Nora hat geschrieben: ↑Di 2. Jun 2026, 08:14
Hallo Dirk, danke für die Notiz!
Meinst du, den sollte man demnächst austrinken? Oder hat das noch Zeit?
VG Nora
Hallo Nora,
ich würde mal sagen der Wein wird nicht besser (muss er auch nicht), sollte dieses Niveau aber durchaus noch 3-5 Jahre halten.
Muss auch dazu sagen, dass der Wein bei mir bei normaler Zimmertemperatur gelagert wurde seit Erwerb (in 2022) und dadurch evtl. etwas weiter entwickelt sein könnte.
Ich bin Weinkenner. Wenn ich Wein trinke, merke ich sofort „Aah, Wein!“
ich habe jetzt in 3 Tagen als Gegenüberstellung zum sensationellen Blaufränkisch Marienthal 2013 von Georg Prieler (am 12.7.2025 coraviniert, am Sonntag entkorkt) 3 Coravin-Gläser von 3 verschiedenen 2013-er Brunellos gezogen.
Brunello ALTESINO Montosloi 2013: dieser spektakulär schöne Sangiovese aus der Cru-Lage des Weinguts wurde 24 Monate in großen Eichenholzfässern ausgebaut, der Montosoli dieses Hauses ist immer ein Vergnügen. (99 Wine Enthusiast, 98 Suckling, von mir: 97)
Brunello CAPANNA 2013: 32 Montae im großen Holz ausgebaut kommt hier wie immer aus diesem Hause ein ganz klassischer Brunello ohne Schnörkel mit Anleihen von Waldboden und Rumtopf-Nase, am Gaumen viel dunkler Kirsche und Brombeeren, 100% Schoko von Principe, Zimt und tasmanischer Bergpfeffer. Nähert sich vermutlich dem Zenit, geht aber mit Sicherheit noch 10 Jahre im Keller gut weiter. (94 Falstaff, 91 Wine Enthusiast, von mir: 92)
Brunello MÁTÉ 2013: dreijähriger Ausbau im Holz (1 Jahr 500L-Tonneau, 2 Jahre großes Botte), der Wein hat ein starkes Säuregerüst, ist aber voll zugänglich und der Alkohol kaum zu bemerken, eleganter Brunello. (92 Wine Spectator, 94 Suckling, von mir: 91)
Brunello di Montalcino SESTA DI SOPRA 2011
Ciao tutti!
Wie ihr sehen könnt, ist bei uns „Brunello-Time”, also Sommer in Vollblüte. Gestern waren wir in „unserem” Weinkeller 2 bzw. im ausgedehnten Löss-Weinkeller eines meiner Schwiegersöhne, wo von uns auch ca 500 Flaschen liegen (einerseits „leider”, andererseits Gott sei Dank). Die 30 m lange ca 150-jährige Kellerröhre hat ein wenig zu viel Luftfeuchtigkeit und dadurch bildet sich der typische „Kellerrotz”, der die Etiketten zusammenfrisst!
Gestern habe ich nochmals die rund 150 Brunellos in den (von Kurt selbst geschmiedeten) Eisen-Regalen „kartographiert” und fotografiert, um später zuordenen zu können, was getrunken wird. (Die Etiketten sind zum Teil schon bis zu 80% „verloren”!!) Auch rund 40 Bordeaux und einige seltene Prielers (Marienthal aus 2013), 20 Jahre alte Giefings usw. sind jetzt genau erfasst ... viele alte Österreicher (Paul Achs, ET, Iby, Moric usw), Franzosen, Italiener werden allerdings zur Lotterie, wird sicher mal amüsant!
Egal, wir haben dann natürlich einige Flaschen, die bei uns in Leobersdorf (aus Platzgründen) NICHT lagern (können) mitgenommen, und gestern eben diesen Brunello von Ettore Spina aus 2011 entkorkt.
Otmar Kiem hat im März 2017 92 Punkte gegeben und wie folgt kommentiert: „Aufhellendes, funkelndes Granatrot. Komapkte Nase mit Noten nach Zwetschken, Preiselbeere und Brombeere, im Hintergrund etwas Leder. Knackiges, präsentes Tannin, baut sich satt auf, frische Säure gibt Lebendigkeit, im Finale fester Druck.”
Das „aufhellende funkelnde Granatrot” ist zu einem dunkleren Ziegelrot geworden, zeigt die Brunello-typischen braunen Einfärbungen (Brunello = „der kleine Braune”!!), die von Kiem beschrieben Nase noch vorhanden, das Tannin schön eingebunden, die Säure sehr im Hintergrund und ein mächtiger Druck noch immer da, bleibt ewig am Gaumen. Wunderschöner Sangiovese, möglicherweise am absoluten Höhepunkt, wird aber nur langsam abbauen, und auch in 10 Jahren noch Freude bereiten.
