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Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
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EThC

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 11:12

NoTrollingerPlease hat geschrieben:Ich würde am liebsten auch nur nur 82/86 Mouton, 89 HB, 90 La Chapelle, 71 Monfortino, 04 G-Max, 90 RR etc. trinken :D
GENUSS habe ich dann auf jeden Fall in der maximalsten Form.
...und das wird dann nicht maximal langweilig? :?
Viele Grüße
Erich

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NoTrollingerPlease

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 11:31

EThC hat geschrieben:...und das wird dann nicht maximal langweilig? :?


Das ist ja jetzt eine rein hypothetische Diskussion. Aber ich denke, das wird nicht langweilig. Man kann die Liste ja beliebig erweitern um Schampus (Krug Clos de M/A), Süsswein (Egon all night long), Rhone (Guigal und Chave bis zum Abwinken) etc. etc. Wenn Dir auch egal ist, dass Du die Weine mit Familie/Freunden etc. teilst, dann kann das schon funktionieren...
Und ich erinnere mich immer noch mit Erstaunen an die mehrfach gehörte Geschichte (Urban Legend) eines italienischen Adeligen, der angeblich ausschließlich, dafür aber jeden Tag Conti Conti getrunken hat.

Und sind wir mal ganz ehrlich:
Ich bin Riesling Liebhaber und habe den Keller voll mit (für mich) tollen Rieslingen, da belaste ich meine Leber doch auch nicht mehr mit Weinen, die zwar gut sind, aber nicht sooo gut wie andere, die ich auch trinken könnte.
Ich habe z.B. alles an Wittmann 2011 verkauft, weil ich sie langweilig finde und genügend andere 2011er habe, die mir mehr Spaß machen. Es sind gute Weine, die vielen Leuten Spaß machen, aber mir halt in dem Jahr nicht.

Ist das nicht am Ende das selbe was der Ultrareiche macht, nur mit anderen Mitteln?
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amateur des vins

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 12:40

NoTrollingerPlease hat geschrieben:
amateur des vins hat geschrieben:Das sagt natürlich nichts über die Plörre aus, sondern über die Personen. Abgesehen davon sind derart bepreiste Plörren oder Nicht-mehr-so-ganz-Plörren definitv nicht "ihr Geld wert", sofern es um den Genuß geht. In der irrationalen Welt der Spekulation mag das anders sein.
Das würde ich nur zum Teil unterschreiben. Natürlich ist diese Einstellung zu hinterfragen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn ich nicht mehr wüsste, wohin mit meinem Geld und alle anderen Bedürfnisse befriedigt habe und mich stark sozial engagiere, warum sollte ich dann nicht nur das Beste trinken?
Wäre ich unwahrscheinlicherweise in dieser Situation: nicht gänzlich abwegig, daß ich dann auch immer nur "das Beste" trinken wollte. Nur fände ich mich ziemlich armselig, würde ich das statt mit meinen Papillen mit dem Bankkonto beurteilen.

Im übrigen ist zu hinterfragen, welchen "Wert" für diese Leute die > 1k€-Weine haben, wenn der Preis im Rauschen untergeht: Möglicherweise bemißt sich dieser dann nicht im Sinnlichen, sondern über Status...?
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 13:04

NoTrollingerPlease hat geschrieben:Ich bin Riesling Liebhaber und habe den Keller voll mit (für mich) tollen Rieslingen, da belaste ich meine Leber doch auch nicht mehr mit Weinen, die zwar gut sind, aber nicht sooo gut wie andere, die ich auch trinken könnte.
amateur des vins hat geschrieben:Wäre ich unwahrscheinlicherweise in dieser Situation: nicht gänzlich abwegig, daß ich dann auch immer nur "das Beste" trinken wollte. Nur fände ich mich ziemlich armselig, würde ich das statt mit meinen Papillen mit dem Bankkonto beurteilen.
...ich habe tatsächlich das Bedürfnis, mich regelmäßig "zu erden". Also nicht immer nur Freakstuff wie Werlitsch, Wasenhaus, Partida Creus, Pranzegg oder Philippe Bornard saufen (was mittlerweile meinem Haupt-Beuteschema entspricht), sondern auch regelmäßig was aus den klassischen Ecken, sowohl im (für mich) Hoch- wie Tiefpreissegment. Sonst würde ich das irgendwann nicht mehr zu schätzen wissen. Bilde ich mir zumindest ein...
Viele Grüße
Erich

