Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch
Verfasst: Di 21. Jul 2026, 16:42
Eine sprachliche Unschärfe im Beitrag von nm_ : er hätte schreiben müssen, dass einige VDP-Winzer Hilfsmittel wie z.B. CMC verwenden. Dass das bei weitem nicht alle tun, ist übrigens aus seiner eigenen Auflistung weiter oben ganz klar ersichtlich. Da haben manche außer Sulfit gar nichts verwendet, sie haben nicht aufgesäuert, nicht chaptalisiert, und auch nicht gegen Weinsteinausfall mit Hilfsmitteln stabilisiert.Udo2009 hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 16:26Ähm... woher beziehst Du dieses Wissen? Oder VDP = Winzer benutzen Hilfsmittel?Udo2009 hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 16:17nm_ hat geschrieben: ↑So 19. Jul 2026, 19:14 .....
Für mich passt es auch abseits der Tradition nicht zusammen, dass die VDP-Mitglieder hohe 1G/GG-Preise mit ihrer lagenbasierten Qualitätsklassifikation rechtfertigen und dann mit Hilfsmitteln über Teile des Lagencharakters im jeweiligen Jahr drüberbügeln.
...
Habe just mal den QRCode eines Weines vom Weingut Pfeffingen gescannt...:
"Energie, Kohlenhydrate (davon Zucker), Enthält geringfügige Mengen von Fett, gesättigte Fettsäuren, Eiweiß, Salz
Zutaten: Trauben, Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel: Sulfite, Stabilisatoren: Metaweinsäure.
Unter Schutzatmosphäre abgefüllt."
Wo "versteckt" sich da CMC??
Das ist völlig verständlich und legitim. Ich möchte lediglich zu bedenken geben, daß das GG von Anfang an angereichert werden durfte, weil es nämlich das erklärte Ziel dieser Stilkategorie war, nicht einfach "nur" eine "Auslese trocken" zu sein, sondern etwas Anderes, romanischeres. Daß damit der ganze deutsche, Ochsle-zentrierte und naturreine Ansatz, mithin die eigene Entstehungsgeschichte über Bord geworfen wurde, war natürlich eines der Opfer, das der VDP bereit war zu bringen. (Kompensiert wurde es durch die Anforderung, der Most müsse mindestens Spätlesequalität haben.)
Wobei es Winzer gibt die es auch ohne Zusatzstoffe schaffen, dass sich keine Kristalle am Flaschenboden bilden.
Das ist mal wieder so ein Beitrag, bei dem ich das fehlende Upvoting in unserem herrlich antiquierten Forum vermisse.Ollie hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 19:37Das ist völlig verständlich und legitim. Ich möchte lediglich zu bedenken geben, daß das GG von Anfang an angereichert werden durfte, weil es nämlich das erklärte Ziel dieser Stilkategorie war, nicht einfach "nur" eine "Auslese trocken" zu sein, sondern etwas Anderes, romanischeres. Daß damit der ganze deutsche, Ochsle-zentrierte und naturreine Ansatz, mithin die eigene Entstehungsgeschichte über Bord geworfen wurde, war natürlich eines der Opfer, das der VDP bereit war zu bringen. (Kompensiert wurde es durch die Anforderung, der Most müsse mindestens Spätlesequalität haben.)
Ein anderes war das Imitieren eines frankophilen Weinstils, der offenbar "richtiger" oder zumindest "angesagter" war als der altddeutsche, untrockene, und gerade im Rotweinbereich wurde "frühere Lese plus Anreicherung" gewollt, um burgundischer zu werden - und damit die burgundische, lagenbasierte Pyramidenschema einzuführen. Das Eine (angereicherter Wein) hat mit dem Anderen (ursprüngliche Idee der privilegierten Lage) freilich nur entgegengesetzt zu tun, und wenn die Winzer nun, ein Vierteljahrundert nach Einführung des GGs, größere Aufwände betreiben müssen, um die Auslese trocken zu verhindern (gerade bei ertragsreduzierten Rotweinen), wäre es schon ein bißchen ironisch, dräuten nicht noch eine ganze Menge noch viel schlimmerer Vierteljahrhunderte.
Schaut man hingegen nur auf die Qualtät im Glase, so glaube ich, daß der aufgeklärte Konsument dem VDP mit dem GG-Konzept viel zu verdanken hat. Und sei es nur die natürliche Gegenbewegung unfassbar guter Moselspätlesen zu Preisen, die auch den Winzer leben lassen. Es wäre schade, fiele den VDP-Winzern nun alles vor die Füße, weil der Konsument zwar 85 Euro für ein Riesling-GG hat, aber nicht die Nerven für kleine Kristalle am Flaschenboden.
