Bordeaux 2025

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Matthias Hilse »

Dominik Mueller hat geschrieben: Fr 12. Jun 2026, 18:01 Das finde ich ein interessantes Thema, weil ich diesen hartnäckigen Trend zu mehr und mehr Terroir (im Sinne des Bodens oder der Lage) so gar nicht mehr verstehe.

Während die deutschen Winzer unisono vom "kontrollierten Nichtstun" sprechen und sich damit in der Außendarstellung doch eigentlich mit ihren Wettbewerbern mit Besitz in denselben Lagen auf eine Stufe stellen, anstatt sich von diesen durch besseres Weinmachen abheben zu wollen, hatte ich bei Frankreich doch eher den Eindruck gehabt, der Winzer selbst sehe sich mit seinem Zutun und Wissen mindestens ebenso wichtig wie das geografische Terroir. Dies gerade im Bordeaux, wo die Kunst der Assemblage mit im Mittelpunkt steht. Stellen sich jetzt einzelne Châteaux an, dem ein historisches Terroir voranzustellen, finde ich das eher fragwürdig.
An dieser Stelle möchte ich kurz auf den Begriff eingehen, der möglicherweise für Verwirrung sorgt; "historisches Terroir" soll hier vor allem bedeuten: die historischen Parzellen. Denn eins sollte klar sein: 1855 liegt 171 Jahre zurück, da kann es um keine "Personalunion" in dem Begriffssegment von "Terroir" gehen, das sich um die involvierten Personen müht. Viel wichtiger: die damaligen Reben, also quasi die "Hardware" wird schwerlich die gleiche sein können. "Historisches Terroir" kann hier nur in Bezug auf die Historie selbst (also 1855) gemeint sein und Terroir als "Geologie". Insofern bitte ich das Inverkehrbringen einer zweifelhaften Semantik zu entschuldigen.
Ich bin ein wenig irritiert ob der Aussage, was die deutschen Winzer zum Begriff "Terroir" äußern. Dann müßte aber doch jeder Hipping (das liegt bei mir um die Ecke, daher kenne ich den Roten Hang ziemlich gut) zumindest qualitativ in einer ähnlichen Liga spielen....naja...

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
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Dominik Mueller
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Dominik Mueller »

Ich habe schon verstanden, wie Sie den Begriff verwendet haben, aber danke sehr für die Klarstellung.

Zu meiner Wahrnehmung -- man mag diese auch als "Behauptung" bezeichnen --, deutsche Winzer überhöhten den Terroir-Begriff völlig, verweise ich auf die einschlägigen Podcasts, bei denen diese zu Gast sind. Es tut mir Leid, aber ich kann es halt nicht mehr hören. Was mich viel eher interessieren würde, könnte ich die Winzer fragen: "Was haben Sie im Weinberg getan, um mit den Gegebenheiten des Jahrgangs umzugehen? Was unterscheidet Sie von Weingut XY? Wie arbeiten Sie im Keller, welche Werkzeuge setzen Sie ein?" Vielleicht sind Sie, Herr Hilse, da als Weinhändler, wenn auch auf Bordeaux spezialisiert, in einer anderen Situation. Mir als Konsument und somit Zielkunde wird doch meist angedichtet, das Terroir spiele die tragende Rolle. Ist ja auch einfach, das Terroir ist, was es ist. Da gibt es Nichts zu rechtfertigen.
Matthias Hilse hat geschrieben:Dann müßte aber doch jeder Hipping (das liegt bei mir um die Ecke, daher kenne ich den Roten Hang ziemlich gut) zumindest qualitativ in einer ähnlichen Liga spielen....naja...
Genau darauf spiele ich ja an. Es gibt sie, die Unterschiede, und zwar teils deutlich. Wieso dann nicht stolz sein auf die eigene Arbeit und diese in der Kundenkommunikation in den Vordergrund stellen, anstelle des Terroirs? Aber das geht thematisch am Bordeaux-Thema vorbei, daher belasse ich es mal hierbei. :)
Meine Wein-Notizen
Ihr findet mich außerdem in den wineBANKs, zumeist im Rheingau.
weinerix
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von weinerix »

Ich habe genau den gegenteiligen Eindruck in der Weinwelt heute:
Weinbauer versuchen herauszustellen:
- wie sie im Weinberg arbeiten
- ob sie biodynamisch arbeiten oder nicht
- wie die Kellerarbeit aussieht
- wie sie den Wein zubereiten (Hefe, Gährung, Holz, …)
- etc. pp.

