Ich bin letzte Woche eher zufällig über das
Weingut Schreieck in Maikammer gestolpert -
https://schreieck-maikammer.de/ - und da am Samstag dort eine offene Probe zum Thema Spätburgunder angeboten wurde, haben wir unseren Tag so geplant, dass wir einfach mal vorbeifahren mussten.
Das Weingut ist ein Familienbetrieb in 3. Generation, immerhin 26 ha groß, es wird mittlerweile geleitet von zwei Schwestern und ihrem Cousin, alle drei mit Herzblut dabei, das merkt man vom ersten Moment an. Sehr herzlicher Empfang im modern gestalteten Vinotheksbereich. Hier versteht man sich offenbar darauf, den Weinkunden ein gutes und modernes "Feeling" zu vermitteln. Die beiden Schwestern Jana und Patricia sind bei der Weinvorstellung sehr kommunikativ, können viel über ihre Weine erzählen und auf individuelle Vorlieben gut eingehen, die ganze Atmosphäre hat uns wirklich sehr gefallen und allein schon deshalb werden wir sicher öfter bei den "Samstagen bei Schreiecks" vorbeikommen. Wir haben dann noch die Weinkellerführung durch den "Dritten im Bunde", Julian, mitgemacht, der sehr detailliert und in meinen Augen kompetent über die Arbeit im Keller berichtete. Man gewann den Eindruck eines gut geführten modernen Betriebs, der sich durch Diversifikation in Gastronomie und Hotellerie weitere Standbeine geschaffen und vielleicht etwas krisensicherer (Julian verhehlte die Absatzsorgen der Branche nicht, auch sie sehen im Moment keinen Bedarf für Zukauf weiterer Flächen) aufgestellt hat. Die "Event-Schiene" wird hier, so mein erster Eindruck, auch nicht als notwendiges Übel gesehen sondern aktiv zur Kundenbindung und -gewinnung bespielt.
Nun zu den Weinen. Wir begannen mit dem
2022 Pinot Rosé Sekt brut. Sehr schöne intensive Rosé-Farbe, Erdbeeren und Himbeeren in der Nase, gutes Süße-Säure Spiel, schöne Perlage guter Trinkfluß. Für 10,50 € aus meiner Sicht ein absolutes Schnäppchen, mit dem man auf jedem Sektempfang o.ä. einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann.
Weiter ging es mit zwei Weinen aus der Gutswein-Kategorie, einmal der
2024er Blanc de Noir trocken und dann der
2024 Spätburgunder Rosé trocken. Beide mit 7,50 € sehr attraktiv bepreist und wir haben auch beide mitgenommen. Der Rosé ist der noch etwas vielseitigere und ausdrucksstärkere von beiden. Auch hier die typischen Rose-Fruchtaromen von Erdbeere und Himbeere verbunden mit animierender Säure, dabei leicht und saftig - ja, Crowdpleaser im besten Sinne. Im Keller konnten wir dann auch den abfüllbereiten 2025er probieren, der ebenfalls sehr viel Trinkspaß bereiten wird. Man versteht durchaus warum der Rosé der absatzstärkste Wein des Weinguts ist, wenn ich das richtig verstanden habe. Wir haben dann auch interessehalber den feinherben Rosé probert, finden aber die Entscheidung, ab diesem Jahrgang nur noch den trockenen Rosé zu produzieren, eine richtige Entscheidung.
Weiter ging es mit den Rotweinen. Über den feinherben Spätburgunder

schreibe ich mal nichts, das ist für eine ganz andere Zielgruppe... Im Spiel waren wir dann aber wieder mit dem 2024er Spätburgunder trocken (Gutswein - 8 €) und noch viel mehr mit dem
2022er Maikammer Spätburgunder trocken (Ortswein - 10,50 €). Der hat uns wirklich sehr gut gefallen. Intensives burgunderrot im Glas, ausgebaut in gebrauchten Barriques, die ihm etwas Würze verleihen ohne dass das Holz dominiert, Kirsche ist zu erkennen mit anderen roten Beeren. Wirklich gut gemacht und jetzt absolut trinkreif, für die nächsten 3-5 Jahre. Bedenkt man noch den Mitnahmerabatt von 0,50€ pro Flasche, ist das ein sehr sehr gutes PLV.
Abschließend gab es noch den
2022er Spätburgunder Heiligenberg trocken zu probieren, ein Lagenwein und mit 21,50 € dann schon ambitionierter bepreist. Ausbau praktisch komplett im Barrique, davon 30-40% im Neuholz. Auf mich wirkte das noch alles etwas unharmonisch, der Wein braucht noch Zeit um sich in der Flasche zu finden, vielleicht will man da auch einfach etwas zuviel. Etwas weniger Holzeinsatz könnte zieführender sein, aber das ist ja auch immer Geschmackssache. Nur finde ich für den Preis viele Weine, die meinen "Sweet Spot" besser treffen (ok, davon haben auch die wenigsten 30-40% neues Barique gesehen). Bei den Guts- und Ortsweinen war das dagegen anders. Aber das war nur eine Momentaufnahme und das Angebot auf der Weinkarte so umfangreich, dass wir bestimmt noch viel mehr und öfter probieren werden.