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Pinot weit weg

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maha

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 28. Dez 2021, 21:15

So, dann will ich mich auch mal hier einbringen.
Ist zwar nicht all zu weit weg, aber dennoch nicht minder spannend.
PN PINOT NOIR, 2019, Richard Stávek

Ich zitiere mal die Homepage von Viniculture, denn die Beschreibung trifft es sehr gut
Pinot Noir aus Tschechien, wie schmeckt das? Man verschabschiede sich von kirschigem Kitsch und heiße die ätherisch-kräutrige Seite des Pinot willkommen! Richard Stávek hat keine Angst vor Extraktion: ähnlich wie bei seinen orange wines ist der Gerbstoff ein wesentliches Element dieses Weins. Dazu Aromen von Thymian, Salbei, Lorbeer; die Frucht erinnert an Aroniabeeren und dergleichen, etwas dunkler als man es von anderswo gewohnt ist. Eine eigene, spannende Interpretation der Rebsorte. Unfiltriert und ohne Schwefel.


Der Wein passt ganz gut in mein Beuteschema, Extrakt, Kräuter, Säure,… Dennoch verleugnet er seine Pinot Herkunft keinesfalls. Für knapp über 20 EUR ist das ein schöner Wert. I Like

Gruss
Marko
Der schönste Sport ist der Weintransport!
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragSa 1. Jan 2022, 17:20

Hallo Marko,

super :) ! In zweierlei Hinsicht! Zum einen hört sich der Stávek Pinot Noir richtig interessant an - ohne nervig bzw. anstrengend zu sein. Ich hatte kurz vor Weihnachten einen mir doch etwas zu schrägen/schwierigen Natural Pinot aus dem Elsass (Disclaimer: eigentlich finde ich ziemlich viele elsässische "Natural" Pinot super spannend). Aber egal ;) ... zum anderen, der Stávek Pinot wartet auch schon in meinem Keller auf mich :D ... ich denke in ein oder zwei Monaten werde ich den auch angehen und natürlich berichten!

Gutes Neues Jahr!

Bester Gruss

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 23. Jun 2022, 10:21

Hallo zusammen,

Wenn mich nicht alles täuscht, und da bin ich mir doch ziemlich sicher, obwohl es befürchtenswerterweise über die Jahre hinweg recht viele „Pinots weit weg“ waren welche es über meine Zunge geschafft haben, dürfte der heutige Wein mein erster Georgischer Pinot Noir überhaupt sein. Natürlich wurde dieser in einer „(halb)klassischen“ Herstellungsweise auf die Amphore gezogen. Mein erster Amphoren Pinot war der Mukuzani Wine Cellers Pinot Noir Qvevri 2019 zwar nicht. Insbesondere der Domaine Pousse d'Or Volnay En Caillertes Cuvée Amphore hat einigen Jahren unter Beweiß gestellt, dass auch in sehr klassischen Regionen solche spielerischen Versuche durchaus zu interessanten Ergebnissen führen können. Wie auch immer ... all zu viele Amphoren Pinots waren es sicher nicht. Das eben erwähnte etwas auffällige „(halb)klassisch“ bezieht sich auf den Umstand, dass die Maische für den heutigen Wein zwar in Amphoren vergoren wurde, anschließend aber in gebrauchten französischen Pièce gelagert wurde. Die Herkunft des Mukuzani Pinots ist der äußersten Osten Georgiens in Kachtetiens Subregion Mukuzani. Sie gilt als eine der bedeutensten Weinregionen für Georgiens Signature Rebsorte schlecht hin: Saperavi! Der Name Mukuzani bezeichnet sowohl eine Subregion als auch eine Saperavi Weingattung mit einer Mindestlagerung von drei Jahren. Was die Subregion betrifft, wird diese von kalkhaltigen Böden, mit nicht selten schwarzen Oberboden, dominiert. Die eher flachen Weingärten in der Region an der rechten Seite des Alazani Flusses erstrecken sich in der Gemeinde Gurjaani über die kleinen Weindörfer Zegaani, Chumlaki und Mukuzani auf einer Höhe zwischen 350 bis 750 Meter über dem Meeresspiegel. Das Klima zeichnet sich durch krasse Extremitäten aus. Sehr sehr heisse Sommer und überraschend kalte Winter prägen die Weine mit der Herkunft Mukuzani. Genug des gewohnt eher substanzarmen und sicherlich austrocknenden Theoriegeschwafels. Es ist Zeit für flüssige Erkenntnisse …

Mukuzani Wine Cellar Pinot Noir Qvevri 2019, Kakheti

https://wine-zeit.blogspot.com/2022/06/mukuzani-wine-cellar-pinot-noir-qvevri.html

