Ich habe mal alle 455 deutschen, trockenen 2024er die bei Lobenberg mit Zutaten verfügbar sind abgerufen, die vollständige Liste der Länge wegen nicht direkt im Post sondern hier:
https://pastebin.com/3WhGWUgV
"Zusätze" sind im Folgenden alle Zutaten außer Sulfiten und Packgasen: Saccharose, Weinsäure, Metaweinsäure, Cellulose, Milchsäure, Gummiarabicum, Hefe-Mannoproteine, Carboxymethylcellulose, Ascorbinsäure, Zitronensäure, Konzentrierter Traubenmost, Äpfelsäure, Lysozym, Kaliumpolyaspartat.
Sulfite waren allen betrachteten Weinen zugesetzt. Packgase waren deklariert als: unter Schutzatmosphäre abgefüllt, Kohlendioxid, Stickstoff.
Alle Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen: Ich habe die meisten Angaben ungeprüft von gute-weine.de übernommen ohne sie bei den Weingütern/anderen Händlern zu verifizieren. Bei Einzelfällen, die ich gestern angeschaut hatte, haben Zutatenangaben beim Händler gefehlt. Außerdem ist das Lobenberg Sortiment sicher keine repräsentative Stichprobe aller deutschen Weine.
Zusammenhang zwischen Preis und Anzahl Zusätzen
Anteil der Weine mit Zusätzen nach Preisband:
- bis 15 €: 38 von 66 (58%)
- 15–25 €: 55 von 139 (40%)
- 25–40 €: 37 von 91 (41%)
- 40–70 €: 26 von 112 (23%)
- über 70 €: 14 von 47 (30%)
Je günstiger der Wein, desto häufiger enthält er Zusätze.
Median-Preis der Weine mit / ohne einzelnen Zusatz:
- Saccharose: mit (118 Weine) 22,65 € – ohne (337) 29,00 €
- Weinsäure: mit (70) 23,50 € – ohne (385) 29,50 €
- Metaweinsäure: mit (20) 16,75 € – ohne (435) 28,05 €
- Cellulose: mit (16) 18,95 € – ohne (439) 28,00 €
- Gummiarabicum: mit (12) 22,00 € – ohne (443) 28,00 €
- Milchsäure: mit (12) 20,50 € – ohne (443) 28,00 €
Jeder Zusatzstoff kommt häufiger in günstigeren Weinen vor.
Spearman-Rangkorrelation Preis vs. Anzahl Zusätze, nach Qualitätsstufe:
- Gutswein: n = 26, rho = −.48, p = .014, Anteil mit Zusätzen: 46%
- Ortswein: n = 42, rho = −.34, p = .029, Anteil mit Zusätzen: 43%
- 1G/EG: n = 54, rho = −.26, p = .059, Anteil mit Zusätzen: 43%
- GG: n = 121, rho = −.21, p = .022, Anteil mit Zusätzen: 36%
- ---
- Sonstige: n = 212, rho = −.20, p = .003, Anteil mit Zusätzen: 34%
- Gesamt: n = 455, rho = −.19, p < .001, Anteil mit Zusätzen: 37%
"Teurer -> weniger Zusätze" gilt nicht nur insgesamt, sondern innerhalb jeder einzelnen Qualitätsstufe.
Zusammenhang zwischen VDP-Klassifikation und Anzahl Zusätzen
Anteil der Weine mit Zusätzen nach Klassifikation:
- Gutswein: 12 von 26 mit Zusatz (46%), Median 14,25 €
- Ortswein: 18 von 42 (43%), Median 19,15 €
- 1G/EG: 23 von 54 (43%), Median 27,75 €
- GG: 44 von 121 (36%), Median 52,00 €
- ---
- sonstige: 73 von 212 (34%), Median 22,00 €
Die Klassifikationsstufe scheint (im Gegensatz zum Preis) keinen großen Einfluss auf die Anzahl Zusätze zu haben.
Rangkorrelation Klassifikation (Gutswein = 1, Ortswein = 2, 1G/EG = 3, GG = 4) vs. Anzahl Zusätze, nach Preisband:
- 0–15 €: n = 23, rho = +.25, p = .271, Anteil mit Zusätzen: 74% (Gutswein 15, Ortswein 7, 1G/EG 1)
- 15–25 €: n = 58, rho = +.24, p = .068, Anteil mit Zusätzen: 43% (Gutswein 10, Ortswein 26, 1G/EG 18, GG 4)
- 25–40 €: n = 54, rho = +.28, p = .039, Anteil mit Zusätzen: 43% (Gutswein 1, Ortswein 7, 1G/EG 24, GG 22)
- 40–70 €: n = 76, rho = +.07, p = .546, Anteil mit Zusätzen: 33% (Ortswein 2, 1G/EG 11, GG 63)
- über 70 €: n = 32, nur GGs – Anteil mit Zusätzen: 22%
- ---
- Gesamt: n = 243, rho = −.06, p = .325, Anteil mit Zusätzen: 40% (Gutswein 26, Ortswein 42, 1G/EG 54, GG 121)
Innerhalb der Preisbänder scheinen höher klassifizierte Weine sogar eher mehr Zusätze zu haben. Eventuell weil ein teurer Ortswein von einer anderen Art Hersteller stammt als ein günstiges GG?
