Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Ollie hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 13:35
Eine Sache möchte ich gerne noch abräumen:
Kle hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 12:06
Noch lässt sich vielleicht sagen, 100 Punkte von einst sind 94 von heute. Irgendwann reicht die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen vielleicht nicht mehr aus, die beständigen Qualitätsverbesserungen sensorisch mitzugehen. Dann müssen wir 110 Punkte einfach glauben.
Jenseits der offenkundigen Beschränkungen, die Bepunktung auf einer geschlossenen Skala nun mal hat, ist der Denkansatz, 94 von einst seien 100 von heute, IMO unrichtig. Viele Weine haben in den letzten 20 Jahren einen unglaublichen Sprung nach vorne gemacht, nicht nur, aber halt auch im Bordelais - und dort insbesondere in der Spitze, wo Verbesserungen sich nicht so sehr in Steigerung der Qualität als vielmehr in Steigerung der Konsistenz niederschlagen: In jedem Jahrgang wird das aktuell Optimale herausgeholt. Natürlich gibt es Jahrgangsunterschiede, aber bei den absoluten Spitzenweine ist das eine Frage der Charakteristik, nicht eine der Qualität.
Wird fortgesetzt.
Cheers,
Ollie
Das wäre in der Tat Unsinn und habe ich nicht geschrieben. Vielmehr 100 von einst seien 94 von heute (auch nicht als Tatsache, sondern mögliche Argumentation). Aufgrund neuer Maßstäbe , die zu betrachten wären.
Ollie hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 13:35
Lasst mich das an einem Weinbeispiel illustrieren: Pichon Comtesse. Der Wein ist echt super, knapp hinter meinen (einigen...) 100-Punktern. Ist es relevant, ob ich der Comtesse nun 97 der 99 gebe? Für jemanden, dem der Stil zusagt, ist das Top-Pauillac. In mir selbst hat die Comtesse bei aller (extrem hohen) Qualität nie etwas ausgelöst (tatsächlich finde ich sie etwas sehr "mehrheitsfähig"; sogar der Falstaff euphemisiert den unbedingten Willen Roederers, den Wein zu verkaufen, mit "verführerischer Stil"). Auch nicht bei Léoville Las Cases oder Cos d'Estournel. Fantastische Weine, aber bei Brane Cantenac habe ich Gänsehaut bekommen, bei Gruad Larose bin ich still geworden, und bei Têrtre Rôtebœuf stand mir der Mund offen.
Nächstes Beispiel: Les Carmes Haut Brion. Der ist wirklich verdammt gut, wahrscheinlich der beste Pessac des Jahrgang und ziemlich sicher der beste, der die Worte Haut Brion im Namen trägt - was weniger liegt als an der singulären Qualität von LCHB liegt als vielmehr daran, daß ich Larrivet Haut Brion nicht im Glas hatte und La Mission Haut Brion und Haut Brion abgrundtief enttäuschend waren. Aber LCHB auf einem Level mit Figeac, einem meiner 100er und ein unglaublicher Wein? Jein. Denn im Gegensatz zu Figeac passiert nichts in mir. Klar bin ich beeindruckt, ich würde sogar plausibel finden, wenn 2025 LCHB best ever wäre. Aber 100 Punkte? Geben wir ihm 98. Oder 99. Oder doch 100, weil ja das Konzept von Objektivität irgendwie doch noch im Hinterkopf wohnt und immer noch keine Miete zahlt? Oder 96-98, um meine rebellische Ader zu befriedigen? Hülfe!
Aber Ollie, genau diese Aussagen helfen zum Beispiel mir unglaublich viel. Du sagst objektiv sehr viel aus und bringst zugleich - in meinen Augen sehr sympathisch - eine subjektive Komponente rein. Es ist schön und dir mehr als vergönnt, wenn du den einen etwas mehr magst oder dich mehr anspricht als ein anderer Wein.
