Hasi hat geschrieben: ↑So 24. Mai 2026, 15:55
ich bin immer wieder erstaunt, dass ich vermutlich einer der gaaaaanz WENIGEN bin, die gelieferte oder mitgebrachte oder selbe gekaufte Weine, die einiges an Strecke (und somit Unruhe) hinter sich hatten, zumindest 4 Wochen im Keller ruhen lasse, um ihnen Zeit zu geben sich zu re-strukturieren und wieder „zusammen zu finden”. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander, ICH bin überzeugt, dass ein gerade eben transportierter Wein, den man öffnet und trinkt dramatisch anders schmeckt, als ein „ausgeruhter” Tropfen!
In der Tat gehen die Meinungen hier weit auseinander. Und ich bin aufgrund meiner subjektiven Erfahrungen davon überzeugt, dass sich ein vor ein paar Stunden tranportierter Wein geschmacklich kaum bis gar nicht vom gleichen Wein, der vier Wochen im Keller geruht hat, unterscheidet. Wobei es einen gewissen Unterschied zwischen Wein mit und ohne Depot gibt. Ein größeres Depot in einem Roten sollte schon die Chance haben, sich am Boden der Flasche abzusetzen, wobei es dazu sicher keine vier Wochen braucht.
EThC hat geschrieben: ↑So 24. Mai 2026, 16:35
...probier's doch einfach mal aus! Eine Flasche eine Zeit lang rumfahren und gegen eine "ausgeruhte" blind verkosten. Haben wir vor bestimmt 25 Jahren schon mal gemacht...
Ganz genau - einfach mal selber das entsprechende Experiment machen!
Bernhard Fiedlers einfacher Blaufränkisch aus 2024 steht für mich ganz minimal hinter den beiden kürzlich probierten Weißen des Hauses zurück, aber schlecht ist er beileibe nicht:
Zu gerade mal 7,50 Euro wird hier mehr als genug geboten, da der kühl-fruchtige Wein durchaus mit einer gewissen Feinheit aufwartet. Perfekt wäre er mit noch etwa mehr Würze und etwas weniger Alkokol, aber empfehlen kann ich ihn auch so auf jeden Fall.
Richtig gut gefällt/gefiel mir gestern wie heute Bernhard Fiedlers kleiner Weißburgunder:
Hier passt alles - der Wein verfügt über einige Substanz, aber er wirkt (nicht zuletzt aufgrund der frischen Säure) überhaupt nicht breit und behäbig. Er erinnert mich stark an die schönen Markgräfler Weißburgunder von Schlumberger und Dörflinger, die mir vor nicht allzu langer Zeit viel Spaß gemacht haben. Früher hielt ich Weißburgunder für eine etwas langweilige Sorte, aber mittlerweile.....
Herzliche Grüße
Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am Mi 27. Mai 2026, 13:18, insgesamt 1-mal geändert.
Wir hatten bei unserer Verkostung mit Bernhard vor ein paar Wochen neben dem Blaufränkisch Leithaberg DAC Ried Goldberg 2019 (siehe oben) auch den
Pinot Blanc Ried Wieser.
Auch dieser Wein ist bei durchaus kräftigem und cremigem Körper ein stimmiges Gesamtpaket mit saftiger Balance und Energie. Er behält seine Frische und Eleganz durch die feine gelbe Frucht, die mit dezenter Würze gepaart ist. Die ausgezeichnet integrierte Säure läuft wie eine feine Ader durch den Wein und frischt den recht dichten Körper auf. Im Nachhall gibt zudem eine feine phenolische Bitternote zusätzliche Struktur.
Sehr gut gelungen und auch hier ein hervorragendes PGV!
Es geht weiter mit Bernhard Fiedlers Chardonnay "Duett":
"Weingummi" klingt etwas nach Kitsch, aber kitschig im Sinne von plakativ und gekünstelt wirkt der Wein auf mich nicht. Grundsätzlich finde ich die Idee, einen Chardonnay teils aus im Edelstahl und teils aus im Barrique ausgebauten Most zusammenzubauen, nicht schlecht, und handwerklich ist das Ganze auch gut gelungen. Nur habe ich ja mit der Sorte meine Grundsatzprobleme, und für mich könnte der Wein auch etwas kantenreicher sowie alkoholärmer ausgefallen sein. Sprich: Es handelt sich nicht gerade um die von mir präferierte Weißweinstilistik. Mit einigem Genuss trinken kann ich diesen Chardonnay aber trotzdem.
Herzliche Grüße
Bernd
Zuletzt geändert von Bernd Schulz am Mi 27. Mai 2026, 21:20, insgesamt 2-mal geändert.
Gestern war Ralf bei mir zu Besuch; als Einstieg gab es Bernhard Fiedlers trockenes Leichtweinexperiment:
Für meinen Geschmack handelt es sich um eine durchaus erfreuliche Angelegenheit, über die man eigentlich nur staunen kann, denn trockene Weine mit nur 8,5 Umdrehungen gibt es nicht mal an der Mosel (wobei Kajo Christoffel in 2007 immerhin das Kunststück fertig gebracht hat, eine trockene Spätlese mit nur 9% auf die Flasche zu bringen). Hut ab vor der Idee und deren Umsetzung, Nachkauf auf der Erich-Skala = 3 von 3, denn wenn man mal Lust auf einen Wein mit wenig Alkohol ohne Süße hat, ist das die Lösung!
