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Der eigene Weinberg

Von der Weinbergspflege bis zur Kellertechnik
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amateur des vins

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragDo 12. Mai 2022, 21:14

Toll, was da alles wächst, und daß die Reben nicht in der Wüste stehen!

Warum ist der Bewuchs direkt unter den Reben gelblich/bräunlich?
Besten Gruß, Karsten
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Herr S.

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMo 25. Jul 2022, 20:49

Moin,

mal wieder ein Lebenszeichen von mir, eher weniger vom Weinberg. Das braun-gelbliche im Unterwuchs nahe der Reben, lieber Karsten, sind erste Anzeichen von Trockenheit. Und das war im Mai, der mit 12,9 L/m2 78,2% unter dem langjährigen Mitel lag. Der Juni lag nur 18% unter dem langjährigen Mittel, der Juli ist bisher mit 6,4 L/m2 ist sogar 88,1% unter dem langjährigen Mittel. Dementsprechend sieht es momentan noch bräunlicher aus, um genau zu sein ist Grün Mangelware. Und auch die Reben leiden. Ob es noch etwa mit halbwegs vernünftigem Wein wird hängt maßgeblich davon ab, ob es zeitnah mal regnet und zwar ergiebig. Aber gut, so ist es und wirklich viel machen kann ich nicht außer mal die letzten Aufrechten des Pflanzenreichs kappen (wilde Möhre, Natternkopf und Distel). Dafür habe ich auch weniger Arbeit denn zu haken gibt es auch nicht viel. Bilder erspare ich Euch mal, die haben eher was von Savannendoku.

In diesem Sinn,
Björn
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amateur des vins

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMo 25. Jul 2022, 21:11

Ach Schiet, aber: Schöne Neue Welt! (nicht)

Ist das ein saisonales Problem, auch bei Deinen jungen Reben, oder doch ein existenzielles? M.a.W., nehmen die Reben dauerhaften Schaden, oder erholen sie sich, wenn wieder mehr Wasser im Angebot sein sollte?
Besten Gruß, Karsten
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Herr S.

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 27. Jul 2022, 10:25

Moin Karsten,

die Rebe kaputtzukriegen ist nicht so einfach. Aber wenn sie jetzt nicht fit sind und entsprechend weniger Reservestoffe einlagern, treiben sie im nächsten Jahr ggf. nicht so aus, wie man das gerne hätte. Und ich habe noch ein paar Topfreben im Garten, um ggf. nochmal nachzupflanzen. Wobei die älteren Reben wie o.g. eigentlich nicht mehr eingehen.
Regen ist aber auch nicht in Sicht. Es war etwas vorhergesagt, aber jetzt soll es wieder weiter östlich niedergehen. Wenn man schaut, was hier alles so an Trockenstress zu Grunde geht, Sandbirken, Holunder, Artemisia d.h. alles Arten mit einer ausgeprägten Trockentoleranz, dann weiß man, dass es Ernst ist. Dahingehend sei erwähnt, dass es ggf. kleinräumig große Unterschiede gibt. Die Mittelhaardt z.B. hat signifikant mehr Niederschlag gehabt, auch in Rheinhessen gab es regional mitunter mehr.

In diesem Sinn,
Björn
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Herr S.

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragDi 2. Aug 2022, 21:17

Moin zusammen,

auf dem Weg zur Arbeit habe bewusst das erste Mal Weinberge gesehen, die per Großsprenger beregnet wurden. Die Wassernot der Reben scheint wirklich kritische Ausmaße nicht nur in meinem zugegebenermaßen besonders trockenen Wingert zu sein. Ein Zukunftsmodell kann das aber nur bedingt sein bei weiterhin sinkenden Grundwasserspiegeln. Vielleicht hätte ich Olivenbäume Pflanzen sollen?

Viele Grüße,
Björn
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UlliB

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 3. Aug 2022, 11:56

Herr S. hat geschrieben:Vielleicht hätte ich Olivenbäume Pflanzen sollen?