Zusammenhang zwischen Region, Rebsorte, Hersteller und Anzahl Zusätzen
Anteil der Weine mit Zusätzen nach Anbaugebiet:
- Franken: 25 von 36 (69%), Saccharose 3 (8%), Säuerung 22 (61%)
- Rheinhessen: 32 von 58 (55%), Saccharose 30 (52%), Säuerung 7 (12%)
- Baden: 18 von 40 (45%), Saccharose 13 (32%), Säuerung 12 (30%)
- Rheingau: 18 von 40 (45%), Saccharose 15 (38%), Säuerung 9 (22%)
- Nahe: 17 von 41 (41%), Saccharose 16 (39%), Säuerung 3 (7%)
- Mosel Saar Ruwer: 23 von 75 (31%), Saccharose 22 (29%), Säuerung 0 (0%)
- Pfalz: 36 von 142 (25%), Saccharose 19 (13%), Säuerung 32 (23%)
- Württemberg: 0 von 10 (0%), Saccharose 0 (0%), Säuerung 0 (0%)
- Ahr: 0 von 12 (0%), Saccharose 0 (0%), Säuerung 0 (0%)
- Mittelrhein: 1 von 1 (100%), Saccharose 0 (0%), Säuerung 0 (0%)
Säuerung = mindestens eine von: Weinsäure, Milchsäure, Äpfelsäure, Zitronensäure (Metaweinsäure und Ascorbinsäure zählen nicht)
Anteil der Weine mit Zusätzen nach Rebsorte:
- Silvaner: 16 von 21 mit Zusatz (76%), Saccharose 3 (14%), Säuerung 13 (62%)
- Riesling: 99 von 253 (39%), Saccharose 84 (33%), Säuerung 35 (14%)
- Weißburgunder: 14 von 38 (37%), Saccharose 7 (18%), Säuerung 7 (18%)
- Grauburgunder: 4 von 11 (36%), Saccharose 2 (18%), Säuerung 4 (36%)
- Chardonnay: 12 von 36 (33%), Saccharose 9 (25%), Säuerung 11 (31%)
- Spätburgunder: 13 von 68 (19%), Saccharose 7 (10%), Säuerung 8 (12%)
Hersteller (mind. 3 Weine) mit Zusätzen in keinen/allen/manchen Weinen:
- Kein Zusatz (19 Hersteller): Markus Molitor (17 Weine), Dönnhoff (14), Seckinger (11), Peter Jakob Kühn (10), Franz Keller (9), Kissinger-Bähr (8), Reinhold und Cornelia Schneider (7), Clemens Busch (7), Meyer-Näkel (7), Weingut Andres (6), Rebholz, Ökonomierat (6), Lassak (5), Weingut Bertram-Baltes (5), Günther Steinmetz (4), Weingut Wagner-Stempel (4), Thomas Haag / Schloss Lieser (4), Aldinger (3), Vollenweider (3), Hofgut Falkenstein (3)
- Alle Weine mit Zusatz (6 Hersteller): Müller Catoir (8 Weine), Dr. Loosen (7), Weingut Künstler (5), Gunderloch (3), Kühling–Gillot (3), St. Antony (3)
- Manche Weine mit Zusatz: 34 Hersteller
Ob ein Wein Zusätze enthält scheint stark am Hersteller zu hängen: 42% der Hersteller setzen entweder allen oder keinen ihrer Weine mehr als Sulfite und ggf. Packgase zu.
Sonstiges
Hersteller entscheiden in manchen Fällen bei der gleichen Lage im gleichen Jahrgang sehr unterschiedlich, was sie ihrem GG zusetzen:
- St. Antony Pettenthal: Saccharose
- Gunderloch Pettenthal: Metaweinsäure
- Kühling–Gillot Pettenthal: Saccharose, Weinsäure
Hersteller mit den meisten Zusätzen (Durchschnitt pro Wein, mind. 3 Weine):
- Weingut Künstler: durchschnittlich 3,4 (5 Weine; Ascorbinsäure, Cellulose, Gummiarabicum, Saccharose)
- Holger Koch: durchschnittlich 3,2 (9 Weine; Saccharose, Weinsäure, Gummiarabicum, Hefe-Mannoproteine)
Überschneidung Säuerung und Anreicherung:
- Von 85 Weinen mit Säuerung enthalten 41 auch Saccharose (48%).
- Von 118 Weinen mit Saccharose enthalten 41 auch eine Säuerung (35%).
Teuerste Weine mit Zusätzen:
- Battenfeld–Spanier Zellertal Kreuzberg GG ’24, 235 €: Saccharose+Weinsäure
- Robert Weil Monte Vacano ’24, 210 €: Saccharose+Weinsäure