Genau weil das Terroir heute den Nimbus verloren hat und zunächst einmal nichts mehr sagt, außer wo der Wein herkommt. Wie gut er wirklich ist, sagen u.a. obige Faktoren aus …
Bradetti
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Bradetti »

Eine Frage - vielleicht am Geeignetsten in Richtung Herrn Hilse, da Herr Hilse im Mai hier ja schonmal Betrachtungen zur Wirkkette Händler / Negociant / Place de Bordeaux angestellt hatte.

Wird es bei Ausverkauf bestimmter Weine in der Sub eine 2. Tranche geben, oder sind die verfügbaren Mengen (hier: für den deutschen Markt) schon "draußen"? Ich sehe z.B. bei Lobenberg, dass der eine oder andere Wein schon zur Neige geht. Und Herr Hilse, Sie hatten ja auch schon solche Tendenzen in Ihrem Sub-Angebot genannt.

Danke.
Ich bin Weinkenner. Wenn ich Wein trinke, merke ich sofort „Aah, Wein!“

Viele Grüße
Dirk
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kimgranz
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von kimgranz »

Bradetti hat geschrieben: Di 16. Jun 2026, 12:20 Eine Frage - vielleicht am Geeignetsten in Richtung Herrn Hilse, da Herr Hilse im Mai hier ja schonmal Betrachtungen zur Wirkkette Händler / Negociant / Place de Bordeaux angestellt hatte.

Wird es bei Ausverkauf bestimmter Weine in der Sub eine 2. Tranche geben, oder sind die verfügbaren Mengen (hier: für den deutschen Markt) schon "draußen"? Ich sehe z.B. bei Lobenberg, dass der eine oder andere Wein schon zur Neige geht. Und Herr Hilse, Sie hatten ja auch schon solche Tendenzen in Ihrem Sub-Angebot genannt.

Danke.
Entsprechend meiner Gespräche im Rahmen der diesjährigen Kampagne soll es seitens einiger Weinguter so sein, dass es für bestimmte Weine in den kommenden 10 Jahren keinen 2. Release gibt. Hierzu zählt u. a. Château Lafite-Rothschild, um nur ein Beispiel zu nennen. Des Weiteren gab es für den deutschen Markt nur sehr wenig Menge, wie z. B. bei Château Montrose, doch das hatte der Kollege ja bereits angekündigt.
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vanvelsen
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von vanvelsen »

Matthias Hilse hat geschrieben: Fr 12. Jun 2026, 16:58
Winedom hat geschrieben: Fr 12. Jun 2026, 16:21 Mir gefällt das gar nicht.
Über dem Erstwein noch einen Superwein zu lancieren.
Die Traubenqualität fehlt dann im Hauptwein.
Ging mir schon so mit dem Gran Selezzione im Chianti.
Aber was gut ist für Bordeaux weiss ich nicht.
Immerhin gibt es darum etwas Aufregung und Marktgeschrei.
Moment, da geht etwas durcheinander. Einen "Superwein" gibt es mit "Lascombes La Côte" von Ch. Lascombes in Margaux. Das ist momentan der einzige Wein, der in der Hierarchie einem in 1855 als Grand Cru Classé spezifizierten Weingut dem "grand vin" vorangestellt ist. Ähnliches gibt es bei Ch. Angélus mit der "Hommage à Elisabeth Boucht", aber Angélus ist auch seit 2022 nicht mehr klassifiziert.
Was auf Montrose geschieht, ist eine ganz andere Nummer. Es geht um etwas, das sehr stark in Bordeaux diskutiert wird: die Rückbesinnung auf historische Terroirs. Der Erstwein von Chateau Montrose entspricht seit dem Jahrgang 2023 in seiner Genese genau den historisch klassifizierten Parzellen.
Der neue Wein wird in der Hierarchie zwischen dem Erstwein und dem "anderen Wein" (La Dame de Montrose) liegen. Dieser Wein aus der Terrasse 3 wird aber nicht in Subskription angeboten werden, sondern erst ein paar Jahre nach der Abfüllung.
Was also hier passiert, ist eigentlich genau das Gegenteil eines "Superweins". Durch das Wegnehmen "rangniederer Parzellen" wird der Erstwein aufgewertet, weil er exklusiv aus dem dafür prädestinierten Terroir stammt.

