2 X Saint-Julien, einer in beginnender Trinkreife aus dem mittleren Jahrgang 2014, der andere noch sehr jung aus dem (angeblich, im Forum häufig geäußert) "verschlusslosen" großen Jahrgang 2019 (mit - außer PV beim einen - sehr vergleichbarer Rebsortenzusammensetzung).
Léoville Poyferré 2014 (13.5% ABV)
61% CS / 27% M / 8% PV / 4% CF
Langoa Barton 2019 (14% ABV)
67% CS / 26% M / 7% CF
Voraus erst einmal die Feststellung: Beide Weine können es bezüglich aktuellem Trinkgenuss nicht mit dem an Weihnachten getrunkenen Pauillac GPL aus dem ziemlich mittelmäßigen 2012 aufnehmen, der erstaunlicherweise (für mich) zumindest an der Schwelle zu einem großen Wein (95) "gekratzt" hat.
Beide Weine sind sicher oberhalb der 90 Punkte anzusiedeln (herauszustreichen ist in beiden Fällen der wohltuend zurückhaltende Holzeinsatz), auch wenn der LB 2019 sich aus meiner Sicht (trotz Notizen auf CT und o.e. Jahrgangsdefinitionen) noch nicht wirklich gefunden hat. Nasal kommt er sehr ungestüm daher, wenn auch seine Rotbeerigkeit (mit einem Kontrapunkt von Cassis) ihren Reiz hat. Am Gaumen zeigt sich die Säure sehr straff und das Tanningerüst recht ungehobelt. Tabak und Frucht sind in einem ziemlich schroffen Kontrast - von Schluck zu Schluck mit unterschiedlicher Dominanz, weit von harmonischem Zusammenspiel. Der mittellange Abgang auf rauchigen Noten auf einer noch etwas spitzen Graphitschiene weiß dagegen bereits zu gefallen.
Für mich 91 Punkte
Der LP 2014 steht in seiner sehr dunkel purpurnen Farbe an Jugendlichkeit dem LB kaum nach. Dasselbe gilt für die Säure, die aber doch eine Spur weniger straff daherkommt und besser in den Weinkörper integriert ist. Die Tannine sind spürbar, aber feiner und leicht abgeschmolzen. Insgesamt ist der LP 2014 sowohl nasal als auch palatal abgerundeter, zeigt etwas mehr Fruchtnuancen (auch gegen die rote Kirsche zu), ist für mich aber auch insgesamt gefälliger und schmeichlerischer. Der Wein ist "weiter" (entwickelt), aber trotzdem noch sehr jung. Beide Weine sind noch nicht ansatzweise auf einem Weg ins Tertiäre (was für mich kein Mangel ist). Wer letzteres möchte, muss auch beim LP 2014 noch 5 Jahre warten, außer er hat viel davon und kann ihn regelmäßig in seiner Entwicklung verfolgen. Für mich 92(-93) Punkte.
P.S. Meine Frau sieht den LB 2019 leicht höher ("feiner" als LP 2014)
Ich bin gespannt, einmal - in einigen Jahren - den kleinen und den großen Barton, den LP und den Lagrange aus 2019 horizontal zu vergleichen. Und von Ducru B halt nur den La Croix
Bordeaux 2014
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pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2014
Die Flasche von exakt vor einem Jahr war wider Erwarten nicht die letzte des ML 2414. Irgendwo im Keller hat sich noch eine gefunden und musste nun - über 3 Tage - "dran glauben".pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 11. Jan 2025, 17:17 Malartic Lagravière 2014
Der Wein bleibt, auch wenn bei steigender Temperatur die Säure wieder etwas prominenter (das anfänglich ziemlich aufrauhende Tannin dafür weicher) wird, auf recht hohem Niveau. Die anfängliche Merlotnase ist zwar nicht mehr so fulminant, dafür zeigen sich Dunkelfrucht, v.a. aber nicht nur Cassis, sowie Gewürze (besonders schwarzer Pfeffer) und tabakige Noten am Gaumen von ihrer besten Seite (hier würde man übrigens nicht an Merlot denken!). Bleibt lange haften und führt in einen ordentlich langen Abgang.
