Bordeaux 2022

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Ollie
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von Ollie »

Ich glaube nicht, zumindest die Profiverkoster schreiben, dass der Wein immer noch 98/2 M/CF ist. Geschmacklich war da auch definitiv kein Cabernet zu vernehmen - was den Wein sehr eigenständig, aber vielleicht auch etwas unkomplex macht. Aber geben wir ihm mal 7 Jahre auf Flasche und schauen, was passiert.

Cheers,
Ollie
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"Souvent, l'élégance, c'est le refuge des faibles." (Florence Cathiard)
Chrysostomus
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von Chrysostomus »

Haut Bages Liberal 2022

Diesmal ein wirklich großartiges Erlebnis mit einem 2022er! Dieser Wein ist mit ca. 3-4 Stunden Belüftung für meine Begriffe ausgezeichnet! Blaufruchtig, wie das Eintauchen in ein Tintenfass. Etwas rote und schwarze Johannisbeere, die für den Jahrgang typischen seidigen Tannine machen den Wein sehr zugänglich, er entfaltet Druck am Gaumen, das feine Holz bleibt ganz dezent im Hintergrund. Was mir am meisten gefällt ist die Tatsache, dass im Unterschied zu einigen schon verkosteten 2022ern der mich störende gebrannte Zucker fehlt und der Wein äußerst frisch und dennoch mit genügend Kraft und Frucht daher kommt. Der Wein wurde von den Kritikern ja immer wieder als positive Überraschung hervorgehoben. Ich muss zugeben, ihn auch deshalb gekauft zu haben und bin wirklich begeistert! 94+ Punkte mit Potential!
Schöne Grüße, Markus
Ollie
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von Ollie »

Gnihihi. 8-) Ist einer meiner Lieblingsweine des Jahrgangs, ich hatte ihn ja bereits euphorisch beklatscht hier im Strang.

Deine Notiz hat mich dazu animiert, schon wieder eine Flasche aufzumachen, diesmal mit meinem Alten Herrn. Aber die Verdunstungsrate ist gefährlich, ich weiß gar nicht, wie ich "3 bis 4 Stunden Belüftung" hinbekommen soll. Außer, ich steh mit offenem Mund rum. :mrgreen:

Cheers,
Ollie
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amateur des vins
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von amateur des vins »

Ollie hat geschrieben: Sa 20. Dez 2025, 20:15 ich weiß gar nicht, wie ich "3 bis 4 Stunden Belüftung" hinbekommen soll. Außer, ich steh mit offenem Mund rum. :mrgreen:
:lol:
Besten Gruß, Karsten
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AmonA
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von AmonA »

Ollie hat geschrieben: Sa 20. Dez 2025, 20:15 ... ich weiß gar nicht, wie ich "3 bis 4 Stunden Belüftung" hinbekommen soll. Außer, ich steh mit offenem Mund rum. :mrgreen:
Cheers,
Ollie
Wenn du zusätzlich die Hose runterläßt, geht es vielleicht doppelt so schnell, es sei denn, du kneifst die Pobacken zusammen :mrgreen:
Na dann Prost und schöne Weihnachten.

PS: mit HBL habe ich mich auch eingedeckt, kleine, normale Flaschengröße und Magnums.
Grüße
AmonA (aka Volker)
Ingo
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von Ingo »

Nach bis jetzt einigen schönen Weinerlebnissen an den Feiertagen, alles Jg. 2003 oder älter, zu wiss. Testzwecken eine Fl. Baron 2022 geöffnet. Für einen Altweinfreund wie mich eigentlich viel zu jung, aber gerade beim Baron hatte ich in den letzten Jahren die eindrücklichsten Jungweinerfahrungen. Besonders in Erinnerung ist mir zB 2008 geblieben. Ein Wein auf der eher leichteren Seite, aber voller prägnanter Säure, Graphit, feinem Holzeinfluss, Beerenbaromen und einem damit einhergehenden ungemeinem Trinkfluss. Der Baron 2022 ist sicherlich der „größere“ Wein, das sagen zumindest die bisherigen Bewertungen der Profis. Abgeholt hat mich der im Vergleich aber leider gar nicht. Sehr mollig, gefällig, weich, rund, ohne Ecken und Kanten. Kaum Graphit, wenig Säure, transportierte nur wenig von den Ereignissen der Jg. 08, 10 oder 14. Erinnerte mich an einen Wein aus der neuen Welt, ziemlich kommerziell irgendwie. Mag gut und gerne groß werden, fand ich aber hier und jetzt etwas enttäuschend.
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UlliB
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von UlliB »

Chateau Grand Village blanc 2022 14%Vol. Nominell ein einfacher Bordeaux AOC, und soweit ich weiß, stehen die Reben auch nur im generischen Bordeaux-Gebiet, allerdings auf einer gewissermaßen handverlesenen Parzelle mit sehr hohem Kalkgehalt. Der Betrieb gehört zu Chateau Lafleur (Pomerol) und wird vom selben Team bearbeitet, und man merkt dem Wein an, dass hier ein Aufwand wie bei einem grand cru betrieben wird. Eine Cuvée aus 70% Sauvignon blanc und 30% Semillon. Blasses Gelb. Typische Nase eines hochwertigen weißen Bordeaux, Sauvignon-betont, dabei ganz dezent und fein, das Neuholz ist spürbar, aber perfekt eingebunden. Geschmeidig und elegant, frisch, der Alkohol spitzt nicht hervor, einige Substanz, langer sauberer Nachklang. Sehr schön.

