Bordeaux 2025

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Löhlein
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Löhlein »

UlliB hat geschrieben: Fr 1. Mai 2026, 12:02
...
Da ist die Sache allerdings völlig klar. Die verbindliche Festlegung eines (Mindest-)Endverbraucherpreises durch den Erzeuger ist rechtswidrig, und kein Händler bräuchte sich daran zu halten. Aber da steht natürlich die Drohung dahinter, einem solchen Händler fortan "den Hahn zuzudrehen". Auch das wäre ein klarer Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, dagegen könnte der Händler klagen, aber das würde dauern, wäre kompliziert (Klage über Ländergrenzen hinweg), und wäre entsprechend teuer. Wie man ein Urteil am Ende durchsetzt, wäre dann auch noch die Frage. Da sind lieber alle brav und spielen mit.

Gruß
Ulli
Da hast du sicher recht, ich wollte es nicht so konkret benennen..

Aber wer weiß, vielleicht handelt es sich dabei ja um die sog. französösische Weinpreisbindung, sozusagen das nicht normierte Pendant zur deutschen Buchpreisbindung. Es wird schließlich auch ein Kulturgut geschützt... :lol:
Warten auf Mondot
Ollie
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Ollie »

Bemerkenswerte Entwicklung auf dem Kritikermarkt. Es ist ja nicht nur Kelley bei Pontet-Canet, sondern offenbar auch Yohan Castaing bei Smith-Haut-Lafitte und Jeff Leve bei Claire & Gonzague Lurton (Ferrière und Haut Bages Libéral bzw. Durfort-Vivens), die gebeten wurden, nicht mehr zu kommen (entnehme ich jedenfalls dem Wineberserker-Strang). Leve hat sich schon vor zwei oder so Jahren recht negativ über den grassierenden Amphorenausbau geäußert, und auch Kelley betont (überbetont?) als Winzer, der er ja auch noch ist, sehr die Erzeugungsmethoden.

Auf seinem Youtube-Kanal hat Matthias Hilse ein Video von Pontet-Canets Keller eingestellt. Bei PC wird offenbar alles so anders wie nur irgend möglich gemacht, da wird Kelley mächtig von beeindruckt gewesen sein. Vielleicht hat ihn das überzeugt, die Qualität des Weins zu würdigen? :mrgreen: (Die Küferarbeit der eiförmigen Holzfässer ist echt Eins-A, sehr gutes Handwerk.)

Cheers,
Ollie
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pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von pessac-léognan »

Ich dachte immer, das seien Beton-Eier... :o
An Küfer-Ei hätte ich nun wirklich nicht gedacht.
Da müssen ja selbst Beton-Köpfe von Kritikern beeindruckt sein!
Ollie
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Ollie »

pessac-léognan hat geschrieben: Fr 1. Mai 2026, 13:11 Ich dachte immer, das seien Beton-Eier... :o
Ich auch! Aber: Das waren wohl nie Beton-Eier oder -Amphoren, sondern das Material heißt auf Französisch grès. Gemeint ist aber nicht Sandstein (wie ich mal dachte), sondern Steinzeug (link geht zur deutschen Wikipedia).

Und zu meiner großen Überraschung gehört Steinzeug, nicht zu verwechseln mit Steingut, zur Klasse des Sinterzeug, so wie *Trommelwirbel* Porzellan. Das erklärt die bereits hier im Forum geführte Diskussion über Porzellanbehälter, und mittlerweile bin ich davon überzeugt, daß es dabei immer um Steinzeug ging. :ugeek:

Die Amphoren haben außen eine rauhe Oberfläche, wie Terracotta, stauben aber nicht und klingen wie eine Glocke, wenn man dagegenschlägt. Wandstärke so etwa 5cm, geschätzt.

Cheers,
Ollie
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AmonA
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von AmonA »

Ollie hat geschrieben: Fr 1. Mai 2026, 12:43 ...
Auf seinem Youtube-Kanal hat Matthias Hilse ein Video von Pontet-Canets Keller eingestellt. ...
Cheers,
Ollie
Danke für den Link und deine Infos zu den BDX 25!
Grüße
AmonA (aka Volker)
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Speedsocke
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Speedsocke »

Der Aufwand, der bei Pontet Canet betrieben wird, ist nach meiner Wahrnehmung schon enorm.

Ich hatte die Möglichkeit, das Weingut einmal zu besuchen. Und ich meine, mich zu erinnern, dass erzählt wurde, dass die Patient separat ausgebaut werden. Das an sich ist ja nichts. Total besonderes. Bei den Amphoren, in denen die Weile jedoch reinkommen, ist wohl ein Teil des Lehms beziehungsweise des Bodens enthalten, so dass die jeweiligen Parzellen möglichst auch ein Stück weit in ihren angestammten Gefilden ausgebaut werden. Und das fand ich tatsächlich beeindruckend und hat sich irgendwie bei mir in den Erinnerungen so verfestigt.
Zweifel
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Zweifel »

Grüezi

Bei Zweifel Weine kommen offenbar Silvio Denz und Stephan Graf von Neipperg mit 2025ern:

https://www.zweifel1898.ch/de/primeur-e ... 14012.html

Klarstellung: Das ist keine Werbung, ich bin mit den Zweifels in Höngg und ihren Firmen (Weine/Pommes-Chips) nicht verwandt nicht verschwägert oder geschäftlch irgendwie verbunden. Wir haben einfach denselben Nachnamen.