Gefällt mir deutlich besser als in letzter Zeit getrunkene, teils höher klassige 14er: Rauzan S., d'Armailhac, Haut-Batailley. Nicht weit weg von l'Evangile, wenn auch ganz anders.
Für mich 92 Punkte (P.S. Holz sehr gut verpackt, kaum merkbar, Alkohol [13.5] nicht spürbar)
2. Tag: leicht teerige Noten, gedörrte Sauerkirschen und etwas Lehm kommen am Gaumen dazu, die gestern bei höherer Temperatur noch etwas dominante Säure selber hat sich zurückgezogen und macht einer schönen Trinkigkeit auf recht hohem Niveau Platz, ohne dass sich der Wein irre komplex zeigt. Muss er auch nicht. Satte 92 Punkte.
Um es kurz zu machen: diesmal - bei sehr vergleichbarem Nasenbild - kann der Wein palatal nicht mehr ganz mithalten mit dem Eindruck vor einem Jahr. Alles doch 1 - 2 Punkte unterhalb des damaligen Niveaus. Keine Alterstöne, aber einfach alles weniger dicht.
Noch klarer ist die Differenz zum 15er ML, der im November 2025 gegen 95 Punkte tendierte. Ich denke, hier muss man wirklich von einem Klassenunterschied sprechen, der wohl auch den Jahrgangsunterschied in Pessac-Léognan widerspiegelt.
90(-91)
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pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2014
Nach einigen Weinen in letzter Zeit aus 2014, die aus meiner Sicht nicht gerade berauschend waren (DdC, LP, Malartic-L), heute nach meiner Rückkehr aus Burgund wieder mal ein Bordeaux im Glas, der seinem Ruf gerecht wird und dem Jahrgang 2014 zur Ehre gereicht:
Château Grand-Puy-Lacoste Pauillac 2014 GCC
(13.5% ABV) P&P bei 16°, dann über 2 Stunden in der offenen Flasche
Dunkles, aber nicht schwarzes und nicht ganz blickdichtes Purpur ohne Alterstöne
Nase sehr auf Cassis und auf einem Mix aus verschiedenen, vorwiegend hellen Tabaken, sehr kubanisch anmutend, dann auch etwas Pflaume
Am Gaumen direkt nach dem Öffnen kühle Himbeere (habe sofort gedacht, ich hätte mich in der Flasche vergriffen, und an Margaux gedacht.) Dann aber ging's über Ribisl appellationsgerecht klar in Richtung Cassis und - eher erstaunlich - auch schwarze Kirsche. Insgesamt unglaublich fruchtig mit leicht laktischer Note, die auf einer Spur von Graphit und Stein in einen wiederum "kubanischen" Abgang überleitet, in dem sich Tabak und Zedernholz mit den schwarzen Beeren (nun auch Holunder), Kirschen und einer fast exotischen Würze verbinden. Dieser Abgang hallt fast endlos nach...
Die Tannine sind überraschend weit abgeschmolzen, die Säure ist dagegen auf eine extrem trinkige Weise und gleichsam kontrapunktisch zum Exotischen und fast Süßen der Beeren und Früchte präsent. Ich habe den Eindruck, der Wein ist erst gerade nach gut 12 Jahren zu diesem Highlight geworden, als das er sich aktuell präsentiert (und wohl noch Jahre präsentieren könnte).