Ich weiss jetzt sowohl bei der Comtesse wie auch bei LCHB dass die qualitativ wohl wirklich erste Sahne sind. Und dann spielt es keine Rolle mehr, ob 95 oder 99. Das bringt mir mehr als ein 100-er Wein, welcher der raffinierteste seiner Zunft ist, darüberhinaus äusserst erotisch und verführerisch auf meiner Zunge tänzelt ...
Und im Hinterkopf hatte ich schon lange mal Gruaud Larose ... hatte da schon 2001 und 2002 im Glas ...
Kle hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 13:49
Das wäre in der Tat Unsinn und habe ich nicht geschrieben. Vielmehr 100 von einst seien 94 von heute (auch nicht als Tatsache, sondern mögliche Argumentation). Aufgrund neuer Maßstäbe , die zu betrachten wären.
Ja klar, du hast genau anders herum geschrieben, wie von mir zitiert. Sorry dafür, da habe ich mich verlesen.
Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.
Parfois, quand c'est trop minéral, on s'emmerde.
"Souvent, l'élégance, c'est le refuge des faibles." (Florence Cathiard)
TroisLacs hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 13:56
Ich weiss jetzt sowohl bei der Comtesse wie auch bei LCHB dass die qualitativ wohl wirklich erste Sahne sind. Und dann spielt es keine Rolle mehr, ob 95 oder 99. Das bringt mir mehr als ein 100-er Wein, welcher der raffinierteste seiner Zunft ist, darüberhinaus äusserst erotisch und verführerisch auf meiner Zunge tänzelt ...
Und im Hinterkopf hatte ich schon lange mal Gruaud Larose ... hatte da schon 2001 und 2002 im Glas ...
Danke fürs Feedback, und genau so wollte ich mich verstanden wissen.
Gruaud ist der ungeheime Geheimtipp, ein sehr, sehr schöner und nobler Wein. In einem ebenfalls tollen Duhart Milon fand ich sein Pauillac-Gegenstück. Beide im Maßanzug, beide für die Strecke.
LCHB sehr kühle, dunkle, sehr Cabernet-Franc-geprägte Frucht (54 CF, 29 CS, 17 M), sehr dicht, aber völlig Schwerelos (13 Vol%, pH=3.59), man unterschätzt dadurch immer, wie gut die Weine sind. Keinerlei Einfluss der Ganztraubenvergärung bemerkbar (65% Anteil, aber die grünen Stielgerüste haben sie aussortiert und nur die braunen genommen - ja was denn sonst?!). Mir scheint, hier wurde etwas zurückgerudert, der Wein ist nun wieder deutlich linksufrig.
Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.
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farrvinters ist ziemlich zufrieden mit dem Jahrgang:
2025 is an excellent but small vintage for Bordeaux. A dry, warm and sunny growing season led to very small, concentrated berries with many estates producing even lower yields than last year, and some making the least wine since 1991. In a vintage where sunshine and heat would normally lead to powerful wines with high alcohol, the balance of the wines is quite a surprise. This is in part due to August rains, as well as improved farming and winemaking techniques to cope with the heat, and simply the fact that some vines shut down through the highest spikes of heatwave in the summer. Most wines come in below 14% alcohol, and many are around 13%. The wines are concentrated and loaded with aromatics, fully ripe yet lifted by bright acidity, and though they analytically have high ripe tannin levels, they show a real ease and drinkability. This is a very good vintage with outstanding wines at the top and great wines for drinking at all price points. The balance feels similar to 2016 with softer tannin, or perhaps a blend between 2022 and 2023. They are fresh, intense and chalky with old school balance and new wave fruit.
2025 is a vintage that will sit in the top tier of recent vintages. It is not a seductive, opulent vintage like 2009, 2019 or 2022, but the poise and drinkability of these wines is not in doubt. They are less backward - and often two degrees lower in alcohol - than the 2010s. The riper tannins mean that they will start drinking much sooner, though they undoubtedly have the structure to age. The closest comparison might be 2016, a classically proportioned great year, but with more density of fruit and riper, finer structure. The benefit is that there are wines that will drink well young at lower price points, and powerful "vins de garde" that you can lay down in the cellar. There is something for everyone here, and it is clear the Bordelais are making better wines than ever, year in, year out.
