Winzersekt

weinaffe
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Re: Winzersekt

Beitrag von weinaffe »

Hallo zusammen,

Deutscher Sekt kann durchaus im Einzelfall mit Top-Champagnern in einer Liga spielen, wie das nachfolgende Exemplar eindrücklich beweist:

Bild

LG
Bodo
Lars Dragl
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Re: Winzersekt

Beitrag von Lars Dragl »

Hallo!

Christmann & Kaufmann Cuvée No. 103

Ich weiß nicht wie repräsentativ diese Fl. ist, weil der Sektkorken schon ganz durchgeweicht war, aber der Inhalt scheint einwandfrei zu sein. Farblich mittleres bis dunkles Strohgelb und ziemlich feine Perlen bei relativ zurückhaltendem Schaum. In der Nase viel weiniger, als meine letzte Fl. und mit deutlichem Bezug zu der Gegend um Gimmeldingen. Da hatte ich schon einige Weine, die ganz ähnlich den Bode zum Ausdruck brachten, aber dieser Sekt kann das nochmals etwas raffinierter. Mir kommt es auch so vor, als ob die Frucht etwas zugelegt hat und die Mineralität noch schöner rüberkommt. Dabei wird Zurückhaltung und Feinheit immer groß geschrieben, genauso wie die Trinkfreude.

Sehr gut, aber schon auch etwas überteuert.

Herzliche Grüße

Lars
Zuletzt geändert von Lars Dragl am So 2. Feb 2025, 13:47, insgesamt 1-mal geändert.
Nora
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Re: Winzersekt

Beitrag von Nora »

Danke Lars, für die Notiz!

2 Flaschen hatte ich nachgekauft, um zu sehen, wie sich der Wein entwickelt. Das hört sich ja recht gut an!

VG Nora
Kle
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Re: Winzersekt

Beitrag von Kle »

Lars Dragl hat geschrieben: So 2. Feb 2025, 12:28 Hallo!

Christmann & Kaufmann Cuvée No. 103

Ich weiß nicht wie repräsentativ diese Fl. ist, weil der Sektkorken schon ganz durchgeweicht war, aber der Inhalt scheint einwandfrei zu sein. Farblich mittleres bis dunkles Strohgelb und ziemlich feine Perlen bei relativ zurückhaltendem Schaum. In der Nase viel weiniger, als meine letzte Fl. und mit deutlichem Bezug zu der Gegend um Gimmeldingen. Da hatte ich schon einige Weine, die ganz ähnlich den Bode zum Ausdruck brachten, aber dieser Sekt kann das nochmals etwas raffinierter. Mir kommt es auch so vor, als ob die Frucht etwas zugelegt hat und die Mineralität noch schöner rüberkommt. Dabei wird Zurückhaltung und Feinheit immer groß geschrieben, genauso wie die Trinkfreude.

Sehr gut, aber schon auch etwas überteuert.

Herzliche Grüße

Lars
Deine Beschreibung passt gut zu unseren Eindrücken kürzlich. Der Sekt brillierte gegenüber deutlich teureren, wobei auch das Wort „bodenständig“ im Sinne von ungekünstelt gefallen ist. Die Meinung war auch, dass er noch Zeit brauche… Oder es ist eben diese Zurückhaltung, die vermuten lässt, es müsse sich noch wer weiß was entfalten, was der Sekt garnicht so vorhat? Ich hatte schon den Eindruck, nicht tief in ihn hineinschauen zu können, spürte aber einen faszinierenden Sog.

Gruß, Kle
Ich erinnere mich eines bizarren Barba-grisca, von dem nur noch eine Flasche da war, so daß ich nicht erfahren konnte, ob der ungereimte Geschmack sich auch in den anderen gefunden hätte.
André Gide (Der Immoralist/Übers.Felix Paul Greve)
Lars Dragl
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Re: Winzersekt

Beitrag von Lars Dragl »

Hallo Nora und Kle!

Gerade habe ich die Cuvée No. 103 nochmal im Glas (GGG) und sehe die Reste von gestern heute nochmals besser. Die recht zarte Frucht (Apfel, Quitte, Aprikosenkern) kommt nochmals schöner zur Geltung und ich bilde mir gewisse Ähnlichkeiten zu den von Buhl Weinen aus der Kauffmann-Ära ein. Der Sekt kommt völlig ungeschminkt und authentisch daher, ohne dabei auch nur irgendwie zu burschikos oder zu abgehoben zu wirken.

Ich muss mich korrigieren: das PGV stimmt - leider - schon.

Nachdem was ich gestern und heute im Glas hatte, ist von einer weitern positiven Entwicklung auszugehen. Das wird voraussichtlich aber nie ein Sekt werden, der jede und jeden zum Innehalten verführt. Dafür ist er einfach zu zurückhaltend. Bei mir klappt es allerdings ziemlich gut.

Herzliche Grüße

Lars
Nora
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Re: Winzersekt

Beitrag von Nora »

Nora hat geschrieben: Mo 26. Aug 2024, 20:25
Dieser Sekt war auch in meiner gemischten Sektkiste und seit 2 Tagen in meinem Glas.

Die Nase ist ganz fein und unterscheidet sich deutlich von den vordergründig nach Frucht riechenden Riesling-Sekten, die man oft auch bei guten Erzeugern findet. Frank John ist da sicherlich eine rühmliche Ausnahme. Zunächst ist die Nase kalkig, mineralisch mit deutlich zitronigen Anklängen. Mit etwas Luft zeigen sich grüner Apfel, eine dezente Gelbfruchtigkeit und etwas Bittermandel. Sehr schön!