Beste Grüsse

Hans-Rudolf
Ollie
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Ollie »

Nun meine Eindrücke der meisten von mit verkosteten Weine. Fangen wir links oben an:

Saint-Estèphe

Montrose. Vollständig aus der Terrasse 4, die St-Esthèphe-Herkunft ist final transzendiert - charakterlich liegt der Wein zwischen Pauillac und St-Julien, ohne jedoch seine Eigenständigkeit aufzugeben. Der Jahrgangscharakter kommt dem sehr entgegen: Bei aller (unglaublichen) Dichte und Konzentration, Länge und Komplexität hat der Wein maximale Eleganz und legt sogar eine Leichtigkeit und eine extrem trügerische Trinkbarkeit an den Tag, daß man vergisst, daß auch dieser Montrose ein Generationenprojekt ist. Keine opulente, sondern kühlere, leise Frucht; der Wein hat also überhaupt nichts mit dem 2022er zu tun. Ein stilistischer, kein qualitativer Unterschied, wohlgemerkt, aber ein überdeutlicher, und der Wein ist einfach großartig (98-100), unter den Topweine des linken Ufers einer der vier Superästheten. Die Dame de Montrose ist auch sehr gut und trotz 82% Merlot (10 CS, 5 PV, 3 CF) fein und extrem elegant, der Stil des Hauses zieht sich sehr deutlich durch, der Wein ist einfach bildschön. So geht Merlot auf dem linken Ufer. Konservative 91-93.

Cos d'Estournel. Nicht zuletzt Dank eines sehr starken Drittels Merlot (39%) mit viel Fülle, viel Bleistift am mittleren Gaumen und großer Länge. Sehr klar strukturiert, supertoll, aber ohne die umwerfende Eleganz des Montrose, deshalb ein oder zwei Pünktchen dahinter (97-99) und der beste St-Estèphe des Jahrgangs (Montrose, wie gesagt, in einem anderen Universum).Die Pagodes des Cos rouge mit einer sehr ernstgemeinten Nase, viel Geschmack, molliger Frucht (62 M, 35 CS, 2 PV, 1 CF), aber saftiger Struktur und guter Länge - sehr St-Estèphe, sehr gut (91-93)! G d'Estournel ist nur okay, weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen, ebenso Cos Labory (durch Übernahme nun assoziiert; da das Château weitergeführt werden soll, darf man in Zukunft Verbesserungen erwarten, aber dieses Jahr war's noch nix). Beide 87-89.

Calon Ségur. Satte 80% Cabernet Sauvignon (17 M, 2 CF, 1 PV), dabei reife 13.6 Vol% bei einem pH von 3.6. Was ein Maulvoll Wein! Auch hier viel Kraft und Wucht, vielleicht sogar mehr als Cos, aber dafür weniger Feinheit und Komplexität. Ein enorm erdiger St-Estèphe mit viel Cabernet-Einfluss, genau meine Kragenweite. Superb (96-98). Der Marquis de Calon fällt im Vergleich massiv ab, durch zwei Dritteln Merlot und 14.1 Vol% schöne Viskosität, aber das Tannin halt Merlot-typisch spröder, wohl auch wegen des recht niedrigen pH-Werts von 3.5(!). Dennoch sehr ordentlich (88-90+), wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Viel besser gefällt mir dagegen Capbern, was wohl auch an der mir angenehmeren Rebsortenzusammensetzung liegt (62 CS, 36 M, 2 CF, 13.5 Vol%, pH=3.6). Sehr ähnlicher Bau wie Calon, typische kräutrige Nase (grünes Tabakblatt), ein sehr schmucker Wein (90-92+) und wieder ein sehr, sehr schöner St-Estèphe. Vincent Millet und sein Team hatten 2025 einen super Lauf: Auch in St-Emilion (Le Prieuré) und Pomerol (Vray Croix de Gay) gab’s sehr schöne Weine. Siehe dort.

Phélan Ségur
Zweimal verkostet, beide Male hat mir der Wein nur okay gefallen. Keine Ahnung, was da los war. (87-89)

Lafon Rochet
Dunkle, satte Frucht, gute Länge, vielleicht etwas moderne, rundliche Expression, aber sehr gut (90-92+) und beide Male besser als Phélan Ségur.

Ormes de Pez
Schöne Saftigkeit, sehr angenehm, sehr hübsch, macht Spaß zu trinken! (89-91)


Wird fortgesetzt mit Pauillac.