Dass GGs rein rechtlich betrachtet chaptalisiert werden dürfen, ist von Anfang an klar gewesen - schließlich sind es Qualitätsweine ohne Prädikat, und bei denen ist das statthaft. Ich kann mich aber noch sehr gut daran erinnern, dass nach dem Rollout der VDP-Klassifikation vor 25 Jahren in den Weinforen intensiv diskutiert wurde, ob VDP-interne Regeln dass Chaptalisieren nicht vielleicht verbieten. Es hat damals mehrere direkte Anfragen beim VDP gegeben, die allesamt nicht beantwortet wurden - man hat dieses Thema offensicht bewusst im Unklaren lassen wollen. Ich habe in den Jahren danach bei mehreren VDP-Winzern nachgefragt, ob GGs chaptalisiert werden dürfen, die Antwort war entweder "nein" oder "das ist beim erforderlichen Mindestmostgewicht nicht nötig" (die Befragten waren allesamt Weißweinwinzer).Ollie hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 19:37Das ist völlig verständlich und legitim. Ich möchte lediglich zu bedenken geben, daß das GG von Anfang an angereichert werden durfte, weil es nämlich das erklärte Ziel dieser Stilkategorie war, nicht einfach "nur" eine "Auslese trocken" zu sein, sondern etwas Anderes, romanischeres.
Dass es fantastische GGs in einem Stil gibt, den es früher so in Deutschland nicht gegeben hat, bestreite ich nicht. Nur gab es dafür eben kein allgemeines GG-Konzept des VDP - es konnte ja auch gar keines geben. Ein badischer Grauburgunder braucht ein anderes Konzept als ein rheinhessischer Riesling.Schaut man hingegen nur auf die Qualtät im Glase, so glaube ich, daß der aufgeklärte Konsument dem VDP mit dem GG-Konzept viel zu verdanken hat.
Ulli, eben! Ich wollte gerade schon etwas Ähnliches auf Ollies Beitrag (dass ich seine Meinung in diversen Punkten nicht teile, dürfte klar sein) antworten, aber du hast mir die Mühe dankenswerterweise abgenommen.UlliB hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 20:57 Dass es beim Rollout 2001 ein erklärtes stilistisches Ziel für die Kategorie GG gab, würde ich ins Reich der Legende verweisen. Zum einen war das ganze Konzept völlig unreif und nicht zu Ende gedacht, wie das anschließend zwanzig Jahre anhaltende Rumgebastele an der Klassifikation mit diversen Ausnahmeregelungen und Ergänzungen gezeigt hat.
Nochmals absolute Zustimmung! Die 2001er GGs von Christmann z.b. hatte ich ja teilweise im Keller, und auf dem Idig, dem Mandelgarten und dem Olberg stand neben "Großes Gewächs" nichts anderes als "Spätlese trocken".UlliB hat geschrieben: ↑Di 21. Jul 2026, 20:57 Zum anderen waren GGs vor zwanzig Jahren noch etwas anderes als das, was sie heute sind, und bei vielen Betrieben wurden zunächst einmal die trockenen Spät- und Auslesen unverändert weiter produziert und lediglich zu GGs umdeklariert (meistens verbunden mit einer satten Preissteigerung).
Der deutsche Weinstil war schon deutlich vor der Jahrtausendwende mitnichten ein hauptsächlich "untrockener". Wenn man mal vom M-S-R-Gebiet und vielleicht noch in Teilen vom Mittelrhein und der Nahe absieht (wobei ich mit meinem Vater bereits Ende der 80er Jahre hervorragende trockene Rieslinge bei Ratzenberger und Dönnhoff gekauft habe), waren sehr viele Weine trocken, weil trocken schon längst schwer in Mode war. Die Einführung des GGs kurz nach der Jahrtausendwende stand nach meiner Wahrnehmung kaum in einem Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem angeblich anderen Stil als dem "altdeutschen". Das GG war ein Konzept, was erst einmal dazu dienen sollte, deutlich höhere Preise für trockene Spitzenweine durchzusetzen, da die bisherigen Kurse im internationalen Vergleich ausgesprochen niedrig (wahrscheinlich auch wirklich zu niedrig waren). Darum ging es vor 25 Jahren weit mehr als um Stilfragen.