Bordeaux 2015

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von Matthias Hilse »

harti hat geschrieben: Hallo Matthias,

es geht letztendlich darum, dass im Einzelhandel noch größere Mengen Batailley 2009/2010 für 400-410 € netto in der 12er OHK angeboten werden, ob das jetzt in England, Frankreich oder Deutschland ist, spielt m.E. keine wesentliche Rolle.

Sollte Batailley in 2015 zum gleichen Preis (also etwa 40 € EVP) auf den Markt kommen, wäre dieser Wein zu teuer (sofern man identische Qualitäten unterstellt).

Grüße

Hartmut
Hallo Hartmut,

Chateau Batailley war im Frühjahr 2010, als sie ihren 2009er lanciert hatten, nach 24 Stunden komplett ausverkauft. Besonders 2009 und 2010 sind grandios und machen aktuell schon viel Trinklaune. Wenn es jetzt Angebote für 2009 (2010 ist etwas anders gelagert) gibt, kommen sie i.d.R. nicht direkt aus dem Handel, sondern von Kunden, die bei diesem Preisniveau liquidieren möchten. Das Chateau kann sich also überlegen, ob es jetzt 2015 wieder relativ so günstig herauskommt wie damals - mit den gleichen Folgen. Oder sie nehmen halt jetzt einen Preis, zu dem sie den Wein an Kunden, die ihn auch wirklich trinken möchten, verkaufen zu können vermuten. Seit gestern gibt es einen "Floor" für den Batailley durch Lynch Moussas. Im letzten Jahr lagen die Preise zwischen diesen beiden Casteja-Weingütern ex nego keinen EUR voneinander entfernt...
Indem wir hier darüber diskutieren, wie sich 2015 in Relation zu 2009 und 2010 verhält, nehmen wir an, das Chateau habe den gleichen Argumentationsparcours beritten. Da wäre ich mir dann aber nicht so sicher :D

Herzliche Grüße,
Matthias
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innauen
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von innauen »

Hallo,

das ist meine zehnte Subskription. Ich weiß nicht wie oft ich gelesen habe, "geht nicht", "sollen sich neue Käufer suchen", "aberwitziger Preis". - Es ging (fast) immer. Die Beispiele, bei denen ein Preis nicht wie gewünscht durchgesetzt werden konnte, sind rar. Einige seien hier aufgezählt.

- zB La Mission Haut Brion wollte 2009 zum gleichen Preis rauskommen, wie der namhafte Bruder. Die Latte lag zu hoch. Der Preis musste beginnend mit dem Jahrgang 2011 wieder deutlich zurückgenommen werden.

- die zT aberwitzen Preise, die in den 80er Jahren für weiße Bordeaux genommen wurden, ließen sich nicht aufrecht erhalten.

- Rol Valentin wollte um die Jahrtausendwende auf den Zug der Garagenweine aufspringen. Noch heute kann man zB den 1998er oder 2000er nur für viel Geld kaufen (weil sie so in den Büchern stehen). Später musste der Preis deutlich reduziert werden.

Das sind aber alles Ausnahmen, die nur die Regel bestätigen. Die Chateau wissen schon sehr gut, wie hoch der aktuelle Marktpreis für ihre Weine liegt. Das Feedback bekommen sie von den Negociants, zT über Direktverkäufe älterer Jahrgänge aus den Chateaureserven.

In Jahren wie 2009/2010 und sicher jetzt auch sind natürlich auch viele private Spekulanten unterwegs. Wenn man keinen Zins auf Anlagevermögen bekommt, dann liegt die Versuchung nahe, das Geld in Wertanlagen zu stecken. Es braucht nicht viel Geld, um durch vermehrte Nachfrage, die Preise nach oben zu schrauben. Ein Weingut, das 250.000 Flaschen zu einem Kurs von sagen wir 35 Euro ausstößt, hat einen Umsatz von 8,75 Mio Euro. Ein Klacks für die Geldvermögen, die derzeit händeringend nach Anlageformen suchen.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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octopussy
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von octopussy »

innauen hat geschrieben: In Jahren wie 2009/2010 und sicher jetzt auch sind natürlich auch viele private Spekulanten unterwegs. Wenn man keinen Zins auf Anlagevermögen bekommt, dann liegt die Versuchung nahe, das Geld in Wertanlagen zu stecken. Es braucht nicht viel Geld, um durch vermehrte Nachfrage, die Preise nach oben zu schrauben. Ein Weingut, das 250.000 Flaschen zu einem Kurs von sagen wir 35 Euro ausstößt, hat einen Umsatz von 8,75 Mio Euro. Ein Klacks für die Geldvermögen, die derzeit händeringend nach Anlageformen suchen.
:?:
Ich verstehe diesen Einwurf offen gesagt gar nicht.