Das ist ein großes Thema, und wen solche Dinge interessieren, der mag einfach einmal in meine Youtube-Videos hineinschauen/-hören.

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
ich habe 2023 und 2024 von Terrasse 3 verkostet und beide sehr hoch bewertet... (96 für 2023 resp. 96-98 für 2024) Der Grand Vin war auf der Flasche besser als der Terrasse 3, der 24er (En primeur) vergleichbar mit dem Grand Vin. Klar ist, man möchte auf Montrose noch eine Schippe Qualität drauflegen, den Grand Vin nochmals steigern. Ich bin gespannt, was die nächsten par Jahre bringen...
Zaccetti
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Zaccetti »

So meine Bestellungen sind durch, es gab je eine Kiste Troplong Mondot, Haut-Bailly. Canon, BSB und Larcis Ducasse... Das muss reichen, hab mich mal für den LD und gegen BC entscheiden. Wie ihch mich kenne, kann durchaus sein das Ende Jahr die Kiste BC doch noch nachbestellt wird und ja....
um eine 3er Kiste Figeac schleich ich mich schon auch noch rum :lol:

Dieses Jahr sehr St.Emilion lastig, anderst als andere Jahre :)
Matthias Hilse
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Matthias Hilse »

Bradetti hat geschrieben: Di 16. Jun 2026, 12:20 Wird es bei Ausverkauf bestimmter Weine in der Sub eine 2. Tranche geben, oder sind die verfügbaren Mengen (hier: für den deutschen Markt) schon "draußen"? Ich sehe z.B. bei Lobenberg, dass der eine oder andere Wein schon zur Neige geht. Und Herr Hilse, Sie hatten ja auch schon solche Tendenzen in Ihrem Sub-Angebot genannt.

Danke.
Ich denke nicht, dass es irgendwo eine zweite Tranche geben wird, die Zeiten scheinen mir fürs Erste vorbei zu sein. Die Händler sind gerade dabei, ihre Einkäufe abzuschließen, und es ist in einer solchen Kampagne nur natürlich, wenn es an der ein-oder anderen Stelle zu ersten Engpässen kommt. Nun dürften die großen Händler wie Lobenberg, Unger, Millesima et al. eine wesentlich größere Aufmerksamkeit erhalten, als dies z.B. bei uns der Fall ist. Wenn also Weine zuerst ausverkauft sind, dann wahrscheinlich bei den Händlern mit der größen Reichweite. Das heißt aber nicht, dass der Wein dann generell ausverkauft ist - selbst wenn er es in Boreaux auch ist.
Wir selbst sind z.B. bei Larcis Ducasse schon eine ganze Zeit ausverkauft, weil ich den Bedarf kräftig unterschätzt habe. An der Place de Bordeaux ist er nicht mehr aufzutreiben - aber in Deutschland haben so viele Händler den Wein eingekauft, dass er sicherlich noch verfügbar ist. Und so wird das anderen Händlern auch gehen.
Nachdem die Kampangne recht behäbig gestartet ist, scheint sich jetzt eher die Erkenntnis durchzusetzen, man solle wohl besser nicht darauf setzen, bestimmte Weine erst zur Arrivage einkaufen zu wollen.
Jedenfalls gibt es jetzt in den letzten Tagen mehr und mehr Weine, die in Bordeaux nicht mehr verfügbar sind. Das ist ja für eine Subskription ein wichtiges Signal: es zeigen sich Ansätze von Knappheit - genau davon lebt aber doch das Konstrukt Subskription.

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von pessac-léognan »

Danke, Herr Hilse! Und diese "Ansätze von Knappheit" freuen natürlich auch diejenigen, die wider alle Vernunft doch ein wenig mehr zugelangt haben bei dieser SUB, obwohl ja doch die vorletzte (23) bereits die letzte hätte sein sollen - weil ja dann dieser "Deal" vielleicht doch zumindest in ökonomischer Hinsicht ein nicht ganz so schlechter sein könnte, auch wenn sich das natürlich erst 2027/2028 bei Verfügbarkeit dieser Getränke herausstellen wird. Kleinstbeeren und kleinen Quantitäten und (hoffentlich) hoher Qualität sei Dank.
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