Südtirol - die Weißweine

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Udo2009
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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von Udo2009 »

olifant hat geschrieben: Mi 1. Apr 2026, 17:54 ... Ich würde mal sagen, im Jahresschnitt so ca. 4 - 6 echte TCA-Korker und dazu eben noch Flaschenvarianzen, die ohne Konterflasche wohl so gar nicht auffallen...
d'accord...

Flaschenvarianz hatte ich auch schon mal bei einem Schrauber.... siehe hier:
viewtopic.php?p=160368&hilit=pfeffingen#p160368
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EThC
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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von EThC »

...daß das bei Schraubern auch mal passieren kann, wenn der Verschluß mangelhaft aufgebracht wird -also ein Fehler in der Maschinentechnik vorliegt-, ist unbestritten. Nur beim Korken ist dieser Fehler aufgrund der naturgemäß hohen Varianzen bei der OTR von vorherein serienmäßig eingebaut, da hilft auch ein sorgsames Verkorken nichts... :roll:
Tatsächlich kann ich mich an keinen Schrauber-Ausläufer erinnern, hab aber schon mal einzelne Verschlüsse bei Erhalt der Flaschen nachziehen können...
Und: so eine Schrauberundichtigkeit ist ja ein offensichtlicher Fehler, da sollte eine Reklamation problemlos über die Bühne gehen. Bei "Reifeschäden" durch Kork schaut man mit dem berühmten Ofenrohr irgendwo hin...
Viele Grüße
Erich

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Dominik Mueller
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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von Dominik Mueller »

2020 Cantina Tramin Gewürztraminer Nussbaumer
Kräftiges, leuchtendes Goldgelb mit deutlicher Viskosität. Das Bukett zeigt sich intensiv und hocharomatisch: reife, exotische Gelbfrucht, kandierte Akzente, etwas Honig und ein dezenter Rauchton. Nuancen von eingelegten Marillen, Litschi und süßer Mandarine werden durch Konfekt, Sultaninen und eine ausgeprägte Floralität ergänzt.

Am Gaumen trocken, nicht "staubtrocken", vollmundig, mit moderater Säure und spürbarem Alkohol. Die gelbfruchtige Honigcharakteristik ist erneut präsent, nun gepaart mit nussigen Nuancen und einer feinen Bitternote. Strukturell komplex, zeigt der Wein primäre, sekundäre sowie erste tertiäre Ansätze. Die Balance und Qualität werden jedoch durch den präsenten, den Nachhall dominierenden Alkohol beeinträchtigt. Dennoch ein sehr guter Wein mit Reifepotenzial für Liebhaber der opulenten Stilistik.
Meine Wein-Notizen
Ihr findet mich außerdem in den wineBANKs, zumeist im Rheingau.
olifant
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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von olifant »

... am WE im Glas ...

Laföa Sauvignon 2017, KG Schreckbichl (Cantina Colterenzo) - Colterenzo, NK, 13,5°alc., 50% des Ausgangsweins für 8-Monate im Barrique, 50% im Edelstahl / in dieser Zeit auf den Hefen

recht goldenes Strohgelb mit leicht oliv-grünlichen Reflexen; etwas "exotische" gelbe Frucht, etwas mürber Apfel, Honig, dicht, gewisse Kräuternoten und Kurkuma; am Gaumen kräftig und stoffig, dichte "exotische" Noten, (wobei exotisch in die falsche Richtung führt, auch wenn mir Ananas und Melone in den Sinn kommt - trifft's aber auch nicht), mürbe gelbe Frucht (Reinetten und Butterbirn), Honig, Wiesenkräuter, Kurkuma, komplex, noch Biss, perfekt eingebundene Säure, schöne Struktur, sanft verpackte Kraft, extrem harmonisch und ausbalanziert, tief, lädt stets zum Nachschenken ein; sehr langer Abgang, auf sekundäre und tertiäre Reifenoten, angenehme Kräternote, schöner Säurehall - 18/20 op

So grasig und bissig sich der Wein in der Jugend gibt, ist er in perfekter Reife ein die Sinne umschmeichelnder freigieber Seigneur, sehr schön. Jetzt on topp, trinken!
Grüsse

Ralf

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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von Nora »

Ich hatte vorgestern die Möglichkeit, mit dem Winzer Martin Gojer Weine zu verkosten. Zunächst gab es längeres, sehr informatives Gespräch über die allgemeine Situation des Weinbaus in Italien, Barolo, Soave, Ätna, Genossenschaften in Südtirol etc. Martin erwies sich als sehr vernetzter, informierter Gesprächspartner.

Dann verkosteten wir zusammen den

Pranzegg Tonsur 2023,

einen gemischten Satz aus 10 Rebsorten u.a. mit Müller-Thurgau, Weißburgunder, Silvaner, Chardonnay, Pinot Gris, Riesling, Souvignier Gris, Garganega, zu 50 % unentrappt vergoren auf der Maische für 4 Tage.

Ich hatte den Wein schon zwei Tage früher geöffnet, wo er sich in der Nase dezent apfelmostig, hefig-bierig mit einem Anflug von nassem Pappkarton zeigte. Bis zur Verkostung gab sich das und er präsentierte sich bei insgesamt zurückhaltender Aromatik kräutrig, weißblütig und etwas rauchig. Mit viel Schwenken kommen feine gelbe Steinobstnuancen und Orangenschale zum Vorschein. Eine etwas höhere Temperatur von 12-14 Grad ist von Vorteil, um die Feinheiten besser zu bemerken.

