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Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Mi 22. Okt 2025, 22:20
von Bernd Schulz
Schon ewig hatte ich keinen Elsässer im Glas - und erst recht keinen Pinot Noir aus dem Elsass. Dieser hier kam neulich als Geschenk zu mir:
Bei Wolfberger (der Name klingt für in puncto Elsass Unbedarfte wie mich ja zunächst einmal nach einem einzelnen Weingut) handelt es sich, wie meine kurzen Recherchen ergeben haben, um eine große WG. Zunächst habe ich mich gefragt, ob ich die Flasche überhaupt aufmachen soll - aber ich habe es dann kurzentschlossen doch getan, um festzustellen, dass der Inhalt durchaus ganz brauchbar ist. Er erinnert mich ziemlich stark an badische Spätburgunder von besseren Genossenschaften (Alde Gott, Durbach, Waldulm), die früher im Keller meiner Eltern anzutreffen waren, wobei er etwas tanninbetonter und damit strukturierter wirkt. Selber kaufen würde ich mir so etwas nicht, aber ab und an trinken kann ich das durchaus mit einem gewissen Vergnügen. Langer Rede kurzer Sinn: Solide gestrickter, ziemlich mehrheitsfähiger, aber nicht allzu banal auftretender Spätburgunder.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Do 23. Okt 2025, 06:09
von EThC
...Wolfberger kenne ich nur von der Likörseite her, speziell vom Amer, den man mit Bier mixt, ähnlich wie Picon biere...
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Do 23. Okt 2025, 09:14
von UlliB
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Mi 22. Okt 2025, 22:20
Bei Wolfberger (der Name klingt für in puncto Elsass Unbedarfte wie mich ja zunächst einmal nach einem einzelnen Weingut) handelt es sich, wie meine kurzen Recherchen ergeben haben, um eine große WG.
Das ist nicht nur eine "große WG", sondern einer der flächenmäßig größten Weinbaubetriebe in Frankreich. Die bewirtschaften 1200 Hektar Rebfläche, das sind acht Prozent der
gesamten Rebfläche im Elsass. Man findet Wolfberger-Weine in praktisch jedem französischen Supermarkt, nicht nur im Elsass, sondern auch weit entfernt davon.
Dass der Wein technisch einwandfrei und unfallfrei zu trinken ist, wundert mich nicht. Das ist heute bei den meisten Weinen aus Großkellereien der Fall - und Wolfberger ist eine Großkellerei, auch wenn man mit eigenem Traubengut arbeitet. Die haben einfach genügend Masse, um in der Cuvée den Einfluss schwächerer Partien zu kompensieren, und sie verfügen über gut ausgebildete Önologen, die wissen, wie man so etwas macht.
Gruß
Ulli
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Sa 6. Dez 2025, 21:03
von Schönibert
2015 Muller-Koeberle PN Clos des Aubépines Rouge de St. Hippolyte
Immernoch tiefschwarz, würziges Lakritz, Cassis, richtig stark. Das ist jetzt nicht Alsace Pinot auf dem Piano sondern mit der Panzerfaust.
Trotzdem ein toller Wein, schade, dass das Weingut sich dazu entschieden hat, einen neuen, „hipperen“ Weg zu gehen.
Ich bin da dann raus. Leider.
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Do 1. Jan 2026, 20:02
von Schönibert
2017 Muller-Koeberle St. Hippolyte Rouge Vielles Vignes
100% Pinot Noir, >50 Jahre alte Reben, lt. Etikett. Sehr stak eingekochte (Wald-)Erdeermarmelade, ein paar Pflaumen sind auch mit drin. Massiv auf der Frucht. Dann ballern die 15% Alkohol rein, geradezu likörig oder portig. Im Abgang gibt’s dann einen schönen Pfeffer-Punch. Gut belüften oder liegen lassen, wobei das schon ganz geil ist auch so. Hat mit Alsace PN klassisch natürlich nicht viel zu tun.
