Am Wochenende habe ich einen Musikerfreund im Markgräfler Land besucht. Von ihm bekam ich gestern Abend diesen erstaunlich schönen Spätburgunder serviert:
Über das Weingut Hermann Dörflinger wird hier ja kaum etwas geschrieben, aber es scheint sich um einen Erzeuger zu handeln, der wirklich mehr Beachtung verdient. Vor dem Spätburgunder gab es nämlich auch noch einen Weißburgunder, der nicht von schlechten Eltern war (eine VKN dazu folgt demnächst).
Ganz vom Wein abgesehen habe ich den Aufenthalt im Markgräfler Land mit seinen vielen Weinbergen und der imposanten Kulisse der Vogesen auf der einen und des Schwarzwalds auf der anderen Seite sehr genossen. Ich war dort zwar vor Jahrzehnten schon einmal, aber ich hatte vergessen, wie schön die Landschaft wirklich ist....
Dunkles, aber transparentes Kirschrot. In der Nase leicht dropsig bis marmeladig, aber eben auch die Frucht von saftig reifem Spätburgunder plus ein wenig Holz und einpaar vegetablen Anflügen. Im Mund mit süßlichem (aber nicht kitschigem) Antrunk, schlanker, aber nicht löchriger Mitte und ganz passablem Abgang. Insgesamt für 13 € bei einem schönen Urlaub am Bodensee keinesfalls ein Reinfall.
Müllheimer Sonnhalde Spätburgunder "Aus Alten Reben" 2013 (Dörflinger) 13%Vol., 1,3g/L RZ) Transparentes Ziegelrot. Typische Spätburgunder-Nase, rotfruchtig, Himbeere und etwas Sauerkirsche. Herb, null Gramm Fett, auch kein Räucherspeck, erkennbar gereift, aber noch sehr lebendig.
Etwas ungewöhnlicher Spätburgunder-Typ, der nicht zum barocken Stil passt, der in Baden immer noch recht verbreitet ist, aber mit seiner betont schlanken und herben Art auch nicht modern wirkt. Dörflinger bietet auch im Neuholz ausgebaute Spätburgunder an, aber mir gefallen diejenigen Versionen, die wie diese kein Neuholz gesehen haben, besser. Der aktuelle 23er kostet ab Werk 14 Euro, da kann man kaum meckern.
Ein Wein von bis zu 50 Jahre alten, ertragsreduzierten Reben. 15 Monate Lagerung in erst-, zweit- und drittbelegter französischer Eiche.
Im Glas ein kräftiges, strahlendes Burgunderrot.
In der Nase schöne Aromen von dunklen Beeren und eine angenehme Röstnote. Dazu etwas Pfeffer und kräuterige Würze. Leicht balsamisch.
Am Gaumen feinwürzig und saftig. Ganz leicht Kakao und eine dunkle Gewürznote treten zu den Eindrücken aus der Nase hinzu. Die Tannine - für mich genau richtig - noch leicht sandig. Die Eichenholzwürze, die in der Nase noch vernehmbar war, ist am Gaumen fast komplett verflogen. Hinten raus noch eine kleine Minznote und etwas dezent Rußiges.
Schöne Balance und Frische, minimal auf der fülligeren Seite.
16/20