Normally in Bordeaux, low quantities and much higher quality than the previous vintage would result in significant price increases. But Bordeaux pricing is seldom based just on the quality of the wines - factors such as the state of the market play an extremely important role in determining the release prices. With slow sales for young vintages, poor profitability in the Bordeaux wine trade, higher interest rates and the current nervous state of the world - both economically and politically - this is really not a time for proprietors to be bullish.
We can realistically expect very modest price increase on last year and hopefully, in some cases, none at all. With the wines at the quality level of 2010 and 2016 and at the price of 2024, this might be the vintage in which en primeur customers come out on top for a change. If you can buy a wine from 2025 at half the price of the 2010 vintage or 25% less than the 2016, then this should make for a very interesting campaign.
Für mich steht und fällt der Kauf mit dem Anteil des Alkohols. Alles ab 14 % inkl. kommt mir nicht mehr ins Glas, 2022 war in dieser Hinsicht (für mich) schrecklich. Wenn die Weine tatsächlich teilweise nur 13 % aufweisen, werde ich wieder dabei sein. LOB gibt dem Clos Louie 2025, der scheint hier ja wohl bei Einigen recht beliebt zu sein, wenn ich das richtig mitbekommen habe, 100+ Punkte (!!!).
Auch wenn ich, verglichen mit diesem Verkäufer, i.d.R. 10 Punkte tiefer in die Kiste greife, bleibe ich hoffnungsvoll gestimmt.
Ingo hat geschrieben: ↑Di 28. Apr 2026, 16:13
Für mich steht und fällt der Kauf mit dem Anteil des Alkohols. Alles ab 14 % inkl. kommt mir nicht mehr ins Glas, 2022 war in dieser Hinsicht (für mich) schrecklich. Wenn die Weine tatsächlich teilweise nur 13 % aufweisen, werde ich wieder dabei sein. LOB gibt dem Clos Louie 2025, der scheint hier ja wohl bei Einigen recht beliebt zu sein, wenn ich das richtig mitbekommen habe, 100+ Punkte (!!!).
Auch wenn ich, verglichen mit diesem Verkäufer, i.d.R. 10 Punkte tiefer in die Kiste greife, bleibe ich hoffnungsvoll gestimmt.
Da bin ich voll bei dir, 14% die absolute Obergrenze, besser nur max. 13,5%.
Clos Louie 2025 wird mit 13,7% im Verkostungstext genannt, das ist für das Weingut schon niedrig, oft sind da 14,5 -15% am Start.
Und als kleine Randnotiz, es wird noch einen 3. Wein dieses Jahr bei CL geben, laut Weinalarmliste kommt auch eine Clos Louie Special Cuvee raus, da bin ich mal gespannt was das so in der Zusammensetzung Bestandteil sein soll.
vielen Dank für Deine wertvollen Schilderungen. Bin gespannt auf Deine Wertungen. Darf ich vorab schon einmal nach Deinen Eindrücken zu Troplong, SHL und Pavie Macquin fragen? Hattest Du Gelegenheit, die zu probieren?
Noch ein anderes Thema: Überrascht hat mich die hohe Bewertung vom LCHB Zweitwein im Falstaff. Der C hat dort 95 Punkte erhalten und liegt damit höher als zahlreiche arrivierte Erstweine. Hat hierzu jmd. eine Erfahrung, die er teilen kann?
Mir geht es 2026 so wie in den letzten Jahren: Der feste Vorsatz, angesichts eines vollen Kellers und überbordender Jahrhundertjahrgang- und best-ever-Zuschreibungen Enthaltsamkeit zu üben, verblasst im verlässlich aufkommenden en primeur Fieber. Die Temperatur steigt…
- bei VINUM https://shorturl.at/RnHM2 (ohne von/bis Punkte-Info, da die VINUM Datenbank diese nicht abbilden kann - z.B. 98-100 wird als 99 ausgewisen, 95-97 als 96 etc.)
