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Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 12:42
von Matthias Hilse
Nun ist meine Preisannahme gestern bei Montrose nicht richtig gewen. Die Bouygues haben es einfacher gemacht: einfach die Mitte der Preise aus 2023 und 2024 genommen. Wo ich aber richtig gelegen habe, ist bei der Verknappung; die Zuteilungen sind um 50% reduziert.
2025 kostet gleichviel wie damals in 2016. Inflationsbereinigt sind € 102,- aus dem April 2017 nun € 132,70. Der 2016er wird aktuell in Deutschland bei seriösen Quellen ab € 250,- angeboten. Es wäre also naheliegend gewesen, wenn Montrose den Release au € 132,- gesetzt hätten.
Man kann den Montrose vielleicht mit Lafite, LLC oder auch Palmer (qualitativ) vergleichen, nach meiner Einschätzung aber kaum mit anderen Saint-Estephe's. Montrose ist einer der wenigen Top-Weine, die auch in 2022 nach der Arrivage nicht mehr günstiger zu bekommen waren.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 12:50
von Matthias Hilse
final_scream hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 11:01
Dass Montrose bei nächstbester Gelegenheit den Weg der Höherpositionierung angehen würde, war doch klar, als "Terrasse III" aus dem Grand Vin ausgegliedert wurde. Nur war der Jahrgang 2024 wohl seinerzeit nicht geeignet, dies sofort umzusetzen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die "Ausgliederung" bereits mit dem Jahrgang 2023 erfolgt. Es wurde aber nicht kommuniziert. Erst in 2024 ist das dann zum Thema geworden - wahrscheinlich der Überlegung geschuldet, dass dieser Jahrgang eher einen "incentive" benötigen würde, als 2023. Jedenfalls wird es irgendwann in den nächsten Jahren, vielleicht sogar bereits im nächsten, ein Angebot für "Montrose Terrasse III" (einen offiziellen Namen dafür gibt es noch nicht) geben.
Montrose ist - wie viele andere Erzeuger in dieser Kategorie - darum bemüht, die Spekulation aus dem Sekundärmarkt etwas herauszunehmen, indem es mit "ex-Chateau-Releases" immer wieder zur Marktpflege (wie man dies an den Anleihemärkten nennt) beitragen kann und wird.
Dies ist ein Thema, mit dem es sich zu befassen lohnt.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 13:58
von final_scream
@ Matthias Hilse:
Was ich im Kern ausdrücken wollte: Ich glaube nicht, dass Montrose einen weiteren Wein in den Markt bringt, nur um eine größere Auswahl zu schaffen. Ziel wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch eine Spreizung der Preise, einhergehend mit einer Höherpositionierung des Premiumproduktes sein, dass ja durch die Verringerung der Produktionsmenge durch die Ausgliederung der Terrasse III zudem verknappt wird.
Deshalb war nach meinem Verständnis nicht zu erwarten, dass Montrose beim 2025er beim Preis den gleichen Weg wie Cos gehen wird.
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 16:21
von Winedom
Mir gefällt das gar nicht.
Über dem Erstwein noch einen Superwein zu lancieren.
Die Traubenqualität fehlt dann im Hauptwein.
Ging mir schon so mit dem Gran Selezzione im Chianti.
Aber was gut ist für Bordeaux weiss ich nicht.
Immerhin gibt es darum etwas Aufregung und Marktgeschrei.
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 16:58
von Matthias Hilse
Winedom hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 16:21
Mir gefällt das gar nicht.
Über dem Erstwein noch einen Superwein zu lancieren.
Die Traubenqualität fehlt dann im Hauptwein.
Ging mir schon so mit dem Gran Selezzione im Chianti.
Aber was gut ist für Bordeaux weiss ich nicht.
Immerhin gibt es darum etwas Aufregung und Marktgeschrei.
Moment, da geht etwas durcheinander. Einen "Superwein" gibt es mit "Lascombes La Côte" von Ch. Lascombes in Margaux. Das ist momentan der einzige Wein, der in der Hierarchie einem in 1855 als Grand Cru Classé spezifizierten Weingut dem "grand vin" vorangestellt ist. Ähnliches gibt es bei Ch. Angélus mit der "Hommage à Elisabeth Boucht", aber Angélus ist auch seit 2022 nicht mehr klassifiziert.
