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Re: Médoc 2026
Verfasst: Mo 29. Jun 2026, 08:43
von small talk
Drei Tage mit Höchsttemperaturen zwischen 40° und 42°C, sind überstanden; so eine Hitze schmerzt. Der ‚Temperatursturz‘ auf 32°C tut da erstaunlich gut. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zogen gleich zwei Gewitter durch und brachten knapp 6 mm Niederschlag. Trotzdem fällt der Wasserstand in unserem Gewässer hinterm Château sehr schnell. Die Vegetation zieht sehr viel Wasser. Für die nächsten zwei Wochen ist kein Regen in Sicht.
Die Reben habe diese Hitze eindrucksvoll gut überstanden. Wenn überhaupt gibt es nur punktuelle Verbrennungen an den Tauben. Bei den unteren Blättern wird sich jedoch bald der Trockenstress bemerkbar machen – vor allem bei den jungen Reben. Arbeiten an der Rebe waren nicht möglich, weil bei diesem Hitzestress die Vegetation Schaden genommen hätte. Alles ist sensibilisiert.
Wir sind gerade im Abschluss der ‚Nouaison‘ Beeren-Füll-Phase. Die anhaltende Trockenheit hat diese ausgebremst. Noch ist es nicht dramatisch, allerdings ist jetzt schon absehbar, dass die Beeren kleiner bleiben werden. Wahrscheinlich wird es wieder eine kleine Ernte.
Wie gut unsere frische Anpflanzung diese Hitzewelle überstanden hat und durch diesen Sommer kommt, wird sich noch zeigen. Bisher bin ich zuversichtlich. Wichtig ist, dass unsere Wasserreserven eine längere Trockenperiode durchhalten. Bodenbearbeitung alleine reicht nicht mehr aus. Mit der Tröpchenbewässerung sammle ich gerade so meine Erfahrungen. DIese Anlage geht zum Glück sehr sparsam mit dem Wasser um.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Re: Médoc 2026
Verfasst: Mo 29. Jun 2026, 20:11
von final_scream
Erstaunlich, wie weit die Traubenentwicklung im Medoc und an meinem heimischen Balkon in Norddeutschland auseinanderliegen: Bei mir hat in der letzten Woche erst die Blüte begonnen.
Re: Médoc 2026
Verfasst: Di 30. Jun 2026, 08:01
von EThC
final_scream hat geschrieben: ↑Mo 29. Jun 2026, 20:11
Neu im Forum. Mitleser seit 2023.
Weinvorlieben: Deutschland - Frankreich (Burgund, Bordeaux, Rhone) - Österreich - Italien (Südtirol, Piemont)
...herzlich willkommen! Bin gespannt, was Du zu Deinen weiteren Vorlieben (neben BDX) teilen magst!
Re: Médoc 2026
Verfasst: So 5. Jul 2026, 19:04
von small talk
Wir sind jetzt in der dritten Hitzewelle dieses Jahr. Bei einigen Bäumen sind die Blätter im oberen Kronenbereich verbrannt…
So wie es aussieht wird es eine kleine Ernte werden.
Der Hitze- und Trockenstress trifft die Beeren-Füllphase und stoppt diese. Da bis auf weiteres keine Niederschläge in Aussicht sind, ist damit zu rechnen, dass die Beeren klein bleiben. Verbrennungen sind nur Vereinzelt zu beobachten. Etwas Schaden gab es durch Schwarzfäule, das ist jedoch nur punktuell und hält sich in Grenzen.
Jungreben, die für abgestorbene Reben beigepflanzt wurden, leiden besonders, auch wenn sie wie hier schon einige Jahre im Bestand sind. Das zeigt das Bild deutlich.
Als wäre das alles noch nicht genug, gibt es im Markt keinerlei anzeichen für Besserung.
Dabei ist im mittleren Preissegment der Umkehrungsprozess in der Angebots- und Nachfragebalance längst in vollem Gang. Erstaunlicherweise beschleunigt er sich weiter, obwohl im Bordelais die Weinproduktionsmenge schon 2025 unter der Verkaufsmenge lag. Damit ist angesichts der Ernteerwartung und Rodung sehr sicher zu rechnen.
Trotzdem zeigt sich bei den Preisen für die Châteaux keine Erholung.
Ein markt-bereinigender Effekt bleibt bisher aus, weil:
- Lagerbestände wegen steigender Zins-/Kapitalkosten weiterhin in den Markt drücken.
