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Welcher Wein eignet sich für Veganer?

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
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harti

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragMi 21. Sep 2011, 23:12

Erdener Prälat hat geschrieben:Hallo Harti,

kann es sein daß Du Tierhaltung mit "(Massen-)Tierhaltung in industrieller Landwirtschaft" gleichsetzt?
Nutztierhaltung in extensiverem Rahmen ist essentiell für den Erhalt der (mittel)europäischen Kulturlandschaft einschließlich ihrer Artenvielfalt. Als nicht ganz Fachfremder kann ich das bei Interesse gerne erläutern:-)

Beste Grüße

Hallo Jochen,

in der Tat setze ich das gleich, denn der größte Teil der von Tieren gewonnenen Produkte stammen nun mal aus intensiver Nutztierhaltung. Der geringe Anteil von extensiv ökologisch oder konventionell erzeugten Produkten ändert an dem Gesamtbild nichts.

Wenn extensive Nutztierhaltung zum Erhalt der Kulturlanschaft beiträgt, dann hat sie natürlich ihre Berechtigung. Den aktuellen Verbrauch kann diese Wirtschaftsweise aber nicht decken. Das würde nur gelingen, wenn wir alle (mich eingeschlossen!) unseren Konsum mäßigen würden.

Grüße

Hartmut
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Gerald

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragDo 22. Sep 2011, 08:19

Hallo,

Nutztierhaltung in extensiverem Rahmen ist essentiell für den Erhalt der (mittel)europäischen Kulturlandschaft einschließlich ihrer Artenvielfalt.


wobei ich - zumindest wenn man den geographischen Horizont weiter ansetzt - die "Kulturlandschaft" aus ökologischer Sicht nicht immer nur positiv sehen würde. Gerade dort, wo Weidewirtschaft mit Schafen oder Ziegen betrieben wird, verhindern diese ja jegliches Wiederaufkommen eines natürlichen Bewuchses (z.B. Wald). Ganz anschaulich war das auf einer schottischen Hebrideninsel (ich glaube North Uist) zu sehen, wo nur auf ein paar Inselchen - wo die Schafe nicht hinkommen - ganz normale Bäume gewachsen sind, der Rest war die bekannte baumlose Heidelandschaft.

Oder - ökologisch wesentlich bedenklicher - in trockenen Gebieten z.B. Südeuropas , wo dadurch Versteppung und Erosion gefördert werden.

Zusammenfassend kann man sicherlich konstatieren, dass es viele Umweltprobleme nicht gäbe, wenn jeder nur 1 x pro Woche (wie in früheren Zeiten) Fleisch konsumieren würde ...

Grüße,
Gerald

P.S. Dass die "Kulturlandschaft" Weinberg auch nicht das Wahre aus ökologischen Gesichtspunkten ist, muss man wohl nicht extra erwähnen :cry:
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Gerald

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragMi 24. Apr 2013, 12:41

Zu dem Thema gibt es auch einen Artikel im Standard (online):

http://derstandard.at/1363708468562/Veganer-Wein

Viel Neues zum Thema findet man da zwar auch nicht (wie in den meisten Artikeln von Fr. Schrampf), aber vermutlich ist das auch nicht das Hauptziel in einer Tageszeitung ...

Grüße,
Gerald
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MichaelWagner

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragDo 25. Apr 2013, 14:04

Hallo,

ich war bis vor ca. einem halben Jahr der Meinung dass meine Weine absolut vegan seien, da ich nullkommanull Schönungsmittelchen einsetze. Dann hat man mich darauf hingewiesen, dass beim Fahren mit dem Schlepper durch den Weinberg Bodentiere umkommen und ich ein Leimetikett benutze und der Leim garantiert nicht gelatinefrei sei.

Da habe ich dann zum einen verstanden wie kompliziert das Ganze ist und zum anderen entschieden, dass mein Leben doch eher ein wenig Vereinfachung verträgt :shock:

Nix für ungut an alle die Bock auf vegan haben und vielleicht einsehen, dass man das wohl nur mit Abstrichen sein kann!
wenns läuft, dann läufts. Aber bis es läuft, dauerts...
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Torsten_f

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragFr 26. Apr 2013, 09:16

Sieht fast aus, als muesste man die Frage umdrehen ... Welcher Veganer eignet sich fuer Wein ... :)
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catwithpockets

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Re: Welcher Wein eignet sich für Veganer?

BeitragMi 19. Okt 2022, 01:31

So, nach Jahren der Stille melde ich mich mal als vegan lebendes Etwas zu Worte.
Zunächst mal sollte geklärt werden, welche Definition von Veganismus man behandeln möchte. Die älteste, am weitesten verbreitete und pragmatistische Definition kommt von der Vegan Society, der ersten veganen Bewegung und Inhaber des Vegan-Labels mit der Blume. Hier nach wird Veganismus als Philosophie definiert, nach der tierisches Leben durch das Vorhandensein von Schmerzempfindungen über den Reiz- und Reflexmechanismus anderer Lebensformen hinaus, besonders schützenswert sind und daher vermeidbares Tierleid nach Möglichkeit minimiert werden sollte, ohne dabei erheblich an Lebensqualität einzubüßen oder die eigene Gesundheit gar hinten anzustellen.
Insofern wird das Leid von Tieren beim Ackerbau nicht als legitimer Kollateralschaden angesehen, sondern als unvermeidbaderes Leid zum eigenen Selbsterhalt, welches stets den Möglichkeiten entsprechend weiter reduziert sowie die Möglichkeiten dafür weiter entwickelt werden sollten.

