Matthias Hilse hat geschrieben:
Das würde eine Subskription aber doch nur dann unattraktiv machen, wenn die implizierten Preiskurven keine Steigung hätten oder die Diskontierungsfaktoren den Wettlauf mit der Inflation verlören. Bei den erwähnten Beispielen hätte eine Subskription von 2001 Armailhac natürlich Sinn gemacht. Es sei denn, Warren Buffet liest hier mit, der hat ein Abo auf eine eher galaktische Opportunität. Sofern es eine von den Erzeugern angestrebte Preiskonvergenz gibt (was ich nicht sehen kann), vermute ich hier einen Fehlschluss.
Ihr wiederholt gebrachtes Argument (siehe auch oben die Ausführungen zum "Nullzins") ist m.E. nicht überzeugend, und zwar aus mehreren Gründen:
- Zinssätze und Inflation sind beide derzeit rekordverdächtig niedrig und können deshalb jedenfalls derzeit nicht als Argument angeführt werden. Man kann sie ausblenden. Das wird sich wieder ändern, irgendwann mal, aber derzeit ist der Zins halt bei Null und die Inflation bei fast null.
- d'Armailhac 2001 stammt aus einer Zeit, als die Subskriptionspreise sich noch nicht am oberen Ende der im Sekundärmarkt potenziell erzielbaren Wiederverkaufspreise orientierten. Wer heute in der Subskription investiert, kann ggf. Wertsteigerungen mitnehmen, es ist aber völlig unsicher, ob das so sein wird. Man darf sich z.B. bei den 09ern und 10ern nicht davon irritieren lassen, wenn ein Wein aktuell am Markt nicht so häufig oder in großer Stückzahl angeboten wird. Im aktuellen Markt werden diejenigen, die in den 09 und 10 Subskriptionskampagnen groß eingekauft haben, Bordeaux kaum verkaufen wollen. Nur diejenigen, die Cash brauchen. Irgendwann werden die ganzen Mengen aber in den Markt müssen und wie sich die Preise dann entwickeln, ist aktuell völlig offen.
- Selbst wer Geld hat, wäre gepudert, wenn er es im aktuellen Markt in 2015er Bordeaux Futures steckt (außer zum selbst trinken). In allenfalls sehr wenigen Preisen bislang steckt Fantasie drin und wenn dann nur extrem wenig. Die Spekulanten mal außen vor gelassen haben m.E. die meisten Weinkäufer bestimmte preisliche Schmerzgrenzen, eine Vorstellung davon, was ein Wein kosten darf/soll. Diese Schmerzgrenze orientiert sich sowohl an den im Markt verfügbaren halbwegs vergleichbaren Jahrgängen und an vergangenen Preisen. Selbst wer Geld ohne Ende hat, wird kaum 50 Euro für Batailley 2015 en primeur ausgeben wollen, weil das einfach nach einem schlechten Deal aussieht, selbst wenn es irgendwann mal ein guter Deal sein sollte. Ob das so sein wird, ist nämlich überhaupt nicht absehbar.
- Nicht außen vor gelassen werden sollten die Kosten der Lagerung. Wer in UK in bond kauft, zahlt etwas mehr als einen Euro p.a. pro Flasche im bonded warehouse. Das sind auf 15 Jahre gerechnet knapp mehr als 15 Euro pro Flasche. Für die Spekulanten muss die Wertsteigerung also pro Flasche 15 Euro betragen plus 20-25%, die beim Weiterverkauf an Provision draufgehen können, sofern versteigert wird. Für die Selbsttrinker muss der Wein am Markt nach 15 Jahren ebenfalls mehr als 15 Euro teurer sein als en primeur.