- Liquidationen, Betriebsaufgaben, Notverkäufe, … zu zwar punktuellen jedoch massiven Preiserosionen führen und dem jeweiligen Händler einen ungewöhnlichen Angebotsvorteil verschaffen
Das macht die Krise sehr schmerzhaft und führt auch zu Fehleinschätzungen. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es zu einer Über-Korrektur kommen wird.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Re: Médoc 2026
Verfasst: Di 7. Jul 2026, 21:09
von innauen
Hallo,
vielen Dank für das Update, auch wenn es sich brutal liest. Sind Dir solche Witterungsbedingungen wie dieses Jahr schon einmal untergekommen?
Beste Grüße,
Wolf
Re: Médoc 2026
Verfasst: Mi 8. Jul 2026, 09:27
von small talk
In jedem Jahr gibt es ‚neue‘ Ereignisse, die es vorher nicht gegeben hat. Mit jedem Jahr lerne ich dazu. Michel Boyer der mit seinem Clos du Moulin bis in sein 72tes Jahr Winzer war, sage mir, dass keines der Jahre dem anderen glich, auch er hat sein Leben lang dazugelernt.
Es ist also keine Überraschung, dass auch dieses Jahr außergewöhnliche Geschehnisse hat:
- Die Monate Januar und Februar waren hier in Médoc so nass, dass in dieser Zeit weit mehr als die Hälfte der Jahresniederschläge runter kamen. Kalendarisch betrachtet wird 2026 voraussichtlich nicht als trockenes Jahr gelten…
- Der Atlantik ist ungewöhnlich warm mit 26°C Anfang Juli habe ich das noch nicht erlebt. Da ich dazu keine Daten habe muss das keine Garantie für einen neuen Rekord sein.
- Die Hitzewellen sind ungewöhnlich früh und dicht aufeinander folgend. Wäre damit nun Schluss wären diese drei Hitzewellen nicht so ungewöhnlich. Da der Sommer jedoch noch sehr jung ist, hat das Jahr 2026 durchaus das Potential für ein extremes Hitzejahr.
Die Natur kommt mit dieser sehr frühen Hitze nicht so gut zurecht. Noch in der frühen Vegetationsperiode hat es einige Pflanzen böse erwischt. Kastanien und Linden haben Verbrennungen an den Blättern im oberen Kronenbereich. Mit zunehmender Trockenheit fehlt den Pflanzen auch das Wasser, welches sie zur Kühlung durch Transpiration der Blätter brauchen. Einige Bäume fangen schon mit der ‚Laubreduktion‘ an.
So paradox es klingt war die frühe Hitze im Mai für den Wein eher positiv. Die Pflanze hat sich sofort auf Hitze eingestellt. Ich vermute, dass dies der Grund für die bisher wenigen Verbrennungen ist. In anderen Jahren waren die Schäden schon bei niedrigeren Temperaturen deutlich grösser.
Das Jahr ist noch nicht rum; ungewöhnlich wird es bestimmt.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Re: Médoc 2026
Verfasst: So 12. Jul 2026, 21:44
von nahebub
small talk hat geschrieben: ↑Mi 8. Jul 2026, 09:27
In jedem Jahr gibt es ‚neue‘ Ereignisse, die es vorher nicht gegeben hat. Mit jedem Jahr lerne ich dazu. Michel Boyer der mit seinem Clos du Moulin bis in sein 72tes Jahr Winzer war, sage mir, dass keines der Jahre dem anderen glich, auch er hat sein Leben lang dazugelernt.
Es ist also keine Überraschung, dass auch dieses Jahr außergewöhnliche Geschehnisse hat:
- Die Monate Januar und Februar waren hier in Médoc so nass, dass in dieser Zeit weit mehr als die Hälfte der Jahresniederschläge runter kamen. Kalendarisch betrachtet wird 2026 voraussichtlich nicht als trockenes Jahr gelten…
- Der Atlantik ist ungewöhnlich warm mit 26°C Anfang Juli habe ich das noch nicht erlebt. Da ich dazu keine Daten habe muss das keine Garantie für einen neuen Rekord sein.
- Die Hitzewellen sind ungewöhnlich früh und dicht aufeinander folgend. Wäre damit nun Schluss wären diese drei Hitzewellen nicht so ungewöhnlich. Da der Sommer jedoch noch sehr jung ist, hat das Jahr 2026 durchaus das Potential für ein extremes Hitzejahr.