In Rust am Neusiedlersee habe ich im Frühjahr mitten in den Weinlagen eine Parzelle mit mehreren Dutzend Olivenbäumen gesehen. Hier will offensichtlich jemand tatsächlich Öl produzieren, und eine Google-Recherche zeigt, dass es da im Burgenland gleich mehrere Betriebe gibt, die daran arbeiten. Und in Südtirol breitet sich der Olivenanbau in ehemaligen Obstplantagen und in tiefer gelegenen Weinbergen auch aus, da wird der Erbhof Unterganzner mit seinem Öl nicht mehr lange allein auf weiter Flur bleiben. Warum also nicht auch in der warmen Pfalz?

In Rust habe ich außerdem noch eine weitere Parzelle in den Weinbergen entdeckt, deren Bepflanzung ich zunächst überhaupt nicht einordnen konnte. Es handelte sich um Pistazien, die auch sehr hitze- und trockenresistent sind. Das wäre vielleicht auch etwas...

Aber ganz im Ernst: man wird in Deutschland zumindest in den ohnehin schon trockeneren Gebieten um eine Bewässerung im Weinbau nicht herumkommen. Es betreiben das ja nicht alle als Hobby, bei dem man in jedem zweiten oder dritten Jahr auf einen Ertrag verzichten kann. Und man muss dafür nicht unbedingt das Grundwasser anzapfen, es gibt schon alternative Konzepte. Aber für die muss man Geld in die Hand nehmen, unter Umständen viel Geld, und dafür ist der Leidensdruck im Moment wohl noch nicht hoch genug.

Gruß
Ulli
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Gerald

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 3. Aug 2022, 12:47

Hallo,

soweit ich weiß (und auch noch kurz in wikipedia & co nachgelesen habe), brauchen Olivenbaum und Weinrebe ähnliche Jahresniederschläge. Zum Überleben reichen ca. 200 mm, für gute Erträge sollten es ab 500 mm sein.

Bei uns war nur früher (vor dem Klimawandel) der Frost ein Problem für die Oliven. Nun hat es bei uns im Weinviertel die letzten 4 Jahre aber kein einziges Mal unter - 10 °C gehabt, man könnte also inzwischen - mit einem gewissen Restrisiko - Oliven bei uns also durchaus auspflanzen. Ob sich das aber wirtschaftlich rentiert, solange noch andere Kulturen gedeihen, keine Ahnung.

Pistazien sind übrigens neben Hitze und Trockenheit auch recht frostfest (ich habe ein paar kleine Bäumchen im Topf). Allerdings wachsen sie sehr langsam und die Ernte ist auch ziemlich mühsam. Ist wahrscheinlich nur eine Spielerei.

Grüße
Gerald
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dylan

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 3. Aug 2022, 19:06

Hier gibt's noch was zum Thema:
https://www.weinkenner.de/was-macht-die ... den-reben/

Grüße

dylan
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UlliB

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 3. Aug 2022, 22:28

dylan hat geschrieben:Hier gibt's noch was zum Thema:
https://www.weinkenner.de/was-macht-die ... den-reben/

Danke für den Link. Der bestätigt meine Befürchtungen: der 2022er wird in Deutschland vermutlich ein 2018er reloaded, möglicherweise sogar ein 2018er reloaded plus. Ich sollte wohl besser ordentlich 21er einkellern.

@Björn:
Was machst Du nun? Wasser herankarren, um die jungen Reben zu retten? Oder überleben die das auch so? - Es soll ja nach den Wetterprognosen in den nächsten zwei Wochen heiß und trocken bleiben, allenfalls gibt es vielleicht mal hier und da einen Gewitterschauer.

Gruß
Ulli
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EThC

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Re: Der eigene Weinberg

BeitragMi 3. Aug 2022, 22:43

UlliB hat geschrieben:Der bestätigt meine Befürchtungen: der 2022er wird in Deutschland vermutlich ein 2018er reloaded, möglicherweise sogar ein 2018er reloaded plus.
...erinnere ich mich falsch oder wurde in 18 nicht auch viel befürchtet und am Ende war's ein natürlich wieder ein Jahrhundertjahrgang. Nicht für mich zwar, aber was zähle ich schon... :roll:
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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