Burgund rot 2018

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
Benutzeravatar
EThC
Beiträge: 10303
Registriert: Fr 27. Feb 2015, 16:17
Wohnort: ...mal hier, mal dort...
Kontaktdaten:

Re: Burgund rot 2018

Beitrag von EThC »

...dieser 2/3 Gamay schmeckt auch deutlich nach der Sorte, schmeckt mir aber trotzdem:

Bild
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

https://ec1962.wordpress.com/
Ostbelgier
Beiträge: 416
Registriert: Do 27. Jan 2011, 12:59
Wohnort: Raeren, Belgien

Re: Burgund rot 2018

Beitrag von Ostbelgier »

Hallo zusammen,

am Wochenende habe ich anstelle des klassischen Tournedo Rossini einen Kalbsbraten Rossini gemacht. Ein perfekter Begleiter war Gerard Seguin: Fixin la Place 2018. Dezente Aufhellungen am Rand deuten auf eine erste Reife dieses Weines hin, der zur Hälfte unmittelbar neben dem uralten Kirchlein von Fixey wächst. Die Reben haben ein Alter von 40-50 Jahren. Deutlich Brombeeren am Gaumen, aber auch etwas Nelke und sehr deutlich Unterholz (sous-bois). Sehr feine, geschliffene Tannine, kräftiger Körper. Endet mit sehr schöner Länge. Jetzt und in den nächsten 2-3 Jahren.

Viele Grüße

Markus
Kle
Beiträge: 1127
Registriert: Fr 10. Dez 2010, 17:18
Wohnort: Hamburg

Re: Burgund rot 2018

Beitrag von Kle »

Nach Öffnen einer „besonderen“ Flasche in zusammengewürfelter Runde z.B. zu den Festtagen und vielleicht zu vielen Worten dazu folgen nicht selten die respektvoll-mitleidigen Gesichter von Leuten, die Gutes zu schätzen wissen, aber dazu keinen Wein zum Preis eines Abendessens benötigen - ein Imbiss kann genügen. Oft haben sie in diesem Moment recht, falls auch der Gastgeber den Unterschied nicht so richtig schmeckt und sich Gerede über Luft und Reife sparen kann.
Wie Bruno Clair, Morey-Saint-Denis „En la rue de Vergy“ 2018 in bunter Runde ankommen würde, weiß ich zwar nicht, er wäre aber ein gutes Versuchsexemplar, das es dem Gastgeber nicht leicht macht, ihn aber auch nicht in der Ecke stehen lässt. Denn nach dem so oft trügerischen Schnuppern, das hier nicht zählt, wirkt der Wein vor allem geheimnisvoll - wie das Eintreten ins Walddickicht, wo es hier und da schimmert und tschirpt und vielleicht märchenhafte Erlebnisse bevorstehen. Schwer zu sagen, wie dieser Eindruck geweckt wird. Eigentlich scheinen bloß durchschnittliche Zutaten auf niveauvolle Weise präsentiert. Dunkle Beerenfrucht, Pflaume, Rauch, milde Citrusanklänge und ansatzweise harsche, wohl Tanninanklänge, die an gelutschte Zweiglein denken lassen. Da ist nichts richtig Außergewöhnliches oder Tiefenkomplexes und trotzdem fasziniert der Wein wie es ein durchschnittlich guter Tropfen nicht schafft. Würde er am Tisch trotzdem mit einem solchen auf eine Ebene gestellt, weil das Atemberaubende fehlt, hätte ich klare Gegenargumente: Es scheint mir weder die Intensität der Aromen noch ihr durchaus abwechslungsreiches Spiel, was den Wein außerordentlich macht, sondern seine enorme Feinheit. Als ob sich Phänomene und Muster bilden und, ehe sie richtig erfasst wurden, auf andere aufmerksam machen, dann wiederkehren.
Die Aromen sind deutlich und gespenstisch zugleich und ihr Changieren um Sein und Nichts ist in jedem Momant spannernd.
Geschmacklich schwer zu „begreifen“, da alles so „normal“ erscheint, das Besondere aber deutlich an der eigenen Reaktion ablesbar.

Gruß, Kle
Antworten

Zurück zu „Burgund und Beaujolais“