Auch am Gaumen ist der Wein zunächst zurückhaltend, mineralisch und straff mit viel Säure, die aber nicht spitz wirkt. Der Mousseux ist feinperlig und angenehm. Auch hier braucht der Sekt zunächst Luft, dann entfaltet sich eine zurückhaltende Cremigkeit mit einem Hauch von brotigen Anklängen. Letztendlich überwiegen immer wieder Zitrone und Frische. Auch der recht anhaltende Abgang bietet hauptsächlich eine zitronige Säure.

So wie Michl das schreibt, ist der Wein subtil und kompromisslos. Man versteht, was der Hersteller wollte. Dennoch fehlt mir ein wenig Tiefe und Komplexität; der Wein ist tatsächlich eher als Aperitif, denn als Speisenbegleiter zu gebrauchen. Das hätte ich gern noch einmal in 2 bis 3 Jahren probiert. Aber trotz des recht ambitionierten Preises, scheint er überall ausverkauft zu sein.

Von mir gibt es 91 Pkt.

VG, Nora
Ein Jahr später habe ich den

Christmann & Kauffmann Riesling Cuvée Nr. 103 Brut Nature

noch einmal im Glas und leider gibt es keine Verbesserung.

Immer noch fein und harmonisch bei fehlender Tiefe und Substanz.

Deutlich zu teuer. Hier haben sich bekannte Namen und ein sehr gelungenes Marketing ausgezahlt.

VG Nora
Lars Dragl
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Re: Winzersekt

Beitrag von Lars Dragl »

Hallo Nora!

Ende August hatte ich meine dritte Fl. No. 103. Ich sehe den Sekt nicht ganz so kritisch wie du. Dass ich aber noch keine Vorspeise oder einen Snack gefunden habe, die richtig gut zu ihm passen möchte, finde ich auch schwierig. Solo mochte ich ihn bisher am liebsten. Mit typischen Häppchen zu Sekt war er bisher eher zickig und konnte nicht überzeugen. Auch ich habe im Vergleich zur vorhergehenden Fl. keine Veränderung feststellen können. Haltbar scheint er zu sein, aber ob der Potential hat ist natürlich fraglich. Ich meine aber schon.

Das PGV scheint einigen anderen wohl auch nicht so gut zu gefallen. Nach dem Hype im letzten Jahr sind nämlich wieder einige Fl. bei diversen Händlern im Netz aufgetaucht und machen den Anschein nicht mehr ganz so gut zu laufen. Zumindest findet man den Sekt nun wieder und könnte nachkaufen, wenn man denn wollte. Ich bin allerdings auch zurückhaltend bis raus.

LG und einen schönen Sonntag

Lars
Nora
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Re: Winzersekt

Beitrag von Nora »

Michl hat geschrieben: Sa 27. Apr 2024, 09:31 In letzter Zeit hatte ich es mal wieder mit Sekten von Griesel & Compagnie versucht. Gefühlt überall werden sie gelobt und immer wieder zweifle ich an meinem Geschmack und kaufe dann doch, aber nee, das sind nicht meine Schaumweine. In der Spitze überzeugen sie schon, sind aber für meinen Geschmack gemessen am Geboteten immer überteuert, im Mittelbau und in der Basis sind sie zum Teil auffalend schwach und für mich nicht selten kaum mit Freude zu trinken.

Gestern dann das neue Flagschiff von Andres & Mugler, die Cuvée 50 Lunes Brut Nature.

An sich bin ich biodynamisch arbeitenden Winzer*innen sehr zugeneigt, weil ich die Einstellung zum Verhältnis Mensch und Natur und Landwirtschaft im Speziellen teile. Die esoterischen Annahmen find ich dann eher lustig. Wenn Wein dann aber nach Mondphasen ausgebaut wird - wie dieses 50 Mondphasen auf der Hefe gelegene Exemplar - habe ich wenig Lust zu kaufen, weil mir die Entrationalisierung von Diskursen in der jüngeren Gesachichte zunehmend auf den Sack geht und auch diese Kleinigkeit zur Festigung "alternativer" Weltbilder beiträgt.
Lässt man sich aber auf diese Denke, besser das gefühlige in sich hinein Horchen ein, dann ist lustigerweise aber dieser Sekt einer, der schon ein Gefühl höherer Ursprünglichkeit vermittelt. Da ist so gar nichts artifiziell oder konstruiert, alles wirkt natürlich und gewachsen.
Erstaunlich war nicht nur die starke Entwicklung zum Besseren mit Luft und Zeit, sondern auch, dass die Nase im Vergleich zum Geschmack sehr konventionell ausfällt. Häufig ist es bei mir so, dass mich Weine in der Nase wesentlich mehr überzeugen können als im Mund. Hier war es andersherum.
Dennoch ist das absolut kein Sekt, der sofort imponiert. Das ist aromatisch sehr individuell und anspruchsvoll zu verstehen. Der schmeckt bestimmt nicht jedem und man muss ihn auch nicht kennen. Aber in seiner individuellen Ausrichtung ist das eine Bereicherung der deutschen Sektlandschaft, auch wenn man zum aufgerufenen Preis sicherlich Besseres findet. Aber "besser" ist halt relativ und sowieso die langweiligste Kategorie des Weingenusses.

Bild
Den habe ich mehr als zwei Jahre später auch im Glas und kann Michls Notiz nur bestätigen.

Ein mit feiner, leicht bitteren Phenolik und einer nervigen Säure gut strukturierter, recht komplexer Sekt, dabei anspruchsvoll, ohne jedoch anstrengend zu sein. Empfehlenswert!

Vielen Dank für deine sehr schöne Notiz Michl! Ich hätte lediglich 1-2 Punkte mehr gegeben :) .

VG Nora
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