Brunello ALTESINO 2013
Aus unseren Beständen vom „Keller 2” (einem alten, 30 m langen und 5 m tief gelegenen Lößweinkeller meines Schwiegersohns, der mit seinem „Kellerrotz” leider die Ettiketten „auffrisst”, aber ein perfektes Lagerungs-Klima und viel Platz bietet) beim Enkelinenbesuch mitgenommen.
Gestern entkorkt und ausgetrunken.
Tja, was soll ich sagen ... ich trinke Altesinos Brunellos seit 1985 und habe seitdem noch niemals, also kein einziges Mal eine Flasche erwischt, die nicht „gepunktet” hätte! Wenngleich es vielleicht andere, spektakulärere Weine aus Montalcino gibt, so ist Altesino stets eine 100%-Garantie für verlässliches Toskana-Kino der BESTEN Art und es gelingt Jahr für Jahr „Sangiovese so präzise wie möglich auszudrücken” (Zitat: superiore).
Der 2013 „Annata”, wie immer bei Altesino für 24 Monate in großen Eichenholz-Botti ausgebaut (siehe Foto), wurde vom Wine Spectator mit 95 Punkten und vom Wine Advocate und Suckling mit 94+ geadelt. („Ein intensiver Duft nach Wacholder, Lorbeer, Salbei, Rosen und Beeren prägt diesen seidigen Rotwein. Seine Struktur ist ausgeprägt, doch die hervorragende Balance und die feinen Tannine verleihen ihm bis zum langen Abgang Eleganz. Fast ätherisch in seiner Präsenz. Am besten zwischen 2021 und 2036.”)
Ich schliesse mich da dem W.A. an, gebe aber noch einen Punkt drauf und somit 96. Hier sind Elisabetta Gnudi und ihr Team nur mehr einen Zentimeter von der hauseigenen Brunello-Cru „Montosoli” entfernt, die ich 1 Woche zuvor im Glas hatte! Und erneut zeigt sich, dass es nicht immer die hochgejubelten Sensations-Jahrgänge sein müssen, sondern oftmals die „leiseren” und auch schwierigen Ernten, die bei entsprechend erfahrenen Weingütern Montalcinos Qualitäten so richtig zum Leuchten bringen! Aussagen zu 2013: GIACOMO NERI: „Die Top 2013er erinnern an die herausragenden 2006er, die auch ähnlich klare, lebendige Frucht und Tiefe aufweisen können.” VINCENZO ABBRUZZESE/Valdicava: „Die 2013er sind viel besser als die 2012er. Sie haben so viel mehr Charakter, Struktur und Tiefe.“ WINE ENTHUSIAST: „Energie und Eleganz sind die Markenzeichen des Brunello Jahrgangs 2013. Diese Weine verfügen über ein bemerkenswertes Alterungspotenzial und werden Ihre Geduld sehr belohnen. Wenn Sie die Energie, Eleganz und altersgerechte Struktur erleben wollen, die Weinliebhaber und Sammler vor Jahrzehnten zum ersten Mal nach Montalcino lockte, dann ist 2013 Ihr Jahrgang. Die Spitzenweine sind atemberaubend, mit einer Ausstrahlung, die in vielen der muskulösen, zugänglichen und alkoholreicheren Brunellos aus den letzten Jahrgängen fehlt. Die 2013er Jahre werden Geduld erfordern, um ihr maximales Potenzial zu erreichen. Im Gegensatz zu den extrem warmen, trockenen Jahren, die in Montalcino seit Mitte der 90er Jahre zur Normalität geworden sind (Ausnahmen sind 1998, 2002 und 2005), war der Jahrgang 2013 eine Reminiszenz an die Vergangenheit. Es war ein kühles Jahr mit vielen Regenfällen im Frühjahr und in der ersten Hälfte des Sommers. Eine sorgfältige Bewirtschaftung der Weinberge war notwendig, um die Trauben frei von Krankheiten zu halten.” JENS PRIEWE: „Die Tatsache, dass es auch in 2013 herausragende Weine gibt, zeigt, dass es Winzer gab, die mit den Schwierigkeiten des Jahrgangs umzugehen wussten.“
Ciao
Hasi
Meine Wenigkeit und der damalige Export-Manager von Altesino Lorenzo Gucci (ja „die” Gucci!) im Fasskeller von Altesino