Farblich erwies sich der Amphoren Pinot verhältnismäßig farbdicht. Also für Pinot Noir zumindest. Doch diese Dichte kam beim genaueren Hinschauen gepaart mit einer Restspur an Transparenz im extra großen Glase an. Immerhin konnte sein tiefes Granatrot mit jugendlicher Leuchtraft bis an die Corona ran aufwarten. In Anbetracht der klimatischen Bedingungen unterstrich die Nase sofort, was zumindest georgische Sommer betrifft, unverkennbar seine Herkunft. Viel überreife Pflaumen, das ein oder andere Veilchen, angekokelte Brotkruste, frisch geschöpftes Zimteis mit viel expressiver Kraft, etwas frisch gemahlenes Kaffeepulver und Spuren von Rum-Nuss-Schokolade in quadratischer Form standen im Zentrum einer sicherlich eher ungewöhnlichen, aber nicht uninteressanten „Pinot weit weg“ Erfahrung. Die Spur an Menthol und ein ganz leicht eigekochter Charakter hätten, was meine Nase angeht, gerne am Kakasus verbleiben dürfen. Am Gaumen zeigten sich recht ähnliche Aromen, welche durch dunklen Kirschen, milde Holzkohle, auch etwas bvon dert bekannten atlantaische Brause und eine kleinen Spur Karamell ergänzt wurden. Die Tanninstruktur zeigte sich sehr präsent und vital, ohne gar zu ruppig oder abweisend ob des jugendlichen Alters zu wirken. Rein körperlich, was Kraft angeht, hatte er sicherlich überpinotlich viel zu bieten. Gewöhnungsbedürftig, aber zugelich auch spannend. Auch Säure war schon vorhanden. Eher etwas weicher und milder, als man sie in klimatisch gemäsigteren Regionen anzutreffen gewohnt sein mag. Die 14% Alkohol vermochten es sich recht passend in das Gesamtbild dieses schwereren Pinot-Typs einzubinden. Ganz sicher war dieser Georgier höchst ausgefallen und geprägt von seiner südlichen Herkunft. Der eine oder andere Pinot-Purist drüfte leider seinen nicht selten recht aufgesetzten Scheuklappendenken erliegen. Rebsortentypische Attribute von Seiten der Aromen und Struktur konnte man im Qvevri Pinot Noir 2019 ohne weiteres erahnen. Blind erinnerte mich der Mukuzani an einen erwähnenswerten Pinot Noir aus Israel (z.B. von Pelter oder Vitkin), Südspanien oder dem Libanon. Sein größtenteils harmonisches Gesamtbild und elegant kraftvolles Auftreten hat mich von ganz ordentlichen (+) Qualitäten durchaus überzeugen können.

Besten Gruss

Chris

PS: Hat von euch jemand in letzter Zeit einen "Pinot weit weg" probieren können?
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EThC

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 23. Jun 2022, 11:17

...bei den über 500 autochtonen Sorten in Georgien denke ich jetzt nicht vorrangig an Pinot & Co., aber das liest sich durchaus attraktiv. Auch weil meine erste Amphoren-Pinot-Begegnung kroatischer Art sehr positiv verlaufen ist... :D
Viele Grüße
Erich

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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 23. Jun 2022, 11:51

Hallo Erich,

na klar. Die Auto-Reben aus Georgien können richtig spannend sein. Der Pinot war bei meiner Bestellung nur "Beiwerk". Ich konnte schon einen wirklich erstaunlichen und tiefgründigen Mtsvane ausgiebig verkosten. Ich sammle ein paar Weine und werde dann unter "Georgien" berichten.

Gruss

Chris
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EThC

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 23. Jun 2022, 16:54

Oh Dae-Su hat geschrieben:Ich sammle ein paar Weine und werde dann unter "Georgien" berichten.
Bin gespannt! Einen Mtsvane hab ich da auch schon mal eingestellt: viewtopic.php?f=84&t=1170&start=20#p135826
Viele Grüße
Erich

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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragMi 30. Nov 2022, 14:27

Hallo zusammen,

vor einigen Wochen habe ich meine Zunge endlich mal wieder auf einen Ausflug in die Ferne geschickt. Dieses mal ging es nach Südaustralien. In eine Ecke Südaustraliens, die mir nicht sonderlich vertraut ist, und ich so auch nicht in diesem mir sonst durchaus vertrautem recht hitzigen Bundesstaat erwartet hätte.

