Bordeaux 2019

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TroisLacs
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von TroisLacs »

Château Beauséjour Héritiers Duffau Lagarrosse, St. Emilion

Nun über 2 Tage im Glas und hat mir sehr gefallen.
Kräftige Farbe. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen immer noch jugendlich.
Viele Fruchtnoten, v.a. Erdbeere und Kirschen, leicht Schokolade, die würzige Komponente dank des Cabernet Franc ebenfalls sehr präsent.
Insgesamt eine sehr feine und elegante, sogar leicht kühle Stilistik, kein Powerwein. Tannine spürbar, aber auf eine angenehme Art. Abgang ziemlich lang, leicht mineralisch (steinig, salzig)..

Bin gespannt auf die Weine ab 2022, mit der Übernahme durch Joséphine Duffau-Lagarrosse.
Gruss, Sascha

„Riesling geht immer“!
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Schönibert
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Schönibert »

2019 Château Coutelin-Merville Saint-Estèphe

Ganz reife schwarze Johannisbeeren, das hat man nicht oft so direkt frontal und wie hier alleinstehend. Die dicke Fruchtschale tapeziert aber geradezu den Gaumen. Dazu Kreide oder Kalk. Zum Glück wird das aber in Schach gehalten von einem frischen fruchtigen Säurekick.

Auf der Mittelstrecke wird’s etwas chaotisch oder unentschlossen, wohin die Reise gehen könnte und so verliert sich das etwas. Ballistol und Minze. Wobei sich das gut finden kann, denke ich.
Viele Grüße,
Euer Schöni
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Schönibert
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Schönibert »

Bordeaux weiß hab ich hier nicht gefunden (gibts das?), daher hier:

2019 Clos Floridene Blanc

Richtig sattes Messinggelb, klebt am Glasrand. Zitronenschale, Eisen oder stahlig, vielleicht etwas nussig und anschließend ne Schicht Creme Fraiche.

Insgesamt sehr dicht. Und an der Stelle müsste man natürlich weiter reinhorchen. Das steht auf einer ganz subtilen Struktur, die ich jetzt aber noch nicht weiter aufschließen kann.

Auch wenn da bestimmt nicht wenig Sauvignon Blanc drin ist, hat der für mich eine hohe Trinkaufforderung. Ich merk davon hier nämlich nix. Das wäre ein Kandidat, den ich gern mal mit 10y+ Flaschenreife erleben würde.
Viele Grüße,
Euer Schöni
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Dominik Mueller
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Dominik Mueller »

Während sich die Aufmerksamkeit verständlicherweise auf die großen Bordeaux konzentriert, hier mal etwas Kleineres.

2019 Les Fiefs de Lagrange (Zweitwein)
Mittleres Purpur mit dicken Tränen. Die Nase öffnet sich mit einem generösen Bukett von reifer roter sowie dunkler Frucht – insbesondere Pflaume, Kirsche, Blaubeere und schwarze Johannisbeere –, balanciert durch Anklänge von Gewürznelke und Lakritz, einen erdigen Unterton von roter Bete und einen Hauch von Eukalyptus. Sekundäraromen sind minimal, der Holzeinfluss kaum spürbar. Am Gaumen präsentiert sich der Wein mittelkräftig im Körper und von mittlerer Geschmacksintensität; er zeigt ein feinmaschiges Tannin, bestens integrierten Alkohol und eine gut strukturierte Säure. Der Geschmack wird von reichlich Kirsche und Johannisbeere dominiert, saftig und leicht eingekocht, ohne jedoch schwer zu wirken. Dabei bewahrt er eine hervorragende Balance und einen exzellenten Trinkfluss, der sich in einem angenehmen, lebendigen und mittellangen Abgang fortsetzt.

Dies ist ein sehr überzeugender Zweitwein, der sich für mich in puncto Balance und bis zu einem gewissen Grad auch in der Intensität im Fine-Wine-Bereich bewegt und lediglich die finale Komplexität vermissen lässt. Während der Les Fiefs momentan sehr zugänglich ist, würde ich eine positive Entwicklung über die nächsten zehn bis zwanzig Jahre fast sicher erwarten.


Addendum: Nachdem ich den Wein über drei Tage probiert habe, wurde mir schnell klar, dass mein oben notierter Ersteindruck etwas zu euphorisch gewesen ist. Die Fruchtintensität ließ schon am zweiten Tag erheblich nach, wodurch der Wein trocknender und wärmer wurde. Das würde wohl auch für ein kürzeres Trinkfenster sprechen.
Zuletzt geändert von Dominik Mueller am Sa 6. Jun 2026, 21:55, insgesamt 1-mal geändert.
Meine Wein-Notizen
Ihr findet mich außerdem in den wineBANKs, zumeist im Rheingau.
Kle
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Kle »

