Re: Dies & Jenes - Proben querbeet
Verfasst: Fr 5. Jun 2026, 20:57
Hallo zusammen,
eine Einladung bei lieben Freunden artete dann doch in eine erwähnenswerte Weinprobe aus, die von feinen Leckereien begleitet wurde. Mit Ausnahme des ersten Schaumweins, der offen präsentiert wurde, durften wir die restlichen Weine "blind" probieren.
Zunächst gab es den
2014er Hohen-Sülzener Kirchenstück Pinot Brut Nature (Raumland)
feine Perlage, sehr schön gereift, knackig, nicht zu cremig, hat noch Potential. Auf dem Niveau sehr guter Winzer-Champagner.
Als nächstes kam ein zart strohgelber Wein ins Glas, der für meinen Geschmack etwas zu viel flüchtige Säure hat. Schon in der Nase etwas Aceton, ansonsten nussig, etwas rustikal, mittlere Länge. Es war der
2022er Blauer Silvaner vom Muschelkalk (Deppisch, Theilheim)
Der nächste Wein (mit orangenem Schrauber) präsentierte sich angenehm gereift, schon farblich zartes Gelbgold, Agrumen, saftige Säure, zarte Restsüsse, aber legistisch trocken, ein sehr trinkiger Wein. Die meisten tippten zu Recht auf einen Riesling. Allerdings einen Riesling, der für Royalisten unbedingt einen Sammlerwein darstellt. Es war nämlich der offizielle Krönungswein von Willem-Alexander:
2012er Koningswijn Riesling trocken (Wirsching, Iphofen)
Das holländische Königshaus hat mit diesem Wein jedenfalls "Bodenhaftung" bewiesen
Dann wurde es etwas "wilder". Der nächste Wein präsentierte sich optisch amber-orange, was schon farblich einen "Natural" erwarten liess. Nasal schon sehr hefig, die flüchtige Säure ist für mich hier im Rahmen, sehr nussig, fein gereift, etwas Sherry-Attitüde, recht dicht mit guter Länge. In jedem Fall ein ungewöhnlicher Wein. Es war der
2018er Silvaner Flor Reserve (Stephan Krämer, Auernhofen)
Aus einem nicht geplanten Missgeschick (Bildung von Florhefe) wurde ein interessantes Experiment, das noch glücklich endete.
Dann ging es abschließend mit 3 hochkarätigen Rotweinen auf eine kleine "Zeitreise":
Der erste Rotwein entstammte einer "halben" Flasche (0,375 L). In der Nase sehr dicht mit viel Cassis und Brombeere, dazu etwas Bret, durchaus komplex, zuerst wurde ein kleiner Korkschleicher vermutet, der sich aber mit Luft dann verflüchtigte. Am Gaumen zwar trocken, aber eine kräftige Extraktsüsse, weitgehend abgeschmolzenes Tannin, sehr fruchtdicht, ausgezeichnete Länge. Das musste schon etwas Hochkarätiges sein. Auch war klar, dass hier viel Cabernet Sauvignon im Spiel sein musste. Farblich musste das auch ein Jahrgang aus dem letzten Jahrtausend sein. Der Wein war so klassisch Bordeaux aus einem großen Jahrgang, dass ich mich sofort auf Napa-Valley festlegte
Diese enorme Extraktsüsse war einfach zu auffällig. Damit lag ich auch zu 100% richtig (Vorsicht Eigenlob-Gefahr
, denn es war der
1997er Opus One Napa Valley (Mondavi)
Als nächstes wieder ein Rotwein, der von der Farbe her auch aus dem letzten Jahrtausend stammen musste. Auch hier musste wieder Cabernet im Spiel sein, aber wohl auch etwas Merlot. In der Nase sehr elegant, Cassis, Zedernholz, durchaus Extrakt, aber nicht so viel wie der Vorgänger, in sich ruhend, komplex, wen auch die ganz grosse Konzentration und Länge fehlte. Trotzdem ein sehr hochwertiger Rotwein, für mich war das ein Top-Bordeaux aus einem kleinen Jahrgang. Ich tippte auf 1992, einem der schwächsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, und einem Chateau, das wohl alles aus dem Jahrgang herausgeholt hatte. MIt diesem Tipp hätte ich wohl auch die praktische MW-Prüfung bestanden, denn es war der:
1992er Chateau Mouton-Rothschild 1er Grand Cru Classe
MIt dem letzten Wein lag ich dann nicht mehr ganz richtig. Zwar das richtige Land, aber den 50/50 Joker falsch eingesetzt. Auch bei diesem Wein gereifte Farbe, die auch auf einen vielleicht 25 Jahre alten Wein schliessen liese, sehr verräterische Kirschfrucht (das muss Italien sein),konzentriert, viel Extrakt, etwas Tabak, komplex, durchaus noch etwas eckiges Tannin, angenehm rustikal, sehr lang. Toller Wein. Entweder Piemont oder Toskana, ich entschied mich für Barolo, was aber dann doch zum Durchfallen in der MW-Prüfung geführt hätte
Es war der
2001er Montevertine, in diesem Fall sehr viel Sangiovese mit etwas Canaiolo und Colorino. Großartiger, typischer Toskanawein. Wie konnte ich nur auf Nebbiolo kommen ??
