Bordeaux 2016

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Bradetti
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von Bradetti »

Ende letzter Woche hatte ich diesen Wein im Glas

2016 Guillot Clauzel, Pomerol

Der vorletzte Jahrgang mit dem alten Etikett und auch so ziemlich der letzte Jahrgang, der für mich preislich noch vertretbar war, bevor Thienpont involviert wurde.
Großartig Notizen habe ich mir nicht gemacht.
Anfangs doch noch recht verschlossen. Brauchte Luft und die hat dann mit der Zeit über den Abend dazu geführt, dass sich die Aromatik zeigte. In der Nase kühle Frucht nach Kirsche, Cassis.
Am Gaumen recht gut eingebundene Tannine, wirkt auch recht frisch, wieder Cassis, Kirsche, Gewürze, leichte Trüffelnote (?) und etwas süßer Fruchtnote.
Im Abgang dann recht lang, etwas ätherisch und noch adstringierend.

Trank sich letztlich recht angenehm, aber der Wein wirkte noch nicht wirklich rund. Eine Flasche habe ich noch und die wird mal mindestens 5-8 Jahre liegen bleiben. Wenn sich dieser 2016er irgendwann genauso schön präsentiert, wie im Jahre 2019 ein 2004er, dann freue ich mich schon drauf…..
Ich bin Weinkenner. Wenn ich Wein trinke, merke ich sofort „Aah, Wein!“

Viele Grüße
Dirk
Kle
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Re: Bordeaux 2016

Beitrag von Kle »

Phélan Ségur 2016 viel zu warm direkt ins Glas: Anders als bei Pontet-Canet sofort Bordeaux-feeling.
„Charme geht vor Tiefe“ schießt durch den Kopf, denn es gibt einen wunderbaren Fruchtfluss aus dem schönsten, was Médoc assoziieren lässt, Kirsche, Himbeere, Johanisbeere, schmiegsam, voll, intensiv aromatisch, nicht weichlich, sondern auch wie mit Noten aus Kernen und Stielen und dann auf Kohlenstaub-Tannin stoßend. Ich dachte, dieser lege sich wie eine dunkle Wolke über den Wein, aber es war nicht so. Der Kohlenstaub verschwand und die Tannine liefen zeitweise fast unmerklich mit. Am wenigsten gefällt mir eine deutliche aromatische Süße, die in den schlechtesten Momenten deutlich an Holz denken lässt. Auch das verschwindet wieder. Es bleibt der üppige, aber nie zu üppige, stets von einem gut befestigten Ufer gehaltene Fruchtstrom, der ab und zu etwas Bitternis, Schärfe, kleine unerwarte Aromenexplosionen zu bieten hat und so weit weg ist von wohlschmeckendem Gleichklang. Dieser Wein rückt für mich irgendwie das Punktesystem zurecht. Er besitzt darin für mich einen klaren Ort, definiert ihn mit ca 92 Punkten, handwerklich makellos und ästethisch klug, souverän und spielerisch ein Wein weit über Durchschnitt. Zugleich kein feinziseliertes Kunstwerk oder archtitektonisches Monument mit zig Etagen in die Tiefe.
Nach einem Tag haben sich die Gegensätze vom Beginn gesammelt und begegnen sich neu: Frucht gegen Tannin, mal die eine stärker, mal das andere, aber auch immer wieder schön versöhnt und gar, wo schon nichts Besonderes mehr erwartet wird, wie einander aufhebend leichtsinnig Feinstoffliches entstehen lassend. Nur die Süße ist fast immer dabei.
Ich erinnere mich eines bizarren Barba-grisca, von dem nur noch eine Flasche da war, so daß ich nicht erfahren konnte, ob der ungereimte Geschmack sich auch in den anderen gefunden hätte.
André Gide (Der Immoralist/Übers.Felix Paul Greve)
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