Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

Rieslingfan hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 15:37 Nach meiner Erfahrung sind die Inhaltsangaben bei Händlern mitunter nicht korrekt, d. h. es werden die Werte aus dem vorherigen Jahrgang angezeigt, bzw. sie sind zum Teil grundsätzlich falsch.

Aus meiner Sicht sollte man sich nach den Inhaltsstoffen stets über die Website des betreffenden Winzers informieren.
Das nützt aber auch nicht immer etwas.

Ich hatte gerade letzte Woche einen kurzen Mailwechsel mit einem renommierten VDP-Winzer, weil die per QR-Code auf dem Rückenetikett eines seiner 25er Weine zugängliche Nährwert- und Zusatzstoffliste in gleich mehreren Punkten ganz offensichtlich fehlerhaft war. Er hat's eingesehen und die meisten Fehler in der mit dem QR-Code verbundenen Datenbank gleich korrigiert, bis auf einen. Auf diesen Punkt erneut hingewiesen, reagierte er mit völligem Unverständnis - da fehlte es ganz offensichtlich an Sachverstand, welche Inhaltsstoffe des Weins wie zu berücksichtigen sind. Wenn aber schon die Winzer nicht wissen, was wie zu deklarieren ist (und das ist hier kein Einzelfall), ist der fehlerhafte Übertrag durch die Händler nur eine weitere Facette des Problems.

Die für mich wirklich relevante Erkenntnis aus der Auflistung ist, dass VDP-GGs zumindest gelegentlich chaptalisiert werrden. Die Frage, ob das (verbandsintern) zulässig ist und ggf. in schwächeren Jahren auch passieren wird, hat die Weinforen vor 25 Jahren beim Rollout der neuen VDP-Klassifikation in erheblichem Umfang bewegt. Nun wissen wir es...

Gruß
Ulli
Bernd Schulz
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Bernd Schulz »

UlliB hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 16:54 Die für mich wirklich relevante Erkenntnis aus der Auflistung ist, dass VDP-GGs zumindest gelegentlich chaptalisiert werrden. Die Frage, ob dass (verbandsintern) zulässig ist und ggf. in schwächeren Jahren auch passieren wird, hat die Weinforen vor 25 Jahren beim Rollout der neuen VDP-Klassifikation in erheblichem Umfang bewegt. Nun wissen wir es...
Ja, nun wissen wir es. Und mal ganz abgesehen vor der Tradition, aus der der VDP eigentlich herkommt, frage ich mich nach den rein praktischen Gründen, aus denen es sich so verhält, wie es sich verhält. Martin Müllen hat mal gesagt, früher hätte sich der Winzer nach Kräften mühen müssen, um ein möglichst hohes Mostgewicht in die Trauben zu bekommen. Heute sei es dagegen gerade umgekehrt - die Kunst des Winzers bestünde darin, mit allen geeigneten Maßnahmen bei guter physiologischer Reife möglichst niedrige Oechslegrade zu erzielen. Und wenn das wirklich stimmen sollte, wäre es völlig widersinnig, den Most von Spitzenweinen zu chaptalisieren, oder?

Herzliche Grüße

Bernd
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

Bernd Schulz hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 17:18 Martin Müllen hat mal gesagt, früher hätte sich der Winzer nach Kräften mühen müssen, um ein möglichst hohes Mostgewicht in die Trauben zu bekommen. Heute sei es dagegen gerade umgekehrt - die Kunst des Winzers bestünde darin, mit allen geeigneten Maßnahmen bei guter physiologischer Reife möglichst niedrige Oechslegrade zu erzielen. Und wenn das wirklich stimmen sollte, wäre es völlig widersinnig, den Most von Spitzenweinen zu chaptalisieren, oder?
Ganz offensichtlich war in einem knapp reifen Jahrgang wie 2024 die Zuckerreife in machen Lagen nicht hoch genug, um den für ein GG gewünschten Alkoholgehalt im fertigen Wein zu erreichen. Das kann durchaus auch mit Maßnahmen zusammenhängen, die man im Weinberg vorgenommen hat, um die (zu) hohe Zuckerreife mancher Vorjahrgänge im Zaum zu halten - da hat man sich halt ein wenig verzockt.

