...dafür gibt's ja an sich "DAC", eine regionstypische Marke hinter der ein gewisses Geschmacksprofil steht, wie scharf das auch immer abgegrenzt ist. Für den "Freestyle" bewegt man sich dann halt außerhalb DAC, wäre halt nur wichtig, daß dabei die Herkunftsangabe -soweit vom Winzer gewünscht- nicht flöten geht. Man könnte ja auch so eine explizite "Freestyle-Marke" kreieren, dann weiß der geneigte Verbraucher gleich, daß man sich nicht auf ausgetretenen Pfaden bewegt...
Weingesetz in Österreich in der Kritik
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
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Erich
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- Gerald
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Ja, das wäre sicherlich ein Ansatzpunkt. Nur muss das System auch für den weniger engagierten Weinfreund leicht verständlich sein, so dass er einigermaßen sicher das bekommt, was er erwartet, ohne sich vorher erst stundenlang informieren zu müssen. Dafür ist eine durchgängige sensorische Prüfung meiner Ansicht nach schon sinnvoll, man kann aber sicherlich diskutieren, wie "tolerant" diese sein soll. Für die Topwinzer mag das nicht notwendig bzw. sogar ein Ärgernis sein, für das Gros des Marktes aber vermutlich schon sinnvoll, um die Weinkrise nicht noch unnötig weiter zu verschärfen.
Grüße
Gerald
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Blaufränkisch
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Womit wir genau dort wären, wie in den frühen 1990er-Jahren die damals völlig neue Geschmackswelt des Barriqueausbaus in das Qualitätsweinsystem integriert wurde. Bei der Einreichung konnte der Winzer "Barriqueausbau" angeben was den Verkostern in der Jury dann auch mitgeteilt wurde und diesen die legale Möglichkeit gab, diese - eigentlich ja "künstlich" aromatisierten - Weine mit Geschmacksnoten, die bis dahin als Fehltöne definiert wurden anders zu beurteilen und ihnen eine Prüfnummer zu verleihen.
Über die Jahre fand sich dann zwischen Produzenten, Konsumenten und Prüfnummernkostern ein neuer halbwegs tragbarer Konsens darüber und diese Aromenwelt wurde nach und nach auch bei solchen Weinen normal, die nicht ausdrücklich als Barriqueweine deklariert wurden. Dementsprechend erhielten die dann auch eine Prüfnummer wenn beim Antrag nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wurde. Und heute findet man diese Angabe auf Etiketten (und auf Prüfnummernformularen) nur mehr sehr selten und wenn, dann meinem Eindruck nach eher nicht bei den besten auf diese Weise ausgebauten Weine. Weil die es gar nicht mehr nötig haben, darauf ausdrücklich hinzuweisen.
Zuletzt geändert von Blaufränkisch am Mi 20. Mai 2026, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Blaufränkisch
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Ist halt nochmal eine Kategorie schwieriger in der Diskussion. Ich erinnere mich daran, dass von Bordeaux-Produzenten und -Kennern Brettanomyces jahrzehntelang als Terroir verkauft wurde, obwohl es sich dabei eindeutig um ein im Keller auftretendes Phänomen handelt, das völlig unabhängig von der Traubenherkunft, aber auch von Sorte und auch vom Ausbau (nichteinmal an Holzfässer gebunden) ist. Wenn man sich ansieht, welche kellerhygienischen Maßnahmen gerade dort in den letzten Jahren getroffen wurden, um Brett zu verhindern oder wenigstens einzudämmen muss man davon ausgehen, dass sie schon auch verstanden haben, dass Pferdeschweiß mit Terroir nichts zu tun hat. Offiziell korrigiert hat man die Aussagen von früher aber natürlich niemals.