Was auf Montrose geschieht, ist eine ganz andere Nummer. Es geht um etwas, das sehr stark in Bordeaux diskutiert wird: die Rückbesinnung auf historische Terroirs. Der Erstwein von Chateau Montrose entspricht seit dem Jahrgang 2023 in seiner Genese genau den historisch klassifizierten Parzellen.
Der neue Wein wird in der Hierarchie zwischen dem Erstwein und dem "anderen Wein" (La Dame de Montrose) liegen. Dieser Wein aus der Terrasse 3 wird aber nicht in Subskription angeboten werden, sondern erst ein paar Jahre nach der Abfüllung.
Was also hier passiert, ist eigentlich genau das Gegenteil eines "Superweins". Durch das Wegnehmen "rangniederer Parzellen" wird der Erstwein aufgewertet, weil er exklusiv aus dem dafür prädestinierten Terroir stammt.
Das ist ein großes Thema, und wen solche Dinge interessieren, der mag einfach einmal in meine Youtube-Videos hineinschauen/-hören.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 17:45
von Winedom
Danke für die Klarstellung.
Hab bei Chateau Lagune schon mitbekommen,dass diese sich auch, seit diesem Jahr, genau auf das Land der ursprünglichen Klassifizierung 1855 berufen.
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 18:01
von Dominik Mueller
Das finde ich ein interessantes Thema, weil ich diesen hartnäckigen Trend zu mehr und mehr Terroir (im Sinne des Bodens oder der Lage) so gar nicht mehr verstehe.
Während die deutschen Winzer unisono vom "kontrollierten Nichtstun" sprechen und sich damit in der Außendarstellung doch eigentlich mit ihren Wettbewerbern mit Besitz in denselben Lagen auf eine Stufe stellen, anstatt sich von diesen durch besseres Weinmachen abheben zu wollen, hatte ich bei Frankreich doch eher den Eindruck gehabt, der Winzer selbst sehe sich mit seinem Zutun und Wissen mindestens ebenso wichtig wie das geografische Terroir. Dies gerade im Bordeaux, wo die Kunst der Assemblage mit im Mittelpunkt steht. Stellen sich jetzt einzelne Châteaux an, dem ein historisches Terroir voranzustellen, finde ich das eher fragwürdig.
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 18:18
von final_scream
Irgendwie muss es den Kunden ja marketingtechnisch geschickt beigebracht werden, dass sich das Chateau oder der Grand Vin "verkleinert" oder man Ecken für die ganzen zukünftigen Weißweine ausfindig gemacht hat

Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 20:21
von amateur des vins
Dominik Mueller hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 18:01
das geografische Terroir
Hübscher Neologismus. Dabei haben sich so viele so viel Mühe gegeben, Mikroklima, Winzer und weiß der Geier was sonst noch in diesem beliebig unscharfen Begriff "Terroir" zu transportieren. Und genau diesen Eindruck hast Du ja zum Ausdruck gebracht.
Genau diese Mystifizierung des Begriffs bei gleichzeitig möglichst unscharfer und komplexer Komposition ermöglicht natürlich Ausnutzung in fast beliebiger Richtung.
Re: Bordeaux 2025
Verfasst: Fr 12. Jun 2026, 20:41
von Matthias Hilse
amateur des vins hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 20:21
Dominik Mueller hat geschrieben: ↑Fr 12. Jun 2026, 18:01
das geografische Terroir
Hübscher Neologismus. Dabei haben sich so viele so viel Mühe gegeben, Mikroklima, Winzer und weiß der Geier was sonst noch in diesem beliebig unscharfen Begriff "Terroir" zu transportieren. Und genau diesen Eindruck hast Du ja zum Ausdruck gebracht.
Genau diese Mystifizierung des Begriffs bei gleichzeitig möglichst unscharfer und komplexer Komposition ermöglicht natürlich Ausnutzung in fast beliebiger Richtung.
Das ist eine sehr gute und treffende Replik; der "Philologe" in mir meint, bevor über "schwammige" Begriffe geredet werden kann - zumindest so, dass das Gegenüber sich auf etwas Konkretes beziehen kann - ist es unausweichlich, die verwendete Begrifflichkeit zu definieren.
Ansonsten ist jedweder "babylonischen Sprachverwirrtheit" Tür und Tor geöffnet.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse