein aus dem Kleinformat gemacht. Rechtsufrige Weine mögen schon weiter sein, aber der hier steht doch noch ziemlich am Anfang seiner Entwicklung:

Bild

Grüße,

wolf