Will sagen: Weinfehler sind schwer zu definieren, Herkunft aber vielleicht eine Spur weniger. Und die Argumentation, dass erhöhte flüchtige Säure, Brett, Oxidationsaromen wie z.B. die Obstweintöne bei vielen Orange oder Naturals aber auch Reduktiosaromen bis hin zum Böckser ihre Ursache in der Weinerzeugung haben und nicht in Klima, Lage, Boden ist halt wissenschaftlich schon relativ gut abgesichert. Dementsprechend schwerer wird wohl der Konsens darüber zu finden sein ob ein nach Sattelleder duftender Blaufränkisch unverkennbar seinen Ursprung im Hügelland des Mittelburgenlandes repräsentiert als darüber, ob es sich bei dem gleichen Wein um einen zwar eigenwilligen, aber durchaus komplexen und guten Wein handelt. Denke zumindest ich.
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Gibt es eigentlich ein Seminar, das über die Fehltöne im Wein (erhöhte flüchtige Säure, Brett, Oxidationsaromen wie z.B. die Obstweintöne bei vielen Orange oder Naturals aber auch Reduktiosaromen bis hin zum Böckser)informiert? Wo man sozusagen lernen kann, wie schmeckt man den Fehler heraus, wie schmeckt der Fehler. Sagen mir alle nichts, hatte ich - denke ich - bisher nie oder konnte sie nicht einordnen.
Korkschmecker "kennt man" ....
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Blaufränkisch
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
In Österreich kenne ich kein echtes Weinfehler-Seminar. In den Kursen der Weinakademie Österreich sind Weinfehler meines Wissens beim Sensoriktraining in der Theorie mit dabei, bei der Verkostung aber (auch wegen der Verfügbarkeit entsprechender Weine) nur sehr am Rande.
Was gehen würde wäre natürlich ein Besuch des Verkosterseminars mit dem die amtlichen Koster geschult und am Ende auch geprüft werden. Das ist öffentlich und hier im pdf-Seminarprogramm ganz unten zu finden:
https://www.weinobst.at/service/kurse-und-seminare.html
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Das mit der Herkunft wird meiner Meinung nach auch teils deutlich überstrapaziert. Meines Erachtes nach gibt's nur sehr wenige Lagen oder auch Orte, die (weitgehend) von sich aus wiedererkennbar typisch sind. Ein Wein ist immer die Summe aus Ursprung plus Winzerhandschrift, wobei im Fall der "innovativeren" Weine die Herkunft sicher weniger ausmacht als im klassischen Bereich. Aber daß die Typizität eines "Klassikers" vorrangig herkunftsgeprägt ist, ist meiner Ansicht nach nicht haltbar. Ich kann zwar mit einer gewissen Treffsicherheit sagen, ob ein Wein z.B. von der Mosel, aus der Steiermark oder dem Jura stammt, darüber hinaus wird's aber zufällig. Ich mache ja sehr gerne mal Lagenvergleiche und komme da in den meisten Fällen zu der Erkenntnis, daß man da eher von einer Winzer- denn Herkunftstypizität sprechen kann. Mir konnte auch noch niemand erklären (und selber hab ich's auch noch nicht herausgefunden), was denn der Typizitätsunterschied zwischen Kamptal DAC, Kremstal DAC und Traisental DAC genau sein soll. Die einzelnen Weine schmecken natürlich schon unterschiedlich, aber wenn überhaupt, dann erkenne ich da eine Typizität der Winzerhandschrift und nicht eine der Herkunft.Blaufränkisch hat geschrieben: ↑Mi 20. Mai 2026, 12:56 Weinfehler sind schwer zu definieren, Herkunft aber vielleicht eine Spur weniger.