Cheers,
Ollie
Zuletzt geändert von Ollie am So 3. Mai 2026, 12:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Ingo
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von Ingo »

Danke für deine Notizen, die sich wohltuend von der Punkteinflation einiger Protagonisten (auch hier) unterscheiden.
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vanvelsen
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Re: Bordeaux 2025

Beitrag von vanvelsen »

Ollie hat geschrieben: Sa 2. Mai 2026, 21:58 Nun meine Eindrücke der meisten von mit verkosteten Weine. Fangen wir links oben an:

Saint-Estèphe

Montrose. Vollständig aus der Terrasse 4, die St-Esthèphe-Herkunft ist final transzendiert - charakterlich liegt der Wein zwischen Pauillac und St-Julien, ohne jedoch seine Eigenständigkeit aufzugeben. Der Jahrgangscharakter kommt dem sehr entgegen: Bei aller (unglaublichen) Dichte und Konzentration, Länge und Komplexität hat der Wein maximale Eleganz und legt sogar eine Leichtigkeit und eine extrem trügerische Trinkbarkeit an den Tag, daß man vergisst, daß auch dieser Montrose ein Generationenprojekt ist. Keine opulente, sondern kühlere, leise Frucht; der Wein hat also überhaupt nichts mit dem 2022er zu tun. Ein stilistischer, kein qualitativer Unterschied, wohlgemerkt, aber ein überdeutlicher, und der Wein ist einfach großartig (98-100), unter den Topweine des linken Ufers einer der vier Superästheten. Die Dame de Montrose ist auch sehr gut und trotz 82% Merlot (10 CS, 5 PV, 3 CF) fein und extrem elegant, der Stil des Hauses zieht sich sehr deutlich durch, der Wein ist einfach bildschön. So geht Merlot auf dem linken Ufer. Konservative 91-93.

Cos d'Estournel. Nicht zuletzt Dank eines sehr starken Drittels Merlot (39%) mit viel Fülle, viel Bleistift am mittleren Gaumen und großer Länge. Sehr klar strukturiert, supertoll, aber ohne die umwerfende Eleganz des Montrose, deshalb ein oder zwei Pünktchen dahinter (97-99) und der beste St-Estèphe des Jahrgangs (Montrose, wie gesagt, in einem anderen Universum).Die Pagodes des Cos rouge mit einer sehr ernstgemeinten Nase, viel Geschmack, molliger Frucht (62 M, 35 CS, 2 PV, 1 CF), aber saftiger Struktur und guter Länge - sehr St-Estèphe, sehr gut (91-93)! G d'Estournel ist nur okay, weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen, ebenso Cos Labory (durch Übernahme nun assoziiert; da das Château weitergeführt werden soll, darf man in Zukunft Verbesserungen erwarten, aber dieses Jahr war's noch nix). Beide 87-89.

Calon Ségur. Satte 80% Cabernet Sauvignon (17 M, 2 CF, 1 PV), dabei reife 13.6 Vol% bei einem pH von 3.6. Was ein Maulvoll Wein! Auch hier viel Kraft und Wucht, vielleicht sogar mehr als Cos, aber dafür weniger Feinheit und Komplexität. Ein enorm erdiger St-Estèphe mit viel Cabernet-Einfluss, genau meine Kragenweite. Superb (96-98). Der Marquis de Calon fällt im Vergleich massiv ab, durch zwei Dritteln Merlot und 14.1 Vol% schöne Viskosität, aber das Tannin halt Merlot-typisch spröder, wohl auch wegen des recht niedrigen pH-Werts von 3.5(!). Dennoch sehr ordentlich (88-90+), wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Viel besser gefällt mir dagegen Capbern, was wohl auch an der mir angenehmeren Rebsortenzusammensetzung liegt (62 CS, 36 M, 2 CF, 13.5 Vol%, pH=3.6). Sehr ähnlicher Bau wie Calon, typische kräutrige Nase (grünes Tabakblatt), ein sehr schmucker Wein (90-92+) und wieder ein sehr, sehr schöner St-Estèphe. Vincent Millet und sein Team hatten 2025 einen super Lauf: Auch in St-Emilion (Le Prieuré) und Pomerol (Vray Croix de Gay) gab’s sehr schöne Weine. Siehe dort.

Phélan Ségur
Zweimal verkostet, beide Male hat mir der Wein nur okay gefallen. Keine Ahnung, was da los war. (87-89)

Lafon Rochet
Dunkle, satte Frucht, gute Länge, vielleicht etwas moderne, rundliche Expression, aber sehr gut (90-92+) und beide Male besser als Phélan Ségur.

de Pez
Auf Las Cases verkostet (de Pez ist assoziiertes Weingut) und deutlich im Hausstil gehalten: viel kühles Holz. Frische, kräutrige Nase (Minze?), auch Blumen, recht dicht und konzentriert und mit Frische. Sehr ordentlich (88-90), aber nicht mein bevorzugtes Profil.

Ormes de Pez
Schöne Saftigkeit, sehr angenehm, sehr hübsch, macht Spaß zu trinken! (89-91)


Wird fortgesetzt mit Pauillac.

Cheers,
Ollie

De Pez hat nix mit Las Cases zu tun, sondern wird vom Team von Pichon Comtesse gemacht.
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