Es bleibt natürlich die Frage, wie viel Alkohol ein GG braucht, um ein GG zu sein. Da hat jeder Winzer wohl ein anderes Verständnis.

Man hätte natürlich auch einfach auf die Produktion eines GG verzichten können. Zu Prädikatsweinzeiten gab es in manchen Jahren auch keine Spät- und Auslesen, das war dann eben so.

Gruß
Ulli
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Rieslingfan
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Rieslingfan »

UlliB hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 16:54 Ich hatte gerade letzte Woche einen kurzen Mailwechsel mit einem renommierten VDP-Winzer, weil die per QR-Code auf dem Rückenetikett eines seiner 25er Weine zugängliche Nährwert- und Zusatzstoffliste in gleich mehreren Punkten ganz offensichtlich fehlerhaft war. Er hat's eingesehen und die meisten Fehler in der mit dem QR-Code verbundenen Datenbank gleich korrigiert, bis auf einen. Auf diesen Punkt erneut hingewiesen, reagierte er mit völligem Unverständnis - da fehlte es ganz offensichtlich an Sachverstand...
Um welchen Punkt hat es sich denn gehandelt?
Gruß Markus
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

Rieslingfan hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 17:39 Um welchen Punkt hat es sich denn gehandelt?
Kohlenhydrate. Die können ganz grundsätzlich niemals Null sein (wie in diesem Fall deklariert), weil man hierbei das Glyzerin berücksichtigen muss - entweder pauschal mit 0,8g/100mL oder berechnet aus 1/10 des Alkoholgehalts, wenn es nicht ausnahmsweise analytisch direkt bestimmt wurde. Und außerdem hatte der Wein auch etwas Restzucker, wenn auch nur sehr wenig, aber auch der muss bei den (Gesamt-)Kohlenhydraten berücksichtigt werden.

Das Ganze ist natürlich schon etwas kompliziert, und ein Winzer ist kein Lebensmittelchemiker. Allerdings hatte die Weinbauverbände im Vorfeld schon sehr gründlich erklärt, was zu deklarieren ist, und wie. Aber gelesen haben das ganz offensichtlich nicht alle.

Gruß
Ulli
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Rieslingfan
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Rieslingfan »

Danke für die Beantwortung meiner Frage.
Gruß Markus
nm_
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von nm_ »

amateur des vins hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 14:13 Das Tüpfelchen auf dem i wäre jedoch, wenn Du das in aussagekräftige Graphen verpackt hättest - ich habe nicht den Nerv, mich durch die "Wand aus Text" zu arbeiten. Wie wurde uns im Studium eingetrichtert: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Irgendeine Chance, daß Du Dir die Mühe auch noch machst?
Ich finde die "Wand aus Text" ist durchaus zumutbar (wenn auch didaktisch nicht ideal), aber hier nochmal in etwas leicht verdaulicherer Form die Kernaussagen der Ergebnisse.
  • Weine enthalten durchschnittlich mehr Zusatzstoffe je günstiger sie sind
  • Das gilt auch beim Vergleich von Weinen innerhalb derselben VDP-Klassifikation
  • Für jeden einzelnen Zusatzstoff sind Weine, die diesen Zusatzstoff enthalten, im Schnitt günstiger als die, die ihn nicht enthalten
  • Die VDP-Klassifikationsstufe scheint keinen großen Einfluss auf die Anzahl an Zusatzstoffen zu haben.
  • Bei ähnlichem Preis haben Weine höherer VDP-Klassifikationsstufen sogar eher mehr Zusatzstoffe.
  • Am häufigsten aufgesäuert wird in Franken (61%), am häufigsten chaptalisiert in Rheinhessen (52%).
  • Am häufigsten aufgesäuert wird Silvaner (62%), am häufigsten chaptalisiert Riesling (33%).
  • Fast die Hälfte der Hersteller hat entweder Zusatzstoffe in keinem Wein oder in allen Weinen. Das (u.a.) legt die Vermutung nahe, dass zumindest manche Zusatzstoffe primär von Herstellervorlieben abhängen und ggf nur sekundär von Lage/Umweltbedingungen.
  • Auch bei 200€ Weinen wird chaptalisiert und aufgesäuert.
Wie bereits erwähnt, basieren alle Zahlen nur auf dem Lobenberg Sortiment deutscher Weine aus 2024 und den Zutatenangaben im Lobenberg-Onlineshop (die zT unvollständig sind).