Vielen Dank an die großzügigen Gastgeber ! Es war ein sehr entspannter Abend, bei dem natürlich nicht nur über Wein philosophiert wurde.
LG
Bodo
eine Einladung bei lieben Freunden artete dann doch in eine erwähnenswerte Weinprobe aus, die von feinen Leckereien begleitet wurde. Mit Ausnahme des ersten Schaumweins, der offen präsentiert wurde, durften wir die restlichen Weine "blind" probieren.
Zunächst gab es den
2014er Hohen-Sülzener Kirchenstück Pinot Brut Nature (Raumland)
feine Perlage, sehr schön gereift, knackig, nicht zu cremig, hat noch Potential. Auf dem Niveau sehr guter Winzer-Champagner.
Als nächstes kam ein zart strohgelber Wein ins Glas, der für meinen Geschmack etwas zu viel flüchtige Säure hat. Schon in der Nase etwas Aceton, ansonsten nussig, etwas rustikal, mittlere Länge. Es war der
2022er Blauer Silvaner vom Muschelkalk (Deppisch, Theilheim)
Der nächste Wein (mit orangenem Schrauber) präsentierte sich angenehm gereift, schon farblich zartes Gelbgold, Agrumen, saftige Säure, zarte Restsüsse, aber legistisch trocken, ein sehr trinkiger Wein. Die meisten tippten zu Recht auf einen Riesling. Allerdings einen Riesling, der für Royalisten unbedingt einen Sammlerwein darstellt. Es war nämlich der offizielle Krönungswein von Willem-Alexander:
2012er Koningswijn Riesling trocken (Wirsching, Iphofen)
Das holländische Königshaus hat mit diesem Wein jedenfalls "Bodenhaftung" bewiesen
Dann wurde es etwas "wilder". Der nächste Wein präsentierte sich optisch amber-orange, was schon farblich einen "Natural" erwarten liess. Nasal schon sehr hefig, die flüchtige Säure ist für mich hier im Rahmen, sehr nussig, fein gereift, etwas Sherry-Attitüde, recht dicht mit guter Länge. In jedem Fall ein ungewöhnlicher Wein. Es war der
2018er Silvaner Flor Reserve (Stephan Krämer, Auernhofen)
Aus einem nicht geplanten Missgeschick (Bildung von Florhefe) wurde ein interessantes Experiment, das noch glücklich endete.
Dann ging es abschließend mit 3 hochkarätigen Rotweinen auf eine kleine "Zeitreise":
Der erste Rotwein entstammte einer "halben" Flasche (0,375 L). In der Nase sehr dicht mit viel Cassis und Brombeere, dazu etwas Bret, durchaus komplex, zuerst wurde ein kleiner Korkschleicher vermutet, der sich aber mit Luft dann verflüchtigte. Am Gaumen zwar trocken, aber eine kräftige Extraktsüsse, weitgehend abgeschmolzenes Tannin, sehr fruchtdicht, ausgezeichnete Länge. Das musste schon etwas Hochkarätiges sein. Auch war klar, dass hier viel Cabernet Sauvignon im Spiel sein musste. Farblich musste das auch ein Jahrgang aus dem letzten Jahrtausend sein. Der Wein war so klassisch Bordeaux aus einem großen Jahrgang, dass ich mich sofort auf Napa-Valley festlegte
1997er Opus One Napa Valley (Mondavi)
Als nächstes wieder ein Rotwein, der von der Farbe her auch aus dem letzten Jahrtausend stammen musste. Auch hier musste wieder Cabernet im Spiel sein, aber wohl auch etwas Merlot. In der Nase sehr elegant, Cassis, Zedernholz, durchaus Extrakt, aber nicht so viel wie der Vorgänger, in sich ruhend, komplex, wen auch die ganz grosse Konzentration und Länge fehlte. Trotzdem ein sehr hochwertiger Rotwein, für mich war das ein Top-Bordeaux aus einem kleinen Jahrgang. Ich tippte auf 1992, einem der schwächsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte, und einem Chateau, das wohl alles aus dem Jahrgang herausgeholt hatte. MIt diesem Tipp hätte ich wohl auch die praktische MW-Prüfung bestanden, denn es war der:
1992er Chateau Mouton-Rothschild 1er Grand Cru Classe
MIt dem letzten Wein lag ich dann nicht mehr ganz richtig. Zwar das richtige Land, aber den 50/50 Joker falsch eingesetzt. Auch bei diesem Wein gereifte Farbe, die auch auf einen vielleicht 25 Jahre alten Wein schliessen liese, sehr verräterische Kirschfrucht (das muss Italien sein),konzentriert, viel Extrakt, etwas Tabak, komplex, durchaus noch etwas eckiges Tannin, angenehm rustikal, sehr lang. Toller Wein. Entweder Piemont oder Toskana, ich entschied mich für Barolo, was aber dann doch zum Durchfallen in der MW-Prüfung geführt hätte
2001er Montevertine, in diesem Fall sehr viel Sangiovese mit etwas Canaiolo und Colorino. Großartiger, typischer Toskanawein. Wie konnte ich nur auf Nebbiolo kommen ??
Vielen Dank an die großzügigen Gastgeber ! Es war ein sehr entspannter Abend, bei dem natürlich nicht nur über Wein philosophiert wurde.
LG
Bodo