Und ja: das ist groß und (für mich) 96 Punkte
Château Grand-Puy-Lacoste Pauillac 2014 GCC
(13.5% ABV) P&P bei 16°, dann über 2 Stunden in der offenen Flasche
Dunkles, aber nicht schwarzes und nicht ganz blickdichtes Purpur ohne Alterstöne
Nase sehr auf Cassis und auf einem Mix aus verschiedenen, vorwiegend hellen Tabaken, sehr kubanisch anmutend, dann auch etwas Pflaume
Am Gaumen direkt nach dem Öffnen kühle Himbeere (habe sofort gedacht, ich hätte mich in der Flasche vergriffen, und an Margaux gedacht.) Dann aber ging's über Ribisl appellationsgerecht klar in Richtung Cassis und - eher erstaunlich - auch schwarze Kirsche. Insgesamt unglaublich fruchtig mit leicht laktischer Note, die auf einer Spur von Graphit und Stein in einen wiederum "kubanischen" Abgang überleitet, in dem sich Tabak und Zedernholz mit den schwarzen Beeren (nun auch Holunder), Kirschen und einer fast exotischen Würze verbinden. Dieser Abgang hallt fast endlos nach...
Die Tannine sind überraschend weit abgeschmolzen, die Säure ist dagegen auf eine extrem trinkige Weise und gleichsam kontrapunktisch zum Exotischen und fast Süßen der Beeren und Früchte präsent. Ich habe den Eindruck, der Wein ist erst gerade nach gut 12 Jahren zu diesem Highlight geworden, als das er sich aktuell präsentiert (und wohl noch Jahre präsentieren könnte).
Und ja: das ist groß und (für mich) 96 Punkte
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Chrysostomus
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Re: Bordeaux 2014
Vielen Dank für die Wasserstandsmeldungen zum Jahrgang 2014. Ich muss anscheinend auch einmal einen GPL aufmachen...bisher hatte ich keine guten Erfahrungen mit dem Jahrgang gemacht - auch eine Comtesse 2014 konnte vor kurzem in keiner Weise überzeugen.
Schöne Grüße, Markus
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pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2014
Bevor du eine Flasche öffnest, sollte ich noch ein Update machen, das ich angesichts der 23er, die gestern eintrafen, fast vergessen hätte:Chrysostomus hat geschrieben: ↑Sa 25. Apr 2026, 07:37 Vielen Dank für die Wasserstandsmeldungen zum Jahrgang 2014. Ich muss anscheinend auch einmal einen GPL aufmachen...bisher hatte ich keine guten Erfahrungen mit dem Jahrgang gemacht - auch eine Comtesse 2014 konnte vor kurzem in keiner Weise überzeugen.
Der GPL 2014 - ganz im Gegensatz zum 12er, der von Tag zu Tag zugelegt hatte - hat im Verlauf der folgenden 3 oder 4 Tage, obwohl im WKS versorgt - ziemlich stark nachgelassen, zuletzt kaum mehr über 90 Punkte, nicht schlecht, aber nicht mehr zu vergleichen mit dem Initialerlebnis am ersten Tag. Meine Vermutung: der Wein ist erst gerade in der "Aufwachphase" nach einem Verschluss - Eile scheint mir also nicht angebracht, aber einfach als Tipp, falls du eine (ähnlich gelagerte) Flasche JETZT öffnest: die Flasche im Verlauf EINES Abends trinken (im Verlauf des ersten Abends mit etwas steigender Temperatur hat er übrigens zugelegt und war, leider erst zur Hälfte - genau wegen der Erfahrung mit dem 12er - geleert, für mich bei knapp 96).
Gruß
Jean
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Chrysostomus
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Re: Bordeaux 2014
Vielen Dank für die Rückmeldung - das mit dem Entleeren der Flasche an einem Abend ist leider oft kein Problem zu zweit
, manchmal trinken wir den Rest noch am 2.Tag. Danke für die realistische Einschätzung zum GPL - meine Erfahrungen mit dem Jahrgang waren bisher, wie gesagt, generell nicht sehr prickelnd, auch im oberen Segment
Schöne Grüße, Markus