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jessesmaria

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 13:52

Rein hypothetisch: Würde Geld überhaupt keine Rolle spielen, würde ich natürlich all diese berühmten Weine kaufen und trinken, einfach, um sie zu kennen und mir nichts entgehen zu lassen; aber damit ist ja noch nicht gesagt, dass ich sie schlussendlich alle grundsätzlich besser fände und nur mehr diese meinem sensorischen Anspruch genügen würden, hingegen etwa alle deutschen Weine (außer eigenen Süßweinen von Egon Müller und vielleicht ein paar weiteren äußerst seltenen Ausnahmen von vierstelligem Wert) keine Spur Genuss mehr böten ("Plörre").
Ich vermute eher, dass beispielsweise das erwähnte BW Kirchenstück in seiner Art vielleicht gar nicht besser geht und vielmehr betrachtet werden muss wie ein Kunstwerk, sagen wir eine exzellente barocke Kammersonate, die ja nicht dadurch entwertet wird, dass die Sinfonie L. v. Beethovens in gewisser Hinsicht noch ambitionierter und monumentaler ist, bzw. einfach gar nicht damit konkurriert. Ein Kunstlieber, der da mit völlig falschen Maßstäben messen würde, wäre ein Stümper. Ein Weintrinker, der die besten deutschen Rieslinge für Plörre hält, da kein Lafite, fällt für mich in eine ähnliche Kategorie.
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NoTrollingerPlease

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 14:28

jessesmaria hat geschrieben: aber damit ist ja noch nicht gesagt, dass ich sie schlussendlich alle grundsätzlich besser fände u
...
.


Etwas zu tun (z.B. trinken), nur weil es "in ist", mir aber nicht wirklich gefällt ("schmeckt") ist natürlich Blödsinn und ich kenne auch niemanden, der das tut. Wenn ich z.B. nur Süsswein trinken würde, dann würde ich halt in dem Segment alles trinken, was gut ist. Dummerweise korreliert halt sehr oft Qualität und Preis. Z.B. sind die Trierer Auktionsweine im Allgemeinen immer einen (kleinen) Tick besser, als die "normalen". Sind sie den z.T. heftigen Aufpreis wert? Damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage... Wenn ich nur das Beste möchte, dann ja :D

Und am Ende geht es halt oft, wie bei jeder Sammelleidenschaft auch etwas um "Distinktion". Mich beeindrucken z.B. bestimmte Märklin Modelle nicht die Bohne, andere bekommen ein feuchtes Höschen nur beim ansehen :D Meine nicht weinaffinen Freunde stehen vor meiner Wohnzimmervitrine und fragen mich, warum ich so hässliche Flaschen mit orangen Etiketten da rum stehen habe.
Viele deutsche Weine haben außerhalb von DE keine "Marke". Ich bin viel auf Wineberserkers und CellarTracker unterwegs und dort kennt man oft nur Egon, JJP und so langsam KPK.
Natürlich gilt diese Aussage nicht für alle Weinfreunde und es gibt auch da Ausnahmen. Ich habe Weinfreunde, die zu Tastings liebend gerne high-end Burgund aufmachen, wenn ich alte Grünhaus Auslesen mitbringe. Aber das sind dann wahre Connoisseure und die sind leider selten...
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jessesmaria

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 15:32

NoTrollingerPlease hat geschrieben:Etwas zu tun (z.B. trinken), nur weil es "in ist", mir aber nicht wirklich gefällt ("schmeckt") ist natürlich Blödsinn und ich kenne auch niemanden, der das tut.