Daher geht man wie folgt ran:
Wurden tierische Rohstoffe für ein Produkt A verwendet oder tierische Leistungen für Produkt A angewandt oder aber in anderer Weise Tiere für A geschädigt oder ausgebeutet?
- falls Nein, dann is'es vegan.
- falls Ja, dann: Gibt es eine Alternative zu diesem Produkt (bspw. Haferdrink statt Milch)?
- falls Ja, dann ist A nicht vegan
- falls nicht eindeutig klärbar oder nein: Ist das Produkt für die eigene Gesundheit oder Lebensqualität wirklich wichtig oder kann man darauf bedenkenlos verzichten?
- Falls Verzicht möglich, dann ist A ebenfalls nicht vegan.
- Falls A für die Gesundheit wichtig ist und keine vegane Alternative besteht: Gibt es eine Alternative mit weniger Leid (bspw. eine vegetarische)?
Falls ja, dann ist A nicht vegan, die Alternative aber.
Falls nein: Wenn keine bessere Alternative besteht & A wichtig für die Gesundheit oder das Leben in einem Mindestmaß an gutem Wohlstand in der Gesellschaft einschließlich der gesellschaftlichen Teilhabe notwendig ist, dann ist das Produkt vorerst vegan, bis eine bessere Option frei verfügbar ist. Daher sind auch Impfungen als vegan einzustufen, da 1) kaum vegane Alternative zur Stabilisierung der Impfstoffe genutzt werden, obwohl für die meisten Fälle vegane Alternativen bestehen, und 2) es kein Kontrollinstrument des Verbrauchers gibt, dies nachzuweisen. Dennoch wäre es dann moralisch notwendig, sich gleichermaßen um vegane Impfungen politisch zu engagieren. Genauso verhält es sich mit LCDs aus tierischem Cholesterin, da ohne Monitore und Fernseher kaum eine gesellschaftliche Teilhabe im heutigen Zeitalter umfangreich möglich wäre, zumal es dank Synthetisierungsverfahren eh mittlerweile möglich ist, die Bildschirme ohne direktes Tierleid zu produzieren.

Ist Wein nun also vegan?
Alleine von der Bewirtschaftung her lässt sich dies zumindest nicht abstreiten. Das tierische Leid auf dem Acker ist kaum vermeidbar, außer dadurch auf den Anbau zu verzichen. Gerade der Weinbau gilt als besonders ökologisch schädlich und daher ist der Weinkonsum allgemein so zu hinterfragen.
Bei der Produktion sieht's schon deutlich anders aus. Hier werden häufig Methoden angewandt, welche klar die Ausbeutung von Tieren zumindest in soweit unterstützen, als das Geld für die Schlachtreste bezahlt und so das System der Massentierhaltung weiter finanziert wird. Mit tierischen Produkten geklärter Wein ist prinzipiell nicht vegan und das trifft auf fast alle deutschen Weine zu.

Ist koscher Wein vegan?
Da meine Recherchen immer nur generische Weinliebhaber und Veganer umfasste, habe ich einen befreundeten Weinliebhaber aus der jüdischen Gemeinde befragt.
Seine Antwort: Jain.
In der Theorie darf der Wein tierische geklärt werden, in der Praxis wäre es dann aber so schwer, sicherzustellen, dass keine treife (Gegenteil von koscher) Tiere verwendet wurden, dass der Wein meist vegan produziert wird.

Nun, damit ist leider eine Abwägungssache. Koscher Wein liegt in einer Grauzone der Veganismus-Definition. Ich für meinen Teil würde ihn daher nur trinken, wenn er mir zu einem Anlass gereicht wird, um den Akt des Respekts zu begegnen. Genauso würde ich den mir so geschenkten koscher Wein annehmen und verköstigen.
Ich bin allerdings auch kein besonderer Weinliebhaber. Es gibt sicherlich Menschen, welche viel mehr am Wein hängen und ihnen möchte ungern den Wein verwehren, nur weil er potentiell nicht vegan sein könnte.

Koscher Wein lohnt sich übrigens:
Koscher Wein wird nach uralten Regeln weit strenger als das Reinhaltsgebot in seiner Urfassung produziert. Damit ist koscher Wein garantiert kein Massenprodukt, dass bis zur Geschmacksverlust geklärt und anschließend nach aromatisiert wird, um eine beständige Qualität in möglichst großer Quantität zu gewährleisten. Bei koscher Wein entscheidet die Auslese noch über seine Qualität und das macht den koscher Wein zu einem Qualitätsprodukt.
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