TroisLacs hat geschrieben: ↑Mi 10. Dez 2025, 23:05
Als Aussenstehender frage ich einfach mal direkt und unbefangen: wird denn der VDP als „schlech“ angesehen?
TroisLacs hat geschrieben: ↑Do 11. Dez 2025, 07:47
Ich bin ja grosser Riesling-Liebhaber und als Schweizer schaust du dir mal die "Eigenheiten" des deutschen Weingesetzes an und da siehst du erstmal nur Fragezeichen

Ist der Kabinett nun trocken oder restsüss ausgebaut ... was ist der Unterschied zwischen Erste Lage und Grosses Gewächs ... etc. Und auf den ersten Blick hilft mir da die Bezeichnung des VDPs doch etwas in der Orientierung. Und wenn ich einen VDP-Wein kaufe, darf ich eine gewisse Qualität erwarten oder erhoffen (ob sie dann immer erfüllt wird, steht auf einem anderen Blatt). Verstehe aber durchaus auch den Winzer, wenn er da nicht mitmachen will und gewisse Freiheiten will.
...ich antworte jetzt mal hier:
Grundsätzlich schlecht finde ich den VDP nicht, insbesondere machen viele Mitglieder (nicht alle...) außerordentlich gute Weine unter der Flagge des Traubenadlers. Ohne Adler wären die Weine aber sicher nicht schlechter, würden ggf. nur weniger wahrgenommen werden, insbesondere wenn man eher ein VDP-Weingut der zweiten Reihe ist.
Grundsätzlich mal zur Stellung des VDP: es ist ein privatrechtlich organisierter Verein, der seine eigenen Statuten hat, denen nur die Vereinsmitglieder folgen müssen. D.h. die VDP-Winzer unterliegen natürlich zuerst mal dem Weingesetz mit seinen ganzen Verordnungen etc. sowohl auf regionaler, nationaler als auch auf EU-Ebene. Und dann kommt noch das spezielle Regelwerk des VDP on top, welches die souveräne Wein-Rechtsordnung natürlich nicht aushebelt.
Den Ansatz des VDP hinsichtlich seiner Philosophie der Klassifizierung / Hierarchie finde ich grundsätzlich nicht schlecht, allerdings ist das System meines Erachtens mit zuvielen Einschränkungen belegt (u.a. das "Einweingebot"), die dann teils wieder umständlich umgangen werden, indem z.B. die Klassifizierung weiter granuliert wird. Dann kocht noch jeder Regionalverband sein eigenes Süppchen (an der Mosel gab's lange Zeit gar keine Ersten Lagen, mittlerweile aber doch eine Handvoll, Rheinhessen hat irgendwann das Konstrukt "VDP.Aus Ersten Lagen" eingeführt, das es sonstwo nicht gibt (oder nunmehr doch?), mittlerweile aber wieder ein paar reinlagige "Erste Lagen" eingeführt, man ist da also nunmehr 5-stufig, jede Region definiert die zugelassenen Rebsorten anders etc.). Das führt dazu, daß das System aus Verbrauchersicht m.E. nicht mehr transparent ist bzw. man schon ordentlich Zeit investieren muß, um das System zu verstehen.
Weiters ein Kritikpunkt meinerseits, daß das VDP-System auf zu vielen Dogmen aufbaut, da sei vor allem die Reinsortigkeit genannt (Cuvée ist beim VDP per se "bäh") als auch der Leitsatz, daß die besten Sachen trocken sein müssen bzw. das qualitative Aushängeschild "GG" nur für trockene Sachen definiert ist. Meines Erachtens z.B. für eine Region wie die Mosel, die traditionell in der Spitze eigentlich immer alles andere als trocken war und die mit ihrer Art der Vinifizierung süßer(er) Weine weltweit ein Alleinstellungsmerkmal hat, fatal.
In dieses VDP-Korsett passen halt manche Betriebe aufgrund ihrer Lagenbesitze ganz gut rein, manche nur mehr schlecht als recht oder auch gar nicht, weshalb in den letzten Jahren ja viele Betriebe wieder aus dem VDP ausgetreten sind, weil sie das Korsett hinsichtlich ihres Portfolios zu sehr eingeschnürt hat.
So ein Verein wie der VDP kostet im Unterhalt natürlich auch Geld und das kann natürlich nur auf den Endkunden umgelegt werden. Soweit ich weiß, wird der VDP-Obulus je Weingut auch flaschenweise abgerechnet (oder liege ich da falsch?), für den Konsumenten muß sich da am Preis also zwangsläufig was tun (sieht man auch ganz gut, wenn ein Gut neu aufgenommen wird beim Blick auf die Preislisten). Und daß mancher Winzer das gewonnene Renommée dann auch noch für sich selbst versilbern will, dürfte auch klar sein. Das kann einem egal sein, man kann's natürlich auch als überzogen werten...
Übrigens: die Frage hinsichtlich der Bedeutung der Prädikate hat nur mit dem Weinrecht zu tun, beim VDP gibt's diesbezüglich nur die zusätzliche Festlegung, daß die Prädikate nur bei nichttrockenen Weinen verwendet werden dürfen. Und jedes Kabinett, jede Spät- oder Auslese kann trocken, halbtrocken, lieblich oder süß sein, dazu gibt's keine offizielle Festlegung im Gesetz, in den einzelnen Regionen wird das nur jeweils unterschiedlich gehandhabt (und in den Landesverordungen gibt's teils unterschiedliche Festlegungen dazu).
Das heißt, der Dschungel der Regeln wird durch das übergestülpte VDP-Regelwerk nicht lichter, diese künstlich geschaffene Undurchsichtigkeit sowie die teils noch stärkeren Einschränkungen, die manch innovativer arbeitenden Winzer zu einem Leben außerhalb der Regelwerke (und damit außerhalb der Herkunft) zwingt, das ist mein persönlich größter Kritikpunkt am derzeitigen VDP-Regelwerk bzw. am Verein an sich...