Rioja

Bernd Schulz
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Re: Rioja

Beitrag von Bernd Schulz »

Lars Dragl hat geschrieben: So 10. Mai 2026, 11:16 Vom PGV her war die Region früher immer ein ziemlicher Knaller, wenn man sich denn ein wenig durchprobiert hat.
Ehrlich gesagt habe ich das früher, als ich mehr spanische Weine getrunken habe (was auch im Zusammenhang mit einer Konzertreise nach Madrid und Toledo anno 2001 gestanden hat) ganz anders empfunden: Ich empfand die Rioja immer als ziemlich hochpreisige Region und gerade auch im innerspanischen Vergleich als teuer. So hatte ich zum Beispiel bei einem lokalen Dealer (Nagel &Hoffbaur) einen Toro-Rotwein ausfindig gemacht, der mir nicht schlechter schmeckte als der Conde de Valdemar oder diverse Sachen von Faustino, während er mindestens 50% günstiger war.

Mittlerweile suche ich ganz andere Weine; Betriebe wie Faustino (650 Hektar Rebfläche) stellen für mich die Art von Weinfabriken dar, gegen die ein Martin Kössler zwar vielleicht etwas zu heftig, aber aus meiner Perspektive nicht ganz zu Unrecht polemisiert. Derartige Erzeuger interessieren mich kaum noch.

Herzliche Grüße

Bernd
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Schönibert
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Re: Rioja

Beitrag von Schönibert »

Das mag im innerspanischen Vergleich so gewesen und für mich nachvollziehbar sein, verglichen zum restlichen alten Europa fand ich, dass es da sehr viel klassischen Bordeaux- bzw. Medoc-Style Rotwein fürs Geld gab.
Viele Grüße,
Euer Schöni
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UlliB
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Re: Rioja

Beitrag von UlliB »

Schönibert hat geschrieben: So 10. Mai 2026, 17:00 Das mag im innerspanischen Vergleich so gewesen und für mich nachvollziehbar sein, verglichen zum restlichen alten Europa fand ich, dass es da sehr viel klassischen Bordeaux- bzw. Medoc-Style Rotwein fürs Geld gab.
Ich finde es immer wieder interessant, wie unterschiedlich die Vorstellungen sind. In der Zeit, in der ich mich noch mehr mit Rioja beschäftigt habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen, diesen für ein Substitut oder gar Äquivalent für Bordeaux oder spezifisch Médoc zu halten. Tempranillo ist kein Cabernet. Und vor allem ist Rioja in aller Regel vom Fassausbau in amerikanischer Weißeiche deutlich geprägt, die dem Wein ganz charakteristische, balsamisch-vanillige Noten verpasst, die bei (gutem) Bordeaux fehlen. Ich meine auch, dass Fässer aus Weißeiche in Bordeaux nicht verwendet wurden.

Gruß
Ulli
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Schönibert
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Re: Rioja

Beitrag von Schönibert »

Ulli, du magst in allen sachlichen Argumenten Recht haben. Und danke für den freundlichen Seitenhieb mit dem Cabernet, das ist mir schon klar.

Ich finde den Tempranillo sensorisch dem Cabernet nahestehend und auch den Ausbau in Barriques haben die Freunde in La Rioja ja sehr früh aus dem Medoc übernommen. Ihre Weine waren übrigens durchaus beliebte Substitute nachdem die Reblaus im Medoc alles aufgefressen hatte.
Viele Grüße,
Euer Schöni
Bernd Schulz
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Re: Rioja

Beitrag von Bernd Schulz »

UlliB hat geschrieben: So 10. Mai 2026, 19:52 In der Zeit, in der ich mich noch mehr mit Rioja beschäftigt habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen, diesen für ein Substitut oder gar Äquivalent für Bordeaux oder spezifisch Médoc zu halten.
Ein wenig kann ich schon nachvollziehen, was Schöni gemeint hat, wenn ich von im internationalen Stil gehaltenen Bordeauxweinen ausgehe. Aber wenn ich einen Rioja kaufe und trinke, möchte ich eigentlich, dass der wie ein Rioja schmeckt und nicht wie ein mehr oder minder gut gelungenes Medoc-Imitat. Jedenfalls verhält sich das heute so - vor 25 Jahren war mir das möglicherweise noch nicht so klar.

In meinem Häuschen hängen etliche Gemälde. Das sind alles Originale (von weniger bekannten Künstlern natürlich) und keine Kopien....

Herzliche Grüße

Bernd
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Schönibert
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Re: Rioja

Beitrag von Schönibert »

Genau den von dir gemeinten internationalen Stil meine ich übrigens nicht, Bernd. Davon gibt es aber in der Tat aber auch genug in la Rioja spätestens seit den 90/00er Jahren.

Medoc hatte viel früher ganz prägenden und nachhaltigen Einfluss auf Rioja. Was du vor 25 Jahren getrunken hast war ziemlich sicher ein Medoc-Imitat. Und trotzdem bestimmt ein guter Wein.
Viele Grüße,
Euer Schöni
Ollie
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Re: Rioja

Beitrag von Ollie »

Schönibert hat geschrieben: So 10. Mai 2026, 20:36 Medoc hatte viel früher ganz prägenden und nachhaltigen Einfluss auf Rioja. Was du vor 25 Jahren getrunken hast war ziemlich sicher ein Medoc-Imitat.
Es gab ja eine Einwanderung vieler Médocains nach der Reblauskatastrophe. Aber welche althergebrachten Aspekte des Médoc (also von vor 1920) wurden denn vor 25 Jahren noch imitiert? Damals gab's doch schon die vinos de alta expresión, also Weine aus reiferer Frucht (14.5 Vol%), mit dunkelfruchtiger Aromatik und verhältnismäßig kurzem (max. 18 Monate) Ausbau in französischem Holz - also genau das Gegenteil von traditionellem Rioja, oder nicht? Und traditioneller Rioja ist jetzt auch nicht wirklich mit traditionellem Médoc zu vergleichen (siehe z.B., was UlliB schrieb), oder missverstehe ich dich da völlig falsch?

Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.

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Schönibert
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Re: Rioja

Beitrag von Schönibert »

Du hast recht, imitiert ist nicht das richtige Wort.
Und natürlich ist das leicht, meiner „These“ drastische Gegensätze plakativ entgegenzustellen. However. Cheers.
Viele Grüße,
Euer Schöni
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