PRIELER Blaufränksich Ried Marienthal 2013
Herrlich!!
Am 12.7.2025 „coraviniert”, gestern entkorkt, keine große Veränderung zum Vorjahr, außer schon ein bisserl sanfteres Gemüt, durch eben die weitere Flaschenreife des Inhalts. (Vom „System Coravin” her gesehen allerdings KEINE „Beeinträchtigung” - und erneut für mich der Beweis, dass dieses Gerät in einem Haushalt mit umfangreicherer Weinsammlung mittlerweile so wichtig ist wie ein guter Korkenzieher!)
Was Georg hier auf die Flasche gebracht hat ist gaaaaaanz großes österr. Rotweinkino! Der Wein ist allerdings noch viiiiiiiel zu jung (obwohl schon 13 Jahre „am Leben”!) Das ist ein BF, den man getrost 30 Jahre lagern kann, dann öffnen und in die Hände klatschen vor Freude.
UND - jetzt das vielleicht Interessanteste (für mich!): Der „Marienthal” hat enorm viele Parallelen zu einem sehr guten Brunello! Das kommt schon mal von der Tatsache, dass sich Sangiovese und BF ohnehin sehr ähnlich sind. Beide Schalen haben viele Tannine, beide Trauben erinnern im Geschmack an Herzkirschen, Brombeeren und Weichseln und beide Rebsorten haben eine sehr lebendige Säurestruktur.
Georg hat zudem den Marienthal für 24 Monate im großen Holzfass aus Eiche ausgebaut, was 1:1 den meisten Brunellos entspricht! Ich habe mir gestern dazu ein Glas Brunello Altesino Montosoli 2013 coraviniert (Robert Parker: 95), und war über die „nahe Verwandtschaft” der beiden Granaten verblüfft.
Peter Moser (Falstaff) hat Georgs BF Marienthal am 2.12.2022 (da also schon 9-jährig!) wie folgt beschrieben und mit 95 Punkten (sic) ausgezeichnet: Dunkles Rubingranat, violette Reflexe, dezente Ockerrandaufhellung. Nuancen von Brombeeren und frischen schwarzen Kirschen, zarte Kräuterwürze, dunkle Mineralität, facettenreiches Bukett. Saftig, komplex, dunkle Frucht, zart nach Cassis und Limette, präsente, integrierte Tannine, salzige Mineralität, feiner Gerbstoff, noch sehr jugendlich, hat Potenzial für weitere Jahrzehnte.
Ich erinnere mich an einen Besuch bei den Prielers im März 2011, als ich mit Georg und seinem Papa Bertl über die ganz speziellen Lagen des Burgenlands rund um den See diskutierte und wir auf ET`s legendären Blaufränkisch Marienthal zu sprechen kamen. Die beiden Prielers sahen sich grinsend an und dann meinte „Schurl”: „Hasi, wir machen heuer unseren ersten BF Marienthal. Wir haben dort seit dreissig Jahren BF-Stöcke stehen, die brauchen in dieser kreidigen Riede enorm viel Zeit, bis sie zeigen was sie können, jetzt ist es so weit. Da wirst Du Augen machen!”
Und genau so ist es - ich habe gestern sehr große Augen gemacht!
Gratulation an die Prielers nach Schützen am Gebirge!
ich habe jetzt Georgs sensationellen Blaufränkisch PRIELER Marienthal 2013 in Etappen 3 Tage lang 3 versch. mit Coravin gezogenen Brunellos gegenüber gestellt, nämlich einem Brunello ALTESINO Montosloi 2013 der 24 Monate in großen Eichenholzfässern ausgebaut (99 Wine Enthusiast, 98 Suckling, von mir: 97), einem Brunello CAPANNA 2013, der 32 Monate im großen Holz ausgebaut wurde (94 Falstaff, 91 Wine Enthusiast, von mir: 92), und einem Brunello MÁTÉ 2013 mit dreijährigem Ausbau im Holz (1 Jahr 500L-Tonneau, 2 Jahre großes Botte, 92 Wine Spectator, 94 Suckling, von mir: 91)
Nach dem Entkorken am Sonntag um 22:00 hatte der 13-jährige MARIENTHAL aus dem Burgenland ein sehr straffes Säuregerüst, die Größe war dahinter aber klar erkennbar. Am Montag, nach 20 Stunden Sauerstoff in der Flasche zeigte er sich mit aller Pracht von einer freundlicheren Seite und war nicht vom Capanna-Brunello zu unterscheiden, meine Frau Renate hätte Stein&Bein darauf geschwört, dass Georgs Blaufränkisch der Brunello sei! Gestern, am 3. Tag (also nach ca 40 Stunden Sauerstoff-Zufuhr) war Georgs MARIENTHAL purer Samt und anschmiegsame Seide und hat den Máté-Brunello „lächelnd in der Pfeife geraucht”
Gratulation nach Schützen am Gebirge