Wenn ich eine Region oder einen Winzer gar nicht kenne und das ändern möchte, stelle ich mir gerne einige Einzelflaschen zusammen, um einen etwas verbreiterten Ersteindruck zu bekommen. Vor einiger Zeit habe ich mir daher eine kleine Horizontale von
Thillardon Chénas 2014,
geordert, nämlich
Les Carrières,
Les Broccards,
Les Vibrations und
Chassignol.
Ich habe die Weine aber nicht parallel probiert, sondern jeweils einzeln im Abstand mehrerer Tage. Vergleichbarkeit meiner Eindrücke ist also nur bedingt gegeben.
Sa. 9.4.2016
Les Carrières
Klares, mitteldichtes Purpurrot. Nase sehr verhalten; klassisch Beaujolais: Rosenblüte, Cranberry, etwas Blaubeere. Am Gaumen zunächst pointierte Säure, leicht bitzelig (CO₂). Dann klare, frische Frucht (Cranberry, Sauerkirsche); schlank, aber nicht mager. Dann darunter angedeutete Herbheit. Richtung Abgang leicht, aber deutlich bitter und signifikant reduktiv. Jung, aber vielversprechend!
Mi. 20.4.2016
Les Broccards
(Keine direkten Notizen – aus der Erinnerung)
Ähnliche Aromatik wie der Carrières. Etwas mehr Richtung Kirsche. Nix Bitzeliges und nix Herbes: zugänglich und charmant. Klar, nicht sehr komplex, aber harmonisch und trinkanimierend. recht schön, und eine kleine Verbesserung gegenüber dem Carrières.
Fr. 22.4.2016
Les Vibrations
Anspruch verdeutlicht durch gegossene Kapsel (vmtl. Hartwachs?) anstelle Metallkapsel (Zinn oder Alu bei den beiden "kleinen"). Ich mag's nicht: Sieht zwar schick aus, ist aber sch***e abzubekommen.
Auch hier wieder deutlich Purpur. Mittlere Transparenz. Klar. Nase im Vergleich tiefer, komplexer. Weniger fruchtig/blumig, etwas in Richtung erdig, ohne aber dumpf oder matt oder wuchtig zu sein. Charakter weniger "beaujolesk" und deutlich "burgundisch". Bin nicht
ganz sicher, ob ich ihn blind wirklich noch als Gamay erkennen würde, oder doch mit Pinot verwechseln?!
Auch am Gaumen sehr "pinote". Sehr, sehr seidig und schmeichlerisch. Ordentlich Säure, aber sehr weich. Im Abgang dann doch etwas deutlicher Gamay.
Cranberry, Kirsch. Wirklich sehr
feminin. Es scheint zunächst an Spannung zu fehlen, aber irgendwie ist sie doch da, auf dezente Weise. Mit ewas Abstand CO₂ jetzt deutlich zu erkennen, aber sehr fein.
[+1d]
Heute in der Nase deutlich "schwärzer", auch komplexer: zuerst etwas Teer, dann etwas Cassis, Eukalyptus. Deutliche, aber reife, leicht staubige Tannine. Aromatisch klar, fast transparent, aber am Gaumen Frucht wieder etwas "roter". Hier nicht so komplex wie in der Nase, aber auch nicht simpel, und sehr harmonisch. Nicht mehr bitzelig. Vom Charakter her weiter ziemlich "burgundisch", obwohl Gamay gut zu erkennen ist.
Bisher deutlich der komplexeste, aber auch zugänglichste. (Sehr) gelungen!
Mi. 27.4.2016
Chassignol
Wie der Vibrations mit Hartwachs(?)kapsel.
Ist hier im Vergleich etwas weniger Blau im Purpur? Vmtl. doch nicht... Und auch der burgundische Charakter mit (gerade) noch erkennbarer Gamay ist ganz ähnlich.
Am Gaumen ein Unterschied!
Ziemlich
maskulin: "schwarze" Aromen. Deutliche Adstringenz, vmtl. überwiegend Tannine, aber evtl. auch reduktiv. Im Abgang leicht "beerenkernbitter". Auch hier etwas CO₂.
Durch die "Härte" wirkt der Mittelbau recht schlank. Der Vibrations schien zugänglicher und auch etwas balancierter. Evtl. ist dieser hier für längere Flaschenreife gedacht? Jedenfalls sollte man beide gegeneinander probieren, denn die Unterschiede könnten auch nur scheinbar bestehen - Tagesform.
Gut ist er auf jeden Fall, aber den Vibrations mochte ich lieber.
Ha, die Menge Text, die ich notiere, scheint annähernd monoton mit dem Gefallen, das ich am Wein finde, zu wachsen.
Den Thillardon-Stil mag ich jedenfalls ziemlich gerne!