Manon Farm Pinot Nori Pinot Noir 2018, Adelaide Hills

https://wine-zeit.blogspot.com/2022/11/manon-farm-pinot-nori-pinot-noir-2018.html

Von Seiten seiner Farblichkeit mag sich die Attraktivität dieses Pinot Noir nicht jedem Weinfreund auf Anhieb erschließen. Mir sind Fragen zur Farblichkeit, vorausgesetzt sie prophetieren keinen Defekt oder den unvorteilhaften Nahtod, relativ gleichgültig. Insbesondere Trübungen stellen für mich keinen Hinderungsgrund da, einem Wein meine Abneigung entgegenbringen zu müssen. Trübheitsphobiker dürfte dieser Pinot große Schwierigkeiten bereiten. Selten hatte ich einen trüberen Pinot im Glas. Dennoch zeigte sich in der Brillierung der rubinroten Reflexe mit leicht granatigen Einschlag eine eindeutig vernehmbare Strahlkraft. Verfärbungen hinsichtlich Alters etc. konnte ich zu keinem Verkostungszeitpunkt ausmachen. In der Nase zeigten sich sehr lebendige Düfte von frischen Himbeeren und reifen, leicht angeeisten, Erdbeeren. In den ersten Minuten verweilte eine leichte Brausestäblichkeit in meinen Riechkanälen, welche mir in Verbindung mit dem sonst vorherrschenden Gewürzteppich leichte Schwierigkeiten bereitete. Diese hielt glücklicherweise nur sehr kurz an. Der erwähnte Gewürzteppich zeichnete sich zunächst durch vielerlei Düfte die an einen Urlaub auf dem Bauernhof erinnerten aus. Ebenfalls nur zu anfangs! Und ebenfalls glücklicherweise! Über den Verkostungszeitraum hinweg integrierten sich diese heuig-animalischen Eindrücke immer mehr in das Geruchsbild. Sehr frisch anmutender Waldmeister, etwas Thymian, schwarzer Pfeffer, Tamarinden am Baum und noch schwärzere Casablanca Oliven steuerten eine nasale Dimension bei, welche man sonst auf diese Weise nicht all zu oft in einem Pinot auffinden dürfte. Am Gaumen war zunächst die enorm lebendige Säure auffällig. In Südaustraliern dürfte man eine solch energiegeladene und fast schon wild anmutende Vitalisierungsstütze eher selten vorfinden. Von der aromatischen Seite her zeigten sich prominent würzige Attribute wie Piment, schwarze Oliven, Waldmeister, roter Pfeffer, mildes Dörrfleisch, erstaunlich viele Tamarinden, etwas Sesam und herbes zuckerbefreites Shortbread. Über die Stunden und Tage harmonisierten sich diese würzigen Noten auf fast schon symphonische Weise und überstrahlten die sehr kühl und schlank wirkenden Aromen von reifen Erdbeeren und Himbeeren nicht mehr in dem Übermaß, wie es sich in den ersten ein bis zwei Stunden verhielt. Strukturell waren feinkörnig-kernige Tannine durchweg evident. Rein stilistisch gesehen zeigte der Manon Pinot Nori 2018 sehr angenehmes und mit fortschreitender Dauer ein sich vertärkendes Leichtfüßigkeitspotential. Von Anfang bis Ende ein sehr „naturalistischer“ Pinot Bursche der seine Machart zu keinem Zeitpunkt verschweigen kann und will. Für mich ein sehr eigenständiger, lebendiger und durchweg sehr guter (++) Pinot aus Down Under. Zweifellos ein Kandidat für den ich auch mitten in der Nacht zum Kühlschrank schleichen würde um mir ein weiteres Probeschlückchen zu gönnen, da man in ihm immer wieder neue Facetten entdecken konnte.

Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragMo 26. Dez 2022, 16:07

Hallo zusammen,

zu Weihnachten habe ich meine Zunge auf einen knackigen Kurztrip in den Süd-Osten Australiens geschickt.

William Downie Catherdal Pinot Noir 2020, Gippsland

https://wine-zeit.blogspot.com/2022/12/merry-christmas-with-william-downie.html

Ultra transparentes, eher dunkleres Rubinrot mit einem mild trüben Schleier um die Schultern seines temporären Zalto Burgunder Körpers. In der Nase eine gewisse Flintigkeit, die ich nicht ganz zuordnen kann bzw. ich mir vielleicht auch nur einbilde. Sonst sehr ausdrucksstarke Veilchen, etwas Gewürznelke, Wasser von Gewürzgurke - sehr mild, kühler Pflaumensaft und sehr kräftige Düfte von sehr reifen Erdbeeren – später und am nächsten Tag eher Himbeeren. Insgesamt ein sehr freundlicher und animierender Pinotduft! Am Gaumen sehr saftig, durchaus säurebetont, sehr schlank und recht kühl – aber etwas angewärmter als die Nase. Von der Fruchtseite recht ähnlich. Zunächst mehr super saftige Erdbeerfrucht, die sich nach einigen Stunden und am Folgetag eher ins Himbeerige wandelt. Die saftige Pflaume spielte auch ihre unterstützende Rolle. Sonst etwas schüchterner Zimt, wesentlich kommunikativerer Wacholder, etwas schwarzer Pfeffer, weiter noch eine hoffentlich eingebildete und wie auch immer nur ganz feine Brise Muskatnuss, ein paar welke Rosen und eine Idee von frischem Blut. Von seiner Struktur her sehr überzeugend und noch leicht tanninisch kratzbürstig, was sich durch seine Jugend erklären dürfte. Ein wirklich charakterstarker Einstiegs Pinot aus dem Südosten Australiens, der mit keiner brachial-säuerlich-nagellackigen Naturalistik aufwartet. In den nächsten zwei bis drei Jahren ganz sicher ein sehr guter (+)-(++) Trinkspass!