Klar, aber eine so handfeste Korrelation von Preis und Qualität würde ich infrage stellen. Wenn es sich um Weine desselben Winzers handelt, ist das natürlich ziemlich sicher so (wobei man dann freilich voraussetzt und begründen können muss, dass es eine Qualität "subjektiver Allgemeinheit" gibt, also nicht nur für die jeweils urteilende Person gültig, wie bei Geschmacksurteilen häufig angenommen wird).
Wenn Herr von Schubert also ein Auslese aus einem einzelnen Fass, das sich als ganz besonders gut erwiesen hat, exklusiv und deutlich teurer verkauft, ist die Korrelation von Preis und Qualität wohl schon da. Bei Weinen gleicher Art (z. B. Ruwerriesling) kann man darüber diskutieren (und offensichtlich unterschiedlicher Meinung sein, siehe hier). Aber mit einem Lafite könnte man diese Auslese doch gar nicht vergleichen, auf welcher Grundlage könnte man urteilen, dass sie demgegenüber qualitativ abfällt (jenseits äußerlicher Merkmale wie dass sie bestenfalls einen dreistelligen Preis erzielt)?
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Leo

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 17:42

Hallo Forum,
als bekennendem Rieslingfreund ( vorwiegend klassisch trocken ) ist mir der rasante Preisanstieg dieser Weine vor allem im Premiumbereich natürlich nicht verborgen geblieben. Kein Vergleich zu Burgund, aber immerhin.
Auch wenn ich mich für einen schon vernunftgesteuerten Menschen halte, dem Statussymbole wie Häuser, Autos und teure Kleidung wenig bedeuten, werde ich beim Thema Top-Riesling doch ( gerne ) immer wieder schwach.

Ich genieße diese Weine mit allergrößtem Respekt vor der Natur und ihren Erzeugern, da spielt der Preis nicht die Hauptrolle, nur mein Geschmacks- und Genußerlebnis.
Ich kaufe diese Weine, um sie selbst oder im kleinen Kennerkreis zu genießen, Geschäftemacherei und Spekulationsgedanken sind mir dabei fremd.

Unser Leben ist endlich und meine Leber auch nicht endlos belastbar. Deswegen steht bei mir Qualität immer weit über Quantität. Und wenn ein Riesling dann mal dreistellig bepreist ist und mich begeistert, dann greife ich gerne auch noch einmal nach.

Klartext: Seit über 10 Jahren bin ich ( mehr als ) zufriedener Bezieher der jährlichen Keller-Kiste, liebe auch die GGs von E-S, Dönnhoff,B-W und Wegeler ( Rheingau ), seltener Grünhaus,Wittmann und Rebholz.
Um mich zu "erden", weiß ich aber auch Weine wie Schieferkristall ( Karthäuserhof ),Mineral ( E-S ), Tonschiefer ( Dönnhoff) und von der Fels ( Keller) sehr zu schätzen.

Ich habe gelernt, im Leben Prioritäten zu setzen, und meiner Rieslingleidenschaft gebe ich mich wieder gerne hin.

Gruß Leo
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glauer

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 22:07

Bezüglich "günstigerer" Weine bin ich nicht der Ansicht die seien vor allem zur Erdung notwendig. Davon gibt es etliche die braucht es einfach, weil sie in bestimmten Situation viel besser passen und mir auch mehr Freude bereiten als die teuren Flaschen. Dolde Silvaner, Rebholz Riesling "Ökonomierat", Trollinger von Knauss oder Beurer (und noch einige andere), mit was sollte man die ersetzen (wollen)? Ich habe mit solchen Weinen regelmassig Momente wo ich denke das war jetzt ein 100 Punkte Gesamterlebnis - her mit der nächsten Flasche.
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Bernd Schulz

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Re: Absurd teuer und trotzdem ihr Geld wert

BeitragSo 9. Jan 2022, 22:30

glauer hat geschrieben:Bezüglich "günstigerer" Weine bin ich nicht der Ansicht die seien vor allem zur Erdung notwendig. Davon gibt es etliche die braucht es einfach, weil sie in bestimmten Situation viel besser passen und mir auch mehr Freude bereiten als die teuren Flaschen. Dolde Silvaner, Rebholz Riesling "Ökonomierat", Trollinger von Knauss oder Beurer (und noch einige andere), mit was sollte man die ersetzen (wollen)? Ich habe mit solchen Weinen regelmassig Momente wo ich denke das war jetzt ein 100 Punkte Gesamterlebnis - her mit der nächsten Flasche.


Genauso verhält es sich auch für meine Begriffe! Ein schlichter (aber natürlich seriös erzeugter) Trollinger kann mir im passenden Moment als Essensbegleiter durchaus mehr "Weinglück" vermitteln als ein hochkarätiger BDX in einer betriebsmäßigen Verkostungsveranstaltung. :!: :!:

Herzliche Grüße

Bernd
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