Nora hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 16:53 Auf Dr. Loosens Homepage steht auf den jeweiligen Zutatenlisten aller Weine, einschließlich der Prädikatsweine, folgender Eintrag: „Trauben, Saccharose, Carboxymethylcellulose, Enthält geringe Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Eiweiß und Salz“.
Danke für den Hinweis, das stimmt für die Angabe direkt auf der Produktseite, aber auf dem darunter verlinkten E-Label (zB https://www.glvweuz.de/25761626525.htm) ist das nicht so. Die unterscheiden sich tatsächlich pro Wein und hier fehlt bei Spätlesen die Saccharose. Bei den GGs ist die Saccharose auch auf dem E-Label.
Bernd Schulz hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 17:18 Und mal ganz abgesehen vor der Tradition, aus der der VDP eigentlich herkommt, [...]
Für mich passt es auch abseits der Tradition nicht zusammen, dass die VDP-Mitglieder hohe 1G/GG-Preise mit ihrer lagenbasierten Qualitätsklassifikation rechtfertigen und dann mit Hilfsmitteln über Teile des Lagencharakters im jeweiligen Jahr drüberbügeln.
Bernd Schulz hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 17:18 Martin Müllen hat mal gesagt, früher hätte sich der Winzer nach Kräften mühen müssen, um ein möglichst hohes Mostgewicht in die Trauben zu bekommen. Heute sei es dagegen gerade umgekehrt - die Kunst des Winzers bestünde darin, mit allen geeigneten Maßnahmen bei guter physiologischer Reife möglichst niedrige Oechslegrade zu erzielen.
Bei den paar nicht-Prädikaten die Müllen anbietet, wurde 2024 und 2025 laut Müllens Online-Shop übrigens auch chaptalisiert. Die werden ja aber auch nicht als Lagenweine vermarktet und sind in einem Preisbereich in dem mich persönlich das nicht stört.
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UlliB
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von UlliB »

nm_ hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 19:14
Bernd Schulz hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 17:18 Und mal ganz abgesehen vor der Tradition, aus der der VDP eigentlich herkommt, [...]
Für mich passt es auch abseits der Tradition nicht zusammen, dass die VDP-Mitglieder hohe 1G/GG-Preise mit ihrer lagenbasierten Qualitätsklassifikation rechtfertigen und dann mit Hilfsmitteln über Teile des Lagencharakters im jeweiligen Jahr drüberbügeln.
Genau!

Gruß
Ulli
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Rieslingfan
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Rieslingfan »

nm_ hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 19:14 Wie bereits erwähnt, basieren alle Zahlen nur auf dem Lobenberg Sortiment deutscher Weine aus 2024 und den Zutatenangaben im Lobenberg-Onlineshop (die zT unvollständig sind).
Eben und daher macht es auch keinen Sinn, daraus eine Statistik abzuleiten.
Gruß Markus
Ollie
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Re: Inhaltsangaben für Wein werden ab Ende 2023 obligatorisch

Beitrag von Ollie »

nm_ hat geschrieben: So 19. Jul 2026, 19:14 und dann mit Hilfsmitteln über Teile des Lagencharakters im jeweiligen Jahr drüberbügeln.
Welcher (und warum nur ein) Teil des Lagencharakters (wie wird der originär festgestellt?) wird denn teilweise überbügelt und wodurch? Der wichtige oder unwichtige Teil des Lagencharakters? Ein Vol% mehr Alkohol macht aus der Wehlener eine Zeltinger Sonnenuhr? Ein Gramm nichtausgefallene Säure (CMC- statt wie bisher Meta- oder Orthoweinsäure-stabilisiert) beinträchtigt die Lagenausprägung? Was genau passiert, und wie und warum?

Cheers,
Ollie
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