Ollie hat geschrieben: ↑Sa 2. Mai 2026, 21:58
Nun meine Eindrücke der meisten von mit verkosteten Weine. Fangen wir links oben an:
Saint-Estèphe
Montrose. Vollständig aus der Terrasse 4, die St-Esthèphe-Herkunft ist final transzendiert - charakterlich liegt der Wein zwischen Pauillac und St-Julien, ohne jedoch seine Eigenständigkeit aufzugeben. Der Jahrgangscharakter kommt dem sehr entgegen: Bei aller (unglaublichen) Dichte und Konzentration, Länge und Komplexität hat der Wein maximale Eleganz und legt sogar eine Leichtigkeit und eine extrem trügerische Trinkbarkeit an den Tag, daß man vergisst, daß auch dieser Montrose ein Generationenprojekt ist. Keine opulente, sondern kühlere, leise Frucht; der Wein hat also überhaupt nichts mit dem 2022er zu tun. Ein stilistischer, kein qualitativer Unterschied, wohlgemerkt, aber ein überdeutlicher, und der Wein ist einfach großartig (98-100), unter den Topweine des linken Ufers einer der vier Superästheten. Die
Dame de Montrose ist auch sehr gut und trotz 82% Merlot (10 CS, 5 PV, 3 CF) fein und extrem elegant, der Stil des Hauses zieht sich sehr deutlich durch, der Wein ist einfach bildschön. So geht Merlot auf dem linken Ufer. Konservative 91-93.
Cos d'Estournel. Nicht zuletzt Dank eines sehr starken Drittels Merlot (39%) mit viel Fülle, viel Bleistift am mittleren Gaumen und großer Länge. Sehr klar strukturiert, supertoll, aber ohne die umwerfende Eleganz des Montrose, deshalb ein oder zwei Pünktchen dahinter (97-99) und der beste St-Estèphe des Jahrgangs (Montrose, wie gesagt, in einem anderen Universum).Die
Pagodes des Cos rouge mit einer sehr ernstgemeinten Nase, viel Geschmack, molliger Frucht (62 M, 35 CS, 2 PV, 1 CF), aber saftiger Struktur und guter Länge - sehr St-Estèphe, sehr gut (91-93)!
G d'Estournel ist nur okay, weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen, ebenso
Cos Labory (durch Übernahme nun assoziiert; da das Château weitergeführt werden soll, darf man in Zukunft Verbesserungen erwarten, aber dieses Jahr war's noch nix). Beide 87-89.
Calon Ségur. Satte 80% Cabernet Sauvignon (17 M, 2 CF, 1 PV), dabei reife 13.6 Vol% bei einem pH von 3.6. Was ein Maulvoll Wein! Auch hier viel Kraft und Wucht, vielleicht sogar mehr als Cos, aber dafür weniger Feinheit und Komplexität. Ein enorm erdiger St-Estèphe mit viel Cabernet-Einfluss, genau meine Kragenweite. Superb (96-98). Der
Marquis de Calon fällt im Vergleich massiv ab, durch zwei Dritteln Merlot und 14.1 Vol% schöne Viskosität, aber das Tannin halt Merlot-typisch spröder, wohl auch wegen des recht niedrigen pH-Werts von 3.5(!). Dennoch sehr ordentlich (88-90+), wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Viel besser gefällt mir dagegen
Capbern, was wohl auch an der mir angenehmeren Rebsortenzusammensetzung liegt (62 CS, 36 M, 2 CF, 13.5 Vol%, pH=3.6). Sehr ähnlicher Bau wie Calon, typische kräutrige Nase (grünes Tabakblatt), ein sehr schmucker Wein (90-92+) und wieder ein sehr, sehr schöner St-Estèphe. Vincent Millet und sein Team hatten 2025 einen super Lauf: Auch in St-Emilion (Le Prieuré) und Pomerol (Vray Croix de Gay) gab’s sehr schöne Weine. Siehe dort.
Phélan Ségur
Zweimal verkostet, beide Male hat mir der Wein nur okay gefallen. Keine Ahnung, was da los war. (87-89)
Lafon Rochet
Dunkle, satte Frucht, gute Länge, vielleicht etwas moderne, rundliche Expression, aber sehr gut (90-92+) und beide Male besser als Phélan Ségur.
de Pez
Auf Las Cases verkostet (de Pez ist assoziiertes Weingut) und deutlich im Hausstil gehalten: viel kühles Holz. Frische, kräutrige Nase (Minze?), auch Blumen, recht dicht und konzentriert und mit Frische. Sehr ordentlich (88-90), aber nicht mein bevorzugtes Profil.
Ormes de Pez
Schöne Saftigkeit, sehr angenehm, sehr hübsch, macht Spaß zu trinken! (89-91)
Wird fortgesetzt mit Pauillac.
Cheers,
Ollie