Deshalb: die Ortsangabe ist für mich in erster Linie ein geographischer Begriff und keine Qualitätsdefinition, leider wird das aber miteinander vermengt. Daß ein Wein z.B. aus dem Breitenbrunner Edelgraben stammt, hat für mich erst mal keine qualitative Bedeutung und weist für mich auch auf keine relevante Typizität hin. Wenn ein Winzer diese Herkunft auf dem Etikett dokumentiert, dann drückt er damit seine Interpretation dieser Lage aus, nicht mehr und nicht weniger. Der Nachbar macht vielleicht was völlig anderes draus, auch gut. Und das meiste der vielgeschworenen Lagentypizität kommt vermutlich daher, daß die in der Lage arbeitenden Winzer einfach dem Althergebrachten hinterherarbeiten, das ist dann aber nicht die Typizität der Herkunft, sondern die des "hamma immer scho so gmacht"...
Viele Grüße
Erich
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Bernd Schulz
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Re: Weingesetz in Österreich in der Kritik
Jein. Ich finde es schon erfreulich, wenn einem Wein mehr oder minder grob anzuschmecken ist, wo er herkommt. Wenn ein fränkischer Riesling genauso schmeckt wie einer von der Mosel oder ein Spätburgunder von der Ahr genauso wie ein Gevrey-Chambertin, geht das für mich zu arg in Richtung Einheitsbrei. Die Geschichte, die ein Wein zu erzählen hat, soll für mich im Idealfall auch etwas über seine Heimat aussagen.
Das ohne Zweifel! Die meisten der (für mich) besseren Winzer bemühen sich aber durchaus darum, den Ursprung ihrer Weine in diesen Weinen schmeckbar zu machen.
Dessen bin ich mir nicht so sicher. Um Lagentypizitäten einigermaßen deutlich erkennen zu können, muss man sich allerdings trinkenderweise ziemlich intensiv mit den betreffenden Lagen beschäftigt haben, und das vermag kaum jemand, der kein professioneller Weinverkoster ist, auf weltweiter oder auch nur nationaler Ebene. Ich habe mich früher ziemlich intensiv mit diversen Lagen des M-S-R-Gebiets befasst und traue mir durchaus zu, unabhängig vom Winzer eine Wehlener Sonnenuhr von einem Piesporter Goldtröpfchen blind zu unterscheiden (vorausgesetzt natürlich, dass beide Weine nicht extrem manipulativ vinifiziert wurden). Ein Forster Ungeheuer und eine Mussbacher Eselshaut dagegen kann ich blind ebenso wenig auseinanderhalten wie einen Iphöfer Julius-Echter-Berg und einen Randersackerer Pfülben, was schlichtweg daran liegt, dass ich mich mit Lagenweinen aus der Pfalz und aus Franken zwar auch nicht so selten, aber dann eben doch im Vergleich zur Mosel weit weniger häufig beschäftigt habe.EThC hat geschrieben: ↑Mi 20. Mai 2026, 19:41 Und das meiste der vielgeschworenen Lagentypizität kommt vermutlich daher, daß die in der Lage arbeitenden Winzer einfach dem Althergebrachten hinterherarbeiten, das ist dann aber nicht die Typizität der Herkunft, sondern die des "hamma immer scho so gmacht"...
Den Gedanken, dass ein Wein außer der Handschrift des Winzers auch Informationen über seinen Ursprung beinhalten soll, finde ich grundsätzlich nicht verkehrt. In der Musik verhält es sich ja auch so, dass die meisten Werke Dvoraks oder Smetanas nach Böhmen klingen, die meisten Werke Griegs nach Norwegen, die Verdis nach Italien, die Wagners oder Schumanns nach Deutschland, die Schuberts nach Wien, die Mussorgskijs nach Russland...etc. usf.... - sie klingen gleichzeitig natürlich nach dem Personalstil ihres Erzeugers, aber eben auch nach einer Typizität, die über den reinen Personalstil hinausgeht. Oder anders gesagt: Der Personalstil des (auf Qualität bedachten) Erzeugers und seine jeweilige Verwurzelung in einer bestimmten Kultur und Landschaft sind in der Regel zwei Komponenten, die sich gegenseitig bedingen.
Herzliche Grüße
Bernd