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: So 4. Jan 2026, 20:12
von Schönibert
2015 Muller-Koeberle PN Clos des Aubépines Rouge de St. Hippolyte
Weiße Flasche wird an den Rändern etwas backsteinig. Ist aber keinesfalls alt. Eher brandig, als würde der ewig durchhalten wie ein Porto. Brombeerem, Vulkanstein, Minze, Eukalyptus. Eher Schwarze Johannisbeeren statt Brommbeeren.
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: So 8. Feb 2026, 18:48
von Schönibert
2023 François Bléger Pinot Noir Langenberg Rouge de St Hippolyte
Das ist wohl ganz alte Pinot Schule, kein Wein der jetzt schon Spaß macht. Der ist richtig garstig, sauer, zugenagelt. In der Nase hab ich ja ein paar hellrote Kirschen und eine Art Graphit/Bleistift. Ob das mal was wird, dazu bin ich nicht in der Lage, das zu bewerten, aber ich habe mit roten Burgundern schon extrem erstaunliche Lernkurven hinter mich gebracht. Wenn man Geduld beweist. We will see.
Edit: Doppeltkaraffiert kommt da schon etwas Struktur rein, oben jetzt ehr rote Johannisbeeren, in der Mitte nasses
Leder und das ist unterlegt mit dunkler Schokolade. Gleichzeitig weiterhin extrem eingeschnürt durch Säure und Tannin.
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Mo 16. Feb 2026, 09:02
von UlliB
Burlenberg 2022 (Marcel Deiss) 13,5%Vol. Ich hatte kurz überlegt, ob der Wein nicht besser im "Complantation-Thread" beschrieben werden sollte, denn ein reinsortiger Pinot Noir ist das nicht, da sind im gemischten Satz auch noch Anteile von Pinot Meunier, Pinot Blanc und Pinot Gris enthalten. Die Aromatik ist aber so eindeutig Pinot Noir, dass ich mich für hier entschieden habe.
Strahlend schöne, vielschichtige Pinot-Nase, eher in Richtung Burgund als in Richtung Deutscher Spätburgunder, kalkiger Hintergrund. Das ist schon erstklassig, aber leider kommt der Gaumen mit der Nase nicht mit. Die für PN sehr dunkle Farbe deutet schon an, dass man bei der Extraktion ordentlich zur Sache gegangen ist - zu sehr, denn das kräftige Tannin ist ruppig und auch etwas grob, der Abgang dadurch ein wenig stumpf.
Das ist noch ein sehr junger Wein, und die Substanz erlaubt, den noch einige Jahre reifen zu lassen, vermutlich schleift sich da noch etwas ein. Aber ein feiner und eleganter Burgunder wird das aller Voraussicht nach nicht.
Da muss man noch ein wenig üben, wobei die Voraussetzungen offensichtlich ganz ausgezeichnet sind. Bis auf weiteres bleibe ich bei Deiss aber lieber bei weiß.
Gruß
Ulli
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Mo 16. Feb 2026, 10:34
von Schönibert
Hallo Ulli,
den Burlenberg bezeichnen sie selbst als „la colline brulée“, das ist dann ja schon irgendwie treffend und passend zu deinem Eindruck.
Re: Alsace Pinot Noir
Verfasst: Mo 16. Feb 2026, 11:50
von UlliB
Schönibert hat geschrieben: ↑Mo 16. Feb 2026, 10:34
den Burlenberg bezeichnen sie selbst als „la colline brulée“, das ist dann ja schon irgendwie treffend und passend zu deinem Eindruck.
Naja, angebrannt oder auch nur eingekocht/marmeladig wirkt der Wein glücklicherweise nicht...
Dass eine offensichtlich warme Lage einen eher robusten Burgundertyp ergibt (gerade in einem trockenen und heißen Jahr wie 2022), ist schon zu erwarten. Ich denke aber, dass man mit einer vorsichtigeren Extraktion der Maische ein besseres Ergebnis erreicht hätte.
Gruß
Ulli