Bernd Schulz hat geschrieben:
Als jemand, der sich mit BDX nicht gut auskennt, würde ich mich normalerweise scheuen, hier einen Rat zu erteilen, aber mir sagt schon der gesunde Menschenverstand, dass man als Einsteiger lieber nach vernünftig gepreisten reifen Bordelaisern (es gibt sie nicht an jeder Strassenecke, aber man findet sie schon mit etwas Aufwand) suchen sollte, als zu den derzeitigen Kursen Weine zu kaufen, von denen man unter anderem nicht weiß, wie lange man sie im Keller vergessen muss.
Hallo Bernd,
Dein gesunder Menschenverstand trügt Dich nicht. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und einem Einsteiger empfehlen, erst einmal an Hand einer breiteren Auswahl (verschiedene Altersstufen, Cabernet- und Merlot-betonte Weine) zu prüfen, ob er Bordeaux denn überhaupt mag. Denn noch lange nicht jeder Rotweintrinker steht auf Bordeaux (siehe den Kollegen mit der italienischen Feldpostnummer weiter oben), und sehr viele Bordeaux-Liebhaber stehen noch lange nicht auf
jeden Bordeaux.
An und für sich war die Subskription ursprünglich mal eine Sache für Spezialisten, die genau wussten, was sie wollten und relativ beständig die Weine subskribiert haben, deren Stilistik sie kannten und mochten. Mittlerweile hat sich die Sache zu einem unglaublichen Hype entwickelt, in dem ein nicht unbeträchtlicher Teil der Käufer in Gefolgschaft einzelner Gurus (oder auf Basis komplexer statistischer Auswertungen der Urteile ganz vieler Gurus

) dieses Jahr den einen Wein erwirbt und nächstes Jahr dann eben einen anderen - mal links, mal rechts, mal Kies, mal Lehm; heute mehr Cabernet und nächstes Jahr 100% Merlot. Eine Weile lang sind bestimmte Weine in der Sub total angesagt und verlieren dann schlagartig die Kundengunst; meistens ohne jeden erkennbaren Grund. Und dass man keineswegs subsen muss, sondern auch mal beim Weinhändler um die Ecke oder im Internet schauen kann, was denn so an interessanten lieferbaren Weinen zu haben ist, gerät wärend der Kampagne total in Vergessenheit.
Die Subskriptionskampagne bedeutet die jährliche Wiederkehr einer temporären Phase von geistiger Umnachtung und ist insofern vielleicht noch am ehesten dem Karneval gleichzusetzen.
Aber es ist halt immer wieder schön, und jeder, den der Virus mal gepackt hat, kanns nicht mehr lassen. Ich leider auch nicht
Gruß
Ulli