Zur Begrüßung hatten wir Mestres Mas Vía Jahrgangsschäumer aus 2008 und 2009. Die Weine liegen 12 Monate im Barrique auf der Hefe und reifen dann extrem lange in der Flasche: 2008 16 Jahre (Dég. Februar 2025), 2009 14 Jahre (Dég. November 2024). Grundsätzlich ist der Charakter eher oxidiert, aber während der 2008er mit seinen deutlich nussigen Noten an schäumenden Sherry erinnerte und somit sofort beeindruckte, war der 2009er in dieser Hinsicht wesentlich dezenter, machte dafür aber mit der Luft eine deutlichere Entwicklung durch. Ob das nun an diesen spezifischen Flaschen lag oder doch den Jahrgangscharakter widerspiegelt, bleibt zu beobachten. Die Perlage fand ich überraschend grob; das erinnerte mich strukturell schon ein bißchen an Faßbrause. Ansonsten waren das sehr eigenständige und spannende Weine; ich hatte noch nichts Vergleichbares im Glas.
Zur Vorspeise (Fenchel+Feta sowie Kichererbsen+Tomate aus dem Backofen) gab es Delas Frères Hermitage blanc Domaine des Tourettes 2015 und Georges Vernay Condrieu Les Chaillées de l'Enfer 2015. Der Hermitage zeigte sich weißfloral, leicht buttrig und herb, äußerst harmonisch und elegant. Ganz toll! Nur drängt das Holz bei Erwärmung auf Zimmertemperatur in den Vordergrund, also lieber ein paar Grad kühler genießen. Der Condrieu war sehr typisch mit Noten von Aprikose und Kräutern (Salbei, Estragon). Leider hielt er den Alkohol nicht ganz in Schach, sonst hätte er noch besser gefallen. Dem Essen widerstand der Condrieu etwas besser; den Hermitage würde ich gerne einmal zu einem Weißfisch mit Mandelbutter probieren.
Danach ging es an die roten, die in 2er-Flights präsentiert wurden.
Den Anfang machten Domaine Jamet, Côte-Rôtie 2015 und Ogier Côte-Rôtie Mes Grands Lieux 2015. Der Jamet zeigte initial feine hellrote Frucht (Süßkirsche, Schlehe), später auch Obertöne von Cassis. Hinzukamen Veilchenakzente und etwas Rauch oder Tabak. Zur frischen Säure gesellte sich eine deutliche Adstringenz; ein Zusammenhang mit der Ganztraubengärung steht zu vermuten. Sehr schön; eher auf der eleganten Seite. Ganz anders der Ogier: Zunächst zeigte er einen deutlichen Stinker, über dessen Ursprung gerätselt wurde: flüchtige Säure? doch Brett? ...? Zudem zeigt er sich reif, dicht, opulent, fleischig, dunkelbeerig (Brom~). Das paßt zu dem, das ich mir als Hausstilistik gemerkt habe. Dennoch war der Wein mitnichten plump und gewann noch ein wenig.
Der nächste Flight präsentierte Hermitages 2015 von Faurie. Die ganze Zeit über hießen sie bei uns nur "weiß" und "gold" nach der Kapselfarbe. Ich habe mir zwar gemerkt, daß sie aus unterschiedlichen Lagen kamen, aber nicht, aus welchen.
Der dritte Flight wurde von Gilles Cornas 2015 und Clape Cornas 2015 gebildet. Der Gilles zeigte dichte, reife, diffuse Frucht, überwiegend Brombeere. Dazu ziemlich prägnante Säure und kräftige Tannine. Das war viel von vielem, und alles noch ein bißchen unentwickelt. Der Clape begeisterte mich sofort mit enormer Strahlkraft! Er wirkte kühl und transparent, die Frucht von Sauerkirsche dominiert. Sehr kräftige reife Tannine. Hat ein Riesenpotential, war aber (selbst für mich!
Die roten begleitete ein ganz hervorragendes Rehgulasch (oder Pörkölt?), das rund 6 Stunden vor sich hinköcheln durfte. Toll!
Zum Käse funktionierten weder der 1995 Offley noch der Taylor's 20yo Tawny richtig gut, so daß wir sie zum Dessert zurückstellten. Nora holte kurzentschlossen einen 2005er Suduiraut aus dem Keller, der einmal mehr die unübertroffene Marriage mit ausgezeichnetem Roquefort bewies. Zur abschließenden Mousse au Chocolat paßten dann auch die beiden Ports, während der vom Vorabend verbliebene Rest 30 Años Pedro Ximénez »Noé« von González Byass mit seiner immensen Konzentration und üppigen Dattelfrucht und Schokoaromen eigentlich schon ein Dessert für sich alleine ist.
Was für ein großartiger Abend mit toller Gesellschaft, Essen und natürlich Weinen! Vielen Dank, Nora!
Wenn ich unbedingt einen Favoriten benennen müßte, wäre es wohl der weiße Hermitage. Bei den roten gefielen mir im momentanen Zustand Faurie "gold" und Jamet gut, während Clape riesengroßes Potential aufweist.