Gruß
Ulli
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UlliB
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von UlliB »

In gewohnter Runde gab es vier 22er vom linken Ufer. Alle Weine pop&pour, in der Flasche verbliebene Reste wurden 24 Stunden später nachverkostet. Normalerweise machen bei unseren Jungweinverkostungen diese Reste etwa ein Viertel bis ein Drittel des Flascheninhalts aus, diesmal gut die Hälfte, was schon zeigt, dass der Jahrgang im Moment ein Problem mit der Trinkbarkeit hat.

Branaire-Ducru mit 14,5%Vol. Dunkelfruchtig, fast tintig, enorme Konzentration, Unmassen von sandigem Tannin. 24 Stunden später unverändert, satt und massiv, sperrig, null Trinkfluss.

Was für ein Stilwechsel! Bislang war Branaire unter den klassifizierten Gewächsen aus St.Julien immer auf der leichten Seite, in schwächeren Jahren auch schon mal dünn, und jetzt kommt aus dem neuen Keller gleich mal eine solche Wuchtbrumme. Top-Bewertungen von den Profis hin oder her, meiner Vorstellung von Bordeaux allgemein und St.Julien insbesondere entspricht dieser Wein ganz und gar nicht. Etwas für Konzentrationstrinker, die sonst in anderen Gefilden glücklicher werden.

Brane-Cantenac kommt da meinen Vorstellungen schon wesentlich mehr entgegen. Mit 14%Vol. ist das natürlich auch kein Leichtgewicht und erst recht kein zarter Margaux, und für BC auch schon ziemlich massiv. Aber hier ist alles viel lebendiger, schwungvoller und auch transparenter als beim Branaire. Hat sich nach einem Tag etwas zurückgezogen, die Säure-Tannin-Kombination wirkt dann etwas harsch, der wird sich wohl demnächst verschließen. Anders als bei Branaire bin ich hier aber ziemlich sicher, dass daraus in ein paar Jahren ein sehr schöner Wein werden wird.

Pichon Comtesse ist mit deklarierten 13,5% tatsächlich der "leichteste" Wein der vier, aber farblich wesentlich dunkler als Branaire und Brane-Cantenac. Völlig offen, mit geradezu berückender Finesse und Vielschichtigkeit, dabei wunderbar charmant, stellt die beiden Vorgänger völlig in den Senkel. Am ersten Abend hatte ich gemeint, dass es da in der Mitte ein ganz kleines Loch gibt und der Wein etwas mehr Druck bräuchte, davon war am zweiten Tag gar nichts mehr zu spüren. Einfach grandios, eine wirklich fantastische Comtesse.

In dem Zustand könnte man davon gleich eine Kiste wegsüppeln, der wirkt fast schon trinkreif. Ob es hier eine Verschlussphase geben wird, weiß ich nicht, aber ich vermute, dass der Wein keine lange Reife braucht, aber trotzdem sehr lange leben wird.

Bei Montrose (14,5%Vol.) sieht das nicht ganz unerwartet etwas anders aus. Struktur, Struktur, Struktur. Aber nicht in die Breite gehend wie beim Branaire, sondern vertikal, Schicht über Schicht. Das reichliche Tannin ist dermaßen fein, dass es gewissermaßen über die Zunge gleitet. Aristokratisch, reserviert. Anders als bei der Comtesse, die im Moment offenherzig alles zeigt, was sie hat, muss man hier schon sehr konzentriert vorgehen, um die enorme Tiefe ansatzweise zu erkennen. Das wird vermutlich einer der ganz großen Montrose werden, aber viel Zeit benötigen. Sehr viel Zeit.

Gruß
Ulli
Trotzki
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von Trotzki »

Lieber Ulli, vielen Dank für diese Wasserstandsmeldung! Den Branaire hatte ich auch bereits zweimal im Glas und ja, diesen Stilwechsel, von dir gut beschrieben, mochte ich auch nicht. Soll ja der grösse Branaire ever sein ... Vielleicht in 20 Jahren?
Der Brane gefiel mir auch besser, aber ich werde 2022 wohl nicht mehr gross zuschlagen.
Zudem häufen sich bei uns in der Schweiz die Aktionen für Bordeaux-Weine aus älteren Jahrgängen und der 2023er steht eh vor der Tür.
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innauen
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Re: Bordeaux 2022

Beitrag von innauen »

Hallo,

letzter Wein vor der Fastenzeit Haut Bages Liberal 2022. Das war früher ja einer der 5er Cru Classés, die man allenfalls als Ersatzspieler einwechselte. Soll ja gut geworden sein. Also auf die Flasche und geprüft.

Tag 1
Samtig, saftig und auch gefällig. Der Wein ist gut und kompakt. Wie ein Paket, das man nicht aufgeschnürt bekommt. Das ist keine Verschlossenheit (jedenfalls nicht so wie ich das kenne), das ist eher die glatte Oberfläche, die man nicht durchdringen kann. Klar ist das ein guter Wein. Wie so eine Süßigkeit, die man vor der Supermarktkasse noch auf´s Band legt und die man ewig snacken kann, ohne satt zu werden.

Tag 3
Oh mein Gott hat sich der Wein verändert. Schwelgerisch ohne breit zu sein. Ätherische Düfte in der Nase. Aromatische Vielfalt am Gaumen und ein sehr langer Abgang.

Ich lerne, dass die Weine seit vielleicht dem Jahrgang 2015 ihre Verschlussphasen anders präsentieren. Der Wein ist wirklich hervorragend und qualitativ auf einem ganz anderen Niveau als die früheren Jahrgänge.

Grüße,

Wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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