Morgen kommt ja Pontet Canet raus und setzt damit den Ton für die Kampagne. Aber wie ist der Wein?
Ich selbst bin kein Fan bisheriger Iterationen gewesen; tatsächlich fand ich den Wein deutlich "unbordelais" und eher südlich verortet. Viel wurde geschrieben, daß Pontet Canet nun ins Heimatland zurückgekehrt sei, aber wenn man sich richtig an gewisse Reaktionen auf den 2023er erinnert, scheint da irgendwie noch nicht alles den Erwartungen zu entsprechen.
Der 2025er, auf dem Château verkostet, tatsächlich als allererster Wein, hat gleich mal gezeigt, wo es bem Jahrgang hingeht (deutlich inklusive der "Vorliebensituation", die ich oben zu schildern versuchte). Die Grundcharakteristik von 2025 tut dem Wein IMO sehr gut: Kühle, dunkle Frucht, viel Frische und eine sehr gute, durchaus samtige Struktur, die durch die typisch satte Textur - hier eben jahrgangsbedingt optimal zurückgenommen - aufgefüllt wird. Das gibt dem Wein eine tolle Lebendigkeit und Energie.
Zwar habe ich mit dem Wein emotional nicht vollends "connected", und andere Pauillacs sind näher an meinem Appellationsideal, aber Bordeaux ist dieser Pontet Canet ganz sicher. Dennoch werte ich mal defensiv mit 96-98, und wer eine Vorliebe für Pontet Canet und seine stilistische Eigenständigeit hegt (des Weins und die eigene), wird hier viel glücklicher als mit der ebenfalls superben, aber viel mehrheitsfähigeren Comtesse (97-99). Wer beides mag, hat die Qual der Wahl.
Tags drauf, am Donnerstag, kommt dann Batailley. Ich bin hier ja seit Jahrzehnten on record, wie sehr Batailley für mich nicht passt und ich viel lieber Grand-Puy-Lacoste trinke (der super superb gelungen ist dieses Jahr) und lalala. Aber dieser Batailley ist der allererste überhaupt, den ich vorbehaltslos gut finde. Sehr, sehr gut sogar. Der Wein ist ein Pauillac aus dem Lehrbuch, sehr Cabernet-Sauvignon-geprägt, und hat eine sehr dichte, aber saftige Struktur mit viel Stoff, ist zedrig ohne Ende und mineralisch, hat eine tolle Länge, ist Universen entfernt von 2022 - kurz, das ist ein Pflichtkauf für Fans des Weinguts und solche, die sich so richtig die Pauillac-Keule geben wollen, aber auf den letzten Feinschliff verzichten können. Aber Obacht! Der Jahrgang hat den Batailley in einen Anzug gesteckt und ihm beigebracht, mit Messer und Gabel essen, ohne sich oder andere zu verletzen. Von mir 94-96, der hat Potential für Größe. Auch hier: für die Strecke, also gerne auch an Kleinformate denken, wenn man etwas weniger junggeblieben ist.
Gentlepeople, start your horses.
Cheers,
Ollie
Yeah, well, you know, that’s just like, uh, your opinion, man.
Parfois, quand c'est trop minéral, on s'emmerde.
"Souvent, l'élégance, c'est le refuge des faibles." (Florence Cathiard)
Pontet Canet kommt mit € 58,- zum gleichen Preis an den Markt wie im Coronajahrgang 2019. Er liegt damit € 2,- unterhalb 2024, was für die Kampagne ein starkes Signal ist: einer der eher allgemein hoch bewerteten Weine kommt mit einem leichten Preisabschlag heraus, obwohl die Qualität ohne Zweifel deutlich über der des Vorjahres liegt.
Dies darf man als Zeichen lesen, dass Pontet Canet im letzten Jahr mit seinen Verkäufen nicht zufrieden gewesen ist. Es dürfte nun für Erzeuger in ähnlicher Lage schwierig sein, etwas im Preis auf 2024 draufzusatteln - dies aber mit aller Vorsicht.