Auch am Gaumen wirkt der Wein leicht und trinkig, startet zunächst mit einer feinen Cremigkeit und sehr wenig Säure. Martin meinte, die Säure müsse so bei 5,5 g/l liegen. Aromatisch auch hier wieder die Kräuter und vegetabile Anklänge von Kerbel und Fenchel. Den Wein durchzieht ein feiner Anflug von Hefe und er endet mit samtiger Griffigkeit und einer leichten, dabei dienenden Bitternote im Abgang.

Der Orange-Wein-Einschlag ist hier sehr dezent und dabei gekonnt eingesetzt, der Schalenkontakt und die daraus resultierende Gerbstoffigkeit geben dem Wein eine notwendige und dabei sehr schöne Struktur.

Ein Wein, bei dem auch nach Martins Worten Leichtigkeit und Trinkfluss an erster Stelle stehen. Ich kann mir den sehr gut im Sommer auf der Terrasse, aber auch zu leichten Gerichten vorstellen. Gekonnt!

Dann ging es weiter mit dem

Vernatsch Campill 2020.

Was für eine wunderschöne, fast berauschende Nase. Davon war ich total überrascht: Brombeeren, pfeffrig-würzig, ätherische Kräutrigkeit und Unterholz. Toll! Die ganz leichte flüchtige Säure stört hier überhaupt nicht, hebt eher die Frucht und die Kräuternoten.

Am Gaumen war das für mich dann schon schwieriger. Der mehr als lebhaften, frischen Säure (ca. 5,5 g/l, ein kühles Jahr laut Martin) stehen im jetzigen Entwicklungsstadium des Weins m.E. noch zu wenig Körper und Kraft gegenüber und für mich wirkte der Wein eher recht sauer. Mitverkoster lobten dagegen auch hier die Feinheit und Trinkigkeit des Weins. Martin meinte, man solle dem Wein ruhig noch 1-2 Jahre Zeit geben, damit er sich finde, derzeit sei er als Essensbegleiter sehr gut einsetzbar. Muss ich probieren.

Ein wunderbarer informativer und genussvoller Abend. Besten Dank an Martin!

VG Nora
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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von EThC »

...die "Freistil"-Winzer fahren alle einen sehr sympathischen Stil zwischen Natur und Klassik, der von beiden Seiten das Beste mitnimmt, finde ich. Vor zwei Jahren war ich mal vor Ort bei den Gojers, eines meiner Highlighs-ever hinsichtlich Atmosphäre und Gelerntem in jeder Hinsicht.
Den 2020er Campill finde ich in seiner Art jetzt schon großartig (hatte ich im Dezember im Glas), den 23er Tonsur würde ich noch einige Zeit liegen lassen, wenn ich ihn hätte, hab gerade den 17er für demnächstige Verklappung in der Kühlung...
Viele Grüße
Erich

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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von olifant »

Bei Pranzegg gebe ich gerne auch noch meinen Senf dazu ...

Ich war das erste mal 2011 bei Martin Gojer auf dem Hof, zum Verkosten und zum ratschen (plaudern) und später schlossen sich noch so 4 -5 Besuche in unregelmäßigen Abständen an.

Den Tonsur und den Campill gibt's so seit den Anfängen in Pranzeggs Portofolio und deren Stilistik und Ausbau hat sich i.W. über die Jahre nicht geändert. Der Ausbau, Dauer Einmaischen, Gärung, Abzug, Ausbau in verschiedenen Gebinden, passt er nach Gefühl den jeweiligem Jahrgang an, wobei es dann meist nur Nuancen sind.

Auch wenn der Tonsur nominell ein "kleiner" Wein ist, so zeigt er auch bei langer Lagerung immer sein Potential. Letztes Jahr habe ich meine letzten Flaschen aus 2014 geleert, von 15 bis 18 sollte noch was da sein. Als Terrassenwein würde ich den Tonsur nicht sehen, eher als (ungewöhnlichen) Essensbegleiter, meine Lieblingsmarriage ist hierzu "Steckerlfisch" von der Makrele (über offener Holzkohle gegrillt).
Dern Tonsur schon 2 -4 Jahre nach deg Lese zu öffnen habe ich mir abgewöhnt, das schätze ich die zusätzlichen Aromen, die sich aus der Reife ergeben.

Beim Campill verhält es sich für meinen Geschmack eigentlich noch extremer, Eine Flasche wurde i.d.R. relativ bald geöffnet, einfach um zu eruieren, wie "wild" das Gesamtpaket so ausgefallen ist ... den restlichen Flaschen gönne ich dann meist mind. 6+ Jahre, am besten finde ich sie derzeit so mit 9 - 11 Jahren auf dem Buckel.
In diesem Alter kommt dann erst die meist schön eingefangene Vernatschfrucht richtig zu tragen.

Die lange Lagerfähigkeit besitzen aber m.E. alle seine Stillweine. Zum "Jung"-Trinken gibts dann sowas wie den MIAU frizzante, quasi methodo ancestrale, das ist dann wirklich was für die Terrasse.

Mein Wermutstropfen ist jedoch, dass sich die Preise ab Hof in den letzten Jahren ca. 13 Jahren z.T. mehr als verdoppelt haben. Sei's ihm vergönnt.

Und Erich, es verwundert mich noch jedes Mal wieder, wenn du einen Campill lobst - zu lang wolltest du nichts von dem Wein wissen ...
Grüsse

Ralf

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Re: Südtirol - die Weißweine

Beitrag von EThC »

olifant hat geschrieben: Fr 8. Mai 2026, 13:57 Und Erich, es verwundert mich noch jedes Mal wieder, wenn du einen Campill lobst - zu lang wolltest du nichts von dem Wein wissen ...
...na ja, mit Vernatsch im Allgemeinen hab ich mich immer noch nicht angefreundet, vom Campill hab ich mich aber irgendwann überzeugen lassen. Und Urban Plattner kann's auch...
Viele Grüße
Erich

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