Bordeaux 2014

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
pessac-léognan
Beiträge: 1129
Registriert: Fr 11. Jan 2019, 10:57

Re: Bordeaux 2014

Beitrag von pessac-léognan »

pessac-léognan hat geschrieben: So 4. Feb 2024, 18:32 Château Rauzan-Ségla Margaux GCC 2014 13.5% ABV
56% CS / 42% M / je 1% CF und PV
Farbe: dunkles, aber nicht blickdichtes Purpurgranat
Nase: feinduftige und dezente Cabernetnase auf Cassis, übertönt von Veilchen und Damaszener Rosen, richtig Margaux
Da kann der Genuss am Gaumen nicht wirklich mithalten. P&P bei 15° zwar durchaus angenehm, ebenfalls ganz leicht auf Cassis und auf halbreife Heidelbeeren - und wieder die Blumen, auch etwas Süßholz, aber bald drängt eine ziemlich aufdringliche Säure in den Vordergrund, gepaart mit eher harschen Tanninen, was zwar eine gewisse Langlebigkeit verheißen mag, den momentanen Genussfaktor jedoch nicht gerade erhöht.
2014 ist bekanntermaßen nicht unbedingt ein Margauxjahr, allerdings ist mir Labégorce aus dem Jahr in deutlich besserer Erinnerung.
Besser noch 2 bis 4 Jahre warten und dann trinken bis etwa 2036.
Momentan kaum mehr als 90 Punkte (Potenzial bis 92+?)
Knapp 2 1/2 Jahre später, an einem Sommertag, der gnädige Abkühlung von der sengenden Hitze der letzten Hitzewelle bereit hält:
Die Nase nach wie vor sehr margalais, nun noch mehr auf der blumigen Seite, und im Unterschied zur letzten Flasche Anfang Februar 2024.geben die Blumen nun auch palatal ganz klar den Ton an:
Damszener Rose, Pfingstrose, Flieder und Veilchen geben die Anmutung, als würde man in einen ganzen Strauß von Blumen regelrecht hineinbeißen. Frucht sucht man da fast vergeblich, erst die weiteren Schlucke lassen Spuren von sehr dunklen Beeren, am ehesten Brombeeren und Holunder, dann doch auch etwas Cassis erkennen. Dann auch sehr reife rote Paprikafrucht in einem interessanten Zusammenspiel mit Rauch und Sattelleder. Diese Kombination zeigt sich beim Schnüffeln am Glas, in dem der Wein sich langsam erwärmt, nach und nach auch nasal, zusammen mit den Blumen, die gleichsam welken, aber ihren Duft deshalb nicht weniger verströmen.
Die Säure jetzt nicht mehr aggressiv, sondern nurmehr trinkanimierend, die Tannine rund und geschmeidig.
Ein fast parfumierter (Chanel!) Margaux mit knapp 12 Jahren am Beginn seiner (für mich optimalen) Trinkreife.
Wenn man dem Wein jetzt noch etwas vorwerfen kann: Diese ganze Blumigkeit hallt zwar von ferne nach, ohne in einen langen und mundfüllenden Abgang zu tragen. Das Parfum ist, wie soll ich sagen, ein wenig vordergründig - verpufft, schön und zart, aber ziemlich rasch. Als hätte man an der Garderobe einen feinen Duft erhascht, den man mit seinem Kleid dort wiederum abgibt, ohne richtig auf den Geschmack gekommen zu sein... Vielleicht hat man aber auch ganz einfach auf den Blumen zu lange herumgekaut und träumt nun von erinnerten Düften? 93(+?)
2 Tage später: Der Wein zeigt seine Säure etwas prominenter, was aber der Trinkfreude keinen Abbruch tut. Interessant: Die Blumen sind zwar teilweise Trockenblumen geworden, womit sich der Geruch etwas zurückgezogen hat, wodurch aber der Wein sich wunderbar "kauen" lässt und so palatal mindestens so viel Freude bereitet wie am ersten Tag. Dunkler Tabak, der sich nun dazu gesellt, trägt die gekauten (Trocken-)blumen nun in einen deutlicheren und längeren Abgang. Andererseits hat sich die Restfrucht jetzt beinahe ganz aus dem Staub gemacht...
Antworten

Zurück zu „Bordeaux und Umgebung“