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Amerikanische Reben

Sa 9. Apr 2011, 20:21

Hallo Experten,

ich weiß, dass wir uns hier normalerweise über Weine unterhalten, die uns gefallen haben. Ich bin aber auch ein Freund des Kuriosen. Deshalb habe ich mir hier in Lissabon einen Rotwein von der Azoreninsel Pico gekauft, einen günstigen Bauernschoppen namens "Cavaco".

Irgendwo habe ich munkeln hören, dass es sich um einen Wein aus der amerikanischen Rebe Isabella handeln soll. Wurzelecht mit Foxgeschmack, nehme ich an. Weiß da jemand Näheres von Euch?

Oder hat jemand schon einmal auf anderem Weg derartige Weine getrunken (Stichwort "Uhudler")? Falls ja, wie war's?

Danke schon mal und viele Grüße, Matze

Re: Amerikanische Reben

So 10. Apr 2011, 16:07

Hallo Matze,

Wein von den Azoren kenne ich nicht, den südburgenländischen Uhudler habe ich aber schon ab und zu getrunken. Für diesen werden unterschiedliche Hybridreben (V. vinifera x V. labrusca) verwendet, unter anderem auch die genannte Isabella.

Für mich auf auffälligsten ist das sehr intensive Aroma, das man recht gut mit Walderdbeeren beschreiben kann. Wenn man darauf nicht vorbereitet ist, könnte man aber durchaus im ersten Moment an ein künstlich aromatisiertes Getränk denken.

Von dieser aromatischen Gemeinsamkeit gibt es sehr unterschiedliche Qualitäten. Die besten sind - abgesehen von diesem Aroma - durchaus mit guten Schankweinen zu vergleichen, andere haben aber auch Anklänge an Jasmin und abgestandenes Bier, was dann den Gesamteindruck doch ein wenig trübt ;)

Grüße,
Gerald

Re: Amerikanische Reben

So 10. Apr 2011, 23:42

Danke für Deine Einschätzung, Gerald!

Ich glaube nicht, dass es irgendwen geben würde, der ernsthaft das verstärkte Anpflanzen von Hybridreben begrüßen würde. Ich werde das Azoren-Schöpple auch hier antesten und nicht ausgerechnet damit mein ohnehin schon beängstigendes Übergepäck belasten. Dadurch aber, dass die Azoren-Winzer so abgelegen sind und nach der Reblaus-Katastrophe teils gar nicht erst auf Pfropfreben umgestiegen sind, habe ich vielleicht die Gelegenheit, einen Wein von 100 Jahre alten Waldreben zu "genießen" ;)

Auf Walderdbeeren mit Geschmacksverstärker stelle ich mich jedenfalls schon mal mental ein...

Viele Grüße, Matze

Re: Amerikanische Reben

Mo 11. Apr 2011, 08:53

Hallo Matze,

wenn man nicht unbedingt Wein produzieren möchte, sondern sich nur an den Reben und Trauben (z.B. auf einer Pergola am Haus) erfreuen möchte, dann sind Hybridreben meiner Ansicht nach ideal. Ich habe zwei Stück "Early Campbell", die absolut pilzresistent sind - sogar im Jahr 2010 war keine Spur von Pilzinfektionen zu erkennen, obwohl sie nie irgendwie behandelt werden. Dazu wächst sie sehr schnell, bildet große Blätter und Trauben mit bis zu 3 cm großen Beeren, die ein sehr attraktives Aroma von Maracuya und Guaven haben.

Wie das als Wein schmeckt, weiß ich natürlich nicht, da meine Reben noch jung sind und die Trauben aufgegessen waren, bevor ich noch an eine kleine Hauswein-Produktion denken konnte :)

Grüße,
Gerald

Re: Amerikanische Reben

Mo 11. Apr 2011, 11:34

Hoi zäme

Im Tessin wurde und wird die Americano-Rebe nach wie vor angebaut. Meistens wird daraus Grappa gebrannt, es gibt aber auch Winzer die daraus Wein keltern

Gruss
David

Re: Amerikanische Reben

Mo 11. Apr 2011, 11:46

Liebe Forianer!

...und im Veneto sowie Friaul macht man daraus den Fragolino, weil er so typisch nach Walderdbeeren schmeckt. Meist hat er ein wenig Restzucker oder er wird zusätzlich nach als Schaumwein ausgebaut.

Re: Amerikanische Reben

Di 12. Apr 2011, 23:00

Hallo zusammen,

nachdem meinem Vater mal vor Jahren der Gärballon auf dem Kellerboden zerborsten war und dieser Geruch das Haus wochenlang erfüllte, habe ich selbst keinen neuen Versuch mit Wein aus dem Garten gestartet ;)

Aber dafür habe ich den Azorenwein mittlerweile getrunken. Tatsächlich amerikanische Hybridrebe, und das ohne jeden Zweifel. Ich denke, ich werde dazu einen eigenen Blogpost verfassen, denn da ich weder im Tessin noch im südlichen Burgenland lebe (und Ihr das Zeug ja nicht exportiert), dürfte die Erfahrung ziemlich einmalig für mich sein:

Süßlich, waldbeerig, unangenehm in der Nase nach Makrele in Öl. Am Gaumen oder vielmehr an der Zunge eine krasse, kaum glaubliche Säure. Unreife Stachelbeere ohne Gerbstoffe, blind absolut nicht als Rotwein erkennbar, aber verblüffend sauber, von der Fischdose keine Spur mehr. Nach und nach (fast schäme ich mich) finde ich Gefallen am Geschmack, ungeheuer erfrischend, wie aus Bastgebinden nach der Feldarbeit. Kein großer Wein (um Himmels Willen), noch nicht einmal ein Wein nach herkömmlichem Muster, aber ein tolles Erlebnis. Gut, dass ich Makrelen-Muff und Sadisten-Säure zu Anfang durchgehalten habe...

Re: Amerikanische Reben

Mi 13. Apr 2011, 08:17

Hallo Matze,

denn da ich weder im Tessin noch im südlichen Burgenland lebe (und Ihr das Zeug ja nicht exportiert)


na ja, ganz stimmt das natürlich nicht. Zumindest Uhudler gibt es bei verschiedenen Händler, die auch nach Deutschland versenden - sogar den vor mir erwähnten bisher besten der Kategorie. Könnte evtl. interessant sein, wenn man ohnehin burgenländische Rotweine bestellt. Denn kistenweise wird man den Uhudler selbst wohl nicht wirklich kaufen, ist mehr eine Erweiterung des vinophilen Horizontes denn ein echter Wein zum Einlagern ...

Grüße,
Gerald

Re: Amerikanische Reben

Sa 11. Aug 2012, 07:58

Hallo!

Aus Moldawien kann ich hier zwei Weine von Direktträgern kaufen:

Bild

Sicher keine großen Weine, aber bei hohen Temperaturen gut gekühlt sehr lecker.
Warum Wein aus diesen Trauben für die mündigen EG-Bürger von eigener Scholle nicht ausgeschenkt und verkauft werden darf, ist mir unklar geblieben. Lediglich der hier schon erwähnte Uhudler aus dem Burgenland bildet eine Ausnahme; aber auch nur mit einer befristeten Ausnahme-Genehmigung.

Gruß

Alas

Re: Amerikanische Reben

Mo 27. Mai 2013, 06:28

Hallo!

Hier ein Bild von Isabella (s.o.) aus Moldawien:

Isabella.jpeg


Gruß

Alas
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