Pontet-Canet 2019:
Zuerst in Nase und Mund eine intensive Cassis-Frucht, aber auch ein Schleier über dem Wein mit Verdacht auf Kork/Auszehrung. Das legte sich dann…. Mit Luft dichter, fruchtig mit verhalten Pflaume und etwas Rumtopf und weich, was für einen Moment vielversprechend erscheint. Es folgt aber nichts, keine aromatische Herausforderung, wodurch mangelnde Struktur und Säure umso mehr auffallen. Kommt mir fast vor wie ein amorphes Fruchtjoghurt. Im Hintergrund der eher soften Aromatik dann eine dunkle Tanninwolke, die den Wein nicht weiterbringt und Bitternoten verströmt. Wenn ich dann wieder einen Schluck nehme, merke ich Qualität, phasenweise gewinnt der PC an Volumen und Plastizität, gern würde ich mich fallen lassen und staunen. Aber wieso gehen die Eindrücke nicht tiefer, verfeinern sich nicht? Es gibt einfach zu viele andere Weine mit weit geringerer Reputation, die ähnlich schmecken könnten.
Also in einer arg verschlossenen Phase? Ich glaube an BDX-Wunder und habe die wundersame Verwandlung von Frosch in Prinzen häufiger erlebt. Nur gibt es bei einem Wein wie dem 19er PC nicht den geringsten Hinweis darauf und um hier an etwas glauben zu können, ist Religiosität nötig. Nun, die doch recht verhaltene Frucht könnte ja auch auf ein Flaschenproblem hindeuten, was zumindest eine begründete Spekulation wäre.

Gruß, Kle
Ich erinnere mich eines bizarren Barba-grisca, von dem nur noch eine Flasche da war, so daß ich nicht erfahren konnte, ob der ungereimte Geschmack sich auch in den anderen gefunden hätte.
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Nora
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Nora »

Kle, diesmal lagen wir viel dichter mit unseren Eindrücken beieinander, als beim Pontet-Canet aus 2023. Ich hatte zum Pontet-Canet 2019 notiert:

Korken gezogen, ins Glas, erster Eindruck:

Reife, süße Nase, Rumtopf, reife Pflaume, weihnachtliche Gewürze, Zimt, es drängt sich eine Anmutung von südlicher Rhone auf. Mit Schwenken des Glases kommen pfeffrige Nuancen, grüne Paprika und Graphit zum Vorschein, die dann doch in Richtung Pauillac zeigen.

Süß auch am Gaumen mit überreifen dunklen Früchten, dabei aber nicht besonders dicht, sondern eher ein wässriger Körper. Dann kommen doch wieder die leicht pfeffrige Schärfe und die grüne Paprika, die der Süße etwas Einhalt gebieten.

Das Hauptproblem bei dem Wein sehe ich in der fehlenden Struktur und dem fehlenden Rahmen. Die Säure ist viel zu verhalten und auch die Tannine sind nur mittelkräftig, dabei etwas grobkörnig. Dadurch wirkt er Wein lätschernd, undefiniert und energielos. Die am Ende auftretende, leicht unangenehm kokelige Bitternote reißt es dann auch nicht raus.

Der Wein wirkt auf den ersten Blick, als könnte er beeindrucken, aber da ist nichts weiter Tieferes. Ihm fehlt einfach Komplexität und Vielschichtigkeit. So wird die ganze Angelegenheit ziemlich schnell ziemlich langweilig.

Nächste Flasche in ein paar Jahren, um zu überprüfen, ob das nur eine Phase ist.

VG Nora
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Jochen R.
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Jochen R. »

Hallo Nora und Kle,
falls ihr mit eurem "Streifzug junge Pontet-Canets" fortfahren möchtet, würde ich euch dringend den 2016er ans Herz legen. Falls ihr euch wundert: 2016 :shock:
Ja! Der ist sowas von ultramodern, dass das aktuell (wenn man sich darauf einlassen möchte) wunderbar funktioniert. Mir war der im Januar 97 P. wert (Beschreibung des Weins findet man bei Interesse bei der Frankfurter BDX-Runde).

Viele Grüße,
Jochen
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Kle
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Kle »

Das ist ein super Hinweis, Jochen, da ich um den 16er schon herumschlich und mir unsicher war. Überraschend scheine ich nur eine Flasche zu haben, also voller Einsatz…

Gruß, Kle
Ich erinnere mich eines bizarren Barba-grisca, von dem nur noch eine Flasche da war, so daß ich nicht erfahren konnte, ob der ungereimte Geschmack sich auch in den anderen gefunden hätte.
André Gide (Der Immoralist/Übers.Felix Paul Greve)
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Re: Bordeaux 2019

Beitrag von Sauternes »

Na wenn der 16er PC schon gut performt, dann werde ich mich in die Verkostungsreihe auch einklinken, vielleicht ist der auch besser geeignet als die anderen Comtesse.
Das jetzt der 19er PC so schlecht abliefert, überrascht schon, ich hoffe das liegt wirklich an der Verschlussphase, was in Anbetracht des Alters durchaus möglich sein kann.

Gruß Heiko
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