Frohe Weihnachten

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragFr 17. Feb 2023, 19:32

Hallo zusammen,

es ist mal wieder Zeit für einen weiteren "Pinot weit weg". Nach Chile hat sich meine neugierige Zunge nicht all zu oft verlaufen. Dafür gehe ich heute mal in die Vollen! Der Ocio von Cono Sur im Valle de Casablanca wenige hundert Kilometer südlich von Santiago dürfte einer der wenigen „Icon“ Pinot Noir Chiles sein ...

Cono Sur Ocio Pinot Noir 2016, Valle de Casablanca

https://wine-zeit.blogspot.com/2023/02/cono-sur-ocio-pinot-noir-2016-valle-de.html

Farblich konnte der Ocio 2016 mit einem dunklen ins Granat laufenden Rubin aufwarten, welches mich mit seiner außergewöhnlichen Strahlkraft von Anfang an es vermochte mich visuell zu betören. Huijujui, was für eine von mir ungewohnt schmalzige Aussage ... Wie dem auch sei, die sehr dünn geratenen ziegeligen Anmutungen im coronalen Bereich waren bei dem sonst sehr jugendlichen Eindruck eher zu vernachlässigen. In meine Nasenflügel strömten satte und lebendig wirkende Düfte von vollreifen Pflaumen, festem Eukalyptus – Chile eben, so manchem Veilchen, würziger Tamarindenpaste, vielleicht auch etwas schüchtern wirkender Malventee und leider offensichtliche Anzeichen einer nougat-nussigen Eichen Röstung der Extraklasse. Am zweiten Tag konnte der Ocio das reichhaltige Holz etwas besser managen, doch komplett in den Hintergrund ist sie zu keinem Zeitpunkt getreten. Der Hauch an ätherische Würze und die Festigkeit vom feuchten Lehm machten mir wiederum keine wirklichen Sorgen! Am Gaumen ebenfalls zunächst recht viel vermeintliche Palisander Kommode mit Nuss-Nougat-Politur aus dänischer edel Produktion. Da der Ocio über einen entsprechend kräftig aufgebauten Körper verfügte, wurde dieser meist nicht so glückliche Eindruck auf überraschende Weise am Gaumen einigermaßen gut „weggesteckt“. Zwar milderten sich die erwähnten Edelholz Anmutung mit zunehmender Verkostungsdauer etwas ab, doch letztlich waren diese leider über den gesamten Verkostungszeitraum von zwei Tagen einfach zu prägend! So störend wie in der Nase waren sie glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt. Sonst wurde der Gaumen von dunklen, leicht angetrockneten, Kirschen und sattem Pflaumensaft bestimmt. Casablanca typischer Eukalyptus durfte natürlich auch nicht fehlen. Dazu Tamarindenpaste, schwarze Oliven, viele Shitake Pilze und möglicherweise die eine oder andere Tannennadeln. Die Säure präsentierte sich sowohl raffiniert als auch durchaus lebensbejahend erfrischend … was mich in dieser ausgeprägten Art überraschte und zu überzeugen vermochte. Strukturell zeigte sich der Ocio von bestechender Qualität. Sein fester Körper und kantiges Tannin sprachen mit überzeugender Zunge! Natülich ein gewichtiger Pinot mit eher eingeschränktem Vermögen an Feingeistigkeit, doch mit Klasse! Leider hat das überbordende Holz den Gesamteindruck etwas gestört! Ein sehr erfreuliches (++) Pinot-Potential würde ich ihm allemal zugestehen, auch wenn es letztlich nicht wirklich meine bevorzugte Stilistik sein dürfte ...

Besten Gruss

Chris

PS: Falls ihr letztens auch einen "Pinot weit weg" getrunken habt, hat es hier drunter noch reichlich Platz ;)
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amateur des vins

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Re: Pinot weit weg

BeitragFr 17. Feb 2023, 19:44

Chris, vielen Dank dafür! "Weit weg" ist nicht meine Baustelle, aber dennoch lese ich Deine Posts immer sehr gerne!
Besten Gruß, Karsten
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