Ich bin aber bei Hartmut (und muss mich hier leider wiederholen). Es gibt für Endverbraucher gefühlte Preisgrenzen. Die orientieren sich an im Markt verfügbaren Weinen vergleichbarer Jahrgänge (und zwar unabhängig davon, ob sie in 12er Kisten im Heimatmarkt sofort verfügbar sind, ein potenzieller Käufer von Batailley 2015 will ja nicht jetzt sofort eine 12er Kiste 2009er oder 2010er kaufen, sondern nur wissen, wie sich der Preis z.B. am wichtigsten Handelsplatz (London) verändert hat) und an vergangenen Subskriptionspreisen. Und für die Spekulanten gibt es auch mittlerweile Preisgrenzen, was 2009/2010 noch anders gewesen sein mag. Wie bereits gesagt: ein Investor will nicht einfach nur Geld loswerden oder parken. Ein Investor will eine Rendite. Und um mit Bordeaux eine Rendite zu erzielen, muss der Wein abzüglich Lagerkosten und abzüglich Verkaufskosten (Auktionsprovisionen, BBX-Provision oder ähnliche Provision) zu einem höheren Preis verkaufbar sein als dem Einkaufspreis.

Damit will ich nicht sagen, dass sich nicht Batailley 2015 für 50 Euro EVP durchverkauft. Nur dass sich dieser Preis langfristig hält, das wage ich zu bezweifeln.
Beste Grüße, Stephan
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von Matthias Hilse »

Damit es hier nicht langweilig wird:
Pontet Canet @ € 75...

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von Matthias Hilse »

Pontet Canet + 3EUR ggü 2009, minus 40% Zuteilung ggü 2014 in den Markt.

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
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octopussy
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von octopussy »

Matthias Hilse hat geschrieben:Pontet Canet + 3EUR ggü 2009, minus 40% Zuteilung ggü 2014 in den Markt.
Der wird sich verkaufen wie geschnitten Brot. Ist nichts für mich, aber der Preis dürfte für Fans dieses Weins sehr attraktiv sein.
Beste Grüße, Stephan
Trinkfreude
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von Trinkfreude »

Na geht doch...! Daraus könnte der eine oder andere kampfeslustige Einzelhändler durchaus einen EVP knapp unter 100€ machen. +13,6% ggü. 2014 ist jetzt ein gut argumentierbarer Schritt.

Ob da wohl innerhalb der Kampagne noch eine weitere teurere Tranche nachgeschoben wird? Da in 15 die Produktion ja ganz anständig war, sollte ja nach der um 40% gekürzten Zuteilung noch ordentlich was übrig sein...
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von Matthias Hilse »

Trinkfreude hat geschrieben: Ob da wohl innerhalb der Kampagne noch eine weitere teurere Tranche nachgeschoben wird? ...
Eher nein.
Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
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octopussy
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von octopussy »

Bei Farr ist Pontet Canet schon ausverkauft und die werden keine kleinen Mengen haben, selbst mit 40% Allokationskürzung. Wer den Wein haben will, wird sich wohl sputen müssen.
Beste Grüße, Stephan
graves
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Re: Bordeaux 2015

Beitrag von graves »

Matthias Hilse hat geschrieben:Seit gestern gibt es einen "Floor" für den Batailley durch Lynch Moussas. Im letzten Jahr lagen die Preise zwischen diesen beiden Casteja-Weingütern ex nego keinen EUR voneinander entfernt...
Wieso wurden die beiden Güter eigentlich so eng beieinander bepreist? Jüngere Lynch Moussas habe ich noch nicht probiert, aber bei älteren Jahrgängen würde ich - wie wohl auch die meisten - Batailley vorziehen. Trotz einer etwas anderen Stilitstik scheint mir der Qualitätsgap zu Batailley erkennbar.
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