Die Natur kommt mit dieser sehr frühen Hitze nicht so gut zurecht. Noch in der frühen Vegetationsperiode hat es einige Pflanzen böse erwischt. Kastanien und Linden haben Verbrennungen an den Blättern im oberen Kronenbereich. Mit zunehmender Trockenheit fehlt den Pflanzen auch das Wasser, welches sie zur Kühlung durch Transpiration der Blätter brauchen. Einige Bäume fangen schon mit der ‚Laubreduktion‘ an.
So paradox es klingt war die frühe Hitze im Mai für den Wein eher positiv. Die Pflanze hat sich sofort auf Hitze eingestellt. Ich vermute, dass dies der Grund für die bisher wenigen Verbrennungen ist. In anderen Jahren waren die Schäden schon bei niedrigeren Temperaturen deutlich grösser.
Das Jahr ist noch nicht rum; ungewöhnlich wird es bestimmt.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Lieber Stefan,
ich lese gerne deine Berichte uns ixh mag deine Weine. Ich wünsche dir viel Kraft für die Herausforderungen und drücke dir für den 2026 Jahrgang alle Daumen!
Re: Médoc 2026
Verfasst: Di 14. Jul 2026, 12:12
von small talk
Besten Dank für das Interesse an meinen Beiträgen hier und den Zuspruch den Ihr mir wünscht.
Das erste Hitzehoch dieser dritten Hitzewelle ist erst mal überstanden. Dabei ist es weiterhin trocken geblieben. Weiter südlich sind einige Gewitter durchgezogen; von denen haben wir nichts abbekommen.
Die Kombination aus Hitze und anhaltender Trockenheit stresst die Vegetation sehr. Die Verbrennungen bei einigen Bäumen gehen weiter und lassen sich nicht mehr übersehen.
Auch beim Wein verlangsamen sich die physiologischen Prozesse nun deutlich. Junge Reben bekommen jetzt Schwierigkeiten.
Die Füllphase der Beeren in den Trauben ist so gut wie beendet und die Traubenfärbung setzt ein.
Mit der Färbung werden Trauben immun gegen Mehltau- und Schwarzfäule-Pilze. Weiterer Pflanzenschutz ist nicht mehr notwendig. Auch die Warnungen bezüglich des Traubenwicklers haben mich zu keiner Behandlung veranlasst. Die 2. Generation dieses Falters wurde von der Hitze so gut wie erledigt. Da mache ich mir gar keine Sorgen. Was den Pflanzenschutz angeht ist 2026 extrem einfach.
Nennenswerter Regen ist nicht in Sicht und nächste Woche sollen die Temperaturen schon wieder ansteigen. Diese Witterung rückt nun ins extreme ab und wird den Jahrgang markieren.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Re: Médoc 2026
Verfasst: Do 23. Jul 2026, 14:35
von small talk
In den sehr frühen Morgenstunden vom 15. Juli zogen gleich zwei Gewitter kurz hintereinander durch und brachten uns hier 36 mm Regen. Das war reichlich und hat der Vegetation gut getan. Auch bei den Reben kam das Wasser nach zwei bis drei Tagen an. Die Beeren an den Trauben konnten doch noch etwas zulegen und der Traubenfärbung kommt weiter voran.
Nun haben wir schon seit Tagen einen sehr trockenen Wind vom Festland, der alles sehr schnell wieder austrocknet.
Gestern meine Frau, dass Wolken aufziehen und etwas weniger Sonne ganz OK sei…
Später kam mein Sohn und erklärte uns, dass dies Rauchwolken sind…
Dieses Feuer ist etwa 60 km entfernt und stellt für uns hier keinerlei Gefahr dar. Zu denken gibt diese Situation jedoch allemal. Unsere Gemeinde zählt zu ‚bewaldetem Gebiet‘ so sind Maschinenarbeiten draußen nun ab 14 Uhr verboten. Die Feuergefahr ist sehr groß. Zu unserem Weingut gehören auch diverse Waldstücke - zum Glück Laubwald, der noch nicht so sehr gefährdet ist.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
Kaum habe ich das hier geschrieben fliegen doch zwei Löschflugzeuge über uns hinweg; zur Gironde um dort Wasser zu tanken.
Ein neues Feuer in Gaillan; das ist nur 10 km weiter weg. Nach zwei Überflügen haben sie auch schon wieder abgedreht. Es scheint also nicht so dramatisch zu sein...
Re: Médoc 2026
Verfasst: Do 23. Jul 2026, 21:49
von amateur des vins
Ich drücke euch alle Daumen, die ich habe!